16. Dezember 2025 um 17:00, Verwaltungsgeb. Mozartstraße Zi.207
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Ausweitung der praxisintegrierten Ausbildung (PiA)

FB 54/0004/WP19 · Kenntnisnahme

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Beratungsergebnis:zur Kenntnis genommen

Beratung

Frau Mendes erkundigt sich danach, warum die Ausbildungsplätze lediglich zu ca. 80 % ausgelastet seien und ob es Bestrebungen seitens der Verwaltung gebe, dies zu eruieren.

Frau Backhaus berichtet, dass dies zwar keine explizite Fragestellung in der durchgeführten Umfrage an die beteiligten Träger gewesen sei. Aufgrund von Erfahrungswerten könne jedoch festgestellt werden, dass sich Personen vor Ausbildungsbeginn teilweise nochmals umorientieren – beispielsweise aufgrund kurzfristiger Studienangebote – oder zu anderen Trägern wechseln würden. Die somit freiwerdenden Plätze könnten nicht rechtzeitig vor Ausbildungsbeginn nachbesetzt werden. Die unterjährige Abbruchquote sei hingegen sehr gering. Dies liege auch daran, dass Träger zunächst versuchen würden, einen Einrichtungswechsel vorzunehmen.

Frau Vossen ergänzt die Frage, ob und wie es gelingen könne, die Betreuung der Auszubildenden in den Einrichtungen zu verbessern. Laut Vorlage sei dies aktuell noch herausfordernd. Sie erkundigt sich, ob die Betreuung nicht eher durch ein Team gewährleistet werden könne anstatt von einer einzelnen Person.

Herr Kaldenbach erläutert, dass die Verwaltung sich bewusst für eine 1:1 Zuordnung in der Betreuung entschieden habe, da es wichtig sei, dass die auszubildende Person eine klare Orientierung und eine Bezugsperson habe. Die Betreuung durch ein Team sei daher keine Lösung. Gleichwohl herrsche in der Kindertagesbetreuung ein Personalmangel und zeitgleich sei das vorhandene Personal gefordert, die Auszubildenden anzuleiten. Darauf gebe es derzeit keine Antwort. Mit Verbesserung der Personalsituation könne es möglicherweise gelingen, das Ausbildungsangebot auszubauen.

Frau Schmitt-Promny äußert ihre Enttäuschung über das ihrer Ansicht nach defensiv formulierte Fazit der Vorlage. Sie erkundigt sich danach, ob es eine Möglichkeit sein könne, die praktischen Elemente und die schulische Ausbildung anders miteinander zu verknüpfen, beispielsweise dass sich die schulischen Inhalte stärker an die Praxis orientieren würden. Die 1:1 Zuordnung empfinde sie als hohen Anspruch, sie befürchte, dass das Ausbildungssystem aufgrund dessen zu engmaschig aufgestellt sei. Das System dürfe dadurch nicht noch zusätzlich belastet werden.

Herr Münstermann bittet um Auskunft, ob und wie die Ausbildung finanziell unterstützt werde, sowohl auf Seiten der auszubildenden Person als auch des Trägers.

Herr Kaldenbach erläutert, dass die Ausbildung derzeit anteilig mit Landesmitteln gefördert werde. Im Übrigen trage der Träger die Restkosten. Das Land beabsichtigt in seinem Referentenentwurf des Kinderbildungsgesetzes eine stärkere Unterstützung der Ausbildung. An Frau Schmitt-Promny gewandt berichtet er, dass neben der PiA-Ausbildung auch weitere Zugänge ins KiTa-System bestehen würden wie beispielsweise über ein Freiwilliges Soziales Jahr, Praktika, usw. Seiner Ansicht nach seien die Träger breit aufgestellt. Eine stärkere Verzahnung von schulischer Ausbildung und Praxis bewerte er als schwierig, da zum einen der Lehrplan sehr klar vorgegeben und zum anderen die Situation vor Ort individuell sei. Daher gehe er nicht davon aus, dass die Schule mehr entlasten kann.

Frau Schmitt-Promny stellt klar, dass sich ihre Enttäuschung vor allem darauf beziehe, dass die Ausbildung derzeit nicht weiter ausgebaut werden könne.

