Zusammenfassende Informationen zum Schulversuch PRIMUS-Schule
FB 45 n/0039/WP18 · Kenntnisnahme
Beratung
Herr Becker erklärt, dass seine Fraktion den Schulversuch im Allgemeinen befürworte. Er orientiere sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen und lege den Fokus auf längeres gemeinsames Lernen und Inklusion. Dennoch würden sich einige offene Fragestellungen ergeben:
1. Derzeit gebe es keine aktuelle Rechtsgrundlage für die Schulform der PRIMUS-Schule. Ob die Stadt Aachen eine Sondergenehmigung der Bezirksregierung erhalte sei fraglich. Daher sehe er eine Verfestigung auf diese Schulform als schwierig an.
2. Die Vorlage beinhalte erste Einschätzungen zu den möglichen Auswirkungen, diese würden aber nicht die umfangreiche Analyse der Gesamtsituation der Aachener Schullandschaft ersetzen. Es gebe zudem keine empirischen Erhebungen zur PRIMUS-Schule und der Erfahrungsbericht aus Titz sei seiner Meinung nach aus verschiedenen Gründen nicht auf die Stadt Aachen anwendbar. Die Schullandschaft hier sehe ganz anders aus als in einer ländlichen Gemeinde. Die Gefahr, dass diese Schule in Aachen scheitere sei gegeben, da es in Aachen viele Alternativen gebe.
3. Die mögliche Stärkung des Sozialraums Forst/Driescher Hof durch diese Schulform sehe er ebenfalls. Eine neue Schule bringe häufig eine neue positive Dynamik in ein Quartier. Jedoch könne diese Schule nicht die aktuell schon bestehenden und die zukünftigen Bedarfe für den Sozialraum decken. Ein Schulneubau würde voraussichtlich erst Mitte der 2030er Jahre bezugsfähig sein und dies dauere zu lange um die kurzfristigen Bedarfe decken zu können. Seiner Meinung nach sei eine Ertüchtigung und Erweiterung der GGS Driescher Hof jetzt schon dringend erforderlich.
4. Seiner Auffassung nach seien darüber hinaus nicht genügend Alternativen für den Standort rund um das geplante Neubaugebiet am Grauenhofer Weg beleuchtet worden. Es müssten an dieser Stelle auch diverse Risiken miteinander abgewogen werden und daher sollte sich der Ausschuss ergebnisoffen mit diesen Fragestellungen befassen. Das Thema sei in jedem Fall sehr spannend und die weiteren Entwicklungen müssten abgewartet werden.
Frau Heider ist der Meinung, dass die PRIMUS-Schule generell einen riesigen Mehrwert für die Stadt Aachen darstellen würde und daher sollten auch alle demokratischen Fraktionen diese Schulform unterstützen. Diese Schulform passe genau zu den Bedarfen in Aachen im Bereich der Grundschulen und der Schulen der Sekundarstufe I, da sie auch keine zusätzlichen Plätze im Bereich der Sekundarstufe II schaffe. Sie stimmt Herrn Becker zu, dass aufgrund der aktuellen Informationslage noch kein finaler Beschluss gefasst werden könne. In jedem Fall dürfe dieses Thema bei möglichen Koalitionsverhandlungen nicht fehlen. Bezüglich der fehlenden Alternativen seien ihrer Meinung nach schon sehr viele Varianten und Schulstandorte durch die Verwaltung und den Ausschuss bewertet worden, jedoch ohne zielführendes Ergebnis. Daher erkundigt sie sich, wie die nächsten Schritte nun aussehen würden, um das Projekt weiter vorantreiben zu können.
Herr Fischer könne die Zweifel der SPD-Fraktion überhaupt nicht nachvollziehen. Die Verwaltung und der Ausschuss habe schon sehr viel unternommen und sich mit diversen Möglichkeiten und Alternativen zur Weiterentwicklung der Aachener Schullandschaft befasst. In absehbarer Zeit gebe es keine Möglichkeit, die Gesamtschulkapazitäten in Aachen zu erhöhen, denn es fehle an dieser Stelle auch die Einsicht der Landesregierung. Er zitiert ein Wahlplakat, auf welchem Frau Oberbürgermeisterin Keupen die PRIMUS-Schule für Aachen realisieren möchte, dies sei ein Bekenntnis für diese Schulform. Es fehle lediglich ein Signal der Landesregierung, darauf könnte hingewirkt werden. Er wünscht sich einen Grundsatzbeschluss in der nächsten Ausschusssitzung.
