Sachstandbericht Mobile Jugendarbeit in Forst / Driescher Hof
FB 45/0618/WP18 · Kenntnisnahme
Beratung
Frau Scheidt begrüßt Frau Ibrahim (D‘Hof) und Herrn Wenning (WABe), die anhand einer Powerpoint-Präsentation (s. Anlage zur Niederschrift im Ratsinformationssystem) die mobile Jugendarbeit im Bereich Forst / Driescher Hof vorstellen.
Frau Scheidt dankt den beiden für den ausführlichen Vortrag. Sie stelle fest, dass in den vergangenen 12 Monaten viel erreicht worden sei. Man habe sich im Vorfeld sehr intensiv mit dem Projekt befasst. Auch wenn dies zu einer zeitlichen Verzögerung des Projektstarts geführt habe, habe sich diese Auseinandersetzung gelohnt.
Herr Tillmanns bedankt sich ebenfalls für den guten Vortrag und die Vorlage, welche die hohe Bedeutung der mobilen Jugendarbeit gerade in diesem Bereich hervorhebe. Es handele sich um ein gutes Beispiel, um ein Stadtviertel zu ertüchtigen und eine neue Form von Jugendarbeit zu etablieren. Ihm würden allerdings konkrete Aussagen zur Weiterfinanzierung des Projektes in der Vorlage fehlen. Die finanzielle Förderung des Projektes ende laut aktueller Beschlusslage am 31.12.2024. Im Rahmen der Haushaltsberatungen für das Jahr 2021 ff. sei die Einrichtung der mobilen Jugendarbeit mitgetragen, als Projektzeitraum seien die Jahre 2021-2024 festgelegt worden. Erst im September 2022 habe der Ausschuss die Satzung für den eigens gegründeten Beirat beschlossen. Dies habe den Auftakt für die Trägersuche gebildet. Im April 2023 seien die Bewilligungsbescheide an die beiden Träger D‘Hof und WABe ergangen. Die Arbeit sei im August/September 2023 aufgenommen worden. Sofern das Projekt tatsächlich zum 31.12.2024 ende, sei es nur ein Jahr gelaufen, statt der ursprünglich beschlossenen vier Jahre. Er erkundigt sich danach, ob es zwischenzeitlich Abstimmungen der Verwaltung mit den Trägern zum weiteren Vorgehen gegeben habe. Seiner Ansicht nach müsse das Projekt – wie beschlossen – für vier Jahre laufen. Daher müsse nach einer Möglichkeit gesucht werden, es zu verlängern. Hier stelle sich ihm die Frage, wie diese Möglichkeit aussehen könne: ob nun heute ein entsprechender Beschluss des KJA gefasst werden könne oder ob die Haushaltsberatungen abgewartet werden müssten. Da diese voraussichtlich erst Anfang 2025 stattfinden würden, wäre dies zu spät für eine lückenlose Anschlussfinanzierung über den 31.12.2024 hinaus. Die Träger würden eine Arbeits- und Planungssicherheit benötigen. Er empfehle daher dringend eine heutige Beschlussfassung dahingehend, dass die Weiterfinanzierung nicht erst Anfang 2025 beraten werde. Andernfalls befürchte er, dass die bisher geleistete Arbeit umsonst gewesen sei.
Herr Simons dankt ebenfalls für den hervorragenden Vortrag. Auch er plädiere dafür, dass die Thematik nun weiterverfolgt werde.
Frau Haring erkundigt sich danach, wie groß die jeweiligen Gruppen junger Menschen seien.
Frau Ibrahim erläutert, dass die Anzahl der jungen Menschen stark abhängig sei von der Jahreszeit und des Wetters. Ebenso habe sie schnell gemerkt, dass die Jugendlichen in ihren Bereichen rotieren würden. In Schönforst treffe sie regelmäßig mindestens 3 Gruppen. Jede dieser Gruppen umfasse 5-9 Jugendliche.
Frau van der Meulen betont die Wichtigkeit der mobilen Jugendarbeit. Sie selbst arbeite auf städteregionaler Ebene mit den Erwachsenen, die als Jugendliche eben nicht aufgefangen und unterstützt worden seien. Sie erkundigt sich, ob es Vernetzungen mit anderen mobilen Jugendarbeiten entweder in andren Bezirken oder in der StädteRegion gebe.
