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Bürgerantrag nach § 24 GO NRW vom 05.12.2024: Tegelwippen in Aachen

Dez VII/0003/WP19 · Kenntnisnahme

Bürgerantrag nach § 24 GO NRW vom 05.12.2024: Tegelwippen in Aachen

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Beratungsergebnis:ungeändert beschlossen

Beratung

Ratsherr Carsten Schaadt führt in den Tagesordnungspunkt ein und stellt den Bürgerantrag vor, der die Stadt auffordert, die niederländische Initiative „Tegelwippen“ – Entfernen von Pflastersteinen und Platten auf privatem Grund zur Entsiegelung und Begrünung als „Aachener Asphaltknacker“ zu propagieren und umzusetzen.

Herr Müllender, der Antragsteller erläutert den Antrag unter Bezug auf fortschreitende Hitzesommer und überdurchschnittliche Temperaturen als Folge des Klimawandels. Er beschreibt die Aktion „Tegelwippen“ anhand von Fotos, mit Verweis auf die Niederlande und nennt insbesondere Venlo und Valkenburg als Vorbilder. Herr Müllender wünscht die Befürwortung des Gremiums für den Start aller erforderlichen Maßnahmen einer solchen Mitmachaktion auch für Aachen. Er präsentiert den Begriff „Aachen Asphaltknacker“ als Titel für einen Aachener Wettbewerb. Herr Müllender berichtet Des Weiteren von ersten Kontakten zu den Niederlanden. Entsprechende Daten sind seinem Antrag beigefügt und können genutzt werden. Er bietet persönliche Unterstützung sowie die Mitwirkung der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen und schlägt sechs Maßnahmen vor:

1.Aufruf zum Mitmachen

2.Hilfestellung bei der Durchführung

3.Motivation von Schulen zur Mitwirkung

4.Gewinnung von Sponsoren

5.Aufbau eines Wettbewerbscharakters

6.Einrichtung einer Aachener Tegelwippen-Webseite

Ratsherr Schaadt dankt Herrn Müllender für den erfrischenden Vorschlag und bemerkt, dass „Tegelwippen“ auch in Aachen bereits sprachgängig geworden sei.

Frau Stefanie Niederschmidt (Dezernat VII - Klima und Umwelt, Stadtbetrieb und Gebäude) stellt die Vorlage vor, nimmt Bezug auf den „Abpflastern“-Wettbewerb in Koblenz und erläutert, dass die Bodenschutzbehörde bereits ein Merkblatt erstellt habe, basierend auf vorhandenen Abpflastern-Unterlagen. Sie weist auf laufende Kontakte zu Initiativen und Schulen hin und befürwortet die Anknüpfung an den Bundeswettbewerb.

Herr R. fragt, ob Abpflastern nur auf privaten Flächen möglich sei.

Herr Müllender bestätigt dies und betont, dass ein intensiverer Austausch mit der Stadt benötigt werde.

Herr Hilgers betont die Wichtigkeit des Schutzes natürlicher Bodenfunktionen, freut sich über die Vorlage und konstatiert, dass in Aachen bereits viel unternommen werde. Er begrüßt ähnliche Projekte in Deutschland, hebt die überregionalen Initiativen der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz hervor und sieht Aachen ohnehin bereit als Vorreiter bei Entsiegelungsmaßnahmen, etwa durch das Brachflächenentsiegelungskataster 2024. Die CDU fordert eine intensive Weiterführung und stärkere Öffentlichkeitsarbeit. Er unterstreicht, dass die fachliche Beurteilung bei der Bodenschutzbehörde und Frau Dr. Frey-Wehrmann in den besten Händen liege.

Herr Tobollik lobt die Maßnahme gegen den Klimawandel als schöne Initiative und hebt die kompetente Vorarbeit der Stadt sowie die Förderung von Eigenverantwortlichkeit hervor.

Herr Wiedau bezeichnet den Vorschlag als guten Beitrag auf dem die Verwaltung aufbauen kann. Er plädiert aber für ein pressewirksameres Vorgehen und eine prominentere Platzierung.