Herr Auler teilt den Redebeitrag von Herrn Fischer nicht. Er sei froh, dass die SPD die PRIMUS-Schule nun auch grundsätzlich befürworte. Es stünden nun einige Entscheidungen auf landes- und kommunalpolitischer Ebene an und dies sei mit viel Arbeit verbunden. Die Bedarfsdeckung sei in der Tat eine wichtige Frage, die durch die Verwaltung näher beleuchtet werden müsse. Die PRIMUS-Schule sollte die Schullandschaft in Aachen ergänzen und nicht nur für den Bereich Forst ein potentielles Schulangebot darstellen. Für die kurzfristigen Bedarfe seien zusätzliche Lösungen erforderlich. Er dankt insgesamt der Verwaltung für die ausführliche Vorlage, welche als wertvolle Basis für die kommende Wahrperiode diene.
Frau Rohs berichtet, dass die Schulform für Eltern von Kindern mit Behinderung sehr wünschenswert sei, denn die Inklusion verlaufe in der Realität oftmals sehr enttäuschend ab. Der Übergang zwischen der vierten und fünften Klasse stelle für alle Eltern eine Herausforderung dar und insbesondere für Eltern mit eingeschränkten Kindern. Das Konzept der PRIMUS-Schule sei sehr überzeugend und sie sei dankbar für den politischen Konsens. Sie erkundigt sich, wie die Landesregierung das Thema derzeit bewerte.
Herr Wiedau nimmt in der Bevölkerung eine gewisse Begeisterung für diese Schulform wahr. Die Bedenken zur Akzeptanz der Schule in Aachen könne er demnach nicht teilen. Auch in der Gemeinde Titz würden Eltern weitere Wege in Kauf nehmen und ihr Kind an der PRIMUS-Schule anmelden. Dies könne er sich für Aachen auch vorstellen.
Herr Schneider erläutert, dass Schule für Kinder häufig emotionale Bindung und ein Gefühl von Wertschätzung bedeute und genau diese Werte vertrete die PRIMUS-Schule. Die Schulform sei seiner Meinung nach nur zu begrüßen. Auch wenn es noch Hindernisse gebe, sollte sich die Stadt Aachen auf den Weg machen und mutig und intensiv an dem Prozess weiterarbeiten.
Frau Muckel erklärt, dass die Schulform im Sprecher*innenkreis sehr befürwortet werde. Wenn gute Aufklärungsarbeit geleistet werde, dann werde die Schulform mit Sicherheit auch akzeptiert werden. Sie bietet an, eine Umfrage in der Elternschaft zu organisieren. Zudem bestätigt sie, dass der Schulwechsel nach der vierten Klasse für viele Familien sehr belastend sei.
Herr Becker wiederholt, dass die SPD-Fraktion die Schulform für Aachen unterstützt. Jedoch sollte eine Entscheidung auf der Grundlage einer besseren Datenbasis getroffen werden, denn die Schule werde für einen sehr langen Zeitraum geplant. Die Schulform müsse sich gut in die Aachener Schullandschaft einfügen und dazu bedarf es eines vernünftigen Diskurses. Dieses Thema sollte daher auch kein Wahlkampfthema sein. Er erklärt, dass bezüglich des Standortes in Forst/Driescher Hof noch keine ausreichenden Alternativen diskutiert worden seien. Zwar beziehe die Schule ihre Schüler*innen nicht nur aus dem unmittelbaren Umfeld, sollte diese Schule jedoch scheitern, habe dies fast ausschließlich Auswirkungen auf das direkte Umfeld. Und dies würde dem Bereich Forst nachhaltig schaden. Die Inklusion sei darüber hinaus Aufgabe aller Schulformen und könne nicht durch eine Schule geleistet werden. Abschließend betont er, dass die PRIMUS-Schule eine gute Möglichkeit für Aachen darstelle, jedoch nur wenn sie auch akzeptiert werde und gut funktioniere.