Herr Wenning berichtet, dass es bereits mehrere Treffen mit dem Streetworker in Aachen gegeben habe und dort ein Austausch stattfinde. Frau Ibrahim und er seien auch Gäste im Arbeitskreis „Niederschwelligkeit“ gewesen und hätten sich dort vernetzen können.
Frau Ibrahim ergänzt, dass sie an einem nrw-weiten Workshop mit Teams aus anderen Kommunen – auch aus Herzogenrath und Stolberg – teilgenommen habe.
Frau Frenzel berichtet, dass vom SKF ein Nachbarschaftstreff in der Robert-Koch-Straße angeboten werde mit dem Ziel, junge Menschen zu unterstützen. Hierbei habe sie festgestellt, dass auffällig viele junge Mädchen und Frauen das Angebot in Anspruch nehmen und den SKF als Zufluchtsort sehen würden. Darüber hinaus plädiere sie, mit den gewonnenen Erkenntnissen weiter zu arbeiten und diese zu nutzen. In diesem Zusammenhang greift sie das Beispiel aus Unterforst auf, wo Jugendliche mangelnde Beleuchtung angemerkt hätten.
Frau Schmitt-Promny stellt die Verschiedenartigkeit der Stadtteile in Forst fest. Aufgrund des vielfach geäußerten Wunsch der Jugendlichen nach einem Treffpunkt solle nach Möglichkeiten gesucht werden, diesem nachzukommen. Als Beispiel benennt sie offene Jugendeinrichtungen, die mit genutzt werden könnten. Bezugnehmend auf das Gefühl der jungen Menschen „unerwünscht“ zu sein, erkundigt sie sich, ob und in welchem Ausmaß sich Anwohnende und andere Erwachsene tatsächlich über die Jugendlichen beschwert hätten. Zudem erkundigt sie sich nach der Resonanz der Jugendlichen auf die mobile Jugendarbeit und wie die Angebote angenommen würden.
Frau Ibrahim berichtet, dass sich viele Jugendliche früher im hinteren Bereich der Kirche in Forster Linde getroffen hätten. Nach Berichten der dortigen Anwohnenden und Einrichtungen könne sie bestätigen, dass die Jugendlichen von dort verdrängt worden seien. Ältere Menschen hätten sich bei Stadtverwaltung und Polizei beschwert, der Spielplatz wäre zurückgebaut worden, weil sich Jugendliche abends dort aufgehalten hätten. Es habe sich um einen Prozess gehandelt. Aktuell würde man abends eher Jugendliche zwischen 18-24 Jahren antreffen. In Schönforst hingegen gebe es bestimmte Plätze, an denen man junge Menschen antreffen könne. Aber auch dort bestehe ein Bedarf an überdachten Plätzen und Beleuchtung. Junge Menschen würden sich auf dem Schulhof der Grundschule aufhalten, dies sei aber offiziell nicht erlaubt. Daher würden viele Jugendliche ihre Freizeit in Brand oder der Innenstadt verbringen, auch das Parkhaus der Aachen Arkaden an der Trierer Straße sei ein beliebter Treffpunkt. Dies sollte aber nicht das Ziel sein. Die Jugendliche würden einen Raum benötigen, in dem sie sich frei aufhalten dürften.
Frau Ophoff bedankt sich für die Arbeit vor Ort und berichtet, dass sich die AG Behindertenhilfe ebenfalls in Unterforst für Kinder mit Behinderung engagiere. Sie bestärke die Notwendigkeit, dass Räume und Treffpunkte benötigt würden. In Unterforst gebe es nur einen Bauwagen, welcher von den Falken betrieben werde. Sie erkundigt sich danach, ob sie es richtig verstanden habe, dass der Bereich Unterforst aus dem ISEK (= Integriertes Stadtentwicklungskonzept) herausgenommen werden solle. Falls dies beabsichtigt sei, bittet sie darum, dies nochmals zu überdenken.
