9. Dezember 2025 um 17:00, Verwaltungsgeb. Mozartstraße Zi.207
TOP 6Öffentlich

Sachstand zur Beschulung von Seiteneinsteiger*innen am Teilstandort der GHS Drimborn

FB 45 n/0002/WP19 · Kenntnisnahme

im Ratsinformationssystem anzeigen
Beratungsergebnis:geändert beschlossen

Beratung

Frau Steffens und Herr Krugel aus dem Kollegium des Teilstandortes der GHS Drimborn stellen den Sachstand der sogenannten Ankommensklassen anhand einer Präsentation vor (siehe Anlage im Ratsinformationssystem).

Herr Sistermann ergänzt, dass der Teilstandort ein Erfolgsmodell sei. Die Kinder würden schnell gute und sichtbare Erfolge erzielen, welche in einem Regelsystem wahrscheinlich nicht möglich gewesen seien. Er sei dem Schulträger daher sehr dankbar, dass dieses Angebot ermöglicht worden sei. Es erfordere viel Mut und Weitsicht und das habe die Verwaltung in Aachen gezeigt. In Alsdorf würde ein solches Projekt demnächst ebenfalls an den Start gehen, was sehr erfreulich sei.

Herr Becker betont, dass es eine wichtige und richtige Entscheidung gewesen sei, ein solches Leuchtturmprojekt in Aachen zu ermöglichen. Die Verwaltung habe vor Beginn der Ankommensklassen sehr pragmatisch die Probleme erkannt und gelöst. Er sei daher begeistert, dass sich der Teilstandort zu einem so hervorragenden Teil der Aachener Schullandschaft entwickelt habe. Er dankt allen Beteiligten für die unglaubliche Leistung und er sei stolz, dass in Aachen kein Kind zurückgelassen werde. Die Aufgabe sei eine große Herausforderung gewesen doch es habe sich gezeigt, dass mit großem Einsatz für jedes Kind individuelle Lösungen hätten gefunden werden können. Bildung sei aus seiner Sicht der Schlüssel zu Integration und sozialem Aufstieg und daher sei eine nachhaltige Bildung unerlässlich. Die Stadt Aachen gehe in dieser Hinsicht mit tollem Beispiel voran.

Herr Wiedau stimmt Herrn Becker zu. Die beiden Vortragenden hätten sehr emotional vermittelt, dass diese Arbeit enorm wichtig für die Schüler*innen sei. Er erkundigt sich, ob es Schulabbrecher gebe und ob sich die insgesamt eher abnehmenden Zahl an Zugewanderten auch auf die Ankommensklassen auswirke. Zudem hinterfragt er, ob die Entfernung zum Hauptstandort an der Drimbornstraße überhaupt verhältnismäßig sei.

Frau Steffens berichtet, dass sich sowohl das Kollegium als auch die Schüler*innen sehr wohl an dem Standort fühlen würden. Sie bestätigt jedoch, dass die Entfernung zum Hauptstandort die Zusammenarbeit und das Nutzen von Synergien erschwere. Es sei für die Schüler*innen stets mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden Angebote des Hauptstandortes zu nutzen, ein spontaner Austausch sei nahezu unmöglich.

Herr Krugel ergänzt, dass für jedes Kind eine Zukunft garantiert werden könne, Schulabbrecher gebe es nicht. Die Kinder besäßen viel Potential und dieses könne durch intensive Begleitung individuell gefördert werden.

Herr Sistermann erläutert bezüglich der Nachfrage, dass die Anzahl der potentiellen Schüler*innen in der Tat derzeit stagniere bis leicht sinke. Jedoch könne ein unvorhersehbares weltpolitisches Ereignis diese Tatsache schnell wieder umkehren. Daher sei die Absicht das Angebot zu halten und auszubauen. Die Zielgruppe könne gegebenenfalls erweitert werden und das Erlernen des Spracherwerbs könne gezielt mit den Ankommensklassen verknüpft werden. Hierfür sei jedoch eine wissenschaftliche Begleitung erforderlich und es habe bereits Gespräche mit verschiedenen Universitäten gegeben, die ihr Interesse an einer solchen Studie bekundet hätten. Ein Ausbau des Angebotes könne auch die übrigen Schulen entlasten, ohne dass eine Segregation am Teilstandort stattfinde.