Frau Jansen bekräftigt, dass auch im OGS-Bereich ein hoher Personalbedarf bestehe. Aus Trägersicht habe sie ebenfalls ein großes Interesse daran, in Ausbildung zu investieren. Ihrer Ansicht nach müsse es auch möglich sein dürfen, Teile der Ausbildungsstunden als Fachkraftstunden anrechnen zu können.

Herr Tillmanns schließt die Diskussion. Er plädiert an alle Akteure, die weitere Entwicklung abzuwarten und den eingeschlagenen Weg weiterhin mutig zu beschreiten.

Beschluss

Der Kinder- und Jugendausschuss nimmt den Sachverhalt zur Kenntnis.

Erläuterungen

  1. Ausgangslage

Am 23.05.2023 wurde im Kinder- und Jugendausschuss der damalige Sachstand zur praxisintegrierten Ausbildung dargestellt (Vorlagen-Nr.: FB 45/0374/WP18). Das Thema sollte fortlaufend von der Verwaltung im Blick gehalten und der Politik erneut vorgelegt werden.

Weiterhin ist der Alltag in den Kindertagesstätten von einem erheblichen Fachkraftmangel geprägt. Insbesondere wenn mehrere Mitarbeitende ausfallen, wird dies für Kinder, Eltern, Teams und Träger zu einer großen Herausforderung, die nicht selten in einem (teilweisen) Betreuungsausfall münden.

Die Träger reagieren hierauf u.a. mit Maßnahmen der Mitarbeitendenbindung, Gewinnung von Quereinsteigenden nach der Personalverordnung oder mit Anstrengungen in der Ausbildung. Alle drei Maßnahmenbereiche sind von hoher Bedeutung.

Zu beachten und im KiTa-Alltag nicht zu unterschätzen ist die Anleitung von Quereinsteigenden und Auszubildenden, die besonders in der ersten Zeit zu einer weiteren Belastung der Teams führt.

  1. Trägerbefragung und Ergebnisse

Um einen Überblick zur aktuellen Lage – insbesondere über die Ausbildungszahlen - zu erhalten, wurden die KiTa-Träger mit einem kurzen Onlinefragebogen kontaktiert und die Rückmeldungen gebündelt.

Für 129 der 145 Kindertagesstätten liegen Daten vor. Damit ergibt sich eine Beteiligung von ca. 89 %.

Im KiTa-Jahr 2024/25 wurden insgesamt 149 Stellen für die praxisorientierte Ausbildung zur Erzieher*in (Gesamtanzahl – sowohl 1., 2. als auch 3. Ausbildungsjahr) angeboten. Bei 34 dieser Stellen wurde angegeben, dass diese nicht besetzt werden konnten oder dass Auszubildende die Ausbildung abgebrochen haben. Häufig führen kurzfristige Absagen (da andere Ausbildungsstellen z.B. bei der „Wunscheinrichtung“ angenommen werden können) der Auszubildenden dazu, dass die frei werdenden Plätze nicht mehr rechtzeitig nachbesetzt werden können – u.a. da nicht ausreichend Bewerber*innen auf den Nachrücklisten zur Verfügung stehen. Gründe für den Abbruch der Ausbildung sind neben der Umorientierung insbesondere die Aufnahme eines Studiums. Durch die Ausbildungszeit können beispielsweise Wartezeiten auf einen Studienplatz überbrückt werden. Zusätzlich waren in diesem KiTa-Jahr 32 Auszubildende für die praxisorientierte Ausbildung zur Kinderpfleger*in beschäftigt. Im Bundesfreiwilligendienst oder freiwilligen sozialen Jahr waren 30 Menschen beschäftigt. Hinzu wurden ca. 250 Praktikant*innen gemeldet. Diese Kräfte benötigten alle eine vertiefte Anleitung, neben weiteren Kräften wie neu eingestellte KiTa-Helfende sowie Assistenzkräfte im Rahmen des BTHG, die ebenfalls in den KiTa-Alltag eingewiesen und begleitet werden müssen.

Im KiTa-Jahr 2025/26 werden 148 Stellen für die praxisorientierte Ausbildung zur Erzieher*in angeboten. 31 dieser Stellen konnten bis zum Zeitpunkt der Befragung u.a. aus den o.g. Gründen nicht besetzt werden. Im Rahmen der praxisorientierten Ausbildung zur*zum Kinderpfleger*in werden 31 Stellen angeboten.

