Tagesordnungsantrag der CDU-Fraktion vom 20.02.2025 - Sachstandbericht: Umsetzung des Integrierten Konzepts für Attraktivität und Sicherheit
Dez VI/0012/WP18 · Kenntnisnahme
Tagesordnungsantrag der CDU-Fraktion vom 20.02.2025 - Sachstandbericht: Umsetzung des Integrierten Konzepts für Attraktivität und Sicherheit
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Herr Tillmanns bedankt sich für den Sachstandsbericht zur Umsetzung des Integrierten Konzepts für Attraktivität und Sicherheit (IKAS). Er begrüßt, dass erste Fortschritte erkennbar seien. Er bittet um weitere Berichterstattung durch die Verwaltung in regelmäßigen Abständen.
Herr Hissel gibt einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen zur Umsetzung des IKAS. Im letzten Jahr habe die Politik ein Konzept beschlossen, welches auf einer integrierten Perspektive basiere. Dieser integrierte Innenstadtansatz baue auf einem sog. Kleeblattsystem auf, bestehend aus ordnungspolitischen Maßnahmen, sozialpolitische Maßnahmen, Kommunikation und Sensibilisierung sowie auf Maßnahmen im öffentlichen Raum. Dabei sei eine gute Öffentlichkeitsarbeit stets von besonderer Bedeutung. Insgesamt sei das Konzept komplex, sodass nicht alles gleich schnell umgesetzt werden könne. Gut sei, dass es eine breite politische Rückendeckung gebe.
Im Zuge der ersten Umsetzungsmaßnahmen sei die Änderung der Ordnungsbehördlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf den Straßen und in den Anlagen in der Stadt Aachen (Aachener Straßenverordnung) beschlossen worden (FB 32/0061/WP18). Aufgrund der Wintermonate seien die Maßnahmen jedoch nur eingeschränkt sichtbar gewesen.
Herr Hissel sichert überdies zu, dass im Ausschuss in regelmäßigen Abständen von circa sechs Monaten zur Umsetzung des IKAS berichtet werden solle. Teilweise werde es sich dabei allerdings auch um „unfertige“ Berichte zu gerade laufenden Umsetzungen handeln können. Der nächste Sachstandsbericht werde ca. Oktober 2025 erfolgen. Herr Hissel bittet um Verständnis dafür, dass einige der in dem Konzept beschriebenen Maßnahmen schneller umgesetzt werden könnten, andere wiederum in der Umsetzung länger benötigen würden. Erfreulich sei, dass die Besetzung der beiden Stellen „Straßensozialarbeit“ nun so frühzeitig auf den Weg gebracht werden konnten. Im Anschluss daran übergibt Herr Hissel das Wort an Frau Jannika Masloh, die neue Stelleninhaberin der Koordinationsstelle Straßensozialarbeit der Stadt Aachen.
Frau Masloh teilt mit, dass sie seit dem 01.02.2025 die Koordinationsstelle Straßensozialarbeit der Stadt Aachen im Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration bekleide. Zuvor habe sie das Studium der sozialen Arbeit in Mönchengladbach absolviert. Im Anschluss daran sei sie in der Abteilung „Übergangswohnen“ im Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration als Sozialarbeiterin tätig gewesen.
In Bezug auf ihre künftigen Aufgaben erläutert Frau Masloh, dass die Straßensozialarbeit sehr niedrigschwellig anzusetzen sei. Neben der Ausarbeitung der konzeptionellen Ausgestaltung sollen überdies Gespräche mit diversen Netzwerkpartnern stattfinden, z.B. mit dem Arbeitskreis Niedrigschwelligkeit, Trägern wie Café Plattform oder dem SkF sowie auch mit Vertreter*innen des Jobcenters und vielen mehr. Hierdurch solle ein großes Netzwerk geschaffen werden. Sie freue sich auf die gemeinsame Arbeit.
Herr Deumens dankt Frau Masloh für die kurze Vorstellung und heißt sie herzlich Willkommen.
