Auszubildendenwerk Aachen (Ratsantrag Nr. 395/18 von GRÜNE & SPD vom 06.12.2023)
FB 02/0007/WP19 · Kenntnisnahme
Beratung
Herr Begaß stellt das Auszubildendenwerk Aachen als weitere Maßnahme der städtischen Wirtschaftsförderung zurFachkräftesicherung neben den ebenfalls in der Sitzung vorgestellten Angeboten Welcome Center und Meister*innenstipendium vor. Das Konzept orientiert sich am Münchner Modell und wird von HWK, IHK, AWO, DGB, Mieterschutzverein, Stadt Aachen sowie der gewoge AG getragen. Im April werden am Standort Burtscheider Brücke 112 Wohnungen für Auszubildende und Studierende fertiggestellt; eine erste Bewerbungsphase läuft bereits, Einzüge sind ab 01.04. vorgesehen.
In der Diskussion werden insbesondere Finanzierung, Unternehmensbeteiligung und Tragfähigkeit hinterfragt. Herr Halim (CDU) fragt nach der finanziellen Beteiligung von Unternehmen, Herr Dr. Ritzau (Grüne) sieht Potenzial, aber noch offene Fragen zur Finanzierung, Herr Willsch (SPD) betont den Be-darf an bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende und mögliche Effekte, und Herr Herkens (FDP) hinterfragt die Notwendigkeit einer eigenständigen Struktur.
Herr Begaß erläutert, dass Unternehmensbeiträge nach Größe vorgesehen sind (ca. 180 € monatlich laut HWK-Umfrage) und eine schrittweise Beteiligung geplant ist. Die erste Phase umfasst bis zu 112 Plätze, mit einer erwarteten anfänglichen Belegung von rund 50 %. Perspektivisch könnten weitere Standorte hinzukommen. Eine eigenständige Institution sei erforderlich, um neben der Wohnrauvermittlung auch sozialpädagogische Betreuung sicherzustellen, die durch die gewoge AG nicht abgedeckt werden könne.
Beschluss
Erläuterungen
Gründung eines Auszubildendenwerks Aachen
Angesichts des spürbaren Fachkräftemangels in der Region und der aktuellen Herausforderungen in der dualen Berufsausbildung ist es notwendig, innovative Lösungsansätze zu entwickeln und Auszubildende gezielt zu unterstützen.
Inspiriert vom bestehenden Auszubildendenwerk in München wurden auf Initiative verschiedener regionaler Akteur*innen – darunter die AWO Aachen-Stadt, der DGB Region NRW-Süd-West, die DGB Jugend Aachen, IHK und HWK Aachen sowie der Mieterschutzverein – erste Überlegungen zur Gründung eines Azubiwerks in Aachen angestoßen.
Auf Basis des Ratsantrags „Gründung eines Azubiwerks für Aachen“ (Ratsantrag Nr. 395/18 von GRÜNE & SPD vom 06.12.2023) leitete der Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalstadt und Europa die Konzeptentwicklung ein, In mehreren Gesprächen mit den Initiator*innen und der gewoge AG konnten zentrale Fragestellungen geklärt und ein gemeinsamer Handlungsrahmen entwickelt werden.
Das geplante Auszubildendenwerk Aachen soll künftig als Anlaufstelle für Auszubildende fungieren. Geplant sind unter anderem die Vermittlung von vergünstigtem Wohnraum nach klaren Kriterien, ein Beratungsangebot bei beruflichen und privaten Herausforderungen sowie zielgruppengerechte Netzwerk- und Veranstaltungsformate. Darüber hinaus soll die aktive Mitgestaltung durch Auszubildende gefördert und deren demokratische Teilhabe gestärkt werden.
Für die Entwicklung einer Struktur für ein Auszubildendenwerk in Aachen wurden Mittel i. H. v. 30.000 € bereitgestellt und durch den Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalstadt und Europa die detaillierte Bedarfsanalyse und Konzeptionierung öffentlich ausgeschrieben. Im Oktober 2024 konnte die WohnBund-Beratung NRW GmbH beauftragt werden. Ein erstes Zwischenergebnis wurde dem Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Regionalentwicklung im Februar 2025 vorgestellt.
Auf Basis der Diskussion im Ausschuss im Februar 2025 sowie angesichts der begrenzten finanziellen Mittel im aktuellen städtischen Haushalt wurde gemeinsam mit der WohnBund-Beratung ein Stufenmodell entwickelt, das es erlaubt, das Projekt flexibel in mehreren Etappen zu realisieren. Diese Struktur ermöglicht eine schrittweise Entwicklung des Azubiwerks – abhängig davon, welche finanziellen Mittel jeweils zur Verfügung stehen. Dabei kann jede Stufe eigenständig wirken, ohne dass bereits alle Elemente vollständig etabliert sein müssen.
