Forstwirtschaftsplan 2021, hier: Bereich Brand
FB 36/0488/WP17 · Kenntnisnahme
Forstwirtschaftsplan 2021, hier: Bereich Brand
im Ratsinformationssystem anzeigenBeratung
Frau Krott von der CDU-BF bedankt sich bei Frau Wiese vom Fachbereich Umwelt für die eingehenden Ausführungen im vorliegenden Forstwirtschaftsplan für 2021. Er sei zwar nicht erfreulich, doch sehe es in anderen Landesteilen in NRW noch schlechter aus.
Frau Müller von der SPD-BF schließt sich dem Dank an und freut sich, dass sich der Brander Wald trotz der schlechten Prognosen zum Teil ohne Eingriffe erholen könne.
Herr Hußmann von der Grünen-BF bittet um Informationen bezüglich geplanter Nachpflanzungen durch die Verwaltung. Des Weiteren bittet er um Auskunft, ob es bestimmte Flächen im Brander Wald gebe, die man gezielt sich selbst überlassen könne.
Frau Wiese vom Forstamt teilt hierzu mit, dass es derzeit schwierig sei, weitere Aufforstungen zu planen, da das Personal mit dem Abtransport von Totholz und der Beseitigung von Sturmschäden bislang voll ausgelastet sei. In Zukunft würden aber mehr hitzeresistente Baumarten, wie z. B. die Douglasie, gepflanzt. Außerdem mache der Wald viel allein. Speziell ausgewiesene Flächen, die man gezielt sich selbst überlässt, gebe es nicht. Das Forstamt handele nach jeweiligem Bedarf.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Die Bezirksvertretung Brand nimmt den Forstwirtschaftsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2021 für den Brander Wald zustimmend zur Kenntnis.
In Vertretung
Dr. Markus Kremer
(Beigeordneter)
Erläuterungen
Erläuterungen:
Die Kommune erstellt gemäß Landesforstgesetz NRW jährlich einen Forstwirtschaftsplan. Dabei orientiert sich der Forstbetrieb an einem mittelfristigen - auf 10 Jahre ausgelegten - Betriebsplan (Forsteinrichtungswerk). Dieses zentrale forstliche Planungs- und Führungsinstrument gibt dem Forstbetrieb Rahmenbedingungen vor, um die ökonomischen, ökologischen und sozialen Ziele mittelfristig zu erreichen.Im Einrichtungszeitraum von 2015-2025 sind nun im sechsten Jahr die forstwirtschaftlichen Maßnahmen zu planen.
Rückblick auf das Forstwirtschaftsjahr 2020
Im Forstwirtschaftsjahr 2020 hatte der Wald erneut mit Witterungsextremen zu kämpfen, beginnend mit den Stürmen Sabine und Victoria im Februar 2020, gefolgt von einem weiteren regenarmen Jahr, das in Verbindung mit den Wasserdefiziten der beiden Vorjahre zu einer langanhaltenden schweren Dürre im Wurzelraum der Bäume führte.
Dem Wald in NRW geht es laut MULNV so schlecht wie nie zuvor. Die Vitalität eines Baumes lässt sich an der Krone ablesen. Laut Waldzustandsbericht 2019 zeigen 42 Prozent der Bäume eine deutliche Kronenverlichtung, 39 Prozent eine schwache und nur 19 Prozent der Bäume sind ohne Blatt- bzw. Nadelverlust. Auffällig hohe Schäden zeigen sich bei den Fichten. Über mehrere Jahre hinweg fielen sie Stürmen zum Opfer und seit drei Jahren leiden sie unter massivem Borkenkäferbefall. Befallene Bäume sollen innerhalb weniger Wochen gefällt und abtransportiert oder geschält werden. Trotz aller Bemühungen entstanden auch in Aachen große Kahlflächen, wie bspw. im Umfeld des Preuswaldes oder im Brander Wald.
Nachdem unsere Laubbäume die Trockenheit in den Vorjahren gut überstanden haben, zeigten sie im Jahr 2020 vermehrt Blattverluste. Gelegentlich trocknen die Kronen von der Spitze her ein. Besonders betroffen sind ältere Buchen, aber auch Birken an Waldrändern. Darüber hinaus treten Schädlinge an Thuja und Lärche auf, die bisher im Raum Aachen keine Rolle spielten und im Brander Wald überdies nicht vorkommen.
Durch die vielen Schäden gerät die einst nachhaltige, d.h. am Zuwachs orientierte kontinuierliche Waldwirtschaft ins Wanken. Außerplanmäßige Nutzungen (Kalamitätsholz) prägen die Forstarbeiten der letzten Jahre und die einst planbaren Arbeiten treten in den Hintergrund. Die Personalressourcen des Forstamtes fließen in Kontrollgänge, in die Beseitigung von Schäden und in die Verkehrssicherung. In der Folge treten die sonstigen Forstbetriebsarbeiten wie Pflegeeingriffe (Jungbestandspflege, Durchforstung) oder die Unterhaltung von Wegen und Erholungseinrichtungen in den Hintergrund.