Frau Braun bedankt sich ebenfalls für die persönliche Vorstellung von Frau Masloh. Das IKAS befinde sich derzeit noch ganz am Anfang, weshalb sie hoffe, dass insbesondere der Evaluation eine wichtige Rolle zufallen werde. Überdies regt Frau Braun an, die Einschätzung der Menschen vor Ort in die Konzeptentwicklung einfließen zu lassen. Das Konzept „atme“ und sei nicht starr. Hinsichtlich eines Drogenkonsumraums seien sicherlich auch die dazu notwendigen Finanzen ein Thema. Frau Braun schlägt vor, sich Konzepte von Drogenkonsumräumen anderer Kommunen sowie deren Finanzierbarkeit genauer anzusehen. Sie freue sich darüber, dass man nun gemeinsam überlege, wie die Situation in Aachen verbessert werden könne.
Herr Hansen bezieht sich weitergehend auf die Besetzung der Planstellen im Fachbereich Sicherheit und Ordnung. Dort seien rund 20 Planstellen derzeit unbesetzt. Dieser Bereich sei bereits seit Jahren personell unterbesetzt. Herr Hansen erkundigt sich in diesem Zusammenhang nach Maßnahmen zur Personalakquise sowie zur Personalbindung. Ferner regt er regelmäßige Kommunikationstrainings für die Mitarbeitenden des Ordnungs- und Sicherheitsdienstes an, da diese in häufigem Kontakt mit den betroffenen Menschen vor Ort stünden.
Frau van der Meulen bedankt sich ebenfalls für den Sachstandsbericht. Sie zeigt sich erfreut darüber, dass derzeit ergebnisoffen über die Einrichtung eines Drogenkonsumraums nachgedacht würde. Das Konzept lebe und „atme“. Ferner berichtet Frau van der Meulen von sehr langen Wartezeiten bis zu vier Jahren auf einen Platz in der Diagnostik. Da sich die betroffenen Personen jedoch in schweren Situationen befinden würden, seien diese stark auf schnelle und akute Hilfe angewiesen. Diese Tatsache solle ihrer Meinung nach im Rahmen der Umsetzung des IKAS Berücksichtigung finden. Außerdem regt Frau van der Meulen an, eine stärkere Einbindung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), insbesondere im Hinblick auf mögliche finanzielle Unterstützungsleistungen, zu bedenken.
Frau Koentges zeigt sich ebenfalls erfreut über den guten Auftakt des Projekts. Es habe sich gezeigt, dass die integrierte Perspektive der richtige Ansatz sei. Das Konzept sei offen und atmend, erfordere von allen Akteur*innen ein neues Denken. Man solle neuen Maßnahmen stets offen begegnen, auch dann, wenn ähnliche Projekte möglicherweise in der Vergangenheit gescheitert seien.
Frau Bürgermeisterin Scheidt stimmt ihren Vorredner*innen zu und erklärt, dass bereits bei der Inbetriebnahme des Konzepts kontroverse Diskussionen geführt worden seien. Man solle dabei jedoch nicht vergessen, dass schon seit circa 1990 ein gutes Hilfssystem für die betroffenen Menschen in Aachen etabliert worden sei. Sie wünsche sich, dass dieses Hilfesystem Eingang in die Umsetzung des Konzepts finde. Eine Zusammenarbeit der Streetworker*innen und den Trägern sei ihrer Auffassung nach von besonderer Bedeutung. Sie rege an, dassdie Streetworker*innen in der Öffentlichkeit bekannt und wahrnehmbar gemacht werden sollten, sodass Menschen vor Ort den unmittelbaren persönlichen Kontakt zu diesen suchen könnten.
Anschließend bedankt sich auch Herr Szagunn für den Sachstandsbericht und die Vorstellung von Frau Masloh. Herr Szagunn erklärt, dass die Fraktion Die Zukunft das Konzept, vorwiegend aufgrund der ordnungspolitischen Maßnahmen, in Gänze abgelehnt habe; grundsätzlich würden die sozialpolitischen Maßnahmen jedoch unterstützt. Zu kritisieren seien hingegen die in der Vorlage erfolgten Ausführungen und Absichten zum Thema WLAN.
Herr Deumens bittet Herrn Hissel zu folgenden Themen nochmals Stellung zu nehmen:
- Personalsituation im Fachbereich Sicherheit und Ordnung
- Drogenkonsumraum
- Psychische Unterstützung
Herr Hissel stimmt zu, dass die Tätigkeit im Fachbereich Sicherheit und Ordnung nicht einfach sei, wodurch die Personalakquise und -bindung erschwert würde. Die durch Tarifrecht und Beamtenrecht gegebenen Rahmen seien zu beachten. Frau Grehling sowie die Kolleg*innen vom Fachbereich Personal und Organisation würden jedoch jede mögliche Maßnahme zur Verbesserung der Personalsituation ergreifen. Diese Maßnahmen hätten bereits einen Anstieg der Bewerbungszahlen bewirkt.