Frau Scheidt weist darauf hin, dass aktuell nicht vorgesehen sei, dass ein Stadtteil aus dem ISEK genommen werde. Sie sei sich sicher, dass alle am ISEK beteiligten Akteure am Erhalt des Fördergebiets interessiert seien.
Frau Hoffmann dankt ebenfalls für die wertvolle Tätigkeit und bestätige, dass die Arbeit mit jungen Menschen sehr zeitintensiv sei. Die mobile Jugendarbeit leiste auf mehreren Ebenen wichtige Beziehungs- als auch Netzwerkarbeit. Sie bittet daher ebenfalls darum, genau zu prüfen, wie das Projekt fortgeführt werden könne. Es sei fatal, wenn die geleistete Arbeit umsonst gewesen sei.
Frau van der Meulen regt an, Synergien im Stadtteil zu nutzen. In der vergangenen Woche sei ein Stadtteilbüro in Forst eröffnet worden, wo ebenfalls viele gute Projekte initiiert würden. Gegebenenfalls könne dort eine Vernetzung stattfinden.
Herr Wenning bestätigt, dass bereits ein Austausch dahingehend stattfinde.
Frau Jansen freue sich über die positiven Rückmeldungen im Ausschuss. Sie sei selbst sehr davon beeindruckt, was in der kurzen Zeit an Beziehungs- und Netzwerkarbeit geleistet worden sei. Auch die OT Driescher Hof stelle sich die Frage, wie das Projekt weitergehen könne. Bezugnehmend auf die Äußerungen von Herrn Tillmanns erkundigt sie sich ebenfalls nach einer Möglichkeit, ob finanzielle Mittel ohne einen Haushaltsantrag eingestellt werden könnten.
Frau Scheidt betont, dass die Fortsetzung und Förderung des Projektes nicht in der heutigen Sitzung beschlossen werden könne. Hierfür benötige es einen Termin von Seiten der Verwaltung. Sie sei aber überzeugt davon, dass eine gute Lösung gefunden werde.
Herr Brötz erläutert, dass die Verwaltung einen Austausch mit der Kämmerei und den beiden Trägern koordinieren werde, wenn es eine positive Bereitschaft des Ausschusses gebe, das Projekt fortzusetzen. Es sei aber nicht möglich, heute eine Entscheidung zu treffen, durch die Haushaltsmittel gebunden würden. Dies würde auch mit dem bisherigen Vorgehen im Ausschuss brechen und es sei nicht gerecht gegenüber anderen Trägern.
Frau Scheidt schließt sich dem Beitrag von Herrn Brötz an. Alle Träger müssten gleichbehandelt werden. Sie sei überzeugt davon, dass bis Jahresende noch weitere Anträge von anderen Trägern eingehen würden.
Herr Tillmann bekräftigt, dass auch er der Fortsetzung des Projektes grundsätzlich positiv gegenüberstehe. Allerdings könne das Verfahren der Haushaltsberatungen nicht geändert werden. Im vergangenen Jahr habe es ebenfalls im Vorfeld der Haushaltsberatungen Diskussionen um die weitere Förderung von Projekten gegeben. Auch wenn das Anliegen der Träger nach einem Signal nachvollziehbar sei, unterstütze er den Vorschlag im Sinne der Gleichbehandlung aller Träger. Der Austausch müsse jedoch zeitnah erfolgen. Bisher sei es aber immer gelungen, gute Lösungen zu finden.
Herr Tillmanns erläutert, dass er das Argument der Gleichbehandlung aller Träger gut verstehen und auch grundsätzlich mittragen würde. Er bewerte den vorliegenden Fall allerdings anders. Der Kinder- und Jugendausschuss habe den beiden Trägern eine Aufgabe übertragen. Die zugrunde liegende Finanzierung ende zum 31.12.2024. Die Haushaltsberatungen – in welchen dann über die weitere Förderung beraten werde – stünden erst Anfang 2025 an, der Haushalt selbst erhalte voraussichtlich Mitte des Jahres seine Rechtskraft. Dies hätte zur Folge, dass die Träger gut ein halbes Jahr in eine Vorleistung treten müsse. Er frage sich, wo die Träger die Mittel hierfür auftreiben sollten.
