9. Juli 2025 um 11:00, Grenzlandtheater Aachen
TOP 4.1Öffentlich

Kostenloses Busfahren für Aachener Kinder und Jugendliche im Großraum Aachen (Stadt und Städteregion)

FB 68/0241/WP18 · Kenntnisnahme

im Ratsinformationssystem anzeigen
Beratungsergebnis:zur Kenntnis genommen

Beratung

Herr Dopatka leitet zum ersten Antrag über: Die Kinder der KGS Passstraße wünschen sich, dass alle Kinder und Jugendlichen im Großraum Aachen kostenlos Bus fahren dürfen.

Die Kinder übernehmen eigenständig die Präsentation ihres Anliegens und berichten, dass der Antrag zuvor sowohl im Klassenrat als auch durch die Schülervertretung abgestimmt wurde.

Um zu zeigen, wie sie die Situation empfinden, spielen Sie Szenen aus ihrem Alltag nach, wie einen Ausflug ins Schwimmbad, ins Kino oder in den Tierpark. Dabei wird deutlich, dass in zahlreichen Familien zwar die finanziellen Mittel für Eintrittskarten vorhanden sind, dann jedoch nicht mehr für das Busticket. Die Kinder begründen ihren Antrag damit, dass viele Familien sich die Busfahrten nicht leisten können, kein Auto besitzen oder weite Wege zurücklegen müssen, die zu Fuß oder mit dem Rad nicht schaffbar sind. Auch die Möglichkeit für Schulklassen, gemeinsam Ausflüge zu unternehmen, sowie der Umweltschutz sind wichtige Argumente für die Kinder. In diesem Zusammenhang machen sie auf das Beispiel aufmerksam, dass bereits alle Kinder kostenlos Museen besuchen dürfen. Warum also nicht auch mit dem Bus fahren? Zur Unterstützung ihres Anliegens zeigen sie gemalte Bilder, auf denen Busse und Wunschorte dargestellt sind. Den Abschluss ihrer Präsentation bildet ein selbstverfasstes Gedicht, das das Anliegen nochmals eindrucksvoll zusammenfasst.

Im Anschluss an die Vorstellung des Antrags durch die Schüler*innen übernimmt Uwe Müller, der Fachbereichsleiter des Fachbereich 68 (Verkehrsmanagement) die Stellungnahme der Verwaltung. Er bedankt sich zunächst für das Engagement und betont, dass der Antrag nachvollziehbar und gut begründet sei. Er betont gleichzeitig, dass die Thematik des kostenfreien Busfahrens ein komplexer Prozess sei, der verschiedene Ebenen umfasst, angefangen bei der Stadt über das Land bis hin zum Bund.

Herr Müller erläutert mithilfe einer Präsentation, die im städtischen Ratsinformationssystem Allris zur Verfügung gestellt wird, die finanziellen Hintergründe des öffentlichen Nahverkehrs. Er erklärt, dass neben den Ticketkosten weitere erhebliche Ausgaben anfallen, z.B. für Busfahrer*innen, Strom, Benzin, Haltestellen, Reparaturen und Wartung der Fahrzeuge. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf seien bei weitem nicht kostendeckend.

Mit Blick auf den Wunsch nach kostenlosen Tickets für Kinder stellt Herr Müller dar, dass allein der Wegfall der Schülertickets ein jährliches Minus von etwa 15 Millionen Euro bedeuten würde. Um dies zu kompensieren, wäre es notwendig, die Steuern zu erhöhen oder an anderen Orten wie Schulen, Spielplätzen oder Schwimmbädern zu sparen. Obwohl es sozial gerecht und ökologisch sinnvoll wäre, den Nahverkehr ohne Fahrschein anzubieten, wurde eine solche Entscheidung bisher politisch nicht gefällt. Herr Müller verweist in diesem Zusammenhang auf bestehende Ermäßigungen und Unterstützungsangebote für Familien mit geringem Einkommen. Abschließend betont Herr Müller, dass das Thema aber u.a. im Mobilitätsausschuss weiter beraten wird.

Herr Dopatka leitet im Anschluss die Diskussion ein und lädt die Kinder dazu ein, Fragen zu stellen oder ihre Meinung zum Thema zu äußern.