Bezüglich des Drogenkonsumraums weist Herr Hissel darauf hin, dass eine ergebnisoffene Prüfung vorgenommen werden würde. Es könne nicht zugesagt werden, dass das Ergebnis in drei Monaten vorliege. Es sei wichtig, dass der Fachbereich Sicherheit und Ordnung gemeinsam mit den Kolleg*innen der Polizei die Ansammlungen am Kaiserplatz kanalisiere. Drogenkonsum finde statt. Es sei selbstverständlich nicht gewollt, dass dieser In Parkhäusern, Hauseingängen, etc. erfolge. Damit stehe zwangsläufig die Frage im Raum „Wo dann?“. Es gebe somit durchaus Gründe, über einen Drogenkonsumraum nachzudenken. Grundsätzlich gäbe es sowohl gescheiterte als auch erfolgsgekrönte Projekte von Drogenkonsumräumen in anderen Städten. Es sei daher zu schauen, wo es gut funktioniert habe und anschließend zu prüfen, ob dies auch für Aachen eine denkbare Lösung sein könnte.
Zum Thema „WLAN“ führt Herr Hissel aus, dass die Stadt dabei sei, dieses insgesamt auszubauen und ein modernes System zu schaffen. Sollten sich dann an bestimmten Stellen besondere Probleme ergeben, solle man in der Lage sein, dort gezielt WLAN zu verschatten.
Im Hinblick auf die psychischen Hilfeleistungen erklärt Herr Hissel, dass die städtischen Handlungsmöglichkeiten durch die Regelungen des Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten (PsychKG) relativ beschränkt seien. Zudem lägen Maßnahmen der psychiatrischen Hilfeleistungen in der Zuständigkeit der StädteRegion Aachen. Es seien weitere Abstimmungsgespräche mit den zuständigen Trägern erforderlich.
Herr Frankenberger ergänzt, dass in sog. Fallkonferenzen mit der StädteRegion Aachen gezielt über diese Thematik gesprochen werde. Eine Zwangseinweisung nach dem PsychKG stelle die letzte Maßnahmen dar, die man ergreifen wolle. Die Thematik sei ebenfalls von besonderer Relevanz für die Straßensozialarbeit, weshalb das Thema auch bereit mit Frau Masloh besprochen worden sei.
Herr Szagunn ist der Meinung, dass das WLAN in Aachen nicht besonders gut ausgebaut sei, weshalb ihm Ansammlungspunkte von Drogenumschlagsplätzen aufgrund von freiem WLAN als eher unwahrscheinlich erscheinen würde. Die Thematik der punktuellen Abschaltung des WLANs im Stadtgebiet stelle im Rahmen der Umsetzung des IKAS jedoch lediglich einen Nebenschauplatz dar.
Herr Hissel berichtet, dass er im Rahmen seiner vorherigen Tätigkeit bei der Stadt Düren positive Ergebnisse mit der punktuellen Abschaltung von frei verfügbarem WLAN an öffentlichen Plätzen, z.B. am Haus der Stadt, erzielt habe. Man habe hierdurch eine Verteilung der Menschen, die sich vorher in bestimmten Bereichen vermehrt angesammelt hätten, steuern können.
Herr Tillmanns nimmt erneut Bezug auf die psychologische Unterstützung der betroffenen Personen und berichtet, dass er im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit in dieser Woche zwei wohnungslose Personen begleitet habe, die zwangsweise untergebracht werden mussten. Er kritisiert in diesem Zusammenhang, dass nach diesem Aufenthalt keine entsprechende Anschlussunterbringungsmöglichkeiten für psychisch kranke Menschen bestünden. Derzeit gebe es dafür keine Lösung, diese Situationen würden jedoch künftig zunehmen.
Frau van der Meulen schließt sich ihrem Vorredner an. Die Zahl der Menschen mit psychischer Erkrankung nehme stetig zu. Es gebe jedoch keine Aufenthaltsmöglichkeit für diese Menschen bzw. nicht ausreichend Plätze in entsprechenden Einrichtungen. Sie hoffe, dass man im Rahmen der Umsetzung des IKAS auch über diese Problematik nachdenke. Aus ihrer Sicht müssten Politik, Verwaltung und der LVR mehr Angebote adäquater Hilfen schaffen.
