1. September 2020 um 18:00, Depot Talstraße
TOP 4.2Öffentlich

Verbesserungen der baulichen Gegebenheiten für innerstädtischen nicht-motorisierten Individualverkehr

FB 61/1528/WP17 · Kenntnisnahme

im Ratsinformationssystem anzeigen
Beratungsergebnis:ungeändert beschlossen

Beratung

Frau Dr. Lassay verkündet, dass der Antragsteller kurzfristig verhindert ist und bittet Herrn Müller aus dem Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen den Antrag kurz zu skizzieren.

Herr Müller eröffnet, dass der Antrag mit Themen behandelt, die größtenteils bereits in Bearbeitung bei der Verwaltung sind. Zusammengefasst beschrieb der Antragsteller drei Themenkomplexe:

  1. Kreuzungsbereiche/Straßenüberquerungen sollen niveaugleich gestaltet werden damit sich dort kein Regenwasser sammelt, eine Temposchwelle entsteht und der Vorrang des nicht-motorisierten Verkehrs hervorgehoben wird.
  2. Ampeln sollen mit automatischer Fahrbahnauslastungserkennung und Vorrangschaltung für Einsatzfahrzeige und ÖPNV ausgestattet werden
  3. Die Stadt AC möge sich für die gesetzliche Einführung einer beschilderten Cityzone einsetzen, damit der derzeit vorherrschende Schilderwald gelichtet werden kann.

Herr Lindemann stimmt Herrn Müller zu, dass die Stadt Aachen bereits in vielen Punkten auf einem sehr guten Weg ist. Bzgl. Punkt eins wurden in den letzten Jahren schon einige Kreuzungsbereiche geebnet. Hier muss man aber unbedingt wissen, dass eine 100%ige Absenkung für blinde und sehbehinderte Menschen sehr gefährlich sein kann. Man muss individuell an jeder Stelle entscheiden wie man einen Mittelweg gestalten kann. In vollem Gange im Verwaltungsapparat ist auch das Thema Ampelschaltung intelligenter zu machen. Was aber sehr wohl nochmals in den Fachausschuss gegeben werden kann, ist das Thema Spurrillen. An vielen Ampeln und Verkehrsüberwegen ist es tatsächlich so, dass die Spurrillen dazu führen, dass sich Regenmassen ansammeln, durch die selbst Erwachsene nicht mehr durchwaten können. Eine Weiterleitung an den Fachausschuss zur Identifikation solcher Stellen und anschließender Behebung scheint sinnvoll.

Herr Ferrari bittet das Gremium den Antrag nicht nur, wie im Beschlussvorschlag beschrieben, zur Kenntnis zu nehmen, sondern explizit zu empfehlen, dass die Themen weiterbehandelt werden müssen. Bzgl. der Cityzone hat der Städtetag in der Vergangenheit empfohlen, grundsätzlich in der Innenstadt nur höheres Tempo als Tempo 30 auszuschildern, was die Unmengen an „Tempo 30-Schildern“ überflüssig gemacht hätte. Dies ist aber nicht umgesetzt worden.

Frau Dr. Lassay ergänzt sodann den Beschlussvorschlag wie folgt:

„Das Bürgerforum nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis und empfiehlt, den Antrag zur weiteren Beratung in den Mobilitätsausschuss zu verweisen.“

und lässt entsprechend abstimmen.

Beschluss

Das Bürgerforum nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis und empfiehlt, den Antrag zur weiteren Beratung in den Mobilitätsausschuss zu verweisen.

Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag:

Das Bürgerforum nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis.

DerMobilitätsausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis.


Erläuterungen

Erläuterungen:

Verbesserung der baulichen Gegebenheiten für innerstädtischen nicht-motorisierten Individualverkehr

Unter dem angegebenen Titel beantragt ein Aachener Bürger

  1. dass innerhalb des Alleenrings an Straßenüberquerungen langfristig die Fahrbahn angehoben wird, sodass sich dort kein Regenwasser sammeln kann und eine Temposchwelle entsteht,
  2. bei Rad- und Fußwegen Straßeneinmündungen niveaugleich gestaltet werden und damit der Vorrang des nicht-motorisierten Verkehrs hervorgehoben wird,
  3. sämtliche Ampeln mit automatischer Fahrbahnauslastungserkennung und Vorrangschaltung für BOS und ÖPNV ausgestattet werden und
  4. die Stadt sich bei Bund und Ländern für die bundesweite gesetzliche Einführung einer beschilderten „Cityzone“ einsetzen solle.