Die Schüler*innen bringen vielfältige Perspektiven zum Thema ein. Insgesamt wird deutlich, dass der Wunsch nach kostenfreien Busfahrten, insbesondere für Schulklassen und Ausflüge, sehr hoch ist. Mehrere Kinder weisen darauf hin, dass Fahrkartenkosten für viele Familien eine finanzielle Belastung darstellen. Gleichzeitig wird anerkannt, dass Busfahrer*innen bezahlt werden müssen und der Betrieb der Busse Kosten verursacht. Einige Schüler äußern Bedenken, dass niedrigere Einnahmen zu weniger Busangeboten und vermehrten Streiks führen könnten. Eine Schülerin beklagt, dass bereits ihre vierjährige Schwester für Busfahrten zahlen müsse. Herr Dopatka nimmt diese Anmerkung auf und erklärt, dass er im Anschluss an das Kinderforum einen Termin mit dem Vorsitzenden der ASEAG habe. Er wird dort den Wunsch äußern alle Busfahrer entsprechend zu schulen und zu sensibilisieren. Den ein Busticket zahlen müssen heute schon erst Kinder ab 6 Jahren. Abschließend wird auf die Situation hingewiesen, dass Lehrkräfte oft ihre Fahrkarten für Klassenfahrten privat bezahlen. Dies unterstreicht aus Sicht der Kinder die Dringlichkeit von zumindest kostengünstigeren Lösungen für einen Klassenverbund.

Herr Dopatka fasst die Diskussion zusammen und weist darauf hin, dass es bei vielen Anliegen oft mehr gute Ideen als verfügbare finanzielle Mittel gebe. Er veranschaulicht dies mit einem Beispiel. Er erläutert, dass die Stadt nur einer von mehreren Akteuren in diesem Prozess sei und viele Entscheidungen auch auf Ebene der Parteien, des Landtags und weiterer Gremien getroffen werden müssten. Abschließend lädt er alle Kinder ein, im nächsten Jahr wieder am Kinderforum teilzunehmen, um den aktuellen Stand zu erfahren.

Das Gremium nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.

Erläuterungen

Am 9. Juli 2025 findet im Grenzlandtheater in der Elisengalerie zum zweiten Mal das Kinderforum der Stadt Aachen statt. Dort können Grundschulkinder ihre Ideen sagen und Wünsche äußern – und zwar direkt an die Politik!

Das Kinderforum ermöglicht es den jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, ihre Sichtweisen einzubringen und aktiv an der Entwicklung ihrer Stadt mitzuwirken. So lernen sie, wie Demokratie funktioniert – also wie man gemeinsam Dinge verändern kann.

In diesem Jahr haben die Schülerinnen und Schüler der KGS Passstraße einen Wunsch: Sie möchten, dass alle Kinder und Jugendlichen in Aachen kostenlos mit dem Bus fahren dürfen. Deshalb haben sie einen Antrag an das Kinderforum geschrieben (Anlage 1). Sie glauben, dass kostenloses Busfahren vielen Kindern und deren Familien helfen würde

Die Stadt Aachen freut sich sehr über diesen Vorschlag. Auch wenn das Thema ganz schön kompliziert ist – sogar für Erwachsene – möchten wir versuchen, alle Fragen so gut wie möglich zu beantworten. Vielen Dank für euren tollen Beitrag!

Sachstand / Stellungnahme der Verwaltung (Was sagt die Verwaltung?)

Bestimmt seid ihr schon einmal mit dem Bus oder der Bahn gefahren. Aber habt ihr euch schon mal gefragt, wer eigentlich dafür bezahlt, dass die Busse fahren und die Züge rollen? Genau darum geht es jetzt!

Was kostet Busfahren eigentlich – und wer bezahlt das?

Damit ein Bus losfahren kann, braucht man ganz schön viel:

  • Ein Fahrzeug muss gekauft werden
  • Haltestellen müssen gebaut werden
  • Busfahrerinnen und Busfahrer, die ihren Job machen
  • Geld für Benzin oder Strom
  • Geld für die Reparatur der Busse

Ein Teil dieses Geldes kommt von den Menschen, die Tickets kaufen. Aber: Das reicht nicht aus. Busfahren ist teurer, als die Tickets einbringen. In Aachen hat der Busverkehr im letzten Jahr über 35 Millionen Euro mehr gekostet, als durch Ticketverkäufe eingenommen wurde.

Deshalb hilft der Staat mit Geld. Also bei uns die Stadt Aachen, das Land Nordrhein-Westfalen und die Bundesregierung in Berlin. Sie alle wollen, dass es weiterhin Busse gibt.

Was wäre, wenn Busfahren für Kinder kostenlos ist?