Frau Scheidt betont, dass bislang kein Antrag der Träger auf Verlängerung der Förderung vorliege. Die Vorlage liege lediglich zur Kenntnisnahme vor. Wenn nun der Vorschlag der Verwaltung auf Koordination eines Austauschs aufgegriffen werde, würde der Ausschuss bereits einen Schritt weitergehen. Ein noch verbindlicherer Beschluss könne heute nicht gefasst werden. Sie schlägt vor, den Beschlussvorschlag dahingehend zu ergänzen, dass der KJA der Fortsetzung positiv gegenüberstehe und die Verwaltung beauftragte, im Sinne einer Weiterführung über das Jahr 2024 hinaus einen kurzfristigen Termin mit der Kämmerei und den Trägern zu finden.
Frau Schmitt-Promny bringt ihre Verärgerung über die plötzliche negative Stimmungslage in der Diskussion zum Ausdruck. Aus den Wortbeiträgen sei ihrer Ansicht nach deutlich geworden, dass der Ausschuss die mobile Jugendarbeit für wichtig erachte und die Fortsetzung der Förderung anstrebe. Dennoch könne keine Vorfestlegung für den Haushalt erfolgen. Sie erkundigt sich danach, ob die mobile Jugendarbeit Bestandteil des ISEK werden könne.
Herr Brötz ergänzt, dass das ISEK einen Fokus auf die Bereiche Forst, Driescher Hof und Schönforst lege. Es habe nun eine Änderung der Landesrichtlinie gegeben, die möglicherweise dazu führen werde, dass das Gebiet eingeschränkt werden müsse. Die finale Entscheidung hierzu stehe aber noch aus. Das Thema werde dann sowohl im Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie sowie im Rat beraten. Im Kern verfolge das ISEK den sozialen Zusammenhalt, sodass grundsätzlich eine Anschlussfähigkeit der mobilen Jugendarbeit denkbar sei. Dies könne aber voraussichtlich erst ab 2027 erfolgen.
Frau van der Meulen erkundigt sich danach, ob der Träger nicht vor den Sommerferien einen Antrag auf Fortsetzung ab 2025 gestellt habe.
Frau Scheidt erläutert, dass ein solcher Antrag nicht vorläge, andernfalls wäre er der Vorlage beigefügt worden. Mit der von ihr vorgeschlagenen Erweiterung des Beschlussvorschlages würde sich der Ausschuss für eine Fortsetzung öffnen ohne die anderen Träger schlechter zu stellen.
Herr Tillmanns könne dem Vorschlag zwar grundsätzlich zustimmen. Dennoch sei er verstimmt über die aktuelle Situation. Seiner Ansicht nach sei allen Beteiligten bewusst gewesen, dass das Projekt und die Förderung am 31.12.2024 auslaufen werde. Er könne sich daher nicht vorstellen, dass in den letzten Monaten keine Gespräche dahingehend geführt worden seien.
Herr Kaldenbach bestätigt, dass das Projektende zum 31.12.2024 keine neue Information sei. Es handele sich um eine befristet finanzierte Maßnahme, dies sei allen bewusst gewesen. Es habe natürlich Gespräche mit den Trägern gegeben. Bisher sei es aber gängige Praxis bei befristet finanzierten Projekten gewesen, dass sich diese nach den Sommerferien im Ausschuss präsentiert hätten, sodass damit eine gute Grundlage für die kommenden Haushaltsberatungen geschaffen worden sei. In Anlehnung dessen sei die Vorstellung der mobilen Jugendarbeit auf die heutige Tagesordnung gesetzt worden. Auch wenn man ein positives Signal geben könne, sei es nicht möglich, den Haushaltsberatungen formal vorzugreifen.
Frau Scheidt bekräftigt daher erneut den erweiterten Beschlussvorschlag. Dieser drücke die Bereitschaft aus, das Projekt weiterzuführen.
Es wird daher über den erweiterten Beschlussvorschlag abgestimmt.