Erläuterungen
Als Reaktion auf zahlreiche Rückmeldungen von Innenstadtvertretungen und Interessengemeinchaften und auf Basis eigener Erkenntnisse hat die Verwaltung im Rahmen eines fachlichen Austauschs mit der Bezirksvertretung Mitte am 13.6.2024 zum Thema “SOS” (Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit) erstmalig die Erarbeitung eines integrierten Konzeptes vorgeschlagen. Im Rahmen dieses Konzeptes sollten die vier u.g. Bereiche ausgearbeitet und u.a. die Etablierung einer Bettelverbotszone und einer eigenen, proaktiven Straßensozialarbeit, sowie zahlreiche weitere Maßnahmen geprüft werden. Nach positiver Rückmeldung der Bezirksvertretung B0 wurde daraufhin im Sommer mit der Erarbeitung begonnen.Zudem wurde mit Datum vom 16.8.2024 durch die CDU-Fraktion die Einrichtung einer Bettelverbotszone beantragt.
Das daraufhin von der Verwaltung in die Ratssitzung am 09. Oktober 2024 eingebrachte „Integrierte Konzept für Attraktivität und Sicherheit“ (kurz: IKAS) wurde vom Rat der Stadt mehrheitlich angenommen (FB 56/0529/WP18). Darüber hinaus wurde mit der „Änderung der Ordnungsbehördlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf den Straßen und in den Anlagen in der Stadt Aachen (Aachener Straßenverordnung) vom 19.03.2004 in der Fassung der Änderung vom 17.07.2019“ (FB 32/0061/WP18) eine erste ordnungsbehördliche Maßnahme in Umsetzung gebracht. Der hier dargestellte erste Sachstandsbericht erläutert die in den wenigen Monaten seit Oktober erfolgten weiteren Entwicklungen und stellt die ersten Ergebnisse dar. Da die Umsetzung des IKAS durch eine Lenkungsgruppe unter Federführung der Oberbürgemeisterin gemeinsam mit den Dezernaten II und VI als fortlaufender Prozess angelegt wurde, werden auch künftig Sachstandsberichte im halbjährlichen Rhythmus angelegt, um eine kontinuierliche Evaluierung der Einzelmaßnahmen und des Gesamtprozesses zu ermöglichen.
Ordnungspolitische Maßnahmen
Änderung der Aachener Straßenverordnung
Wie bereits ausgeführt beschloss der Rat am 09. Oktober 2024 mehrheitlich die „Änderung der Ordnungsbehördlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf den Straßen und in den Anlagen in der Stadt Aachen (Aachener Straßenverordnung) vom 19.03.2004 in der Fassung der Änderung vom 17.07.2019“ (FB 32/0061/WP18). Inhaltlicher Schwerpunkt der Änderung war die Erweiterung des „§ 6 Verhalten auf Straßen und in Anlagen“.
Nach Beschluss des Rates wurde die Änderung der Ordnungsbehördlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung am 11. Oktober öffentlich bekannt gemacht und durch den Fachbereich Sicherheit und Ordnung (FB 32) in Umsetzung gebracht. Bis Mitte November agierte der OSD des FB 32 ausschließlich auf Basis des Instruments der mündlichen Verwarnung bei Feststellungen von Ordnungswidrigkeiten hinsichtlich der Neuregelungen der Aachener Straßenverordnung. Seit Mitte November werden auch Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.
Im Zeitraum zwischen Oktober 2024 und Februar 2025 wurden insgesamt 146 Platzverweise im Kontext aggressives / aktives Betteln (§ 6 Abs. 2) erteilt. Weitere 13 Platzverweise wurden im Zusammenhang mit der Feststellung von stillem Betteln (§ 6 Abs. 3) innerhalb der dort genannten Zonen erteilt. Im Vergleichszeitraum 2023/2024 wurden 90 Platzverweise für aggressives Betteln augesprochen. Das „stille“ Betteln war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht Bestandteil der Verordnung. In diesem Zusammenhang ist jedoch deutlich darauf hinzuweisen, dass in Wintermonaten die Zahl der Feststellungen häufig geringer ist als in den „warmen“ Monaten. Darüber hinaus wurden in diesem Zeitraum auch der Weihnachtsmarkt und der Straßenkarneval vom OSD begleitet. Ab dem Monat März finden verstärkt Kontrollen bzgl. der Regelungen des § 6 der Aachener Straßenverordnung statt.