Herr Auler schließt sich dem Dank an die Beteiligten an. Die Schüler*innen der Ankommensklassen hätten oft schon einen schwierigen Lebenslauf und seien umso mehr auf ein ruhiges und unterstützendes Ankommen in einer fremden Umgebung und Gesellschaft angewiesen. Bei der Gründung des Teilstandortes habe es noch einige Bedenken gegeben, diese seien jedoch nach heutiger Erkenntnis nach unbegründet gewesen. Die befürchtete Segregation sei nicht eingetreten und er sei froh, dass die Verwaltung und die Politik dieses Wagnis seinerzeit eingegangen seien. Er möchte das Projekt auch weiterhin mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen. Die Frage des Standortes könne sicherlich noch beleuchtet werden. Auch wolle er die Schulaufsicht darin ermutigen die Zielgruppe für diese Klassen zu erweitern. Er möchte wissen, wer eine mögliche wissenschaftliche Begleitung beauftragen könne.

Frau Griepentrog gibt zu bedenken, dass der Ausschuss lange über die Gründung dieses Standortes diskutiert habe. An dem Teilstandort könne einer kleinen Auswahl an Kindern ein intensives Ankommen ermöglicht werden, während eine weitere erhebliche Anzahl an Schüler*innen im Regelsystem beschult und dort vor ganz anderen Herausforderungen stehen würden. Daher sei sie sehr an einer Erweiterung des Angebotes interessiert. Zudem sei die Arbeit der Regelschulen keinesfalls zu verkennen. Sie würde die heutige Diskussion gerne mit einem Beschluss abrunden denn es sollte seitens des Ausschusses das Signal geben, dass die Arbeit in dieser Weise fortgeführt werden könne und solle. Auch die Fragen nach dem Standort und einer wissenschaftlichen Begleitung sollten mit aufgegriffen werden.

Frau Soldwisch ergänzt, dass auch die Kooperation zu anderen Schulen weiter in den Fokus gerückt werden sollte und erkundigt sich nach der Kommunikation zwischen den einzelnen Schulen mit Sprachförderangeboten.

Herr Sistermann erklärt, dass nach einer Erstberatung durch das Kommunale Integrationszentrum (KI) die Zuweisung der Kinder erfolge. Wenn sich nach einiger Zeit der Bedarf für intensivere Begleitung bei einem Kind ergebe, könne noch ein Wechsel in die Ankommensklassen erfolgen. Das Angebot werde oft und gerne in Anspruch genommen. Es sei wichtig, eine bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu finden denn alle Schulen würden einen hervorragenden Beitrag in der Integration und Bildung von neuzugewanderten Kindern leisten. Es dürfe keine Konkurrenzsituation entstehen.

Beschluss

Der Ausschuss für Schule und Weiterbildung nimmt den Sachverhalt zur Kenntnis. Er befürwortet die Fortführung und Weiterentwicklung der Ankommensklassen am Teilstandort. Er beauftragt die Verwaltung, eine mögliche Verlagerung des Teilstandortes zu prüfen. Weiterhin bittet er die Schulaufsicht der StädteRegion Aachen darum, die Weiterentwicklung des Angebotes wissenschaftlich begleiten zu lassen.

Erläuterungen

1. Ausgangslage

Der Ausschuss für Schule und Weiterbildung hat die Verwaltung in seiner Sitzung am 14.05.2024 beauftragt, die zusätzlichen Klassen für Seiteneinsteiger*innen an einem Teilstandort der GHS Drimborn zum Schuljahr 2024/2025 einzurichten (siehe Vorlage FB 45/0508/WP18).

In der darauffolgenden Sitzung der Arbeitsgruppe „Beschulung Seiteneinsteiger*innen“ wurde über die Realisierung dieser zusätzlichen Klassen zum Schuljahresbeginn 2024/2025 am Standort der ehemaligen Alkuinrealschule beraten. Dabei ist unter anderem folgende Zielgruppe ergänzend schwerpunktmäßig für die Alphabetisierungsklasse definiert worden:

Neuzugewanderte Schüler*innen, die

  • im laufenden Schuljahr theoretisch in eine 4. Klasse vermittelt würden und
  • nicht alphabetisiert sind und
  • aufgrund ihres tatsächlichen Entwicklungsstands auch der SEK I zugeordnet werden können, auch wenn ihr Alter laut Ausweisdokument sie der 4. Klasse einer Grundschule zuordnen würde

Die Vermittlung dieser Kinder in die Alphabetisierungsklasse erfolgt regulär über das Kommunale Integrationszentrum (KI) in Abstimmung mit der Schulaufsicht.

Die zweite Zielgruppe sollte Schüler*innen mit geringer Abschlussperspektive im Übergang Schule/Beruf (vorrangig 8. – 10. Jahrgang, die noch nicht für ein Berufskolleg geeignet sind) umfassen.

2. Aktuelle Entwicklungen

Zum Schuljahr 2024/2025 wurden zwei Klassen am Teilstandort in der ehemaligen Alkuinrealschule eingerichtet und es wurden 20 SuS (elf SuS in IFÖ 1 und neun SuS in IFÖ 2) darin beschult. Die Schüler*innen kamen aus diversen Nationen, darunter Syrien, Ukraine, China und Guinea.