Herr Menzel erinnert an den Besuch der beiden Vertreter*innen aus Titz in der vergangenen Ausschusssitzung und auch er habe sich von deren Enthusiasmus mitreißen lassen. Doch einen großen Anteil für die hohe Akzeptanz leiste auch das Schulleitungsteam. Daher lobt er Herrn Becker für seinen ausgezeichneten Redebeitrag und unterstützt seine Aussage, dass alle wichtigen Aspekte im Detail bewertet werden müssten.
Jil Kelmes bestätigt auch, dass viele junge Menschen mit Stress und Druck auf einen bevorstehenden Schulwechsel reagieren würden, daher greife die PRIMUS-Schule hier einen wichtigen Aspekt auf. Das Schulkonzept komme den Wünschen vieler Schüler*innen sehr nah.
Frau Kurschilgen empfindet das Projekt der PRIMUS-Schule ebenfalls als sehr bereichernd und fände es schade, wenn die Diskussion durch den Wahlkampf verhindert werden würde.
Herr Schneider betont, dass die Kommunikation in dem Prozess enorm wichtig sei. Der Ausschuss wolle für alle Schüler*innen eine gute Basis schaffen. Er ermahnt, dass sich der Ausschuss nicht in zu vielen Daten und Analysen verlieren sollte und auch eine mutige Entscheidung treffen könne. Alle Aspekte der Schule wären für Aachen ein Gewinn.
Frau Griepentrog fasst zusammen, dass der Ausschuss heute keinen endgültigen Beschluss fassen werde und dies auch nicht geplant gewesen sei. Es sei natürlich wünschenswert, dass die Schule nicht erst Mitte der 2030er zur Verfügung stehen würde. Es lägen schon sehr viele Informationen vor und eine mögliche Entscheidung für diese Schulform würde viele zukünftige Generationen von Schüler*innen in Aachen betreffen. Daher erkundigt sie sich nochmals bei der Verwaltung, wie die nächsten Schritte nun aussehen könnten.
Herr Brötz ist dankbar, dass der Ausschuss die Verwaltung mit der Zusammenstellung der heutigen Vorlage beauftragt habe. So hätten alle vorliegenden Informationen sortiert werden können. Die Verwaltung sei in diesem Prozess die Exekutive. Es bestehe bereits jetzt eine gute Datenbasis und daher könnten noch weitere Informationen an den Ausschuss geliefert werden, falls diese konkret angefordert würden. Jedoch betont er auch, dass die Verwaltung ein robustes Mandat benötige um weitere Schritte einleiten zu können. Wenn sich ein schulpolitischer Konsens für die PRIMUS-Schule ergebe, könne erneut an die Bezirksregierung herangetreten werden. Er habe es bereits als sehr positives Signal gewertet, dass ein Vertreter der Bezirksregierung an dem Besichtigungstermin in Titz teilgenommen habe. Als weiterer Schritt müsse dann auch ein Prozess eingeleitet werden in welchem unter anderem die Schulleitungen der Schulen im Bereich Forst/Driescher Hof beteiligt würden. Auch könnte nochmal ein Vergleich mit einer ähnlich großen Kommune wie Aachen stattfinden, beispielsweise mit Münster. Er habe nicht erwartet, dass der Ausschuss heute ein solches Mandat geben würde, jedoch sollte dies bald erfolgen, wenn schulpolitisch eine PRIMUS-Schule gewünscht sei.
Frau Griepentrog ist der Meinung, dass die Verwaltung dem Ausschuss eine Vorlage vorlegen müsse, in welcher sie durch den Ausschuss beauftragt werde, die weiteren erforderlichen Prozessschritte einzuleiten. Sollte aus dem Ausschuss noch weiterer Bedarf an Daten bestehen, sollte dieser an die Fachbereichsleitung herangetragen werden.
Herr Fischer ist der Meinung, dass in der heutigen Beschlussfassung ergänzt werden sollte, dass alle Fraktionen in Aachen die PRIMUS-Schule für die Stadt wünschen.
