9. September 2025 um 18:00, Rathaus
TOP 4.3Öffentlich

Bürger*innenantrag: Wilder Müll im Ostviertel

E 18/0291/WP18 · Kenntnisnahme

Bürger*innenantrag: Wilder Müll im Ostviertel

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Beratungsergebnis:geändert beschlossen

Beratung

Die Antragstellerin Frau B. schildert, dass die Vermüllung im Ostviertel trotz der Bemühungen der Stadtbetriebe zunimmt und die Lebensqualität der Anwohner*innen erheblich beeinträchtigt. Im Jahr 2024 wurden zwar rund 380 Verursacher ermittelt, eine Verbesserung sei jedoch nicht spürbar. Als Ursachen nennt sie Bequemlichkeit, fehlendes Verantwortungsbewusstsein, Sprachbarrieren, unzureichende Entsorgungsmöglichkeiten für Menschen ohne Auto sowie die Kosten für Sperrmüll.

Das Konzept der Antragstellerin „erkennen – benennen – handeln“ umfasst eine Bestandsaufnahme der Müll-Hotspots, die Gründung einer „AG Müll-Offensive AC Ost“ mit Beteiligung von Verwaltung, Stadtbetrieben, Politik und lokalen Institutionen sowie mehrsprachige Aufklärungskampagnen. Konkret schlägt sie mobile Infostände, mobile Entsorgungsstellen für Sperr- und Elektroschrott, die Abschaffung der Sperrmüllgebühren in Brennpunktbereichen sowie Hinweisschilder in mehreren Sprachen vor. Zur besseren Durchsetzung fordert sie verstärkte Kontrollen, Videoüberwachung und eine konsequentere Ahndung von Wiederholungstätern.

Ziel sei es, niedrigschwellige Entsorgungsmöglichkeiten zu schaffen, die Anwohner*innen stärker einzubeziehen und so das Problem des wilden Mülls im Ostviertel wirksam einzudämmen.

Zur besseren Durchsetzung von Strafen schlägt sie verstärkte Kontrollen, den Einsatz von Videoüberwachung oder Wildtierkameras sowie die Beauftragung externer Sicherheitsdienste vor. Bußgelder müssen ihrer Meinung nach konsequenter durchgesetzt und bei Wiederholungstätern erhöht werden. Als Beispiele verweist sie auf andere Städte: In Ulm etwa würden mehrsprachige Schilder eingesetzt, in Offenbach habe eine Kombination aus Maßnahmen zu hohen Bußgeldeinnahmen geführt, und in Gelsenkirchen würden bspw. herrenlose Einkaufswagen systematisch eingesammelt und die Händler an den Entsorgungskosten beteiligt.

Frau B. appelliert anschließend eindringlich an das Gremium, zeitnah ein Zeichen zu setzen und einen entsprechenden Beschluss zu fassen.

Herr Dopatka entschuldigt die Abwesenheit von Frau Wolf, Entsorgungsmanagerin des Aachener Stadtbetriebs (E18). Sie stehe für Rückfragen zur Verfügung und sei bereit, einen Vor-Ort-Termin im Ostviertel durchzuführen. Er übergibt das Wort an Frau Burgdorff, Stadtbaurätin, Dez. III. Sie betont, dass das Thema Müll und dessen Beseitigung ernst genommen werde. Es gebe bereits viele neue Projekte, und die Verwaltung sage zu, sich weiterhin intensiv um die Problematik zu kümmern.

Die Antragstellerin Frau B. zeigt sich irritiert darüber, dass es nicht vorwärts gehe. Bereits in der letzten Wahlperiode. vor mehreren Jahren habe sie bereits die Gelegenheit gehabt, mit dem damaligen Oberbürgermeister Marcel Philipp über die Negativentwicklung im Viertel zu sprechen.

Herr Dopatka verweist auf das Angebot eines Vor-Ort-Termins mit Frau Wolf und betont, dass solche Termine häufig zu sehr konkreten Ergebnissen führen. Die Geschäftsführerin des Bürgerforums wird die Planung eines solchen Abstimmungstermins übernehmen.

