16. Dezember 2025 um 17:00, Verwaltungsgeb. Mozartstraße Zi.207
TOP 9Öffentlich

Sachstandsbericht zur Entwicklung der kommunalen Präventionskette und dem Förderprogramm des Landes NRW “kinderstark – NRW schafft Chancen”

FB 45 n/0009/WP19 · Kenntnisnahme

im Ratsinformationssystem anzeigen
Beratungsergebnis:zur Kenntnis genommen

Beratung

Frau Neukirchen, Frau Pischinger und Herr Barteck (Fachbereich Jugend und Schule – FB 45) stellen die Entwicklung der kommunalen Präventionskette anhand einer Power-Point-Präsentation (s. Anlage zur Niederschrift im Ratsinformationssystem) vor.

Herr Tillmanns bedankt sich für den engagierten Vortrag. Bezugnehmend auf den Hinweis der Vortragenden, dass die Tätigkeit vielfach finanziellen Gegebenheiten unterläge, weist er auf die anstehenden Haushaltsberatungen hin und die Möglichkeit, entsprechende Unterstützung einzustielen.

Frau Schmitt-Promny dankt den Vortragenden ebenfalls. Es handele sich – mit landesseitiger Unterstützung – um einen wichtigen Baustein in der präventiven Arbeit in der Stadt. Hierzu zähle sie auch die entwickelten Schnittstellen, wie beispielsweise die Netzwerke „ElPri“ (Übergang von der Elementar- in die Primarstufe) oder „PriSe“ (Übergang Primar- in die Sekundartstufe), in welchen die verschiedenen Akteure zusammengebracht und ein wechselseitiges Verständnis entwickeln würden. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass die finanziellen Spielräume begrenzt seien. Daher gibt sie zu Bedenken, ob es nicht sinnvoller sein könnte, anstelle der Neukonzeptionierung von Angeboten die bereits bestehenden Elemente zu sichern und zu stärken. Ebenso regt sie an, die verschiedenen Koordinierungsstellen in der Verwaltung möglichst effektiv zu bündeln, um Synergieeffekte zu nutzen und keine Doppelstrukturen aufzubauen. Abschließend wünsche sie sich, dass viele Eltern durch die Angebote gewonnen und unterstützt werden könnten.

Frau Neukirchen bestätigt, dass es auch im Sinne der Verwaltung sei, Doppelstrukturen zu vermeiden. Es gebe einen engen Austausch mit den Trägern, die auch signalisieren würden, welche Angebote gut angenommen würden.

Frau Pischinger ergänzt, dass es eine intersektorale Gruppe gebe mit dem Ziel, sich verwaltungsintern gut zu vernetzen und auszutauschen.

Beschluss

Der Kinder- und Jugendausschuss nimmt den Sachverhalt zur Kenntnis.

Erläuterungen

  1. Ausgangslage

Wie bereits in der Ausschussvorlage vom 24.07.2023 (Vorlage Nr.:FB 45/0397/WP18) dargestellt, entwickelt die Stadt Aachen bereits seit Ende der 1990 Jahre den Bereich der Prävention. Beginnend ab ca. 2006 unter verschiedenen Landesförderprogrammen auch kontinuierlich mit Projekten im Rahmen einer Präventionskette.

Seit 2011 verfolgt die Stadt Aachen den systematischen Aufbau einer kommunalen Präventionskette als kommunale Gesamtstrategie zur Förderung von Chancengleichheit. Entlang der biografischen Entwicklungsphasen – von den Frühen Hilfen bis zum Übergang in Ausbildung und Beruf – werden Angebote träger- und bereichsübergreifend aufeinander abgestimmt und vernetzt, um eine bedarfsgerechte Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Familien sicherzustellen.

Die gesetzliche Grundlage für dieses Vorgehen ist § 2 und § 79 SGB VIII, wonach der öffentliche Träger der Jugendhilfe die Planungs- und Steuerungsverantwortung für alle Leistungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe hat.

Eine Übersicht der durch den FB 45 geförderten Angebote sind der Anlage zu entnehmen.

Im Fachbereich Jugend und Schule stehen zwei Vollzeitstellen für die Koordination der kommunalen Präventionskette zur Verfügung, von denen eine Stelle zu 100 % über das Landesprogramm Kinderstark NRW finanziert wird. Die Koordinationsstellen sind im Fachbereich 45/410 verortet.