Straßenüberquerungen und -einmündungen

Mit der Annahme der Ziele des Radentscheids durch den Rat der Stadt Aachen wurde auch der Grundsatz beschlossen, dass Geh- und Radwege durchgängig und einheitlich gestaltet werden sollen. An Kreuzungen von Nebenstraßen sollen dazu jährlich 15 Einmündungen niveaugleich umgebaut werden. Das Prinzip gilt bei allen Neubaumaßnahmen.

Ampeln mit automatischer Fahrbahnauslastungserkennung

Der Antragsteller wünscht eine Ausstattung sämtlicher Ampeln innerhalb des Außenringes mit automatischer Fahrbahnauslastungserkennung. Die flächendeckende Detektion des Verkehrs (unter anderem auch die Detektion der Auslastung von Fahrspuren) hat das Ziel, eine darauf aufbauende intelligente Ampelsteuerung zu etablieren. Diese intelligente Ampelsteuerung soll dafür sorgen, dass die Summe der Wartezeiten und Stopps der Verkehrsteilnehmer*innen minimiert wird.

Der zugrunde liegende Steuerungsalgorithmus muss in der Lage sein, die Wartezeiten im ÖPNV ins Verhältnis zu den Wartezeiten des MIV zu setzen und gleichzeitig auch eine Minimierung der Wartezeiten im Fußgängerverkehr und Radverkehr zu berücksichtigen. Die lokale Wartezeitoptimierung muss fehlerfrei steuern und bei aller Komplexität nachvollziehbar auf das Verkehrsgeschehen reagieren. Je komplexer der Algorithmus, desto schwieriger wird die Kontrolle der fehlerfreien Funktion durch den Menschen.

Die „Digitalisierung und Automatisierung im Verkehr“ ist Ziel des„Green City Masterplans“ der Stadt Aachen im Rahmen des „Sofortprogramms Saubere Luft 2017 – 2020“. Über Maßnahmen des Verkehrsmanagements soll eine Verbesserung der Verkehrsflüsse im motorisierten Individualverkehr (MIV) und dadurch eine Reduktion schädlicher Emissionen erzielt werden.

Die Stadt Aachen wird hierbei zukünftig auf sogenannte „Floating Car Data“ (FCD) der Firma TomTom zurückgreifen können. FCD bezeichnet Daten, die aus Fahrzeugen heraus generiert werden, die aktuell am Verkehrsgeschehen teilnehmen, z.B. aus mobilen, fest verbauten Navigationsgeräten, Mobiltelefonen oder Navigations-Apps. Diese Daten ermöglichen Reisezeitanalysen im gesamten Verkehrsnetz der Stadt Aachen. Damit wird es möglich sein, Steuerungsmaßnahmen, die auf komplexen Steuerungsalgorithmen beruhen, zu überprüfen und objektiv zu bewerten.

Projekt AMeiSE

Die Stadt Aachen hat unter der Federführung des FIR e.V. an der RWTH Aachen gemeinsam mit den Projektpartnern Hawa Dawa, P3 solutions, Regio IT und Teradata einen Förderantrag für das Projekt AMeiSE (Aachener Modell einer intelligenten Straßensteuerung in Echtzeit) in der Förderkulisse Digitale Modellregionen eingereicht.

Das Ziel des Projektes war die Optimierung des Verkehrsflusses zur Senkung von Schadstoffemissionen sowie von Wartezeiten aller Verkehrsteilnehmer*innen innerhalb des betrachteten Verkehrsraumes.

Dies sollte durch eine dynamische an das aktuelle Verkehrsgeschehen und die aktuellen Luftqualitätswerte angepasste Schaltung der Lichtsignalanlagen erreicht werden.