Frau Nüttgens begrüßt den Start der Initiative zunächst mit privaten Flächen, sieht einen Schülerwettbewerb als besonders förderlich an und schlägt vor, das Projekt zunächst auf eine kleine Menge an privaten Flächen beschränkt zu beginnen, um erste Erfahrungen zu sammeln und die Umsetzbarkeit zu testen.

Frau Haupts berichtet von ihrem Austausch mit Herrn Müllender sowie von einem parallel eingebrachten Ratsantrag der UP-Gruppe. Sie stellt die langfristige Pflege der entsiegelten Flächen kritisch in Frage und betont, dass das Projekt zunächst im privaten Bereich umgesetzt werden sollte. Sie verweist auf Gespräche mit der zuständigen Stelle in Düsseldorf und erläutert, dass dort vorrangig private Flächen gefördert würden, unter anderem aufgrund möglicher Kontaminationsrisiken im öffentlichen Raum. Zudem existiere in Düsseldorf eine Webseite, auf der entsiegelte Flächen mit besonderer Publikumswirkung vorgestellt würden.

Als weiteres Beispiel nennt sie Herzogenrath, wo unter dem Stichwort „Schotterfrei“ eine Bauverordnung bestehe, die den Einsatz von Kies in Vorgärten untersage. Abschließend verweist sie auf eine Einladung aus Düsseldorf zur Vernetzung sowie auf bestehende Kooperationen mit Köln und Bonn. Ziel sei es, auch Aachen stärker sichtbar zu machen und entsprechend „auf die Karte zu setzen“.

Frau Klostermann hebt die Wichtigkeit eines guten Namens hervor. Dazu nutzt sie das Beispiel „Campusbahn“.„Stadtbahn“ wäre im Nachhinein für die Akzeptanz cleverer gewesen. Das Wort „Asphaltknacken“ findet sie gut, bemerkt aber, dass „Abpflastern“ noch nicht in ihrem Bewusstsein und vermutlich auch nicht in dem der Stadtgesellschaft stehe. Die Bevölkerung sollte entsprechend ermutigt werden. Hierbei sei die Unterstützung der Stadt aber entscheidend. Privatleute werden zunächst skeptisch sein was sie genau dürfen und was nicht.

Herr Müllender bestätigt dies und verweist auf die üblicherweise sehr zeitaufwendigen Verfahrensweisen in Aachen.

Herr Schaadt bescheinigt den Prozessen in Aachen ebenfalls eine gewisse Langwierigkeit, wie beispielsweise bei der Fassadenbegrünung. Für verschiedenen Themen müssen verschiedenen Fachbereiche eingebunden werden. Dies macht es oft durchaus komplizierter als erwartet.

Herr Wiedau konstatiert, dass kein Beschlussvorschlag vorliege, und verweist auf den Umweltausschuss.

Ratsherr Schaadt würdigt die ambitionierten Ansätze, fasst die Zusage zusammen, die Themen in den entsprechenden Ausschüssen weiter zu verfolgen, und schließt die Beratung.

Beschluss

Das Bürgerforum nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung die Ergebnisse des Bürgerforums in die weitere Beratung in den zuständigen politischen Gremien einzubringen.

Erläuterungen

Der Bürgerantrag vom 04.12.2024 bezieht sich auf die in den Niederlanden etablierte Initiative „Tegelwippen“, die zum Ziel hat, versiegelte Flächen auf Grundstücken in Städte durch das Entfernen von Pflastersteinen und Gehwegplatten zu entsiegeln und diese Flächen im Anschluss zu begrünen. Damit wird ein Beitrag zur Klimaanpassung und zur Schaffung klimaresilienter Städte geleistet.

Das deutsche Pendant zu dieser Initiative ist der Wettbewerb „abpflastern“, der 2025 erstmals gestartet ist. Die erste Wettbewerbsphase läuft seit dem 21. März 2025 und endet am 31. Oktober 2025. Auch im Jahr 2026 wird der Wettbewerb wieder stattfinden, geplant von März bis Oktober. Der Wettbewerb ist als dauerhaftes Projekt an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz angelegt und soll von den jeweiligen Studierendenjahrgängen fortgeführt werden. Am Wettbewerb können alle teilnehmen – Einzelpersonen, Nachbarschaftsgruppen, Schulen, Kirchen, Unternehmen oder auch die kommunale Verwaltung selbst. Eine offizielle Anmeldung durch Kommunen ist nicht erforderlich. Jede „abgepflasterte“ Fläche kann unkompliziert über die Website eingetragen werden und wird dann automatisch anhand der Postleitzahl der Kommune zugeordnet und angerechnet.(https://www.abpflastern.de/index.php/faq/)