Das Kollegium vor Ort besteht aus sieben Lehrkräften, einer Sekretärin, dem Hausmeister und einer Schulsozialarbeiterin. Darüber hinaus unterstützen aktuell drei ehrenamtliche Personen das Personal und bieten u.a. Vorlesen oder Sportangebote an. Die Schule nutzt derzeit fünf Räume, davon sind zwei Klassenräume, einen Yogaraum, einen Leseraum und einen Ruhe- und Rückzugsraum. Darüber hinaus werden die Sporthalle und der Verwaltungstrakt genutzt.

Die Schulsozialarbeit wurde am 01.10.2024 mit einem Vollzeitäquivalent am Teilstandort GHS Drimborn eingerichtet. Zunächst bestand die zentrale Aufgabe darin, die Schulsozialarbeit dort zu etablieren und hierfür geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Einzelfallhilfe, welche die Grundlage bildet, um Bedarfe frühzeitig zu erkennen und passgenaue Unterstützungsangebote zu entwickeln. Darüber hinaus spielt die individuelle Arbeit mit Eltern eine wesentliche Rolle. Besonders positiv wirkt auch die enge multiprofessionelle Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften und der Schulsozialarbeit am Standort, sowie die Kooperation mit weiteren externen Partner*innen der Jugendhilfe (z.B. OT Talstraße, Jugendberufshilfe).

Zu Beginn des aktuellen Schuljahres 2025/2026 sind 15 SuS in zwei Klassen (neun SuS in IFÖ 1 und sechs SuS in IFÖ 2) aufgenommen worden. Sie kommen aus diversen Herkunftsländern, unter anderem aus dem Irak, der Demokratischen Republik Kongo, dem Kosovo und Italien.

Am 30.10.2025 fand ein Austausch zwischen der Schulleitung, einer Lehrerin, der Schulaufsicht und der Verwaltung zum aktuellen Sachstand statt. Dabei wurde die bisher vergangene Zeit seit der Eröffnung der Ankommensklassen kurz evaluiert. Insgesamt wurde das Projekt der Ankommensklassen von allen Beteiligten als alternativloses und gewinnbringendes Angebot gewürdigt. In den kleinen Klassenverbünden werde eine persönliche und wertschätzende Atmosphäre geschaffen, was die Beziehungsarbeit zu den Schüler*innen unterstützte und diese so auf den Übergang in das Regelschulsystem optimal vorbereitet werden könnten. Auch die gute und unkomplizierte Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum (KI) der Stadt Aachen wurde hervorgehoben. Die vorhandenen Räumlichkeiten seien optimal auf die Bedürfnisse der Schüler*innen abgestimmt und die Zusammenarbeit innerhalb des Kollegiums sei beispiellos.

Lediglich die Entfernung des Teilstandortes zur Stammschule, der GHS Drimborn, werde als kleines Defizit empfunden. Eine Busfahrt dauere circa eine dreiviertel Stunde. Die Kooperation mit der GHS Drimborn werde u.a. für Hospitationen, Teilintegration oder die Teilnahme an den Wahlpflichtfächern genutzt.

3. Fazit und Ausblick

Bedingt durch die aktuelle Altersstruktur der SuS wird die Berufsorientierung für ältere SuS stärker in den Fokus rücken, inkl. der Kooperation mit der Jugendberufshilfe, der Jugendberufsagentur und der Bundesagentur für Arbeit. Die Partizipation der SuS am Hauptstandort soll verstärkt werden beispielsweise durch die Teilnahme an der Schüler*innenvertretung oder die Koordination der AGs.

In Hinblick auf die Entfernung des Teilstandortes zum Hauptstandort der GHS Drimborn prüft die Verwaltung derzeit verschiedene Optionen, welches nähergelegene Schulgebäude für den Teilstandort in Frage kommt, damit die Synergie bei der Kooperation der beiden Standorte noch effizienter genutzt werden kann.

Abstimmungsergebnis

Einstimmig

Weitere Dokumente (1)

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Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2025-11-17 FB 45 n_0002_WP19 Sachstand zur Beschu SAO.pdf

18.11.2025

79.5 KB

Betroffene Straßen

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Metadaten

TOP
Ö 6
Sitzung
Sitzung des Ausschusses für Schule und Weiterbildung
Gremium
Ausschuss für Schule und Weiterbildung
Datum
Di., 09.12.2025
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Kenntnisnahme
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
FB 45 - Fachbereich Jugend und Schule
Zusätze
Ergänzend wird mündlich berichtet.
Geändert
10.8.2026
Inhalt abgerufen
24. August 2026 um 01:21

Beschlussdokument

Sammeldokument öffentlich

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