Modellprojekt "Quereinstieg in die Kinderbetreuung" ("Qik") des Landes NRW
FB 45/0619/WP18 · Entscheidungsvorlage
Beratung
Bürgermeisterin Scheidt (GRÜNE) berichtet in ihrer Funktion als Vorsitzende des Kinder- und Jugendausschusses, dass dieser sich in seiner letzten Sitzung intensiv mit dem Projekt beschäftigt und einstimmig dafür ausgesprochen habe, auch wenn keine finanziellen Mittel durch das Land zur Verfügung gestellt werden. Sie bittet den Rat, diesem Beschluss zu folgen und noch einmal einen eindringlichen Appell an die Landesregierung zu richten.
Ratsherr Tillmann (SPD) schildert die frustrierende Situation, dass die personellen Probleme in den Kindertageseinrichtungen nicht kommunal gelöst werden können. Dabei werde auf der kommunalen Ebene bereits so vieles unternommen, um die Betreuung in der jetzigen Form aufrecht zu erhalten und die Familien und Einrichtungen zu entlasten, wie z.B. die Anpassung der Kita-Gebühren für Familien mit niedrigem und mittlerem Einkommen oder das Verwaltungskräfteprogramm für Kitas, welches sich zur Zeit in einer Pilotphase befinde. Da alle diese Bemühungen jedoch nicht ausreichen, sei vor fast 2 Jahren das Aachener Modell zum Quereinstig in die Kinderbetreuung entwickelt worden. Er dankt allen Beteiligten, insbesondere der Verwaltung und den freien Trägern für ihr Engagement. Mit diesem Modell habe die Stadt Aachen im Schulterschluss mit den freien Trägern und der Politik gezeigt, dass sie bereit sind, den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Leider sei man hierbei immer wieder auf Widerstände seitens des Landes gestoßen, wodurch das Modellprojekt immer kleiner und komplizierter geworden sei. Er betont, dass der Rat eindringlich an die Landesregierung appellieren solle, ausreichende finanzielle Mittel für das Projekt für Verfügung zu stellen.
Ratsherr Tillmanns (CDU) teilt seine Auffassung, dass das Modellprojekt „Qik“ nicht so umgesetzt werden könne, wie ursprünglich geplant. Weiterhin verweist er auf die zu hohen Kosten und die Tatsache, dass dieses den Fachkräftemangel in den Aachener Kitas wahrscheinlich nicht in Gänze behoben hätte. Trotzdem müsse man mit dem Land im Gespräch bleiben und weiterhin Alternativen entwickeln. Hierfür diene der heute zu treffende, und bereits durch den Kinder- und Jugendausschuss einstimmig gefasste Beschluss als gute Grundlage.
Ratsfrau Begolli (Die Linke) betont, dass die aktuelle Situation sowohl für die betroffenen Familien und die Kinder, als auch für das Personal eine unglaublich belastende Situation sei und die Chancengleichheit darunter leide. Es werde den Kommunen überlassen, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz zu erfüllen, sowohl hinsichtlich der baulichen, der personellen sowie der finanziellen Belange. Es mache sie wütend, dass in langer Vorbereitung ein Modell entwickelt wurde und dieses dann nicht finanziell gefördert werde. Auch aus ihrer Sicht stelle kein Modell eine 100%ige Lösung für den Fachkräftemangel dar, allerdings müsse von höherer und nicht kommunaler Ebene mehr Geld in die Kinderbetreuung und die Ausbildung von Personal investiert werden. Dies habe das Land Nordrhein-Westfalen versäumt.
Ratsfrau Schmitt-Promny (GRÜNE) kann die mangelnde Qualität des Projektes Qik nicht bestätigen und bedauert, dass man dieses nicht habe erreichen können. Doch man müsse auch bedenken, dass in der Stadt Aachen bereits ein gutes Angebot in den Kitas bestehe und fortlaufend an dem Betreuungsangebot gearbeitet werde, wie z.B. durch fortlaufende Neubauprojekte. Das Problem der Betreuung sei ein bundesweites Problem und man müsse auf allen Ebenen an der Problemlösung arbeiten. Hierbei müsse man auf Vielschichtigkeit setzen. So müsse man sich auf die Suche nach Nachwuchs begeben, man müsse mehr Ausbildungsplätze an den Schulen schaffen und ausländische Abschlüsse müssten anerkannt werden. Das Land NRW habe bereits einiges unternommen.
Bürgermeisterin Scheidt (GRÜNE) dankt der Verwaltung, den Initiativen und freien Trägern sowie allen weiteren Beteiligten, die fast 2 Jahre an diesem Modell mitgearbeitet haben. Sie teilt ihre Enttäuschung darüber mit, dass das Projekt, das auch vom Städtetag gelobt worden sei, an 1,2 Mio. Euro gescheitert sei, von denen ein Drittel übernommen worden wären. Weiterhin möchte sie ausdrücklich den Vorwurf zurückweisen, dass die Rechnung fehlerhaft gewesen sei, denn dies treffe nicht zu.
Ratsherr Palm (AfD) betont, dass man für die Kindererziehung Fachkräfte benötige. Die Ratsgruppe lehne einen Quereinstieg grundsätzlich nicht ab, allerdings weise das vorliegende Strategiepapier hierzu schwere inhaltliche Defizite auf. Denn hierin seien Quereinsteiger ohne Berufsanerkennung genannt sowie lediglich die Erfordernis eines Mindestmaßes an Sprachkenntnissen. Man benötige qualifizierte Quereinsteiger auf höherem Niveau und aus diesem Grunde könne die Ratsgruppe den Beschluss nicht mittragen.