Dem Projekt wurde durch den Fördergeber nicht die notwendige Priorität für eine Förderung eingeräumt. Die Projektskizze wurde, nach Aussage des BMVI, aufgrund der großen Nachfrage und der insgesamt hohen Qualität der eingereichten Vorschläge in dieser Fördermaßnahme auch als Nachrückerprojekt nicht berücksichtigt. Eine Realisierung des Projektes ohne signifikante Kofinanzierung durch Fördermittel ist aus haushalterischen Gründen derzeit nicht darstellbar.

Ampeln mit Vorrangschaltung für BOS und ÖPNV ausstatten

Im Stadtgebiet Aachen sind zurzeit 82 Lichtsignalanlagen mit einer Vorrangschaltung für den ÖPNV ausgestattet. Die Auswahl dieser Anlagen erfolgte in enger Abstimmung mit der ASEAG. Eine Vorrangschaltung wurde überall dort etabliert, wo durch diese eineReisezeitverkürzung des ÖPNV erreicht werden kann.

Vorrangschaltungen für BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) wurden bisher nur an Knotenpunkten in unmittelbarer Nähe von Rettungswachen eingerichtet, (z.B die Signalanlage Hohenzollernplatz an der Feuerwehrhauptwache, und die Signalanlage am Knotenpunkt Amsterdamer Ring/Vaalser Straße an der Rettungswache Aachen West). Eine darüber hinaus gehende Beeinflussung der Signalanlagen durch Rettungsfahrzeuge wurde bisher als nicht erforderlich angesehen.

Einführung einer beschilderten „Cityzone“

Die Stadt Aachen hat mit der Ausweisung des flächendeckenden Tempo 30 innerhalb des Alleenrings in Deutschland eine Vorreiterrolle übernommen und dies als weiteren Beitrag zur Förderung der Luft- und Lebensqualität in der Stadt umgesetzt. Die Ausweisung von Tempo 30 innerhalb des Alleenrings hat neue Anreize zur Nutzung des Umweltverbundes (ÖPNV, Rad- und Fußverkehr) - insbesondere zur Bewältigung der letzten Meile (z.B. mit P&R, E-Roller/e-Scooter & Leih-Pedelecs) gesetzt. Durch weniger Autoverkehr insgesamt können Luftschadstoffe wie Stickstoffdioxid (NO2), aber auch das klimaschädliche Treibhausgas CO2 weiter reduziert werden.

Die Einführung von Tempo 30 innerhalb des Alleenrings hat darüber hinaus eine wichtige Signalwirkung für ein ausgewogenes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer*innen und der verschiedenen Fortbewegungsmöglichkeiten. Radfahrer*innen und Fußgänger*innen fühlen sich sicherer; Busse kommen bei stetig fließendem Verkehr besser voran und wer auf das Auto angewiesen ist, kann weiterhin in die Innenstadt.

Schließlich senkt Tempo 30 die Lärmbelastung und verbessert so auch die Aufenthaltsqualität für Passanten, Anwohner*innen und Besucher*innen der Aachener Innenstadt.

Im Netzwerk des Deutschen Städtetags setzt sich die Stadt seit Jahren für ein angepasstes urbanes Geschwindigkeitsniveau undeine Anpassung der entsprechenden gesetzlichen Regelungen ein.


Abstimmungsergebnis

Einstimmig angenommen Zustimmung: 13 Ablehnung: 0 Enthaltung: 0

Weitere Dokumente (1)

Für einige Anlagen sind keine direkten Download-Links verfügbar (Einschränkung des Ratsinformationssystems). Der Link öffnet die Seite im Ratsinformationssystem – die Anlage ist dort in der Liste zu finden.

Bürgerantrag
192.5 KB · PDF
Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2020-08-18 FB 61_1528_WP17 Verbesserungen der b SAO.pdf

20.11.2024

276.4 KB

Betroffene Straßen

Karte wird geladen…

Metadaten

TOP
Ö 4.2
Sitzung
öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Bürgerforums
Gremium
Bürgerforum
Datum
Di., 01.09.2020
Uhrzeit
18:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Kenntnisnahme
Status
öffentlich
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
FB 61 - Fachbereich Stadtentwicklung und Stadtplanung
Geändert
5.11.2025
Inhalt abgerufen
17. Februar 2026 um 23:26

Beschlussdokument

Sammeldokument öffentlich

Öffnen