Frau Griepentrog ist der Auffassung, dass dieser Wunsch aus dem Wortbeiträgen hervorgegangen sei und entsprechend aus dem Protokoll nachgelesen werden könne. Dies sei für heute ein ausreichendes Signal. Darüber herrscht Einvernehmen.
Herr Becker empfindet den Vorschlag als sehr gut. Der Prozess sollte jetzt weitergehen. Zudem befürworte er einen Austausch mit der Stadt Münster bezüglich der dort verorteten PRIMUS-Schule.
Beschluss
Erläuterungen
1. Ausgangslage
Der Ausschuss für Schule und Weiterbildung beauftragte die Verwaltung in seiner Sitzung am 08.07.2025, ein umfassendes Informationspaket zum Thema PRIMUS-Schule zusammenzustellen.
2. Gesetzliche Rahmenbedingungen und Konzeption einer PRIMUS-Schule
Die PRIMUS-Schule wurde ab den Schuljahren 2013/2014 und 2014/2015 zunächst als Schulversuch mit einer Laufzeit von 10 Jahren erprobt. Der Schulversuch wurde wissenschaftlich begleitet und erfolgte unter folgenden Prämissen:
- Klassen 1-10; mindestens 3-zügig; 25 SuS / Klasse
- Ganztagsschule, spätestens ab Klasse 5 in Form des gebundenen Ganztags
- Erreichung aller Abschlüsse der SEK I, für SEK II: Kooperation mit gymnasialer Oberstufe
- Unterricht / Pädagogik / Inhalte des Schulversuchs:
- Entwicklung inklusiver zukunftsweisender Unterrichtskonzepte
- Sicherung der Kontinuität der Schüler*innenlaufbahnen von Klasse 1 bis 10
- jahrgangsübergreifende Lerngruppen
- heterogen zusammengesetzte Lerngruppen ohne äußere Differenzierung
- alternative Formen der Leistungsbewertung unter Einschluss der Möglichkeit eines Verzichts auf Ziffernnoten bis einschließlich Klasse 8
3. Aktuelle rechtliche Situation
Mit dem 17. Schulrechtsänderungsgesetz wird die Fortführung der aus dem Schulversuch hervorgegangenen PRIMUS-Schulen ermöglicht (§ 132 b 17 SchRÄG):
- Bestehende PRIMUS-Schulen werden bestätigt und können damit fortgeführt werden.
- Die Neugründung / -bildung weiterer PRIMUS-Schulen ist nicht vorgesehen.
- Somit müsste für die die Gründung einer PRIMUS-Schule in Aachen über die Bezirksregierung bzw. das Ministerium eine Ausnahmegenehmigung erwirkt werden.
- Das 18. Schulrechtsänderungsgesetz soll weiterführende Regelungen zur PRIMUS-Schule beinhalten.
Hier könnte im Vorfeld politisch darauf eingewirkt werden, dass in Einzelfällen die Gründung weiterer PRIMUS-Schulen ermöglicht wird.
4. Bisherige Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis
Zentrale Erkenntnisse aus der Veröffentlichung der wissenschaftlichen Begleitforschung aus 2021:
- An allen bestehenden Standorten lässt sich eine stabile Nachfrageentwicklung beobachten und die Schulen konnten eine hohe Akzeptanz entwickeln.
- Der konsistente strukturelle wie auch pädagogische Rahmen der Verbindung von Primar- und Sekundarstufe eröffnet für die Schüler*innen und deren Eltern einen von Selektionsdruck entlasteten Horizont für die Planung und Gestaltung der Bildungsgänge der Kinder.
- Von dem Schulversuch gehen positive Impulse auf die Professionsentwicklung an PRIMUS-Schulen aus. Veränderte berufliche Anforderungen bewegen die Lehrkräfte zu einer Arbeit am eigenen beruflichen Selbstverständnis.
- Die Schulen stellen sich in besonderer Weise den Anforderungen der Inklusion. Um dem gerecht werden zu können, benötigen sie besondere Ressourcen.
- Die wissenschaftliche Begleitforschung empfiehlt einen Wissenstransfer aus den Schulen hinaus in eine breitere Öffentlichkeit, um die Sichtbarkeit des Schulversuchs zu erhöhen und Impulse für andere Schulstandorte zu geben.