Übertragung von Hausrechten an den OSD an besonders exponierten Räumen
Hierbei stand zunächst der ehemalige Standort des Mediamartks im City Center an der Franzstraße / Ecke Kapuzinergraben im Fokus. Insbesondere für die kommenden „wärmeren“ Monate könnte eine Verschlechterung der jetzigen Situation und Anzahl auffälliger Verhaltensweisen zu befürchten sein, die auch eine Kontaktaufnahme mit dem Eigentümer der Immobilie erforderlich machen könnte. Allerdings könnte sich mit dem Einzug einer neuen gewerblichen Nutzung eine Verbesserung vor Ort einstellen. Die tatsächliche Entwicklung bleibt abzuwarten.
Drogenkriminalität und illegale Prostitution bekämpfen
Das Polizeipräsidium Aachen sowie die Staatsanwaltschaft sind in mehreren Austauschformaten, u.a. im präventiven Rat, über die geänderte Aachener Straßenverordnung sowie das IKAS informiert worden. Weiterhin sind auch in den letzten Monaten die gemeinsamen Streifen fortgesetzt und auch mit diesem Blickwinkel beauftragt worden. Insbesondere fanden in dem Evaluationszeitraum mehrere Schwerpunkteinsätze statt, die u.a. auch zur vorläufigen Schließung einer bezüglich des Betäubungsmittelhandels verdächtigen Verkaufsstelle geführt haben.
Die Abstimmung sicherheits- und ordnungsrechtlich relevanter Sachverhalte erfolgt regelmäßig über den präventiven Rat. Auch hier wurde das Konzept bereits vorgestellt. Um sich auf der Ebene der Behördenleitungen nochmals eng abzustimmen, hat Frau Oberbürgermeisterin Keupen das Polizeipräsidium Aachen sowie die Oberstaatsanwaltschaft in Aachen per Brief zu einem vertieften Abstimmungsgespräch eingeladen, welches in Kürze stattfinden wird.
Kernanliegen ist natürlich die Vernetzung und Abstimmung behördlichen Handelns mit dem Ziel, die größtmögliche Effektivität der einzelnen – der jeweiligen Zuständigkeit folgende - Maßnahmenpakete zu erreichen.
So gilt es nur bspw. abzugleichen, ob etwa das zum Kaiserplatz verlagerte Mobiliar ggf. die Funktionalität der Videobeobachtung beeinträchtigt oder ob etwa die Polizei von ihren subsidirären Zuständigkeiten der angepassten Aachener Straßenverordnung schon Gebrauch gemacht hat oder ob und inwieweit gegenüber den gemeinsamen Streifen weitergehende Streifen oder Aktionen erforderlich sind. Auch gilt es abzustimmen, ob und inwieweit etwa gemeinsame ordnungsbehörliche Informationsveranstaltungen erforderlich und hilfreich sein können.
Weitere Maßnahmen
Psychische Erkrankungen besser begleiten
Die Problematik der psychischen Erkrankungen auch im öffentlichen Straßenraum ist mit der Grundsatzvorlage zum IKAS dargestellt worden. Neben den allgemeinen Problem von Versorgung, Betreuung und Unterbringung ist es auch wichtig, ein gemeinsames Verständnis mit den insoweit relevanten Institutionen im Umgang mit den erkrankten Personen zu finden, dass dann auch im allgemeinen Arbeitsalltag des FB 32 die Arbeit mit den psychisch erkrankten Personen erleichtern soll. Um dieses Verständnis herzustellen strebt FB 32 einen kontinuierlichen Austausch mit dem Alexianer Krankenhaus an. Ein Auftakttermin ist für Anfang April vorgesehen.
Personalsituation
Die Umsetzung der ordnungspolitischen Maßnahmen ist eng an die Personalsituation des OSD geknüpft. Zum aktuellen Zeitpunkt sind 35 von 54 Planstellen im OSD besetzt. Die veröffentlichte Dauerausschreibung zur weiteren Personalgewinnung hat positive Resonanz erzeugt.. Auch die verbesserte Ausstattung der Fachkräfte, insbesondere auch die öffentliche Information über Hilfsmittel wie Body-Cams hat die Attraktivität der Stellen verbessert. Zur Zeit ist ein weiteres Auswahlverfahren beginnend ab Ende März mit mindestens 20 Personen terminiert.