Gemessen an den Waldverlusten in anderen Regionen Nordrhein-Westfalens (bspw. Sauerland) sind die Schäden in den Aachener Wäldern jedoch noch überschaubar.
Forstwirtschaftsplan 2021
a) Holzeinschlagsplan
*)Alh = andere Laubbäume mit hoher Umtriebszeit (Esche, Bergahorn, Kirsche)
Aln = andere Laubbäume mit niedriger Umtriebszeit (Roteiche, Birke, Roterle, Eberesche, Robinie, Rosskastanie)
**) 1.000 Festmeter Kalamitätsholz (s.o.) sind noch nicht erfasst und in der Aufstellung nicht berücksichtigt
Aus der vorangestellten Tabelle geht hervor, dass der Nutzungsansatz in der Holzartengruppe Fichte/Douglasie bereits heute mit 413 Festmeter (fm) überschritten ist. Dabei sind rund 1.000 fm Fichtenkalamitätsholz, die nach dem Stichtag 01.09.2020 aufgearbeitet wurden, noch nicht berücksichtigt.
Wie zuvor dargestellt sind die Fichtenwälder vielerorts aufgerissen und labil. Hinzu kommt, dass sich die Käferpopulation nach Aussagen des Landesbetriebs Wald und Holz gegenüber 2018 verzwölffacht hat. In den kommenden Jahren ist daher mit weiteren Schäden zu rechnen. Mit Ausnahme einer kleinen Durchforstung im Süden des Brander Waldes sind keine regulären Einschläge geplant. Das Gemeindeforstamt wird sich - wie in den Vorjahren - auf die Beseitigung von Schäden konzentrieren.
b) Kultur-, Wege- und Erholungsplanung
Kulturbegründung
Aufgrund der Vielzahl an Schadflächen in den Wäldern der Stadt Aachen und den begrenzten Unternehmerkapazitäten sowie den schwierigen Holzabsatzmöglichkeiten konnte mit den Aufräumarbeiten (Sturmholz) im Brander Wald erst spät begonnen werden. Erst nach Räumung der Flächen werden die Schäden an den Kulturen der Vorjahre sichtbar und erst nach Inaugenscheinnahme der Freiflächen kann entschieden werden, ob eine Wiederbewaldung durch natürliche Sukzession oder Pflanzung erfolgen soll. Da die Holzerntearbeiten zum Zeitpunkt der Vorlagenerstellung noch andauern, sind für das Forstwirtschaftsjahr 2021 (Oktober 2020 bis September 2021) weder Nachbesserungen noch konkrete Wiederaufforstungen geplant.
Kulturpflege/Kultursicherung/Waldschutz
In den Vorjahren wurden bereits sehr große Bereiche des Brander Waldes aufgeforstet. Diese Kulturen werden bei starkem Brombeer- oder Farnbewuchs freigeschnitten und gegen Wildverbiss geschützt.
Zukünftig werden Wiederaufforstungsmaßnahmen sowie Arbeiten im Bereich der Kultur- und Jungbestandspflege an Bedeutung gewinnen und die Arbeitsschwerpunkte im Gemeindeforstamt über Jahre hinweg verschieben.
Wegebau/Wegeunterhaltung
Durch Holzernte- und –rückemaschinen sowie die Holzabfuhr wurden die Waldwege etwas in Mitleidenschaft gezogen. Im anstehenden Forstwirtschaftsjahr werden diese Teilbereiche wieder instandgesetzt, insbesondere der Abschnitt von der Schranke (Birkenstraße) her kommend ab der ersten Wegekreuzung in Richtung Nordwesten (Truppenübungsplatz).
Erholung/Erholungseinrichtungen
Leider wurde die neu erbaute Schutzhütte im Brander Wald durch die Februarstürme vollständig zerstört. Sie wird voraussichtlich im Sommer 2021 erneuert aufgebaut. Die zweite Hütte im Brander Wald erhält im kommenden Jahr einen neuen Anstrich.
Abstimmungsergebnis
Technische Details
ID: 101494
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=101494
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2020-10-26 FB 36_0488_WP17 Forstwirtschaftsplan SAO.pdf
18.11.2024
103.0 KB
Betroffene Straßen
Karte wird geladen…
Metadaten
- TOP
- Ö 6
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Brand
- Gremium
- Bezirksvertretung Aachen-Brand
- Datum
- Mi., 11.11.2020
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 36 - Fachbereich Klima und Umwelt
- Geändert
- 2.4.2026
- Inhalt abgerufen
- 5. April 2026 um 20:03