Beschluss
Erläuterungen
- Ausgangslage
In der Sitzung des Kinder- und Jugendausschuss am 17.01.2023 wurde beschlossen, die Trägerschaft für die Mobile Jugendarbeitim Sozialraum 6 für die Dauer der Projektlaufzeit bis 31.12.2024 auf die freien Träger Kinder- und Jugendhilfe Driescher Hof e.V. (D-Hof) und WABe-Akazia gGmbH (WABe) zu übertragen.
Die Träger konnten die Tätigkeit im August 2023 (D-Hof) beziehungsweise im September 2023 (WABe) aktiv aufnehmen.
In der gemeinsamen Abstimmung zwischen den Trägern und der Fachabteilung Jugend im Sommer 2023 wurde beschlossen, dass die räumliche Aufteilung nach dem jeweiligen Standort der trägereigenen Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Sozialraum 6 erfolgt. Anhand dieser Standorte werden die Lebensbereiche
- Schönforst und Forster Linde vom D-Hof und
- Forst und Unterforst von der WABe
abgedeckt.
Die hier beschriebene Mobile Jugendarbeit ergibt sich aus den rechtlichen Rahmenbedingungen der §§ 1, 11 und 13 SGB VIII und orientiert sich an den fachlichen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Streetwork/Mobile Jugendarbeit NRW e. V. (https://www.streetwork-nrw.de/wp-content/uploads/2020/04/Leitlinien-2018-JAN-WEB.pdf).
Der Begriff Mobile Jugendarbeit wird oftmals im Namen mit dem Arbeitsfeld Streetwork verknüpft und stellt als Streetwork/Mobile Jugendarbeit ein eigenständiges Aufgabenfeld der Sozialen Arbeit dar. Hierbei orientiert sich die Mobile Jugendarbeit mit ihrer konzeptionellen Ausrichtung stärker an das Gemeinwesen und setzt die Schwerpunkte in freizeitpädagogische bzw. soziale Gruppenarbeiten in sozialräumlich orientierten Projekten.
Streetwork hingegen hat einen deutlichen Milieu-/Cliquenbezug und das Ziel der Hinführung junger Menschen in Hilfesysteme.
- Sachstand Mobile Jugendarbeit in Forst / Driescher Hof
In der Beobachtung des D-Hof sind die beiden Lebensräume Schönforst und Forster Linde mit aktiven, lebensweltorientierten Angeboten für die Jugendlichen auszubauen, die gleichzeitig als Treffpunkte oder Aufenthaltsräume dienen.
Im Rahmen der regelmäßigen aufsuchenden Arbeit und der Teilnahme an Netzwerk- und Kooperationstreffen konnten bereits mit wenig Aufwand mehrere Einrichtungen dazu bewegt werden Möglichkeiten der Raumnutzung für Indoor-Angebote zu schaffen. Der D-Hof setzt hier gezielt auf die Vernetzungsarbeit, so dass die Jugendlichen auch an kalten Tagen oder bei schlechtem Wetter erreicht werden können. Zudem arbeitet der D-Hof gezielt daran weitere Angebote in Kooperation mit anderen Einrichtungen zu installieren.
Aktuell ist die Mitarbeiterin des D-Hofs mittwochs bis freitags, sowie an manchen Wochenendtagen, zwischen 15:00 und 20:00 Uhr in den Stadtteilen präsent. Die Einrichtungen befürworten die Pilotstelle der Mobilen Jugendarbeit und betonen die Notwendigkeit der kooperativen Angebote.
Die jungen Menschen äußern, dass sie ernst genommen werden wollen. Sie wollen sich in ihrem Sozialraum beteiligen und Aufenthaltsmöglichkeiten haben. Sie berichten, dass sie sich in der dunklen Jahreszeit derzeit nur an Plätzen mit schlechter Beleuchtung aufhalten können, an denen aber oftmals Drogen- und Alkoholkonsum beobachtet wird. Dies macht den jungen Menschen Angst, so dass sie diese Plätze meiden.