Sozialpolitische Maßnahmen
Pro-aktive Straßensozialarbeit bei der Stadt
Im Rahmen der Umsetzung der sozialpolitischen Maßnahmen des IKAS wurde am 01.02.2025 die Koordinationsstelle Straßensozialarbeit der Stadt Aachen durch Frau Masloh besetzt. Seit dieser Besetzung wird der Aufbau der erforderlichen Strukturen systematisch vorangetrieben und es werden Konzepte für die Umsetzung der pro-aktiven Straßensozialarbeit erarbeitet. Zudem wurden die notwendigen Unterlagen für die Stelleneinrichtungsanträge der beiden geplanten Streetworker*innen im operativen Dienst an den FB 11 weitergeleitet. Nach Prüfung und Genehmigung dieser Anträge wird die Ausschreibung der entsprechenden Stellen zeitnah erfolgen können. Die Ausschreibung wird damit auch unmittelbar mit der haushaltsrechtlichen Genehmigung zusammenfallen.
Neben den fachlichen und strukturellen Ausarbeitungen nahm die Koordinationsstelle Straßensozialarbeit bereits an einem ersten Treffen des Arbeitskreises Niedrigschwelligkeit teil. Eine regelmäßige Teilnahme an diesem Arbeitskreis ist vorgesehen, um die fachliche Zusammenarbeit und den interdisziplinären Austausch weiter zu intensivieren. In den kommenden Wochen wird zudem aktiv der Dialog mit relevanten Trägern, Einrichtungen und weiteren Akteur*innen gesucht, um durch diese Vernetzung die Effizienz und Wirksamkeit der operativen Straßensozialarbeit zu steigern.
Im Zusammenhang mit der Umsetzung des IKAS und entsprechend der Anregung des AK Niederschwelligkeit soll die Koordinationsstelle Straßensozialarbeit zudem ergebnisoffen die Möglichkeit, Eignung und Grenzen verschiedener Konzepte von Drogenkonsumräumen und -orten prüfen. Dabei sollen natürlich sowohl die gemachten Erfahrungen in Aachen Einfluss finden, als auch Erkenntnisse aus anderen Städten, die Drogenkonsumräume unterhalten. Die Erkenntnisse dieser Prüfung werden der Politik zu gegebener Zeit vorgestellt.
Finanzierung des Projekts Querbeet 2.0
In seiner Sitzung am 5. Februar 2025 hat der Rat der Stadt Aachen die Finanzierung des Projekts „Querbeet für erwerbsunfähige Suchtkranke in der Städteregion“ gemeinsam mit der StädteRegion Aachen beschlossen (FB 56/0556/WP18). Der gemeinsame Zuschuss beträgt 193.000 € pro Jahr, zunächst befristet bis zum 31. Dezember 2026, wovon 85 % (164.050 €) durch die Stadt Aachen (über die Regionsumlage) getragen werden. In der vorhergehenden Sitzung des Ausschusses für Soziales, Integration und Demographie am 5. Dezember 2024 wurde darüber hinaus der Beschluss gefasst, einen jährlichen Bericht über das Projekt unter Berücksichtigung der Einsatzorte des Projekts im Stadtgebiet darzulegen.
Konzept „Wohnen jetzt! HOUSING FIRST AACHEN“
Mit Beschluss des Haushaltsplans 2025 wurden finanzielle Mittel in Höhe von 60.000 € jährlich für die Jahre 2025 ff zur Umsetzung eines Angebots aufbauend auf dem Konzept „Wohnen jetzt! HOUSING FIRST AACHEN“ der beiden Träger WABe e.V. und Caritasverband zur Verfügung gestellt. Ziel des Konzepts ist die Versorgung von wohnungslosen und obdachlosen Menschen, die noch nicht an das bestehende Hilfeangebot angebunden sind mit Wohnraum in Aachen. Dabei werden Angehörige der Zielgruppe bei allen Prozessen der Wohnungsanmietung sowie mittels weiterer Beratungs- und Betreuungsangebote durch sozialarbeiterische Kräfte begleitet und unterstützt. Das ausführliche Konzept des WABe e.V. und des Caritasverbands kann der Vorlage FB 56/0553/WP18 entnommen werden.