Ratsherr Szagunn (DIE Zukunft) bedankt sich bei allen Beteiligten für die geleistete Arbeit. Er möchte darauf hinweisen, dass auch im Bereich der KTPS bereits ein Fachkräftemangel bestehe und sich dieser voraussichtlich in den kommenden Jahren ebenfalls weiter verschärfen werde. Die Fraktion DIE Zukunft habe im Rahmen der Haushaltsplanungen diesen Personenkreis immer wieder mit aufgenommen, z.B. im Hinblick auf Betriebskostenzuschüsse o.ä. Für eine gute Kinderbetreuung müsse man diese Säule der Betreuung zukünftig mehr in den Blick nehmen und auch stärken.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Der Rat der Stadt Aachen folgt der Empfehlung des Kinder- und Jugendausschusses und entscheidet vor dem Hintergrund der veränderten Finanzierungsgrundlagen des Modellprojektes Qik des Landes NRW eindringlich an die Landesregierung zu appellieren entsprechende Finanzmittel für die
Umsetzung von Programmen zum Quereinstieg in die Kinderbetreuung zur Verfügung zu stellen.
Erläuterungen
Auf Grundlage des im Februar 2024 erfolgten Beschlusses im Kinder- und Jugendausschuss (Vorlage Nr. FB 45/0476/WP18, Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung) bewarb sich die Stadt Aachen beim Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration NRW zur Teilnahme am Modellprojekt Qik und erhielt als eine von vier Kommunen eine Zusage. Im weiteren Verlauf stellte sich jedoch heraus, dass die von der Landesregierung bzw. der Bundesagentur für Arbeit avisierten Fördermittel bei weitem nicht die Refinanzierungsquote erreichen würden, die ursprünglich angenommen wurde, sodass das Projekt nicht wie angedacht zum Kita-Jahr 2024/2025 starten kann (Näheres s. Vorlage aus der Sitzung am 18.06.2024, Sachstandsbericht der Verwaltung zum Modellprojekt „Quereinstieg in die Kinderbetreuung“ („Qik“) des Landes NRW (Vorlage Nr. FB 45/0525/WP18) sowie mündl. Vortrag, s. Präsentation Anlage 3). Dies wurde im Rahmen einer Sondersitzung des Kinder- und Jugendausschusses am 04.07.2024 beschlossen (Vorlage Nr. FB 45/0528/WP18).
Der Kinder- und Jugendausschuss sieht durch den Quereinstieg nach wie vor eine gute Chance für viele Menschen, sich in dem Berufsfeld als Kinderpfleger*in oder Erzieher*in zu engagieren und in eine Berufsausbildung einsteigen zu können.
Daher empfiehlt der Kinder- und Jugendausschuss im Rahmen der Sondersitzung vom 04.07.2024 (s. Niederschrift der Sitzung, Anlage 5) dem Rat der Stadt Aachen eindringlich an die Landesregierung zu appellieren, vor dem Hintergrund der veränderten Finanzierungsgrundlagen, Finanzmittel für die Umsetzung von Programmen zum Quereinstieg in die Kinderbetreuung zur Verfügung zu stellen.
Seitens FB 45 wird ein entsprechender Brief für die Fraktionsvorsitzenden an die Landesregierung vorbereitet.
Auswirkungen
Finanzielle Auswirkungen:
JA | NEIN | ||
x |
Investive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff. | Gesamtbedarf (alt) | Gesamtbedarf (neu) | |
Einzahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Auszahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | |||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | ||||||
konsumtive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff. | Folge-kosten (alt) | Folge-kosten (neu) | |
Ertrag | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Personal-/ Sachaufwand | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Abschreibungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | |||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | ||||||
Weitere Erläuterungen (bei Bedarf):
Keine
Klimarelevanz:
Bedeutung der Maßnahme für den Klimaschutz/Bedeutung der Maßnahme für die
Klimafolgenanpassung (in den freien Feldern ankreuzen)
Zur Relevanz der Maßnahme für den Klimaschutz
Die Maßnahme hat folgende Relevanz:
keine | positiv | negativ | nicht eindeutig |
x |
Der Effekt auf die CO2-Emissionen ist:
gering | mittel | groß | nicht ermittelbar |
x |
Zur Relevanz der Maßnahme für die Klimafolgenanpassung
Die Maßnahme hat folgende Relevanz:
keine | positiv | negativ | nicht eindeutig |
x |
Größenordnung der Effekte
Wenn quantitative Auswirkungen ermittelbar sind, sind die Felder entsprechend anzukreuzen.
Die CO2-Einsparung durch die Maßnahme ist (bei positiven Maßnahmen):
gering | unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels) | ||
mittel | 80 t bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels) | ||
groß | mehr als 770 t / Jahr(über 1% des jährl. Einsparziels) |
Die Erhöhung der CO2-Emissionen durch die Maßnahme ist (bei negativen Maßnahmen):
gering | unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels) | ||
mittel | 80 bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels) | ||
groß | mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels) |
Eine Kompensation der zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen erfolgt:
vollständig | |||
überwiegend (50% - 99%) | |||
teilweise (1% - 49 %) | |||
nicht | |||
nicht bekannt |
Abstimmungsergebnis
Technische Details
ID: 1000576
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1000576
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2024-08-05 FB 45_0619_WP18 Modellprojekt _Quere SAO.pdf
5.8.2024
3.7 MB
Metadaten
- TOP
- Ö 3
- Sitzung
- Sitzung des Rates der Stadt Aachen
- Gremium
- Rat der Stadt Aachen
- Datum
- Mi., 04.09.2024
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Entscheidungsvorlage
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Entscheidungsvorlage
- Federführend
- FB 45 - Fachbereich Kinder, Jugend und Schule
- Geändert
- 8.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 8. Februar 2026 um 14:42
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
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