Zweiter Sachstandsbericht zur Mobilen Jugendarbeit im Sozialraum Forst und Driescher Hof
FB 45 n/0045/WP18 · Kenntnisnahme
Beratung
Herr Tillmanns erklärt seine Befangenheit und verlässt den Beratungstisch. Daher übernimmt Frau Schmitt-Promny stellvertretend den Vorsitz.
Frau Schmitt-Promny berichtet ergänzend für die neuen Mitglieder des Ausschusses, dass das Thema der Mobilen Jugendarbeit den Kinder- und Jugendausschuss bereits lange begleite. Die anfängliche Umsetzung habe sich sehr herausfordernd gestaltet, insbesondere hinsichtlich der Festlegung der Trägerschaft. Am Ende sei die Trägerschaft aufgeteilt worden. Zwischenzeitlich habe sich einer der beiden Träger zurückgezogen und der Familienentlastende Dienst der Lebenshilfe (FeD) habe sich bereiterklärt, die Aufgabe zusammen mit dem Verein Kinder- und Jugendhilfe Driescher Hof e. V. fortzuführen.
Frau Hoffmann unterstreicht die Wichtigkeit der Beziehungsarbeit in diesem Feld. Die Zielgruppe benötige eine verlässliche Möglichkeit, um in Kontakt zu treten und eine Bindung aufzubauen. Sie plädiere daher für eine Verstetigung des Angebots, auch wenn ihr die angespannte Haushaltslage bewusst sei. Dennoch sei es insbesondere in diesem Sozialraum wichtig, die Kinder bereits früh mitzunehmen. In diesem Zusammenhang lobt sie auch die Ausweitung der Zielgruppe auf jüngere Kinder, dies halte sie für weitsichtig. Die Kinder, die bereits in jungen Jahren ein Interesse an der Zusammenarbeit hätten, sollten entsprechend ermutigt werden, sodass sie der Jugendarbeit auch als ältere Jugendliche erhalten bleiben würden. Die Berichte der beiden Träger würden bestätigen, dass die originäre Zielgruppe – und zwar Jugendliche ab 14 Jahren – keineswegs aus dem Blick geraten sei. Darüber hinaus erleichtere eine Verstetigung die Personalplanung der Träger.
Frau Vossen schließt sich den Ausführungen von Frau Hoffmann an. Auch sie erkenne den Mehrwert darin, die Zielgruppe auf jüngere Kinder auszuweiten und Bindungen aufzubauen.
Frau Schmitt-Promny äußert verschiedene Fragestellungen im Zusammenhang mit der originären Zielgruppe. Die Interessen der jungen Menschen seien mitunter anders gelagert, als vermutet. Die Frage sei, ob die Interessen ortsgebunden im Sozialraum verankert seien oder sich mehr Richtung Innenstadt bewegen würden; ob sie eher in medialen Angeboten münden würden oder inwieweit die Jugendlichen an einem Miteinander in einer Gruppe interessiert seien. Bei einer Anknüpfung an jüngere Kinder dürfe in dem Bestreben, eine Beziehung aufzubauen, nicht aus dem Blick geraten, wo ihre Interessen gelagert seien, damit sie im Laufe der Zeit nicht in bestimmte Richtungen ausbrechen würden.
Frau Jansen bekräftigt aus Trägersicht, dass die Ausweitung der Zielgruppe nicht bedeute, dass die älteren Kinder aus dem Blick verloren worden seien. Es bestünden auch gezielte Angebote für ältere Jugendliche, die gemeinsam mit ihnen konzipiert worden seien. Die Jugendlichen würden auch ihrerseits Wünsche und Bedarfe zu bestimmten Themen äußern. Dies gehöre zur Bestands- und Bedarfsanalyse dazu.
Frau Schmitt-Promny erteilt Frau Ophoff (Lebenshilfe Aachen FeD) das Wort.
Frau Ophoff berichtet, dass es teilweise schwierig sei, junge Menschen in bestimmten Bereichen im Sozialraum anzutreffen, da es zu wenig Aufenthaltsmöglichkeiten geben würde. Dennoch halte sie es für wichtig, sich auch dort um die jungen Menschen zu bemühen.
