Sachstandsbericht über die geplanten Maßnahmen zur Wiederaufnahme der Bahnverbindung zwischen Stolberg und Eupen, Antrag der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Aachen-Kornelimünster/ Walheim vom 30.06.2025
FB 68/0252/WP18 · Kenntnisnahme
Beratung
Herr von Thenen ruft den Tagesordnungspunkt 6 auf.
Herr Hoffner gibt an, dass ihm ein Hinweis fehle. In Stolberg sei es intensiv in der Planung, einen der größten Containerumschlagplätze Europas zu installieren. Dies könnte dazu führen, dass die bereits jetzt schon überlastete Strecke von den Niederlanden nach Belgien weiter überlastet würde und man nach alternativen Strecken suchen müsse. Zwischen der Bundesregierung und der belgischen Regierung gäbe es bereits Gespräche über diese Bahnverbindung. Hierbei werde es wohl nicht nur um den öffentlichen Personennahverkehr und Tourismus gehen, sondern man werde auch eruieren, was man verkehrstechnisch machen könne. Eben dieser Hinweis fehle ihm und er bittet, falls möglich, um Mitteilung des aktuellen Sachstandes. Auch wenn die Maßnahme erst für 2030 fortfolgende angedacht sei, wäre dies insbesondere für die Personen die in Hahn, Walheim und Schmithof wohnen, eine wichtige Information. Dies könnte nämlich potentiell sehr stark belastend für die Bürger*innen sein.
Herr von Thenen begrüßt hierzu Herrn Mohnen von der Verwaltung. Man sei als Stadt zwar unmittelbar betroffen, jedoch sei man nicht der Aufgabenträger. Man habe deshalb bei den zuständigen Stellen um eine Stellungnahme gebeten. Der Aspekt den Herr Hoffner anführe, sei noch nicht aufgeführt worden, werde aber bei zukünftigen Gesprächen thematisiert werden. Herr Mohnen gibt Herrn Hoffner recht, dass es sich um eine Eisenbahnstrecke handle, auf welcher theoretisch auch ein Güterverkehr möglich sei. Herr Mohnen führt an, dass vor Jahren Anwohnende bereits Fragen zu der Thematik gehabt haben. Die seinerzeitige Einschätzung sei gewesen, dass aufgrund der Topografie der Strecke eine Nutzung als Güterstrecke wirtschaftlich nicht darstellbar sei. Dies solle jedoch in den zukünftigen Gesprächen noch einmal angesprochen werden. Man stehe bei der Thematik ganz am Anfang. Die Finanzierung sei ebenfalls bei weitem nicht gesichert. Es solle nun zunächst eine Machbarkeitsstudie durchgeführt werden.
Herr Kiemes gibt an, letztens noch ein Buch über die Eisenbahnhistorie der Stadt in der Hand gehabt zu haben. Darin solle explizit gestanden haben, dass Güterverkehr über diese Strecke geleitet werden solle. Es sei demnach durchaus vorstellbar, dass, auch wenn es noch nirgendwo stünde, eine solcher Verkehr auf der Strecke kommen könne. Wenn man dies nun mit der Aussage von Herrn Mohnen verknüpfe, seien die Pläne tatsächlich vorhanden und somit die Sorgen der Bürger*innen begründet. Herr Kiemes fragt an, inwieweit go. Rheinland sich hierzu geäußert habe-
Herr Mohnen gibt an, dass alle der Stadt Aachen offiziell von go. Rheinland übermittelten Informationen in der Vorlage enthalten seien. Diese Thematik werde noch einmal gesondert angefragt werden.
Herr Gilles fragt Bezug nehmend auf die Inbetriebnahme der Strecke Stolberg Stadt nach Breinig nach dem angesetzten Zeitrahmen. Sicherlich sei der weitere Ausbau von Breinig nach Walheim über das Falkenbergviadukt interessant. Er möchte wissen, wie eine Anbindung an den Busverkehr aussehen könne, sollte man einen Bahnhof im Bezirk haben und spricht sich in dem Zusammenhang für Schnellbusse aus. Weiterhin fragt Herr Gilles an, wie der Zeitplan für die Machbarkeitsstudie aussehe. Man warte bei dem Bahnübergang Walheim bereits seit neun oder mehr Jahren. Ein Antrag sei 2016 erfolgt.