Maßnahmen im öffentlichen Raum
Licht & Sicht
Für die Verbesserung von Sichtbeziehungen und Beleuchtung an ausgewählten Plätzen, Unterführungen, Nischen und versteckten Ecken setzt die Maßnahme „Licht & Sicht“ an. Die Stadtgestaltung hat in der Unterführung Pontstraße bereits eine erste Maßnahme umgesetzt. Die Regionetz ist Ende 2024 beauftragt worden, die Beleuchtungssituation - insbesondere in Nischen - zu verbessern. Mit einer Umsetzung ist im Frühjahr 2025 zu rechnen.
Weitere gestalterische Verbesserungen sind in der Unterführung Turmstraße in Planung. Auch hier wird eine Umsetzung der Maßnahme im Jahr 2025 geplant.
Aufwertung Willy-Brandt-Platz, Holzgraben / Dahmengraben
Für den Willy-Brandt-Platz wurden im Spätsommer 2024 mit Hilfe des ZIO-Programms (Förderprogramm des Landes Zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren) hochwertige temporäre Sitzmöbel inklusive Bepflanzung aufgestellt. Eine erste Evaluierung ergibt, dass die Sitzmöglichkeiten sehr gut angenommen werden und die Qualitäten des Platzes und den Bedarf für Aufenthalt an dieser Stelle sehr gut herausstellen.
Für die Holz- und Dahmengraben wird eine Ausschreibung von Sitzelementen in Kombination mit Bepflanzung aktuell vorbereitet. Eine Förderung deckungsgleich zum Willy-Brandt-Platz ist gegeben. Mit einer Realisierung ist im Sommer 2025 zu rechnen.
Abgegrenzter Aufenthaltsbereich am Kaiserplatz
Die während des Fokusjahrs Adalbertstraße angeschafften Elemente der mobilen Begrünung und erhöhten Sitzbereichen wurden im Dezember am Kaiserplatz umgesetzt. Dort bieten die Elemente einen abgegrenzten Aufenthaltsbereich für die ansässige Szene. Die Ergebnisse dieser Maßnahme werden kurzfristig ausgewertet. Die räumliche Abgrenzung scheint stimmig, die optische Ausgestaltung scheint optimierungsfähig.
Reduzierung von frei-nutzbarem WLAN
Eine Ausschreibung für ein "Reallabor öffentliches WLAN" in der Innenstadt Aachens ist aktuell in Vorbereitung und wird zügig durchgeführt. Ziel der Ausschreibung ist die Erweiterung der bestehenden innerstädtischen Abdeckung mit frei-nutzbarem WLAN durch die Errichtung neuer Access-Points. Die Ausschreibung ist so ausgelegt, dass zunächst eine Verbindungsachse zwischen bestehenden Access-Points realisiert wird. Die technische Möglichkeit der Verschattung einzelner Orte ist mit den neuen Access-Points gegeben und kann flexibel gesteuert werden, sodass die Erkenntnisse des Reallabors in die zukünftige Ausgestaltung und Steuerung des frei-nutzbaren WLANs einfließen.
Weitere Maßnahmen:
Aktionsmonat Mai "Kaiserplatz im Blick – Gemeinsam gestalten"
Mit dem Aktionsmonat „Kaiserplatz im Blick – Gemeinsam gestalten.“ soll der Kaiserplatz und seine Umgebung als lebendiger, offener und vielfältiger Ort der Begegnung gestärkt werden. Durch kulturelle, soziale und interaktive Angebote wird das Netzwerk vor Ort gefestigt und das Gemeinschaftsgefühl gefördert, um einen nachhaltigen positiven Impuls für das Viertel zu setzen. Gleichzeitig rücken die zahlreichen engagierten Initiativen, Einrichtungen und Einzelakteure vor Ort – die oft im Verborgenen wirken – in den Mittelpunkt.
Der Aktionsmonat lenkt bewusst eine gebündelte, positive Aufmerksamkeit auf den Kaiserplatz, um die vielfältigen Aktivitäten und das vorhandene Engagement sichtbar zu machen – jenseits der oft problemfokussierten Wahrnehmung.
Den Auftakt bildet am 10. Mai 2025 ein Fest mit einem abwechslungsreichen Programm für die gesamte Stadtgesellschaft. Geplant sind eine Kunstausstellung und eine künstlerische Mitmach-Aktion des Künstler*innen-Kollektivs „Getting-Up Foundation“ sowie Infostände der Stadt Aachen und sozialer Einrichtungen des Arbeitskreises Niederschwelligkeit, die über Hilfsangebote und Prävention informieren. Ein Kleidermarkt der Caritas im „Kiosk Troddwar“ sowie kulinarische Angebote lokaler Akteur*innen ergänzen das Fest.
