3. September 2024 um 18:00, Rathaus
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'tiny forest' auf dem Hans-Stercken-Platz hier: Bürgerantrag nach § 24 der Gemeindeordnung NRW der Regionalgruppe von 'Omas for Future' vom 12.09.2023

FB 36/0514/WP18 · Kenntnisnahme

'tiny forest' auf dem Hans-Stercken-Platz hier: Bürgerantrag nach § 24 der Gemeindeordnung NRW der Regionalgruppe von 'Omas for Future' vom 12.09.2023

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Beratungsergebnis:geändert beschlossen

Beratung

Frau G. erläutert, anhand einer Präsentation, das Anliegen der antragstellenden Gruppe „Omas for Future“, Tiny Forests in Innenstädten zu aufzubauen. Die Präsentation wird mit der Niederschrift in Allris zur Verfügung gestellt.

Frau G betont wie wichtig Grünflächen und Bepflanzung in Städten sind, denn dies sei erwiesenermaßen außerordentlich gut für die menschliche Psyche. Selbst wenn der vorgeschlagene Standort Hans-Stercken-Platz, wie die Verwaltungsvorlage erklärt, nicht geeignet scheint, bitten die Omas for Future doch dringend anderswo um großzügige Entsiegelung, es sei schließlich absehbar, dass es immer heißer wird. Frau G schwärmt von einigen Tiny Forest Exemplaren, die bereits 5 Jahre alt sind, in Utrecht (NL). Diese sollte man sich unbedingt einmal anschauen. Des Weiteren hat Sie verschiedene neue Vorschläge, außerhalb des ursprünglichen Antrags, aufbereitet und erklärt diese anhand von Fotos. Sie sei die ganze Stadt mit dem Fahrrad abgefahren und auf sehr viele Flächen gestoßen, die sich wunderbar zur Pflanzung eines Tiny Forests zu eigenen scheinen.

Herr Ruckert, Grünflächenplaner des Fachbereichs Umwelt, erklärt warum der beantragte Standort ausgeschlossen ist. Ein nötiger Bodenaustausch bis zu 1 m ist keine Option für den Mix an Grünbepflanzung und versiegelten Parkflächen die man dort vorfindet. Man kann davon ausgehen, dass Wurzelwerk von Bäumen ungefähr den gleichen Durchmesser wie die zugehörigen Baumkronen haben, was dazu führen würde, dass bei einem Bodenaushub unweigerlich Wurzelwerk bestehender Bäume zerstört werden müsste. Wir werden keine Bäume entfernen um neue Bäume zu pflanzen. Frau Savelsbergh, Geschäftsbereichsleiterin Grünflächen- und Friedhofswesen des Aachener Stadtbetriebs schlägt die Prüfung einer Tiny Forest Anpflanzung auf einer Freifläche wie der Hollandwiese vor. Allerdings hinterfragt sie auch kritisch, ob ein Bodenaustausch von heimischem Boden zu einem Gemisch aus dem Amazonas so wünschenswert ist. Dies ist es was die Tiny Forest Methode nach Miyawaki (japanische Pflanzensoziologen Akira Miyawaki) vorsieht. Ferner fügt Sie hinzu, dass ihr auf den ersten Blick bereits einige weitere Standorte im Katalog der Frau G. aufgefallen sind, die sich nicht im städtischen Besitz befinden.

Herr Dopatka schlägt vor, die Vorschläge und weitere Optionen verwaltungsseitig zu prüfen.

Frau van der Meulen dankt der Petentin für die Mühe und wünscht eine weitere Behandlung im Umweltausschuss.

Frau G. zeigt sich von der Bewertung des Umweltamtes und des Stadtbetriebs nicht überzeugt. Zunächst seien nachgewiesenermaßen 60% der städtischen Bepflanzung beschädigt. Früher oder später müsse ohnehin etwas mit den alten Bäumen geschehen. Außerdem müsse man am Hans-Stercken-Platz ja nicht mit riesigen Baggern anrücken, sondern könnte vorsichtiger vorgehen um das Wurzelwerk der alten Bäume nicht zu schädigen. Ein Tiny Forest böte auch viel bessere Lebensbedingungen für Bestandsbäume als gepflasterte Parkplätze.