Im Viertel Schönforst und Forster Linde wurden die folgenden Problem- und Konfliktlagen erfasst:
- Die jungen Menschen fühlen sich unerwünscht
- Die jungen Menschen fühlen sich nicht gesehen/nicht wahrgenommen
- Es fehlen Aufenthaltsmöglichkeiten
- Es besteht eine hohe Armutsrate
- Es werden Rauschmittel in der Öffentlichkeit konsumiert
- Es gibt randalierende Jugendliche (Einzelfälle / unterschiedliche Intensität und Häufigkeit) überwiegend in Forster Linde
Die Erfahrungen der WABe in den Lebensräumen Forst und Unterforst stellen sich ähnlich dar, wobei hier eher ältere Jugendliche angetroffen werden. Es besteht hier ebenfalls der Bedarf nach frei zugänglichen Freizeit- und Kultureinrichtungen wie Sportplätze, Spielplätze und kulturelle Zentren.
Im Bereich Unterforst erfordert es speziell für Jugendliche gestaltete Angebote und sichere Rückzugsorte. Die bestehenden Brennpunkte, wie der Wendehammer, der Sportplatz Zeppelinstr. Oder der Kirchenvorhof St. Bonifatius, sind Schauplätze von Drogenkonsum und -handel und verschärfen die Lage der Jugendlichen im Stadtteil.
Trotz der Verbundenheit zu ihrem Stadtteil verbringen die Jugendlichen ihre Freizeit außerhalb des Sozialraums. Dies u.a. auch aufgrund fehlender attraktiver und sicherer Aufenthaltsorte. Die Jugendlichen äußern ihre Wünsche nach Orten, die explizit für sie gestaltet sind, z.B. mit Rückzugsmöglichkeiten und Wetterschutz. Aber sie vermissen auch mehr Sichtbarkeit und Wahrnehmung ihrer Probleme.
Die Angebote für Jugendliche im Lebensraum Altforst belaufen sich auf Aktivitäten der Auferstehungskirche sowie ihrem Angebot der teiloffenen Tür. Diese werden als unzureichend wahrgenommen, um den Bedarf der Jugendlichen zu decken. Die Öffnungszeiten der teiloffenen Tür der Auferstehungskirche von Montag bis Donnerstag von 12:00 – 14:00 Uhr erreichen primär die Schüler*innen der Hauptschule Drimborn, die im Einzugsbereich des Adalbertsteinweg, Frankenbergerviertel, Elsassstraße, Bahnhof-Rothe-Erde bis hin zum Driescher Hof wohnhaft sind.
Gleichzeitig wird das Verhalten der Jugendlichen in diesem Lebensraum oftmals als störend oder asozial von den zumeist älteren Bewohnern wahrgenommen. Viele Jugendliche verbringen ihre Freizeit daher außerhalb ihres Sozialraumes, hauptsächlich im Stadtzentrum.
Im Viertel Altforst und Unterforst wurden bisher die folgenden Problem- und Konfliktlagen erfasst:
- Es fehlen Aufenthaltsmöglichkeiten für die jungen Menschen
- Es bestehen viele dunkle und wenig beleuchtete Plätze und Angsträume ab der Dämmerung
- Es werden Rauschmittel in der Öffentlichkeit konsumiert
- Konflikte mit Anwohnern
- Aufsuchen von anderen Lebensräumen vs. Wunsch im eigenen Viertel zu bleiben
- Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren, die bis nach 22:00 Uhr noch unterwegs sind
Weitere Informationen können aus den Sachberichten der Träger entnommen werden (Siehe Anlage I und II).
- Fazit der durchführenden Träger
Es gibt viele positive Reaktionen von Seiten der jungen Menschen als auch der Bevölkerung zur Mobilen Jugendarbeit. Insbesondere die jungen Menschen fühlen sich gesehen und nutzen die Mitarbeiter*innen der Träger als Gesprächspartner*innen.
Es wird deutlich, dass die sozialräumliche Netzwerkarbeit ein wichtiges Element in der Mobilen Jugendarbeit darstellt. Die Kooperationen mit den vorhandenen Institutionen in den Lebensräumen der jungen Menschen sind, vor allem in den kalten Jahreszeiten, von großer Bedeutung. Es gilt verlässliche Aufenthaltsmöglichkeiten zu schaffen, da derzeit vereinzelt existierende Straßen und Plätze in den Lebensräumen, zu den Abendstunden nicht mehr alleine angesteuert werden können. Insbesondere an diesen Plätzen wird die Mobile Jugendarbeit von den Anwesenden mit Argwohn gesehen.