Auch im weiteren Verlauf des Monats sorgen vielfältige Veranstaltungen für eine lebendige Nutzung des Ortes – darunter ein Kinderflohmarkt, ein Poetry Slam in der Promenadenstraße, ein historischer Stadtrundgang sowie eine Lesung des Journalisten Jörg Böckem über seine Erfahrungen mit Suchterkrankung. Ergänzt wird das Programm durch weitere kulturelle Formate, die den Raum für unterschiedliche Gruppen zugänglich machen.
Ein besonderes Anliegen ist es, niemanden auszuschließen: Menschen mit Suchterkrankung, Wohnungs- oder Obdachlosigkeit werden nicht verdrängt, sondern ausdrücklich einbezogen – etwa durch das Projekt „Querbeet“, den Kleidermarkt der Caritas und Veranstaltungen, die auch ihre Lebensrealitäten sichtbar machen. Die Aktivitäten sind dabei dezentral organisiert und verteilen sich über einen Zeitraum von mehreren Wochen. Viele Angebote finden bewusst nicht direkt am Kaiserplatz statt, sondern in der näheren Umgebung. Verdrängungseffekte sind daher nicht zu erwarten – vielmehr geht es darum, gemeinsam neue Räume für Begegnung und Teilhabe zu schaffen.
Der Aktionsmonat setzt somit positive Impulse für ein respektvolles Miteinander sowie für die nachhaltige Belebung des Kaiserplatzes als Ort des Miteinanders.Eine ausführliche Darstellung der geplanten Maßnahmen und Programmpunkte ist der Vorlage FB 01/0644/WP18 zu entnehmen.
Kommunikation & Sensibilisierung
Kampagne „Hilf – Aber richtig“
Der Fachbereich Kommunikation und Stadtmarketing berichtet kontinuierlich über alle aktuellen Beschlüsse und Maßnahmen des IKAS. Mit dem Relaunch wird er auf aachen.de eine neue Seite mit Hilfsangeboten und Informationen rund um Bettelei anbieten.
Die Botschaft: Hilf, aber richtig! Die Anpassung der Straßenverordnung soll die Bettelproblematik entschärfen, nicht etwas verbieten. Jeder Mensch hat das Recht, um Hilfe zu bitten. Bettler*innen gehören zu unserem Stadtbild, ein menschenwürdiger Umgang mit ihnen ist Teil unseres gesellschaftlichen Selbstverständnisses. Die Maßnahmen des IKAS sorgen für ein friedliches Miteinander, im Interesse der Bevölkerung und der bettelnden Menschen. Ein Schwerpunkt wird darauf liegen, die städtischen Maßnahmen rund um das Thema zu erläutern und gleichzeitig Orte und Hilfsangebote aufzuzeigen, die obdachlosen Menschen zur Verfügung stehen. Wer helfen möchte, kann beispielsweise die aufgeführten Vereine, Verbände und Einrichtungen finanziell unterstützen. Ein optimaler Zeitpunkt für die Öffentlichkeitsarbeit ist die Einführung des Aachen-Talers. Sollte diese sich verzögern, ist eine Kampagne auch schon zu einem früheren Zeitpunkt möglich
Der Aachen-Taler als Alternative zur Bargeldspende
Hinsichtlich der Einführung des Aachen-Talers als Alternative zur Bargeldspende wurden in der Zwischenzeit erste Anbahnungsgespräche mit dem lokalen Einzelhandel sowie der Sparkasse Aachen geführt. Identifizierte Herausforderungen bestehen in der Errichtung und Administration einer „Wechselstube“, welche die Ausgabe und Einlösung der Ersatzwährung gegen Bargeld ausführt.Weitere Gespräche hierzu werden aktuell vereinbart.
Technische Details
ID: 1010396
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1010396
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2025-03-07 Dez VI_0012_WP18 Tagesordnungsantrag SAO.pdf
24.3.2025
97.3 KB
Betroffene Straßen
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Metadaten
- TOP
- Ö 3
- Sitzung
- Sitzung des Ausschusses für Soziales, Integration und Demographie
- Gremium
- Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie
- Datum
- Do., 03.04.2025
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- Dezernat VI
- Geändert
- 8.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 8. Februar 2026 um 12:12
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
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