Herr Nießen zeigt sich fasziniert von dem Thema, da er bereits seine Bachelorarbeit über anverwandtes geschrieben hat. Dennoch sieht auch er den Hans-Stercken-Platz als denkbar ungeeignet für die Erstpflanzung eines Tiny Forest in Aachen an. Die Hollandwiesen allerdings solle man schnell wieder aus der Planung streichen. Ein Tiny Forest ist zur Verbesserung des Innenstadtklimas gedacht. Vielleicht könnte man über einen Aachener Weg für einen Tiny Forest nachdenken. Auch er möchte den Umweltausschuss das Thema weiter behandeln lassen.

Herr Palm befürwortet grüne Oasen in der Innenstadt. Im vorliegenden Fall ließe man aber viele Aspekte außer Acht. Wenn Parkplätze wegfielen, wäre dies der komplett falsche Weg. Dies ginge an der Lebensrealität der Anwohnenden komplett vorbei und führte zu einer Verminderung ebenjener Lebensqualität. Des Weiteren fragt er, wie man sich bei einem Tiny Forest das Müllproblem vorstelle? Man kenne das Problem ja sehr gut aus schlecht einsehbaren oder verdichteten Ecken. Da käme es schnell zu Vermüllung, Drogenverkauf und Dingen die man sicherlich nicht haben wolle.

Frau Scheidt bring das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) zur Sprache. Sie greift den Vorschlag der Frau G auf, einen Tiny Forest in Driescher Hof vor dem Jugendzentrum zu errichten. Diesbezüglich weiß sie zu berichten, dass der Platz der gerne als „Betonwüste“ bezeichnet wird, der Kirche gehöre und schon vor Jahren und seit Jahren versucht werde, den Platz in irgendeiner Form zu bespielen. Frau Scheidt schlägt vor die Idee den Planer*innen vom ISEK aus dem Fachbereich 61 Stadterneuerung und Stadtgestaltung zu spiegeln und prüfen zu lassen. Der Hans-Stercken-Platz ist auch ihrer Meinung nach keine sinnvolle Pilotfläche für ein solch tolles Projekt, aber Driescher Hof fände sie durchaus bedenkenswert. Workshops mit den ansässigen sehr engagierten Kindern und Pädagog*innen, vielleicht In Kombination mit einem urbanen Gartenkonzept, könnte sie sich sehr gut vorstellen.

Frau Derichs warnt die Omas for Future vor einer Enttäuschung. Auch ihr sind bei der Vorschlagsübersicht bereits einige Standorte aufgefallen, die nicht geeignet sein können aufgrund von bspw. Rettungsflächen oder Kanälen. Sie befürwortet den Vorschlag der Verwaltung auf dem Hans-Stercken-Platz keinen Tiny Forest zu errichten, bittet aber gleichzeitig um die Prüfung von Alternativflächen.

Frau Keupen bestätigt dies und bittet die Verwaltung ebenfalls Alternativstandorte, vor allem in Hinblick auf den Standort Driescher Hof zu prüfen. Driescher Hof ist in großer Entwicklung aber Eigentumsverhältnisse seien leider ein sehr schwieriges Pflaster. Nachhaltige Verantwortung - es ginge ja nicht lediglich um die Anpflanzung, sondern auch um die Pflege - bedarf guter Vorbereitung. Die Stadt befindet sich bereits in ebendiesem Veränderungsprozess. Vielen Dank für den Antrag.

Frau Oberbürgermeisterin Keupen fügt hinzu, dass es bekannt ist, dass es nicht allen Stadtbäumen gut ginge. Es gibt verschiedene Prüfverfahren, die der Stadtbetrieb anwendet um die Gesundheit der Bäume zu testen. Sie versichert es werde kein Baum, leichtfertig aufgegeben. Die Herausforderung Hitze ist über die letzten Jahre immer präsenter geworden und spielt in der modernen Planung eine tragende Rolle. Auch wird nichts mehr gebaut ohne Umweltaspekte zu prüfen. Am Büchel wird es außerdem schon bald einen Mini Forst und ein Biotop mit Regenwasserzisterne geben.