Die Mobile Jugendarbeit ist eine ständige Bedarfsanalyse und muss als fortlaufender Prozess betrachtet werden, indem die Schritte der Analyse, getrennt in Projektplanung, Umsetzung und Bewertung, sich als ein gegenseitig bedingender Kreislauf darstellt.
Zusammenfassend ist zu betonen, dass insbesondere die jungen Menschen die Kontinuität der Mobilen Jugendarbeit wünschen und davon teilweise ihre Bereitschaft zur weiteren Mitarbeit abhängig machen. Die Kontinuität wird als ein Qualitätsmerkmal für ein gutes Gelingen der Mobilen Jugendarbeit wahrgenommen und fördert auch die Kooperationsbereitschaft der mitwirkenden Institutionen.
- Stellungnahme der Verwaltung
Die Mobile Arbeit kann auf ein erstes Jahr in den Lebensräumen von Schönforst Forster Linde, Forst und Unterforst zurückblicken. Das vergangene Jahr wurde für eine erste Bedarfsanalyse und die Prüfung der Wirksamkeit der Mobilen Jugendarbeit genutzt.
Die Träger haben seit der Aufnahme ihrer Tätigkeit nach den Sommerferien 2023 erste Eindrücke, Wünsche, Bedarfe, Ideen sammeln und Hypothesen aufstellen können, die in ihrer Gesamtheit überprüft und bewertet werden müssen.
In den regelmäßigen Kooperationsgesprächen zwischen den Trägervertreter*innen und dem Team der Jugendpflege des FB 45 hat sich bestätigt, dass nur durch vertrauensvolle und produktive Beziehungsarbeit die Zielgruppe junge Menschen erreicht werden kann.
Gleichzeitig ist die Beobachtung, dass mit der kalten Jahreszeit die mobile aufsuchende Jugendarbeit erschwert wird, da die jungen Menschen an den vermuteten Orten nicht angetroffen werden. Sie halten sich vermutlich in privaten oder öffentlichen Räumen, wie z.B. Aquis Plaza auf.
Die Versuche junge Menschen mit gemeinsamen Aktionen im Sozialraum zusammenzubringen, war aufgrund der geringen Bekanntheit und Vertrauen in die Mobile Jugendarbeit bisher nur von mäßigem Erfolg und Bedarf mehr Vorlaufzeit.
Seit dem Frühjahr 2024 konnte hinsichtlich wärmerer Bedingungen mehr mit den Jugendlichen in Kontakt getreten werden. Diese zeigen sich interessiert und nehmen die aufsuchenden Angebote wahr. Der jetzt intensivere Austausch mit den jungen Menschen als auch mit den Netzwerkpartnern im Sozialraum wird genutzt, um die Bedarfe der einzelnen Zielgruppen zu identifizieren.
Die sich daraus entwickelnden Chancen und Beteiligungsmöglichkeiten werden stetig evaluiert, so dass Prognosen zur Wirksamkeit der Mobilen Jugendarbeit erstellt werden können.
Das Erlangen des Vertrauens der jungen Menschen kann nur durch ein langfristiges und kontinuierliches Angebot erreicht werden. Das erste Jahr Mobile Jugendarbeit zeigt, dass insbesondere sich die Beziehung zwischen den jungen Menschen und den Mitarbeiter*innen der Mobilen Jugendarbeit entwickeln muss.
Abstimmungsergebnis
Technische Details
ID: 1000443
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1000443
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2024-08-02 FB 45_0618_WP18 Sachstandbericht Mob SAO.pdf
2.8.2024
9.0 MB
Betroffene Straßen
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Metadaten
- TOP
- Ö 5
- Sitzung
- Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses
- Gremium
- Kinder- und Jugendausschuss
- Datum
- Di., 27.08.2024
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 45 - Fachbereich Kinder, Jugend und Schule
- Zusätze
- Ergänzend wird mündlich berichtet.
- Geändert
- 8.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 8. Februar 2026 um 14:32
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
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