Herr Mohnen antwortet, dass in diesem Jahr eine erste Probefahrt stattgefunden habe. Seiner Kenntnis nach solle im Jahr 2026 der Verkehr aufgenommen werden. Die Machbarkeitsstudie habe dieses Jahr gestartet und habe eine Laufzeit von drei Jahren. In diesem Zeitfenster sei somit auch mit Ergebnissen zu rechnen. Die Detailplanung hinsichtlich einer Verknüpfungssituation müsse sich an der grundsätzlichen Machbarkeit eines solchen Bahnsystems orientieren. Ob dies dann wirtschaftlich sei oder ob sich der Verkehr sinnvoll darstellen lasse, werde eine solche Machbarkeitsstudie ergeben. Es hingen große Investitionssummen daran und Breinig werde zuerst angefahren werden können. Danach stünde das gesonderte Projekt des Falkenbachviaduktes an. Dieses sei auch bereits in der Bezirksvertretung besprochen worden. Auch hier würden Abstimmungen zwischen der Stadt Aachen, der Stadt Stolberg und der EVS laufen. Über diese Pläne würde die Politik im Rahmen einer Beschlussfassung ausreichend informiert.
Zwar habe Herr Mohnen bezüglich der Topografie richtig zitiert, so Herr Hoffner, allerdings habe der Nahverkehr Rheinland vor vier Jahren mitgeteilt, dass durch die zukünftig weiter ansteigenden Güterverkehrsmengen eine güterverkehrliche Inanspruchnahme der Strecke zwischen Breinig und Eupen nicht ausgeschlossen werden könne. Dies bedeute, dass hier noch alle Türen offen stünden. Wenn man alle Fakten addiere, könne es nach Herrn Hoffner hier keine andere Lösung geben, da eine neue Strecke zu bauen sehr unwahrscheinlich sei. Dies solle nur ein weiterer Hinweis sein.
Herr Kiemes geht darauf ein, dass es kürzlich Gespräche hinsichtlich des Falkenbachviaduktes gegeben habe und fragt, ob es hierzu bereits neue Erkenntnisse gebe. Herr Mohnen gibt an zuversichtlich zu sein, dass die Thematik Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres in die politische Diskussion gegeben werden könne. Derzeit befinde man sich noch in bilateralen Abstimmungen. Im Juni 2021 sei Herr Mohnen bereits in der Bezirksvertretung gewesen. Während Corona sei die Thematik aufgekommen und man habe Ortstermine wahrgenommen. Eine Beteiligung könne man sich grundsätzlich vorstellen, da es sich um eine interessante Verbindung handle. Durch das Hochwasser sei das Thema auch von EVS zunächst nicht weiter verfolgt worden und wurde erst später wieder aufgegriffen.
Frau Nußbaum gibt an, dass sie viele Punkt bereits zurückziehen könne, da diese bereits durch Herrn Gilles und Herrn Kiemes benannt wurden. Bezüglich der letzten Frage von Herrn Kiemes habe sie allerdings akustisch etwas nicht verstanden. In der Vorlage würde stehen, dass in der nächsten Sitzung des Mobilitätsausschusses beraten werden solle. Hier wolle Frau Nußbaum etwas über das Zeitfenster wissen. Herr Mohnen hatte diese Frage noch nicht beantwortet und führt aus, dass er hierzu nichts sagen könne.
Beschluss
Erläuterungen
Anlass
Mit dem in Anlage 1 beigefügten Antrag beantragt die Fraktion der SPD in der Bezirksvertretung Aachen-Kornelimünster / Walheim einen Sachstandsbericht zu den „geplanten Maßnahmen zur Wiederaufnahme der Bahnverbindung zwischen Stolberg und Eupen“. Hintergrund des Antrags sind mehrere Berichte über eine Reaktivierung der Bahnverbindung in der örtlichen und belgischen Presse.
In der Bezirksvertretung Kornelimünster-Walheim wurde zuletzt im Juni 2021 durch Vertreter des Eisenbahninfrastrukturunternehmens EVS EUREGIO Verkehrsschienennetz GmbH zum damaligen Sachstand berichtet.
Die Verwaltung hat den für den Schienenpersonennahverkehr zuständigen Aufgabenträger go.Rheinland um Stellungnahme zum vorliegenden Antrag als Grundlage für einen Sachstandsbericht gebeten.
Stellungnahme go.Rheinland vom 29.07.2025
Die Reaktivierung der grenzüberschreitenden Bahnstrecke zwischen Stolberg und Eupen wird von go.Rheinland ausdrücklich unterstützt und aktiv verfolgt. Im Zielnetz 2040 des Landes Nordrhein-Westfalen ist für den betreffenden Streckenabschnitt ein regulärer Schienenpersonennahverkehr vorgesehen.