Das Konzept umfasst drei Entwicklungsstufen:
Stufe 1 (2025): Aufbau eines sichtbaren Angebots für Auszubildende (z. B. Website mit Lotsenfunktion, Marketingkampagne, Netzwerkbildung); Etablierung der Marke "Azubiwerk Aachen".
Stufe 2 (ab 2026): Einrichtung eines Beratungs- und Begegnungsangebots vor Ort im Neubauprojekt an der Burtscheider Brücke, das im unmittelbaren Lebensumfeld der Auszubildenden stattfindet.
Stufe 3 (ab Mitte 2026): Übernahme der Wohnungsvergabe durch das Azubiwerk für reservierte Einheiten im genannten Neubauprojekt in Kooperation mit der gewoge AG.
Die Finanzierung der ersten Stufe (49.000 €) ist im Haushaltsjahr 2025 gesichert. Die zweite Stufe (ca. 99.000 € p.a.) und die dritte Stufe (ca. 186.000 € p.a.) sollen durch eine Kombination aus städtischen Mitteln und Beteiligungen von Unternehmen getragen werden. Als geeignete Rechtsform für den Betrieb des Azubiwerks wird auf Grundlage der Analyse der WohnBund-Beratung ein eingetragener Verein empfohlen – insbesondere wegen der geringen Gründungshürden, der flexiblen Struktur und der guten Möglichkeiten zur Beteiligung unterschiedlicher Partnerinnen.
Die Umsetzung der ersten Phase des Auszubildendenwerks ist bereits in Planung. So wurden Angebote von mehreren Aachener Agentur für den Markenaufbau und der Erstellung einer Webseite eingeholt. In engem Austausch mit den Initiatoren soll nun eine Werbeagentur beauftragt werden und ein gemeinsamer Kick-off Termin stattfinden. Parallel finden Gespräche mit der gewoge AG statt, um eine Kooperationsvereinbarung zur Vermittlung der Mikro-Apartments im Neubau an der Burtscheider Brücke zu beschließen.
Um die zweite Projektstufe – die Einrichtung eines sozialpädagögischen Beratungsangebots – realisieren zu können, ist eine stärkere Beteiligung der Aachener Wirtschaft vorgesehen. Es ist vorgesehen, dass sich Ausbildungsbetriebe in Form von Fördermitgliedschaften oder projektbezogenen Beiträgen an der Finanzierung des Azubiwerks beteiligen. Um die Bereitschaft der Wirtschaft hierzu fundiert einschätzen zu können, hat die WohnBund-Beratung im Frühjahr 2025 qualitative Interviews mit zentralen Aachener Ausbildungsunternehmen geführt. Befragt wurden die regio iT gesellschaft für informationstechnologie mbh, Sparkasse Aachen, Zentis Fruchtwelt GmbH & Co. KG, Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli GmbH, RWTH Aachen University und Grünenthal GmbH. Aus diesen Gesprächen geht hervor, dass grundsätzlich ein hohes Interesse am Projekt besteht und die Unternehmen die Idee eines Azubiwerks ausdrücklich begrüßen – ob und in welcher Höhe sich die Unternehmen jedoch beteiligen blieb oft eher vage.
In der dritten Phase soll das Auszubildendenwerk Aachen als dauerhafte, eigenständige Struktur etabliert werden. Im Mittelpunkt steht die Koordination und Vermittlung von Wohnraum für Auszubildende, die über ein transparentes Losverfahren erfolgen soll. Darüber hinaus organisiert das Auszubildendenwerk eigenständig das Beratungs- und Unterstützungsangebote und schafft Räume für Vernetzung, Beteiligung und Freizeitgestaltung.
Damit sich das Auszubildendenwerk Aachen zu einem fest verankerten Akteur in der Ausbildungslandschaft entwickeln kann, ist es unabdingbar, auf Basis des Konzepts der WohnBund-Beratung in einem weiteren Schritt die tatsächliche Bereitschaft der Wirtschaft und der Sozialpartner*innen zur Mitfinanzierung und Mitwirkung zu klären.
Es ist jedoch davon auszugehen, dass in den ersten Jahren nach der Gründung weiterhin städtische Mittel erforderlich sein werden. Daher empfiehlt die Stadtverwaltung, auch für das kommende Haushaltsjahr 2026 Mittel in Höhe von 50.000,00 € und im darauffolgenden Haushaltsjahr 2027 weitere 25.000,00 € als Anschubfinanzierung bereitzustellen.
Abstimmungsergebnis
Technische Details
ID: 1019942
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1019942
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2025-11-17 FB 02_0007_WP19 Auszubildendenwerk A SAO.pdf
17.12.2025
120.5 KB
Betroffene Straßen
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Metadaten
- TOP
- Ö 9
- Sitzung
- Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Regionalentwicklung
- Gremium
- Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Regionalentwicklung
- Datum
- Mi., 14.01.2026
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 02 - Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalstadt und Europa
- Geändert
- 16.1.2026
- Inhalt abgerufen
- 9. Juli 2026 um 12:12