Herr Grundmann erläutert, dass die finanziellen Mittel für das Angebot für die Jahre 2026 und 2027 etatisiert seien. Die Ausweitung der Zielgruppe sei mit beiden Trägern abgestimmt, auch aufgrund des Umstandes, dass ältere Kinder faktisch nicht erreicht würden. Dennoch stelle sich die Frage, ob die Politik diese Entscheidung mittrage oder alternativ einen Weg sehe, die originäre Zielgruppe besser zu erreichen. Der Auftrag an die Träger sei es, eine Evaluation bis Sommer 2026 zu fertigen, damit es eine solide Diskussionsgrundlage für die etwaige Verstetigung des Projektes gebe.
Herr Küppers unterstützt den Vorschlag. Er bittet um einen frühzeitigen Bericht in 2026 als Grundlage für die weitere politische Entscheidung. Bezugnehmend auf die Ausführungen von Frau Ophoff regt er an, zu prüfen, wo sich die Jugendlichen aufhalten würden.
Herr Münstermann lobt den bisherigen Austausch zu dem Thema. Seiner Ansicht nach handele es sich um einen fließenden Prozess, dass sich Ziele ändern könne er auch aus seiner eigenen Erfahrung in der ehrenamtlichen Jugendarbeit bestätigen. Dies empfinde er nicht als problematisch, sondern vielmehr, dass durch die derzeitige Konzeptionierung befristete Arbeitsverhältnisse bei den Trägern geschaffen würden. Dies spreche für eine Verstetigung. Der Sozialraum sei klug ausgewählt worden, er gehe davon aus, dass dieser noch Jahre von der Jugendarbeit profitieren werde.
Frau Hoffmann schließt sich den Ausführungen an. Sie weist darauf hin, dass die Jugendlichen über 14 Jahren zu Zeiten der Corona-Pandemie die Jüngeren gewesen seien. Möglicherweise hänge die schwere Erreichbarkeit dieser Zielgruppe mit Nachwirkungen aus der Pandemie zusammen, beispielsweise mangele es an Vertrauen in Erwachsene, die sich kümmern und sich für ihre Belange einsetzen würden. Es benötige Zeit, um dieses Vertrauen aufzubauen. Voraussetzung hierfür sei aber die Verstetigung der Arbeit.
Frau Schmitt-Promny empfiehlt die kritische Betrachtung, ob die jetzigen Angebote mit Blick auf die Beteiligung der Zielgruppe die richtigen seien. Durch die Beteiligung der jungen Menschen könne bei diesen ein Verantwortungsbewusstsein geschaffen werden, da sie die umgesetzten Angebote ein stückweit mittragen würden. Sie stellt fest, dass sich aus dem Thema eine Vielzahl anknüpfender Fragestellungen ergeben würden und schlägt daher vor, es nochmal auf die Tagesordnung einer künftigen Sitzung zu nehmen. In jedem Fall bestehe im Ausschuss ein Konsens dahingehend, dass die aufsuchende Jugendarbeit in dem Stadtteil gefördert werden solle.
Beschluss
Erläuterungen
- Ausgangslage
Der erste Sachbericht zur Mobilen Jugendarbeit in Forst/Driescher Hof wurde von den Trägervertretern des Vereins Kinder- und Jugendhilfe Driescher Hof e. V. und Wabe-Akazia gGmbH in der Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses vom 27.08.2024 vorgestellt (FB 45/0618/WP18).
Im Nachgang dieser Sitzung beantragten am 06.09.2024 der Verein Kinder- und Jugendhilfe Driescher Hof e. V. und Wabe-Akazia gGmbH eine Verlängerung der Laufzeit der Mobilen Jugendarbeit für den Zeitraum 2025-2027 im Umfang eines VZÄ. Mit dem Verwaltungsschreiben vom 16.10.2024 erfolgte eine Mittelzusage zur Weiterführung der Mobilen Jugendarbeit für das Jahr 2025.
Am 06.11.2024 teilte der Träger Wabe-Akazia gGmbH mit, die Mobile Jugendarbeit zum Ende des Jahres 2024 im Lebensbereich Forst und Unterforst einzustellen. Daraus ergab sich die Notwendigkeit der Neufindung eines Trägers und es wurde ein Trägerfindungsverfahren durchgeführt.
Der Kinder- und Jugendausschuss beschloss in der Sitzung vom 04.02.2025, die Trägerschaft für die Mobile Jugendarbeit im Umfang von 50% der Vollzeitäquivalente an die Lebenshilfe Aachen FeD GmbH zu übertragen (vgl. Vorlage FB 45/0656/WP18).