Im Kern ist es hier im Vergleich zum Vorjahr nicht zu einer Veränderung der Ausbildungszahlen gekommen. Dies obwohl im Vorjahr nicht alle Stellen besetzt werden konnten. Geeignete Bewerber*innen hätten somit weiterhin die Möglichkeit erhalten eine Stelle zu bekommen.

Zusätzlich zur Abfrage der Ausbildungs- bzw. Anleitungszahlen sowie von weiteren Kräften hatten die Träger die Möglichkeit, einen Freitext einzugeben, um weitere Hinweise zur praxisorientierten Ausbildung geben zu können. Einige Träger haben hierbei angeben, dass die praxisorientierte Ausbildung herausfordernd in der Dienstplangestaltung ist, da die Auszubildenden nur an einzelnen Tagen in der Einrichtung sind. An diesen Tagen sollte idealerweise die anleitende Person ebenfalls im Dienst sein. Die Anleitung an sich wird insbesondere bei Zeiten von Personalmangel als herausfordernd erlebt, zum Teil auch die Zusammenarbeit mit den Schulen. Zusätzlich war zum Teil gewünscht, dass es eine bessere Förderung der praxisintegrierten Ausbildungen gäbe.

  1. Einordnung der Ergebnisse der Befragung

Die Kindertagesstätten sind im Rahmen der Ausbildung in hohem Maße gefordert. Dies betrifft nicht nur die praxisintergierten Ausbildungen, sondern auch die Vielzahl von Praktikant*innen im Rahmen der klassischen Ausbildungen, der Fachoberschule, der allgemeinbildenden Schulen oder bei Studiengängen. Es besteht eine hohe Bereitschaft der Träger, weitere Menschen für das System zu gewinnen, obwohl die Bedingungen wegen des Fachkraftmangels mehr als herausfordernd sind. Eine Ausweitung der Ausbildungszahlen scheint zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich zu sein.

Die Situation an den Berufskollegs wurde zuletzt auch am 19.02.2025 im Ausschuss für Schule, Bildung, Wissenschaft und Kultur in der Städteregion Aachen vorgestellt (Sitzungsvorlagen-Nr.: 2025/0173).

Im Ergebnis konnte zuletzt ein Rückgang der Schüler*innenzahlen in den beiden Berufskollegs Simmerath/Stolberg und Käthe-Kollwitz seit dem Schuljahr 2022/23 verzeichnet werden. Dies entspricht dem Trend auch in anderen Bildungsbereichen. Demnach kann die aktuelle Nachfrage durch die derzeit angebotenen Ausbildungsplätze gut abgedeckt werden.

Von Schulen und Trägern ist bekannt, dass es zunehmend auch Auszubildende gibt, die sich nach Abschluss der Ausbildung für ein Studium entscheiden. Eine Zahl dieser Menschen konnte nicht ermittelt werden, da die Anzahl weder bei den Schulen noch den Trägern vorliegt.

  1. Fazit

Die praxisintegrierten Ausbildungen sind in den Kindertageseinrichtungen angekommen und bilden inzwischen eine wertvolle Ressource für den Nachwuchs in der frühen Bildung. Eine Erweiterung scheint zum jetzigen Zeitpunkt wenig sinnvoll und auch nicht möglich – zum einen aufgrund der teils mangelnden Nachfrage, zum anderen aufgrund der notwendigen und derzeit schwer sicherzustellenden zeitintensiven Anleitung. Diese Entwicklung ist zukünftig weiter im Blick zu halten – auch aufgrund der anstehenden Reform des Kinderbildungsgesetzes.

Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2025-11-26 FB 54_0004_WP19 Ausweitung der praxi SAO.pdf

2.12.2025

80.5 KB

Metadaten

TOP
Ö 17
Sitzung
Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses
Gremium
Kinder- und Jugendausschuss
Datum
Di., 16.12.2025
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Kenntnisnahme
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
FB 54 - KiTa und Kindertagespflege
Zusätze
Die Unterlagen wurden nachgereicht.
Geändert
17.12.2025
Inhalt abgerufen
10. Februar 2026 um 22:27

Beschlussdokument

Sammeldokument öffentlich

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