  1. Präventionsstruktur

2.1 Steuerungsgruppe

Die Steuerungsgruppe tagt seit März 2024 wieder regelmäßig. Sie setzt sich aus Entscheidungsträger*innen sowie relevanten Kooperationspartner*innen zusammen und übernimmt die strategische Steuerung der Präventionsarbeit in Aachen. Der Schwerpunkt liegt auf der gemeinsamen Analyse und Priorisierung von Bedarfen, die in enger Abstimmung mit den zuständigen Entscheidungsträger*innen festgelegt werden. Ziel ist es, die präventiven Bedarfe gezielt zu adressieren, zu vernetzen und die strategische Weiterentwicklung der Präventionskette sicherzustellen. Als verbindliche Arbeitsgrundlage wurde in der inzwischen 9. Sitzung der Steuerungsgruppe der kommunalen Präventionskette im Oktober 2025 eine mit den Beteiligten der Steuerungsgruppe abgestimmte Geschäftsordnung verabschiedet.

  1. Intersektorale Gruppe

Ergänzend arbeitet die intersektorale Gruppe auf der operativen Ebene. In dieser Gruppe sind alle relevanten Akteure der jeweiligen Abteilungen aus den Fachbereichen 45 Jugend und Schule und 54 KiTa und Kindertagespflege mit Bezug zur Präventionskette und den Altersstufen von 0 bis 27 Jahren vertreten. Eine Einbeziehung von Akteur*innen aus dem FB 56 Wohnen, Soziales und Integration wird ebenfalls angestrebt. Im Rahmen der regelmäßigen Treffen erfolgt ein Austausch zum aktuellen Sachstand sowie eine Abstimmung zu bestehenden und geplanten Angeboten. Dadurch wird Transparenz innerhalb der Verwaltung geschaffen, Doppelstrukturen können vermieden und Synergieeffekte gezielt genutzt werden.

2.3 Strategische Koordination

Die Koordination der Präventionskette wird von drei Kolleg*innen verantwortet, die gemeinsam den strategischen Gesamtüberblick über die Angebotslandschaft und die Netzwerkarbeit sicherstellen. Durch diese Bündelung wird gewährleistet, dass die Planung, Steuerung und Weiterentwicklung der Präventionskette im Sinne einer übergeordneten strategischen Ausrichtung erfolgt.

In die Weiterentwicklung sind zahlreiche freie Träger der Jugendhilfe in enger Abstimmung mit einbezogen. Der Austausch ist systematisch organisiert. Er wird über Stakeholder-Interviews, regelmäßige Qualitätsdialoge sowie kontinuierliche Fachgespräche gesichert. Damit sind sowohl die Bedarfe aus der Praxis als auch die gesamtstrategische Perspektive stets im Blick.

2.4 Stärkung kommunaler Vernetzung und Koordinierung

Eine gute Vernetzung von Jugendhilfe, Schule, Gesundheit/Sport, Soziales und Stadtentwicklung stellt einen wichtigen Beitrag zu einem gelingenden Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen dar und ist originäres Ziel der Koordination der Kommunalen Präventionskette. Für das Jahr 2025 wurde die Zusammenarbeit mit der Sozialplanung wieder intensiviert. Die Koordination der Präventionskette nimmt am Fachplanungskreis (u.a. Sozialplanung, Jugendhilfeplanung, Stadtentwicklung) teil.

Wichtig zur Weiterentwicklung der präventiven Angebotslandschaft ist eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Präventionsangebote in der Stadt Aachen. Das Koordinations-Team der Präventionskette bereitet aktuell das Tool „Guter Start NRW“ vor. Dieses kostenlose Instrument des Landes NRW bietet Kommunen die Möglichkeit, in einer Suchmaschine Angebote entlang der Biografie eines Kindes von den Frühen Hilfen bis zum Übergang in den Beruf zu sammeln, zu beschreiben und für Bürger*innen und Fachkräfte zugänglich zu machen. In dem Tool werden sowohl kommunal geförderte als auch nicht kommunal geförderte präventive Angebote aller Träger und Institutionen in der Stadt Aachen aufgenommen.

Neben der Darstellung des Angebotsspektrums, kann durch die Bündelung der Angebote in dem Tool eine Bestandsanalyse erfolgen, wobei Lücken und ggfs. Parallelstrukturen in der Präventionskette identifiziert werden können. Identifizierte Bedarfe können so in die Steuerungsgruppe eingebracht und weiterverfolgt werden und Parallelstrukturen vermieden oder abgestellt werden.

  1. Sachstand der Präventionskette

Im Rahmen der Vorlage werden sowohl die durch kommunale als auch Landesmittel umgesetzten Maßnahmen, Angebote und Projekte skizziert.