Herr Dopatka spiegelt Frau G abermals zurück, dass die Tiny Forest Idee eine sehr gute ist und dass es in der Stadt sicherlich einen Ort geben wird an dem man ein solches Projekt umsetzen kann. An einem Standort damit anzufangen, wie dem Hans-Stercken-Platz, der so viel Konfliktpotenzial aufgrund wegfallender Parkplätze und womöglich zerstörten Wurzelwerkes gibt, halte er nicht für zielführend. Das würde der tollen Idee nicht gerecht. Herr Dopatka formuliert folgenden Beschlussvorschlag:

Beschluss

Das Bürgerforum nimmt die Ausführungen zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung alternative Standorte für die Anlage eines Tiny Forest zu prüfen. Darüber hinaus, empfiehlt das Bürgerforum die weitere Behandlung des Themas im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz.

Erläuterungen

Die Aachener Regionalgruppe von 'Omas for Future' schlägt in ihrem Antrag auf dem Hans-SterckenPlatz die Anlage eines sogenannten 'tiny forest' vor. Dieser soll auf den der Anna-Schule zugewandten Stellplätzen des dortigen Parkplatzes gepflanzt werden.

Grundidee

Das Konzept der 'tiny forests' geht auf den japanischen Pflanzensoziologen Akira Miyawaki zurück, der sich mit Wald-Ökosystemen und Begrünungsprojekten im urbanen Umfeld befasste. Das zentrale Prinzip ist, auf einer entsprechend vorbereiteten Fläche relativ viele Gehölze unterschiedlicher Arten anzupflanzen, die nach einer anfänglichen Pflegephase weitgehend sich selbst überlassen bleiben.

Für die Pflanzung wird in der Regel wurzelnackte Ware verwendet, die Jung-Gehölze sind also etwa knie- bis hüfthoch. Es werden mehrere Pflanzen pro Quadratmeter gesetzt, was zu einem flächendeckenden Bewuchs führt. Aufgrund des Konkurrenzdrucks, dem die einzelnen Pflanzen durch den Zuwachs und den zunehmenden Platzbedarf ausgesetzt sind, kommt es im Lauf der weiteren Entwicklung zur Verdrängung der weniger durchsetzungsstarken Pflanzen.

Die Pflanzung wird in vielen Fällen als Mitmach-Aktion organisiert, bei der die Anwohnerschaft, Kinder oder sonstige Gruppen und Initiativen eingebunden werden. Im Anschluss soll die Fläche als umweltpädagogischer Lernort im Sinne eines 'Grünen Klassenzimmers' genutzt werden können.

Realisierbarkeit

Auf dem Hans-Stercken-Platz befinden sich derzeit 17 Bäume unterschiedlicher Arten. Dabei sind die Exemplare auf dem benachbarten Schulhof und im angrenzenden Straßenraum noch nicht berücksichtigt. 12 davon fallen in den Geltungsbereich der Baumschutz-Satzung, 5 wurden in den letzten drei Jahren neu gepflanzt. Die Bäume, die größtenteils noch nicht voll ausgewachsen sind, überdecken mit ihren Kronen einen Großteil der Stellplätze und auch der angrenzenden Grünstreifen.

Unabhängig von Fragen des Erscheinungsbildes (eventuelle Vermüllung einer eingezäunten und dicht bewachsenen Fläche) oder von Sicherheitsaspekten (fehlende Einsehbarkeit bei einer geschlossenen Gehölzgruppe, notwendige Eingriffe an verkehrsgefährdenden Gehölzen) ist der Hans-Stercken-Platz nach den Kriterien, die aus den im Antrag genannten Quellen hervorgehen, für die Anlage eines tiny forest nicht geeignet.

In der Anforderungsliste von MIYA forest e.V. für ein solches Projekt heißt es unter anderem:

- "Boden muss bis zu 1m Tiefe ausgehoben werden"

- "Der Standort sollte ein offener Bereich sein (wir wollen keine Bäume entfernen, um neue zu pflanzen!)"