Die Lebenshilfe Aachen FeD GmbH nahm ihre Tätigkeit zum 01.03.2025 auf.
- Sachstand Mobile Jugendarbeit in Forst / Driescher Hof
Im Lebensraum Altforst und Unterforst:
Nach dem Trägerwechsel besteht der wesentliche Fokus auf Bekanntmachung und Vertrauensaufbau in beiden Ortsteilen, ergänzt durch die Schaffung zugänglicher, wetterunabhängiger Aufenthaltsorte. Über die Teilnahme am Einsteigerworkshop der Landesarbeitsgemeinschaft für Jugend-Streetwork/Mobile Jugendarbeit konnte die neue Fachkraft der Mobilen Jugendarbeit des FeD, Frau Arnd hilfreiche Tipps erhalten und erste Netzwerkkontakte knüpfen. Diese mündeten u.a. in regelmäßigen Begehungen zur Analyse des Sozialraums und Bekanntmachung des Angebots, Kontaktaufnahme zur ansässigen Akteur*innenlandschaft und die Verteilung von Informationsmaterial zur Mobilen Jugendarbeit im Lebensraum.
Durch die regelmäßigen Sozialraumbegehungen konnten erste Beziehungen zu den jungen Menschen aufgebaut werden. Frau Arnd erlebt hierbei die Jugendlichen distanziert, was auch in Gesprächen mit ansässigen Trägern bestätigt wird. Viele junge Menschen bewegen sich bevorzugt zwischen Aachen Brand und Innenstadt, da sie sich in ihrem Stadtteil nicht wohl- bzw. unerwünscht fühlen. Es fehlen dort Angebote und räumliche Möglichkeiten für Aufenthalte. Die Jugendlichen kompensieren die fehlenden Rückzugsorte durch Nutzung von Hauseingängen oder des Parkhauses der Aachen Arkaden. Hinzukommt, dass es im Lebensraum einige Räume gibt, die bei Dunkelheit gemieden werden (Angsträume). Als auffällig wird festgestellt, dass Kinder ab 11 Jahren der Fachkraft gegenüber sich zugewandter verhalten, sich auf Gespräche einlassen und Angebote erfragen.
Nähere Informationen können aus der Anlage 1 dem Jahresbericht zur Mobilen Jugendarbeit der Lebenshilfe Aachen FeD GmbH entnommen werden.
Im Lebensraum Forster Linde und Schönforst:
In Forster Linde und Schönforst wird ein Wandel der Zielgruppe erlebt. Bestehende Gruppen lösen sich aus unterschiedlichen Gründen auf: Freundschaften zerbrechen, einige beginnen ein Studium, schulische oder berufliche Anforderungen nehmen zu. Dadurch verändert sich die Gruppenstruktur und die Zusammensetzung der Jugendlichen. Die Mobilität der Jugendlichen ist sehr hoch. Viele zieht es nicht dauerhaft an einen Ort, sondern sie nutzen Plätze rotierend zwischen Aachen-Brand und der Aachener Innenstadt. Vor allem männliche Jugendliche halten sich zunehmend außerhalb des Lebensraums auf.
Im Raum Forster Linde ist die aktive Präsenz von Jugendgruppen rückläufig. Die dort erreichten Jugendlichen äußern Bedürfnisse, die bereits im Rahmen der Mobilen Jugendarbeit bearbeitet werden (vgl. Anlage 2).
In Forster Linde wird eine Vielzahl von Gruppenaktivitäten angeboten, die von jungen Menschen aus beiden Stadtteilen genutzt werden.
Der Raum Schönforst ist durch eine veränderte Altersstruktur deutlich belebt; vermehrt junge Menschen ab 11 Jahren stellen Anforderungen an die Mobile Jugendarbeit. Die erreichten Mädchen nutzen die Angebote verlässlich, die Jungen erscheinen oft nicht zu Verabredungen.
Nähere Informationen können aus der Anlage 2 dem Jahresbericht zur Mobilen Jugendarbeit vom Verein für Kinder- und Jugendhilfe Driescher Hof e. V. 2025 entnommen werden.
