Vorstellung des Präventionsprogramms „Wegweiser in der Region Aachen“
FB 56/0561/WP18 · Kenntnisnahme
Beratung
Zwei Vertreter*innen des Präventionsprogramms „Wegweiser in der Region Aachen“ stellen mit Hilfe einer Power-Point-Präsentation (Anlage 1 zu TOP 5ö) ihre Arbeit vor. Dabei geben die Referent*innen zu Beginn einen allgemeinen Überblick über die Trägerschaft, die Anzahl der Standorte sowie die anonyme Chatplattform „Wegweiser Online“. Der Schwerpunkt des Präventionsprogramms würde darin liegen, Radikalisierung und Extremismus zu behandeln und zu verhindern. Hierzu würden diverse Sensibilisierungsmaßnahmen, wie Workshops, Fortbildungen und Vorträge für Multiplikator*innen, Schulen, etc. zu Themen wie, türkischer Ultranationalismus, Islamismus, Verschwörungsmythen, u.a. angeboten. Abschließend gehen die Referent*innen auf Statistiken, die Zusammenarbeit mit Kooperationspartner*innen sowie vergangene Veranstaltungen im Jahr 2024 ein.
Frau Smajic, Herr Ulug und Herr Yenen bedanken sich bei den Referent‘*innen für den Vortrag und die wertvolle Arbeit. Frau Smajic erkundigt sich darüber hinaus, ob der Nahostkonflikt zu höheren Anfragen im Rahmen des Programms geführt habe. Nach Angaben der Referent*innen werde das Thema zwar behandelt, eine offensichtliche Erhöhung der Anfragen könne jedoch nicht verzeichnet werden.
Herr Yenen berichtet über einen vergangenen Vortrag der Referent*innen des Präventionsprogramms an der RWTH Aachen. Gleichzeitig hinterfragt er jedoch die Wahl der Veranstaltungsorte im Allgemeinen, da in seinen Augen nicht alle Veranstaltungsorte gleichermaßen einen „Safe Place“ für Migrant*innen darstellen könnten.
Die Referent*innen erklären, dass sie im Rahmen ihrer Arbeit und damit auch in der Wahl der Kooperationspartner*innen sowie der Veranstaltungsorte vollkommen neutral und frei handeln könnten.
Auf Nachfrage von Frau Schlösser-Al-Janabi erläutern die Referent*innen, dass die Beratung in der Regel telefonisch oder per E-Mail stattfinde. Nur vereinzelt würden offene Sprechstunden angeboten. In der Vergangenheit seien offene Sprechstunden nur mäßig besucht worden.
Anschließend fragt Frau Smajic, wie weit das Unterrichtsfach „Islamkunde“ an Schulen verbreitet sei. Die Vertreter*innen des Präventionsprogramms berichten, dass in der StädteRegion Aachen sechs oder sieben Schulen das Unterrichtsfach anbieten würden. Die Initiative zur Etablierung von Islamkunde an Schulen müsse allerdings stets von den Eltern aus gehen. Gleichzeitig müssten sich die Lehrkräfte bereit erklären, entsprechende Fortbildungen zu absolvieren. Erfahrungen würden zeigen, dass die Debatte um die Einführung von Islamkunde an Schulen möglicherweise auch Elternkonflikte hervorbringen könne, da sich muslimische Familien gegebenenfalls sehr unterschiedlich zu diesem Thema positionieren könnten.
Frau Dogan informiert die Anwesenden, dass in Nordrhein-Westfalen an einer Schule mindestens zwölf Schüler*innen und zwölf Eltern einen Antrag stellen müssten, damit das Unterrichtsfach Islamkunde eingeführt werden könne. Jedoch würde der Erfolg der Einführung ebenfalls davon abhängen, ob und inwieweit sich eine Lehrkraft bereit erklären würde, sich diesbezüglich entsprechend fortzubilden.
Erläuterungen
„Wegweiser – Stark ohne islamistischen Extremismus“ (ehemals „Wegweiser – Gemeinsam gegen Islamismus“) ist ein umfassendes Präventionsprogramm des Ministeriums des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen. Kernaufgabe des Programms ist es, die sich radikalisierenden (jungen) Menschen und ihr soziales Umfeld (Familie, Freund*innen, Arbeitskolleg*innen, Lehrer*innen, Betreuer*innen etc.) zu beraten. Darüber hinaus informieren und sensibilisieren die Wegweiser-Berater*innen die lokale Öffentlichkeit in Vorträgen und Workshops in regionalen Institutionen, wie Schulen, zu den Themen Islamismus und Radikalisierung.
Bislang wurden in insgesamt 25 Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens Beratungsstellen eingerichtet. Die Beratungsstelle der Stadt Aachen besteht bereits seit März 2017, eine Ausweitung auf die gesamte StädteRegion fand im Herbst 2019 statt.
Seit dem 01.Oktober 2021 wurde das bisherige Angebot der Anlaufstelle um den Phänomenbereich des auslandsbezogenen Extremismus (AEX), mit Schwerpunkt auf den türkischen Rechtsextremismus („Graue Wölfe“), ausgeweitet. Zudem findet seit dem 15. November 2023 auch online Beratung statt, über eine neue Webseite mit Live-Chatfunktion an sieben Tagen in der Woche (www.wegweiser.nrw.de). Das bestehende Angebot der Wegweiser-Beratungsstellen wird dadurch enorm erweitert.
Im Oktober 2024 haben Stadt und StädteRegion Aachen, im Rahmen eines Vergabeverfahrens, den Zuschlag für die Fortführung des Präventionsprogramm für weitere drei Jahre (bis 2028) erteilt bekommen.
Aufgrund der Ausweitung des Programms, u.a. auf die Online-Beratungsfunktion und weitere Phänomenbereiche neben dem Islamismus, wird der aktuelle Sachstand zu „Wegweiser in der Region Aachen – Stark ohne islamistischen Extremismus“ anhand einer Power-Point-Präsentation seitens der Berater in der Sitzung am 22.01.2025 mündlich vorgestellt.
Technische Details
ID: 1006784
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1006784
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2024-12-09 FB 56_0561_WP18 Vorstellung des Praev SAO.pdf
10.12.2024
73.9 KB
Metadaten
- TOP
- Ö 5
- Sitzung
- Sitzung des Integrationsrates
- Gremium
- Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration
- Datum
- Mi., 22.01.2025
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 56 - Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration
- Geändert
- 8.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 8. Februar 2026 um 12:12
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
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