- Die ersten Abgänger*innen erzielen hochwertige Abschlüsse und übertreffen die Schullaufbahnprognosen.
Bericht der Landesregierung für die Sitzung des Ausschusses für Schule und Bildung am 11.12.2024:
- Die stabile Nachfrageentwicklung und eine hohe Haltekraft der Schulen haben sich weiter bestätigt.
- Die Schulen erzielen in den regelmäßigen landesweit einheitlichen Lernstanderhebungen VERA 8 im Rahmen der nordrhein-westfälischen Standardsicherung tendenziell vergleichbare Ergebnisse bzw. im Vergleich mit Schulen mit vergleichbaren Rahmenbedingungen überdurchschnittlich gute Ergebnisse.
- Die Schülerinnen und Schüler blicken mit großer Zukunftsgewissheit auf die Zeit nach der Schule – unabhängig davon, ob der Besuch einer weiterführenden Schule der Sekundarstufe II oder die Aufnahme einer beruflichen Ausbildung angestrebt wird – und bringen dies in Zusammenhang mit PRIMUS-spezifischen Lern- und Arbeitsformen.
- Mit Blick auf die innere Schul- und Lernkultur fördern die Schulen ein Vertrauen in die eigene Lern- und Leistungsfähigkeit und legen den Schülerinnen und Schülern die Aneignung eines Konzepts von Verantwortlichkeit für sich selbst und die Mitschülerinnen und Mitschüler nahe.
- Die Befunde aller durchgeführten Interviews deuten darauf hin, dass die strukturelle Anlage des Schulversuchs als Langform die professionellen Selbstverständnisse und kollektiven Orientierungen der Lehrkräfte zur Veränderung inspiriert.
Vorstellung der PRIMUS-Schule Titz im Ausschuss für Schule und Weiterbildung am 05.06.2025 durch die Schulleitung, Frau Törkel-Howlett sowie den Bürgermeister der Gemeinde Titz, Herrn Frantzen:
- Nach anfänglicher Skepsis wird die Schule inzwischen vom überwiegenden Teil der Elternschaft akzeptiert und wertgeschätzt – die Schule hat sich immer mehr etabliert und ist stark gewachsen. Die Einschulungsquote in der ersten Klasse liegt inzwischen bei rund 120 %.
- Der Primarbereich ist inzwischen stabil vierzügig, der Sekundarbereich steuert ebenfalls auf eine dauerhafte Vierzügigkeit zu.
- In Klasse fünf ist ein vermehrter Aufwuchs an Schüler*innen von anderen Schulen zu verzeichnen. Andererseits verlassen nur sehr wenige Kinder die Schule nach der vierten Klasse.
- Der Unterricht wird jahrgangsübergreifend gestaltet. Dabei werden die Jahrgänge eins bis drei, vier bis sechs, sieben und acht und neun und zehn zusammen unterrichtet. Seiteneinstiege sind im System PRIMUS-Schule nicht vorgesehen.
- Es gibt bis einschließlich Klasse 8 keine herkömmlichen Notenzeugnisse, sondern sogenannte Kriterienzeugnisse.
- Durch den nahtlosen Übergang zwischen der Primar- und der Sekundarstufe wird negativen Schulkarrieren, oft verbunden mit Abschulungen, effektiv entgegengewirkt.
- Über 50 % der Kinder erreichen die Qualifikation für die Sekundarstufe II, es gibt keine Hauptschulabschlüsse nach Klasse 9, sondern viele mittlere Schulabschlüsse.
- Die Berufsorientierung beginnt schon sehr früh in der Primarstufe, außerdem gibt es eine enge Kooperation mit den umliegenden Schulen mit Berufsorientierung und Sekundarstufe II, sodass der Übergang reibungslos funktioniert. Darüber hinaus gibt es in der Sekundarstufe Kooperationen mit ortsansässigen Unternehmen.
- Inklusion und Integration funktionieren hervorragend, da schon mit der Einschulung die individuelle Begleitung und Förderung der Kinder beginnt. Da die Kinder so bereits sehr früh durch Förderung aufgefangen werden, gibt es praktisch keine AOSF-Verfahren.