Aus den gleichen Gründen sieht auch BiNE e.V. einen tiny forest auf dem Hans-Stercken-Platz als nicht sinnvoll bzw. nicht machbar an.

Die Bestandsbäume sind in den Unterbau der Stellplätze eingewurzelt. Bei dem Aushub und der Bodenvorbereitung für die Pflanzung eines tiny forests würden diese Wurzeln geschädigt bzw. könnten in großen Teilen nicht erhalten werden. Dies würde zu einem Verlust von vorhandenen Bäumen führen. Aus diesem Grund kann ein solches Projekt an dieser Stelle nicht realisiert werden.

Auch wenn die Idee eines 'tiny forests' grundsätzlich für den urbanen Raum entwickelt wurde, wird die Realisierung eines solchen Konzeptes insbesondere in der dicht bebauten Innenstadt kritisch gesehen. Hier bestehen vielfältige Nutzungsansprüche an Grün- und Freiflächen, die untereinander gut abgewogen werden müssen.

Potenziale des Hans-Stercken-Platzes

Unabhängig von der Thematik 'tiny forest' wurde der Platz, der im 'Schutzbereich Stadtklima' (Flächennutzungsplan) liegt, in verschiedenen Planwerken – u.a. im Aachener Freiraumkonzept 'Die Grüne Krone' – als Entwicklungsfläche für Stadtgrün verankert. Die an das Schulgelände der Annaschule angrenzenden Flächen dieses Platzes bieten das Potenzial, eine weitere innerstädtische Grünfläche mit Entlastungsfunktion für den Elisengarten zu schaffen. Durch Entsiegelung, behutsame Ergänzungen der Vegetationsstrukturen (z.B. in Form von Blühflächen), Schaffung von Aufenthaltsbereichen und die Akzentuierung wertvoller stadtgeschichtlicher Elemente (insbesondere der Barbarossa-Mauer) ließe sich hier eine multifunktionale und attraktive Grünanlage entwickeln.

Bedeutung des Parkplatzes für Anwohnerschaft und Unternehmen

Der Hans-Stercken-Platz befindet sich derzeit in der Bewohnerparkzone G+L und verfügt über insgesamt 34 Parkstände, die bewirtschaftet werden. In der Bewohnerparkzone liegt das Verhältnis von Parkständen zu Bewohnerparkausweisen bei rund 64 %, d.h. auf gut 6 Parkstände kommen 10 Ausweise. Sie gehört damit zu den am stärksten nachgefragten Zonen.

Weitergehende Überlegungen zur Umgestaltung des Platzes müssen deshalb mit den aktuellen Mobilitätsthemen zur Erschließung der Innenstadt (u.a. Planung des Radverteilerrings) abgestimmt werden.

Zusammenfassung:

Ein 'tiny forest' kann auf dem Hans-Stercken-Platz nicht realisiert werden. Im Kontext weiterer Planungen sollten die Zielsetzungen für den 'Schutzbereichs Stadtklima' und das Freiraumkonzept 'Die Grüne Krone' weiterverfolgt werden, um die Klimaresilienz der Innenstadt zu steigern und ergänzende Grün- und Freiflächenangebote zu schaffen

Abstimmungsergebnis

Einstimmig angenommen
Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2024-08-13 FB 36_0514_WP18 _tiny forest_ auf de SAO.pdf

13.8.2024

203.1 KB

Betroffene Straßen

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Metadaten

TOP
Ö 4.1
Sitzung
Öffentliche Sitzung des Bürgerforums
Gremium
Bürgerforum
Datum
Di., 03.09.2024
Uhrzeit
18:00
Anlass
Öffentliche Sitzung
Vorlage
Kenntnisnahme
Status
öffentlich
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
FB 36 - Fachbereich Klima und Umwelt
Geändert
8.2.2026
Inhalt abgerufen
8. Februar 2026 um 14:42

Beschlussdokument

Sammeldokument öffentlich

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