3.1Frühe Hilfen
Die Frühen Hilfen als erster Baustein der Präventionskette wurden auch in den letzten zwei Jahren kontinuierlich ausgebaut.

Als feststehende Angebote der Frühen Hilfen sind „Der Kinderschutzbund – Ortsverband Aachen e.V.“ (KSB) mit den Familienhebammen und Familienkinderkrankenschwestern und die Familienpaten des Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) und Sozialdienst Aachener Frauen (SkF) in Aachen etabliert. Diese Angebote werden weiterhin durch die Gelder des Bundesfonds Frühe Hilfen und durch kommunale Mittel unterstützt.

Ein ebenfalls fest installierter Bestandteil der Frühen Hilfen ist der Besuchsdienst für Eltern von Neugeborenen. Hier bekommen die Eltern neben ein paar kleinen Geschenken zur Geburt des Kindes vor allem eine Broschüre mit wichtigen Informationen und Ansprechpersonen für die Zeit nach der Geburt.

Darüber hinaus besteht ein großes „Netzwerk Frühe Hilfen“ in der Stadt Aachen, das Schwangeren und Eltern mit Kindern bis zum 3. Lebensjahr Beratung, Begleitung und Unterstützung niedrigschwellig anbietet.

Die Stadt Aachen wurde 2025 erneut als „Stillfreundliche Kommune“ zertifiziert.

Über den interprofessionellen Qualitätszirkel (Ärzt*innen unterschiedlicher Fachbereiche und Sozialarbeitenden des FB 45) gelang es, die Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Gesundheitswesen weiter zu intensivieren. So können Familien bei Bedarf noch unkomplizierter von einem System ins andere gelotst werden.

  1. Gesunde Familiengrundschulen

Die Gesunden Familiengrundschulen sind als fester Bestandteil der Präventionskette etabliert. Mit den Familiengrundschulen wird das Modell der KiTa-Familienzentren auf „Grundschule“ übertragen und in angepasster Form umgesetzt. An neun Standorten finden Elterncafés und weitere Bildungs-, Bewegungs- und Kulturangebote statt. In Kooperation mit der Stadt Aachen, dem Fachbereich Jugend und Schule, setzen das „Haus für Familien“ der evangelischen Familienbildung, das DRK Familienbildungswerk des Deutschen Roten Kreuzes und das Helene-Weber-Haus als Träger das Konzept der „Gesunden Familiengrundschule“ an den Schulen um.

Das im Jahr 2024 initiierte Theater-Projekt wurde auch im Jahr 2025 weitergeführt. Der Musik- und Theaterfreunde e.V. fördert die kulturelle Teilhabe für Familien der Gesunden Familiengrundschulen. Mit Hilfe der zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel organisiert die Kommunale Koordination zusammen mit den gesunden Familiengrundschulen in Kooperation mit dem Stadttheater Aachen Theater- oder Konzertbesuche für Familien der jeweiligen Schulen. Im ersten Halbjahr 2025 haben in dem Projekt bereits an drei Familiengrundschulen rund 200 Personen teilgenommen. Da in diesem Jahr noch zusätzlich zu dem Förderbetrag Mittel aus dem Vorjahr zur Verfügung standen werden voraussichtlich noch zwei weitere Schulen einen Theaterbesuch durchführen können.

Projekt „Eltern mischen mit – Mitwirken heißt verändern“

Darüber hinaus konnte mit Unterstützung des Landesprogramms „kinderstark - NRW schafft Chancen“ das Projekt „Eltern mischen mit – Mitwirken heißt verändern“ erfolgreich fortgeführt werden. Ziel des Projektes ist es, insbesondere Eltern mit Zuwanderungsgeschichte über das Bildungssystem zu informieren, den Austausch zu fördern und sie bei den Übergängen im Bildungssystem zu unterstützen.

Kooperation mit dem Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration – BuT-Infoveranstaltungen

In allen neun Gesunden Familiengrundschulen haben Mitarbeitende aus dem Team BuT in den Elterncafés der Familiengrundschulen oder zu den von den Koordinator*innen der Familiengrundschulen organisierten Veranstaltungen Infoveranstaltungen zu BuT-Leistungen durchgeführt.

3.3 Vernetzungsveranstaltungen

Jährlich kommen Fachkräfte aus Unterstützungssystem, Kitas, Familienzentren und Familiengrundschulen zusammen. Ziel ist es gegenseitiges Wissen über Angebote zu stärken, damit Familien passgenau weitergeleitet werden können.