Frau Conradt begrüßt den Antrag und erkundigt sich nach mehrsprachigen Informationen zur Mülltrennung. Sie sei der Meinung gewesen, dass es so etwas bereits gebe. Sie regt an, Kitas und Schulen stärker in die Aufklärung einzubeziehen und die Müllsammeltage auf mehrere Wochentage auszuweiten. Außerdem schlägt sie vor, die Empfehlungen der Bezirksvertretung Aachen-Mitte (B0) zu übergeben und Vertreter*innen der B0 ebenfalls zum Abstimmungstermin, bspw. in Form eines Runden Tisches einzuladen, bei dem die Antragstellerin als Expertin beteiligt wird.

Frau Wallraff berichtet, dass Anwohner*innen im Ostviertel über die Sichtung zahlreicher Ratten klagen. Sie spricht sich dafür aus, die Bürgerbeteiligung zu fördern, beispielsweise durch die Einrichtung des von Frau Conradt genannten „Runden Tisches“.

Eine Bürgerin aus dem Frankenberger Viertel äußert, dass trotz der intensiven Arbeit des Aachener Stadtbetriebs auch in Ihrem Viertel vermehrt wilder Müll auftrete. Sie befürwortet einen Zusammenschluss der Viertel aufgrund der räumlichen Nähe und plädiert dafür, das Bewusstsein der Menschen für Respekt und Sauberkeit im öffentlichen Raum zu stärken. Die Aktion solle nicht nur im Ostviertel, sondern auch im Frankenberger Viertel umgesetzt werden, beispielsweise in Zusammenarbeit mit Gastronomen, um den Einsatz von To-Go-Produkten zu reduzieren und so die Lebensqualität zu verbessern.

Frau S., Bewohnerin des Ostviertels, bezeichnet das Viertel aktuell als Brennpunkt. Sie berichtet von häufig herumstehenden Einkaufswagen und kritisiert, dass eine konsequente Strafverfolgung nicht erfolge. Gleichzeitig lobt sie die Arbeit der Stadtreinigung. Sie verweist auf zusätzliche Problemlagen des Viertels, wie Migration, geringe Bildung und eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten vieler Anwohner*innen.

Frau Scheidt betont, dass die Identifikation mit dem eigenen Viertel gefördert werden müsse, unabhängig von Migrationshintergrund oder finanzieller Situation. Sie weist darauf hin, dass Müllprobleme nicht nur im Ostviertel, sondern in der ganzen Stadt auftreten, und kritisiert die Nachlässigkeit mancher Menschen, die zu einem erhöhten Reinigungsaufkommen führen. Sie spricht sich gegen den Einsatz von Kameraüberwachung aus, befürwortet jedoch eine Überprüfung der Situation vor Ort und wünscht Austauschveranstaltungen mit den Anwohner*innen.

Frau B., die Antragstellerin, zeigt Verständnis für die Situation einkommensschwacher Haushalte ohne Auto und das damit verbundene Entsorgungsproblem. Sie fordert daher nochmals nachdrücklich das Aufstellen mobiler Container für Sperrmüll und Elektroschrott.

Frau S. berichtet, dass sich im Ostviertel täglich riesige Mengen Müll ansammeln. Sie spricht sich für Informationsveranstaltungen und die genaue Ermittlung der Ursachen aus, um darauf aufbauend weitere Maßnahmen einzuleiten. Als Beispiel nennt sie Einkaufswagen, die mit Chip- oder Magnetsystemen gesichert werden könnten, um ein Entfernen aus dem Supermarktumfeld zu verhindern. Zudem befürwortet sie kostengünstige Alternativen wie Hinweisschilder.

Herr Dopatka betont die Bedeutung des Themas und befürwortet die Sensibilisierung der Bevölkerung durch Schilder. Er weist jedoch darauf hin, dass viele Maßnahmen allein nicht ausreichen, um das Problem nachhaltig zu lösen. Es bestehe die Gefahr, dass staatliche Strukturen nicht richtig funktionieren und antidemokratische Tendenzen entstehen könnten. Das Thema Stadtsauberkeit sei in vielen Parteiprogrammen verankert. Er schlägt vor, die Ergebnisse in den zuständigen Ausschüssen weiter zu bearbeiten.

Beschluss

Das Bürgerforum unterstützt den Bürgerantrag und empfiehlt der Verwaltung einen Runden Tisch mit Verwaltungsexpert*innen, Der Bezirksvertretung Aachen-Mitte, Politiker*innen und den Antragstellenden zu organisieren.