Die Verwaltung begrüßt bürgerschaftliches Engagement in diesem Themenfeld ausdrücklich. Initiativen wie „abpflastern“ machen die Bedeutung von Böden als natürliche Klimaanlage und als wichtigen Bestandteil einer klimafesten Stadtentwicklung sichtbar. In diesem Zusammenhang fanden bereits Gespräche mit lokal Engagierten sowohl zu diesem Wettbewerb als auch zu weiteren Ansätzen einer stärkeren Öffentlichkeitsarbeit statt. Die Stadt Aachen ist bestrebt, den Rahmen zur aktiven Mitgestaltung für Bürger*innen stetig zu erhöhen. Der Wettbewerb „abpflastern“ fügt sich somit in ein breites Instrumentarium zum Mitmachen und Mitreden in Aachen ein (s. unter anderem Tool-Box – Aachen Innenstadtmorgen). Dabei gilt: Entsiegeln ist stadtweit erwünscht und schließt sämtliche Bezirke mit ein.

Private Flächen machen einen großen Anteil am gesamten Stadtgebiet aus. Eine Entsiegelung dort kann wesentlich zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen. Gleichzeitig zeigt die Ermittlung von Schottergärten und gepflasterten Vorgärten, dass ein beträchtlicher Teil dieser Flächen bislang stark versiegelt ist – was sowohl aus ökologischen als auch aus gestalterischen Gründen problematisch ist.

Die Stadt Aachen verfolgt im Bereich vorsorgenden Bodenschutzes bereits seit Jahren verschiedene Maßnahmen. Dazu gehören die Reduktion von Neuversiegelungen ebenso wie die Entsiegelung bestehender Flächen im Rahmen von städtebaulichen Planungsprozessen. Solche Maßnahmen erfolgen eher in einem integrierten Kontext und seltener als Einzelprojekte. Ein Beispiel ist das im Herbst 2024 im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz (AUK) vorgestellte städtische Brachflächen-Entsiegelungskataster, in dem Flächen > 500 m² aufgeführt sind. Darüber hinaus werden durch Fördermittel gezielte Entsiegelungsprojekte an kommunalen Einrichtungen umgesetzt, wie etwa an der 4. Aachener Gesamtschule. Dort erfolgt die Identifizierung geeigneter Flächen in Zusammenarbeit mit den Schüler:innen.

Für die fachliche Umsetzung von Entsiegelungsmaßnahmen existieren zudem anerkannte Leitlinien, wie z. B. die Berliner Arbeitshilfe "Wiederherstellung der natürlichen Bodenfunktionen nach einer Entsiegelung", der Anforderungen und Empfehlungen zur praktischen Umsetzung zusammenfasst. Um diese Fachinformationen für Bürger:innen leichter zugänglich zu machen, ist im Anhang ein Merkblatt beigefügt.

Die Verwaltung unterstützt daher ausdrücklich alle Aktivitäten, die auf eine Reduzierung der Flächenversiegelung und auf eine nachhaltige Begrünung privater Grundstücke abzielen. Initiativen wie das „Tegelwippen“ oder sein deutsches Pendant „abpflastern“ können einen wertvollen Beitrag leisten und stehen im Einklang mit den bestehenden Bemühungen der Stadt, klimafeste Strukturen zu fördern und den vorsorgenden Bodenschutz weiter auszubauen.

Abstimmungsergebnis

Einstimmig angenommen

Weitere Dokumente (1)

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Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2025-12-16 Dez VII_0003_WP19 Buergerantrag nach _ SAO.pdf

17.12.2025

225.5 KB

Metadaten

TOP
Ö 5.2
Sitzung
Sitzung des Bürgerforums
Gremium
Bürgerforum
Datum
Di., 27.01.2026
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Kenntnisnahme
Status
öffentlich
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
Dezernat VII
Geändert
17.2.2026
Inhalt abgerufen
19. Mai 2026 um 16:00