Interkommunale Vernetzung der regionalen Familiengrundschulen

In der StädteRegion Aachen gibt es insgesamt 12 Familiengrundschulzentren(FGZ bzw. Gesunde Familiengrundschulen (GFG)). Neun davon in der Stadt Aachen (alle gefördert über "kinderstark"), zwei in Stolberg (gefördert durch das MSB NRW) und eines in Baesweiler (gefördert über "kinderstark"). Durch die strukturellen Besonderheiten des Kommunalverbunds der StädteRegion Aachen bestehen einerseits für alle beteiligten Familiengrundschulen unterschiedliche Rahmenbedingungen in den kommunalen und sozialräumlichen Gegebenheiten, es bestehen aber auch zahlreiche Gemeinsamkeiten im Besonderen auch durch Institutionen, die aufgrund Ihrer Zuständigkeit für die gesamte StädteRegion auch als Stakeholder an den Familiengrundschulen eingebunden sind.

Für den 25.11.2025 ist eine von den Koordinator*innen der Kommunalen Präventionskette der Stadt Aachen, der StädteRegion und der Stadt Stolberg gemeinsam geplante und organisierte Vernetzungsveranstaltung der regionalen Familiengrundschulen geplant. Die Veranstaltung bietet somit für alle Akteur*innen (Schulleitungen, Schulsozialarbeit, Träger, Koordinator*innen der Familiengrundschulen, OGS-Vertretung) einen Austausch zur praktischen Umsetzung des Konzepts „Familiengrundschule“ unter Einbeziehung der vielfältigen Perspektiven aller Beteiligten in der Verantwortungsgemeinschaft der Familiengrundschulen.

  1. Öffentlichkeitsarbeit

Der Flyer der Gesunden Familiengrundschulen der Stadt Aachen wird aktuell überarbeitet und aktualisiert und wird bis Jahresende zur Verfügung gestellt.

  1. Armutssensibles und vorurteilsbewusstes Handeln

Neben einer gut verzahnten und bedarfsgerechten Angebotsstruktur bedarf es auch armutssensibler Fachkräfte, um Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen zu fördern.

Im Jahr 2024 hat ein zweiteiliger Praxisworkshop zum armutssensiblen und vorurteilsbewussten Handeln für Fachkräfte aus den Bereichen Kita, Schule, OGS, ASD und Jugendpflege stattgefunden.

Für die kommenden Jahre ist eine Fortführung der Fortbildungen und Praxisworkshops zu diesem Themenbereich in Kooperation mit dem LVR (Koordinationsstelle Kinderarmut) in Planung.

  1. Ausblick

Für die kommenden Jahre ist vorgesehen, die Präventionskette inhaltlich und strukturell weiterzuentwickeln. Relevante zukünftige Themen der Präventionskette sind die großen Bereiche der Inklusion und der Partizipation, also der Planung und Umsetzung von Teilhabe und Beteiligung. Hierzu bedarf es kontinuierlicher Bedarfserhebung und Bedarfsplanung, um den Eltern und Kindern weiterhin passgenaue Unterstützung anbieten zu können.

Darüber hinaus soll das Angebotsspektrum gezielt auf die Jugendphase und das junge Erwachsenenalter ausgeweitet werden. Eine Bestandsanalyse wird hierfür die notwendigen Handlungsbedarfe aufzeigen.

Zur Sicherstellung der Qualität und Fachlichkeit werden Fortbildungsmaßnahmen zu armutssensiblem und vorurteilsbewusstem Handeln regelmäßig angeboten und somit eine Verstetigung angestrebt. Für die Finanzierung stehen Mittel aus dem Fördertopf „Kommunale Netzwerke gegen Kinderarmut“ bereit. Ergänzend sollen die jährlichen Fachkräfte-Vernetzungstreffen sowie eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit die Zusammenarbeit zwischen allen Akteur*innen weiter stärken.

Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2025-11-24 FB 45 n_0009_WP19 Sachstandsbericht zu SAO.pdf

24.11.2025

550.0 KB

Metadaten

TOP
Ö 9
Sitzung
Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses
Gremium
Kinder- und Jugendausschuss
Datum
Di., 16.12.2025
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Kenntnisnahme
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
FB 45 - Fachbereich Jugend und Schule
Zusätze
Ergänzend wird mündlich berichtet.
Geändert
17.12.2025
Inhalt abgerufen
10. Februar 2026 um 22:27

Beschlussdokument

Sammeldokument öffentlich

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