Nach Einschätzung beider Träger bedarf es der Altersanpassung der Zielgruppe von derzeit ab 14 Jahren auf ab 11 Jahren. Im Kooperationsgespräch am 05.06.2025 wurden seitens des Vereins für Kinder und Jugendhilfe Driescher Hof e.V. folgende Gründe zur Altersherabsetzung ab Jahresbeginn 2025 genannt:
- verkürzte Kindheit durch Berufstätigkeit der Eltern
- spezielle Klientel im Lebensraum
- mediale Einflüsse
- Pubertätsthemen im Grundschulalter
- die körperliche und geistige Reifeentwicklung im Kindesalter
- gesellschaftliche Änderungen
- Fazit
Der Trägerwechsel erforderte in Altforst und Unterforst einen Neuanfang im Aufbau der Beziehungsarbeit zu den jungen Menschen im Lebensraum. Der Träger Driescherhof e.V. profitierte von den Erfahrungen aus den Vorjahren.
Die Trägerberichte signalisieren einen deutlichen Bedarf an Mobiler Jugendarbeit für junge Menschen insbesondere bei den jüngeren Jugendlichen ab 11 Jahre. Die jüngeren Menschen zeigen sich im Kontakt sehr interessiert und äußern Bedarfe an niedrigschwelligen Angeboten. Die originäre Zielgruppe der Mobilen Jugendarbeit, junge Menschen ab 14 Jahre werden gar nicht oder nur schwer erreicht (vgl. Sachberichte gemäß Anlage 1 und 2).
Währenddessen zieht sich die typische Zielgruppe der Mobilen Jugendarbeit, junge Menschen ab 14 Jahren, immer stärker aus dem sichtbaren Raum zurück. Sie pendeln zwischen Stadtteilen und nutzen rotierend verschiedene Plätze. Da bisher in Altforst und in Unterforst wenige bis keine adäquaten offenen Angebote für diese Altersgruppe vorgehalten werden, konnten sich die Jugendlichen nicht mit ihrem Lebensraum identifizieren, sie resignieren und sind weniger bereit sich auf neue Initiativen einzulassen. Die logische Schlussfolgerung, dass die Jugendlichen die OT Driescherhof in die eine Richtung oder die OT Josefshaus in die andere Richtung aufgrund vermeintlicher Nähe aufsuchen, ist nicht gegeben. Auch im Rahmen der Projektgruppe von ISEK- Forst wurde geäußert, dass in Unterforst kein räumliches Angebot für Kinder und Jugendliche zur Verfügung steht.
Zudem zeigen sich alters- und geschlechterspezifische Unterschiede, besonders schwer erreichbar sind die männlichen Jugendlichen, daher werden hier neue Ansätze benötigt, um auch diese Zielgruppe zu erreichen.
In der derzeitigen Arbeit bleibt die Witterung grundsätzlich ein zentraler Faktor für die Aktivität der Mobilen Jugendarbeit. In der kalten Jahreszeit finden sich wenige bis keine jungen Menschen auf öffentlichen Plätzen, daher ist grundsätzlich zu klären, wie eine Mobile Jugendarbeit in der kalten Jahreszeit umgesetzt werden kann.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Netzwerkarbeit vor Ort, um den jungen Menschen möglichst breitgefächerte Unterstützungsmöglichkeiten unterbreiten zu können.
Insgesamt zeigt sich ein komplexes Zusammenspiel aus dem Wandel der Gruppenstrukturen, der Mobilität der Jugendlichen, veränderten Alters- und Geschlechterdynamiken sowie wetterabhängigen Nutzungsmustern. Die Mobile Jugendarbeit muss daher flexibel bleiben und bestehende Anforderungen bedarfsgerecht aufgreifen, um in belasteten Sozialräumen Jugendliche zu unterstützen, die nur schwer über feste Angebote erreicht werden.
Technische Details
ID: 1019521
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1019521
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2025-10-08 FB 45 n_0045_WP18 Zweiter Sachstandsbe SAO.pdf
26.11.2025
28.7 MB
Betroffene Straßen
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Metadaten
- TOP
- Ö 14
- Sitzung
- Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses
- Gremium
- Kinder- und Jugendausschuss
- Datum
- Di., 16.12.2025
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 45 - Fachbereich Jugend und Schule
- Geändert
- 17.12.2025
- Inhalt abgerufen
- 10. Februar 2026 um 22:27
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
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