- Die Lehrkräfte der Schule haben sich bewusst für die PRIMUS-Schule beworben.
- Sie haben eine Verantwortung für die Schüler*innen über zehn Jahre hinweg und nicht nur über vier oder sechs Jahre haben. Dies schafft ein ganz anderes Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schüler*innen.
- Dennoch gibt es Lehrkräfte, die auf den Primarbereich bzw. auf den Sekundarbereich spezialisiert sind. Darüber hinaus sind noch unterschiedliche Sonderpädagogen an der Schule beschäftigt.
- Der entscheidende Vorteil der PRIMUS-Schule gegenüber der Sekundarschule ist nach Auffassung der Schulleitung die vorgelagerte Primarstufe.
5. Auswirkungen der Gründung einer PRIMUS-Schule in Aachen
Für die Gründung einer PRIMUS-Schule könnte sich unter Umständen das Gebiet Forst / Driescher Hof anbieten (FB 45 n/0023/WP18). Grundsätzlich und bezogen auf diesen in Frage kommenden Standort würden sich aus schulplanerischer Sicht folgende Effekte ergeben:
Primarbereich:
Die Gründung einer PRIMUS-Schule im Bereich Forst / Driescher Hof wäre eine nachhaltige Option, um dortige Bedarfe mit auffangen zu können und die bereits jetzt angespannte Schulplatzsituation in Forst / Driescher Hof und Brand, die sich perspektivisch aufgrund der geplanten Neubaugebiete weiter aufbauen könnte, zu entschärfen. In der Annahme, dass im Primarbereich langfristig zwei Züge zusätzlich erforderlich werden, könnten diese durch den Neubau einer PRIMUS-Schule abgedeckt werden. Gleichzeitig würden sich bauliche Ersatz- und Erweiterungsmaßnahmen an Bestandsschulen sowie die dazu notwendige Schaffung von Übergangs- / Containerlösungen erübrigen.
Die konkreten Auswirkungen bedürfen einer zukünftig genaueren Prüfung.
Sekundarbereich:
Die aktuell vorhandenen Platzkapazitäten der Bestandsschulen erscheinen – gesamtstädtisch betrachtet – mit dem vorhandenen Raumangebot knapp ausreichend, um genügend Schulplätze zur Verfügung stellen zu können.
Für ein langfristig quantitativ und qualitativ gesichertes Schulplatzangebot, das krisenfest aufgestellt ist, wird jedoch der Bedarf an zusätzlichen Schulplätzen gesehen. Hier besteht aktuell die Annahme, dass langfristig ein zusätzlicher Zug sowie darüber hinaus ein Puffer erforderlich sein werden.
Zusätzliche Schulplätze an einer PRIMUS-Schule könnten im SEK I Bereich dabei unterstützen,
- perspektivische Bedarfe für Seiteneinsteiger*innen abzudecken
- Entlastungsmöglichkeiten an bestehenden Schulen zu schaffen, indem dort die Zahl der Schüler*innen reduziert und somit die Raumsituation optimiert werden kann (Qualität)
- ein krisenfestes Schulplatzangebot durch eine Erhöhung der Kapazitäten zu schaffen (Quantität).
Keine zusätzlichen Kapazitäten im SEK II Bereich:
Im Bereich der Oberstufenkapazitäten gibt es in der Stadt Aachen keine Engpässe. Vielmehr bestehen nach aktueller Einschätzung an einigen Schulen weitere Kapazitäten, um bei Bedarf eine erhöhte Nachfrage abdecken zu können.
Durch die Gründung einer PRIMUS-Schule würden keine zusätzlichen Oberstufenkapazitäten geschaffen, sodass eine Verschärfung der Konkurrenzsituation der bereits vorhandenen Angebote in der Stadt Aachen vermieden würde.