Erläuterungen

Die Sauberkeitsprobleme im Aachener Ostviertel sind dem Aachener Stadtbetrieb hinlänglich bekannt.

Deshalb hat der Aachener Stadtbetrieb in der Vergangenheit auch bereits zahlreiche Maßnahmen durchgeführt, um diesen Problemen Herr zu werden.

Vor diesem Hintergrund wurden u.a. nahezu alle Straßen im Ostviertel seit 2018 in die Reinigungsklasse S7, der höchsten Reinigungsklasse der Straßenreinigungssatzung, eingestuft. Dies bedeutet eine 260-malige Reinigung im Jahr auf der Fahrbahn sowie auf den Geh- und Radwegen.

Darüber hinaus wurde ein spezielles Reinigungsteam (7 Mitarbeitende des Stadtbetriebes) gegründet, das sich ausschließlich nur um die Sauberkeit im Ostviertel kümmert.
Zusätzlich wird dieser Bereich auch an Wochenenden durch eine Großkehrmaschine gereinigt.

Auch das Sonderteam „Cleanteam“ der Stadtreinigung, welches sich um die Beseitigung von wilden Sperrgutstellen kümmert, ist 2-3-mal pro Woche in diesem Gebiet.


Weiterhin sind die Teams der Stadtbildpflege mehrmals wöchentlich in den Grünanlagen, Parks und Spielplätzen des Ostviertels unterwegs, um diese sauber zu halten.

Auch die Waste Watcher sind mehrfach wöchentlich im Ostviertel unterwegs, um mögliche Verursacher der wilden Ablagerungen zu ermitteln. Mit ihrer Hilfe werden wilde Ablagerungen dokumentiert und durch das Ordnungsamt weiterverfolgt. Die Höhe der hierbei ausgesprochenen Bußgelder liegt in der Zuständigkeit des Ordnungsamtes. Eine direkte Ahndung bzgl. ordnungsrechtliche Maßnahmen durch den Stadtbetrieb darf nicht erfolgen. Eine Ansprache, Aufklärung und Informationsgespräche werden jedoch regelmäßig durch die Waste Watcher durchgeführt.
Hierbei werden auch Informationsmaterialien wie die Sortierhilfe, die in 7 verschiedenen Sprachen vorliegt oder Informationen zum gelben Sack und dessen Bereitstellung, ausgegeben.
Weiterhin konnten durch die Waste Watcher insgesamt im Jahr 2024, nicht nur im Ostviertel, rund 380 wilde Müllablagerungen Verursachern zugeordnet und entsprechend geahndet werden.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wurde in den Jahren 2022 und 2023 in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration die Aktion „Triff dein Kehrmännchen“ auch im Ostviertel angeboten. Hier standen regelmäßig Kolleg*innen der Stadtreinigung und der Verwaltung Rede und Antwort rund um die Themen Stadtsauberkeit und Entsorgung.

Für alle Kitas und Grundschulen gibt es beim Aachener Stadtbetrieb kostenloses Informationsmaterial sowie das Angebot zum „Besuch bei Tonne Berta“.

Weiterhin wird das Ostviertel 2-mal im Jahr durch das Wertstoff- und Schadstoffmobil angefahren, wobei Schadstoffe, Elektrokleingeräte, kleinere Metall-, Kunststoff- und Holzteile sowie Altkleider kostenfrei abgegeben werden können.

Durch die vorstehenden Ausführungen wird deutlich, dass der Aachener Stadtbetrieb seit Jahren intensiv bemüht ist, die Sauberkeit im Ostviertel zu verbessern.

Der Stadtbetrieb wird auch zukünftig ein besonderes Augenmerk auf das Ostviertel richten.

Abstimmungsergebnis

Einstimmig angenommen

Weitere Dokumente (2)

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Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2025-07-28 E 18_0291_WP18 Buerger_innenantrag_ SAO.pdf

30.7.2025

76.0 KB

Metadaten

TOP
Ö 4.3
Sitzung
Sitzung des Bürgerforums
Gremium
Bürgerforum
Datum
Di., 09.09.2025
Uhrzeit
18:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Kenntnisnahme
Status
öffentlich
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
E 18 - Aachener Stadtbetrieb
Geändert
12.3.2026
Inhalt abgerufen
12. März 2026 um 20:20

Beschlussdokument

Sammeldokument öffentlich

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