Auf deutscher Seite arbeitet die EVS EUREGIO Verkehrsschienennetz GmbH derzeit an der Reaktivierung der Strecke bis Stolberg-Breinig. Die Umsetzung des Projekts wurde durch die Hochwasserkatastrophe im Jahr 2021 deutlich verzögert, insbesondere im Bereich Stolberg-Altstadt. Der Wiederaufbau schreitet jedoch kontinuierlich voran. Im Juli 2025 konnte bereits eine Sonderfahrt bis Breinig durchgeführt werden. Aktuell erfolgen Maßnahmen zur technischen Sicherung der Bahnübergänge. Die Finanzierung erfolgt über Fluthilfen der Bezirksregierung Köln sowie ergänzend über go.Rheinland mit Landesmitteln. Im Rahmen der geplanten Elektrifizierung des Streckennetzes der EVS ist auch für den Abschnitt bis Breinig perspektivisch eine Elektrifizierung vorgesehen.
Darüber hinaus verfolgt go.Rheinland das Ziel, die Bahnverbindung bis Eupen zu reaktivieren und dadurch eine grenzüberschreitende SPNV-Verbindung zu schaffen. Das Vorhaben befindet sich aktuell in einem frühen Stadium der Vorbereitung. Als nächster Schritt ist die Erstellung einer Machbarkeitsstudie vorgesehen, in der die technischen und finanziellen Voraussetzungen einer Reaktivierung untersucht werden.
Für das Gesamtprojekt liegt derzeit noch keine gesicherte Finanzierung vor. Nach Aussage des Bundesverkehrsministeriums können deutsche Fördermittel nicht für Maßnahmen auf ausländischem Hoheitsgebiet verwendet werden. Daher muss insbesondere die Finanzierung des belgischen Streckenabschnitts gesichert werden. Die Strecke ist aktuell weder im Infrastrukturplan des belgischen Netzbetreibers Infrabel noch in der Netzplanung der SNCB für den Zeitraum 2026 bis 2029 enthalten. Eine Berücksichtigung im darauffolgenden Planungszeitraum wird jedoch als möglich angesehen. Auch eine Förderung durch EU-Mittel wird geprüft; konkrete Zusagen liegen hierzu derzeit nicht vor.
In späteren Projektphasen sind weitere betriebliche Fragestellungen zu klären, insbesondere im Hinblick auf die unterschiedlichen Stromsysteme in Deutschland und Belgien und deren Auswirkungen auf die Fahrzeugtechnik.
Das Projekt wird inzwischen auf höherer politischer Ebene diskutiert. Abstimmungen zwischen dem Bundesverkehrsministerium und dem belgischen Minister für Mobilität sind derzeit im Gange. go.Rheinland wird das Vorhaben weiterhin aktiv begleiten und sich gemeinsam mit allen relevanten Partnern dafür einsetzen, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Reaktivierung der Bahnverbindung bis Eupen zu schaffen.
Stellungnahme der Verwaltung
Grundlage für eine Reaktivierung der Bahnverbindung über Breinig hinaus ist u.a. auch eine Reaktivierung des Falkenbachviaduktes. Hierzu steht die Verwaltung seit einigen Jahren in Verhandlungen mit der EVS, da geplant ist, neben der Bahnstrecke auch eine Rad- und Fußwegeverbindung von Breinig kommend über das Viadukt bis zur Vennbahn zu realisieren. Eine entsprechende Vereinbarung wird derzeit abgestimmt und soll anschließend in den Sitzungen der Bezirksvertretung und im Mobilitätsausschuss beraten werden.
Die von go.Rheinland darüber hinaus skizzierte Perspektive einer zukünftigen Reaktivierung der Bahnstrecke bis zur Bundesgrenze und weiter nach Eupen stellt aus Sicht der Verwaltung ein langfristiges Planungsvorhaben dar, das mit zunehmender Konkretisierung intensiver mit den relevanten Fachdienststellen der Stadtverwaltung abgestimmt werden muss. Zudem sind eine enge Einbindung und regelmäßige Information der politischen Gremien der Stadt Aachen sowie der Öffentlichkeit allgemein vorzusehen. Hierzu wird sich die Stadtverwaltung in Gesprächen mit den Vorhabenträgern einsetzen.
Weitere Dokumente (1)
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Technische Details
ID: 1015467
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1015467
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2025-07-31 FB 68_0252_WP18 Sachstandsbericht ueb SAO.pdf
4.8.2025
250.9 KB
Metadaten
- TOP
- Ö 6
- Sitzung
- Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Kornelimünster / Walheim
- Gremium
- Bezirksvertretung Aachen-Kornelimünster / Walheim
- Datum
- Mi., 27.08.2025
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 68 - Mobilität und Verkehr
- Geändert
- 3.9.2026
- Inhalt abgerufen
- 3. September 2026 um 01:44
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
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