Inklusion:
Der zweite Bericht der wissenschaftlichen Begleitforschung des Schulversuchs der PRIMUS-Schule führt aus, dass „…der jahrgangsgemischte Unterricht als guter Möglichkeitsraum für Inklusion erlebt wird. Mit der Wertschätzung von Heterogenität und der Annahme von Individualitäten wird Stigmatisierung reduziert und ein besonderer Förderbedarf weniger offensichtlich. Auch weil es ohnehin für alle Schüler*innen Lernberatungen gibt, ordnen sich Förderplangespräche in diese Lernkultur ein, ohne besonders aufzufallen. Pädagogisches Ziel der Primus-Schulen ist es, auf diese Weise Verschiedenheit zu normalisieren und sonderpädagogische Förderung im inklusiven Kontext zu entdramatisieren.“
In den letzten Jahren zeigt sich landesweit – ebenso wie in Aachen und der StädteRegion – eine steigende Anzahl an Kindern mit festgestelltem Förderbedarf und damit einhergehend eine steigende Nachfrage nach Förderschulplätzen. Eine PRIUMUS-Schule in Aachen könnte auch in diesem Bereich zur quantitativen und qualitativen Steigerung des Schulplatzangebots führen.
Weitere Aspekte:
Das Konzept, Primar- und Sekundarbereich zu verbinden, nimmt sowohl Eltern als auch den Schüler*innen den wahrgenommenen Druck, sich bereits nach der vierten Klasse für eine weiterführende Schulform entscheiden zu müssen. Dies stellt, neben dem pädagogischen individuellen Ansatz dieser Schulform, einen hohen Anreiz dar.
Auch zeigt sich, dass für Eltern die Möglichkeiten attraktiv und relevant sind, ihrem Kind den Erwerb der unterschiedlichen Schulabschlüsse während der SEK I offen halten zu können. Dies wird u.a. durch die hohe Nachfrage nach Gesamtschulplätzen in der Stadt Aachen deutlich. Diese Möglichkeit könnte auch in einer PRIMUS-Schule gewährleistet werden.
Darüber hinaus wird davon ausgegangen, dass die besondere Schulform für viele Familien so attraktiv ist, dass auch längere Schulwege in Kauf genommen werden und so eine Versorgung von Kindern, die nicht im unmittelbaren Umfeld wohnen, realistisch zu erwarten ist.
Sofern eine PRIMUS-Schule im Bereich Forst / Driescher Hof entstehen würde, könnte dies auch zu einer Stärkung des Sozialraums führen.
Durch die von Beginn an auf unterschiedlichen Ebenen durchgeführte Lernberatung in einer PRIMUS-Schule erfolgt – wie im Konzept der Titzer Schule beschrieben – eine richtungsweisende „Laufbahnberatung“, die eine Berufs- und Studienberatung mit einbezieht. Auf diese Weise könnte letztlich auch die Berufsorientierung in der Stadt Aachen gestärkt werden.
Mit dem Konzept einer Beschulung der Jahrgänge 1-10 hätte die PRIMUS-Schule in Aachen in jedem Fall ein Alleinstellungsmerkmal.
6. Ausblick
Auf Grundlage der hier gesammelt dargestellten Informationen sollte in einer der nächsten Sitzungen ein Beschluss gefasst werden, ob die Einführung einer PRIMUS-Schule in Aachen grundsätzlich gewünscht ist. Infolgedessen könnten dann weitere konkrete Schritte in Richtung der Bezirksregierung und des Landes eingeleitet sowie die Klärung der Standortfrage weiter vorangetrieben werden. Damit einhergehend würden entsprechende Dialogformate für die Entwicklung von schulplanerischen, -baulichen und -organisatorischen Szenarien mit Blick auf die umliegenden Schulen bzw. die potentiell von einer Entscheidung für eine PRIMUS-Schule betroffenen Schulen eingeleitet werden.
Technische Details
ID: 1016061
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1016061
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2025-08-07 FB 45 n_0039_WP18 Zusammenfassende Inf SAO.pdf
7.8.2025
43.2 MB
Metadaten
- TOP
- Ö 6
- Sitzung
- Sitzung des Ausschusses für Schule und Weiterbildung
- Gremium
- Ausschuss für Schule und Weiterbildung
- Datum
- Di., 09.09.2025
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 45 - Fachbereich Jugend und Schule
- Geändert
- 24.9.2025
- Inhalt abgerufen
- 8. Februar 2026 um 12:12
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
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