Wenn Kinder und Jugendliche keine Tickets mehr bezahlen müssten, würde noch mehr Geld fehlen (circa 15 Millionen Euro). Dieses Geld müsste die Stadt dann zusätzlich bezahlen. Dafür braucht die Stadt Steuern – also das Geld, das Erwachsene an den Staat zahlen. Wenn mehr Geld für Busse gebraucht wird, kann es sein, dass es an anderen Stellen weniger gibt – zum Beispiel für Schulen, Spielplätze oder Schwimmbäder.

Warum wünschen sich viele kostenloses Busfahren?

Ihr habt völlig recht: Viele Familien haben nicht so viel Geld. Für sie wäre es eine große Hilfe, wenn ihre Kinder kostenlos Bus fahren könnten – zur Schule, auf Klassenfahrt, zum Sport oder einfach, um die Stadt zu entdecken.
Das wäre auch besser für die Umwelt: Weniger Autos bedeuten weniger Abgase und weniger Lärm.

In Fällen, wo eine Familie nicht genügend Geld hat, kann der Staat helfen und dafür sorgen, dass Familien unterstützt werden. Somit ist es dann vielen Kinder möglich tolle Orte wie den Tierpark, das Schwimmbad, Museen, den Dom, das Kino oder das Theater zu besuchen. Aber nicht nur die Fahrt zu einem Ort kostet etwas. Auch viele der schönen Orte selbst verlangen Eintritt, zum Beispiel der Tierpark, das Schwimmbad, das Kino oder das Theater. Diese Einrichtungen brauchen – ähnlich wie der Busverkehr - Geld, um öffnen zu können – zum Beispiel für Personal, Strom, Futter für die Tiere oder neue Filme.

Kinder unter 6 Jahren zahlen an vielen dieser Orte nichts oder müssen weniger bezahlen als Erwachsene. So ist das auch bei Busfahrten in Aachen, bei dem Kinder unter 6 Jahren kostenlos mit einem Erwachsenen mitfahren können und es für Schulkinder günstigere Tickets gibts. Somit können die Kinder gemeinsam mit ihren Eltern, Lehrerinnen und Lehrern oder Erzieherinnen und Erziehern öfter mit dem Bus unterwegs sein und früh lernen, wie das Busfahren funktioniert:

  • Wo stellt man sich am besten an die Haltestelle?
  • Wann darf man einsteigen?
  • Wie verhält man sich im Bus, damit es sicher bleibt?
  • Und wie kommt man sicher wieder aus dem Bus heraus?

Dadurch werden die Kinder selbstständiger und wissen später genau, worauf sie achten müssen. Das gibt ihnen Sicherheit und ein gutes Gefühl.

Auch für Jugendliche wäre kostenloses Busfahren ein großer Vorteil. Besonders zum Beispiel abends nach einem Kinobesuch, einem Sporttraining oder wenn sie sich mit Freundinnen und Freunden getroffen haben, ist es oft viel sicherer, mit dem Bus nach Hause zu fahren als alleine zu Fuß zu gehen.

Welche Aufgabe hat die Politik?

Wie ihr seht, wäre kostenloses Busfahren für Kinder und Jugendliche eine tolle Sache, die aber leider nicht so einfach umzusetzen ist. Ob Kinder und Jugendliche kostenlos Busfahren können oder nicht, entscheidet am Ende die Politik. Die Politik muss dabei die wichtige Entscheidung treffen, ob sie mehr Geld dazugibt, wenn die Tickets günstiger oder gar kostenlos werden, oder ob es wichtiger ist das Bus- und Bahnangebot zu verbessern und mehr Busse fahren zu lassen und neue Linien zu schaffen.

Alle Erwachsenen dürfen regelmäßig die „Politik“ wählen, das heißt welche Politikerinnen und Politiker sie gut finden auch je nachdem, wie diese mit dem Geld der Stadt umgehen.

Was passiert als Nächstes?

Ob das Busfahren für Kinder und Jugendliche bald kostenlos wird, ist also noch offen. Aber: Wenn viele Menschen sich dafür einsetzen und die Politik überzeugt werden kann, könnte dieser Wunsch vielleicht Wirklichkeit werden.

Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2025-06-18 FB 68_0241_WP18 Kostenloses Busfahre SAO.pdf

1.7.2025

212.7 KB

Betroffene Straßen

Karte wird geladen…

Metadaten

TOP
Ö 4.1
Sitzung
Sitzung des Bürgerforums als Kinderforum
Gremium
Bürgerforum
Datum
Mi., 09.07.2025
Uhrzeit
11:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Kenntnisnahme
Status
öffentlich
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
FB 68 - Mobilität und Verkehr
Geändert
13.8.2025
Inhalt abgerufen
8. Februar 2026 um 12:12

Beschlussdokument

Sammeldokument öffentlich

Öffnen