Abbau des Türelüre-Lißje-Brunnens; hier: Bürger*innenantrag nach § 24 GO NRW vom 19.09.2024
FB 01/0621/WP18 · Entscheidungsvorlage
Abbau des Türelüre-Lißje-Brunnens; hier: Bürger*innenantrag nach § 24 GO NRW vom 19.09.2024
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Zu Beginn des Tagesordnungspunktes weist Oberbürgermeister Dr. Ziemons auf die öffentliche Diskussion im Vorfeld der Sitzung hin, insbesondere auf die namentliche Nennung der Antragstellerin in sozialen Medien und in der Presse sowie auf teils negative Äußerungen diesbezüglich. Er betont, dass jede Person das gesetzlich verankerte Recht habe, im Rahmen eines Bürgerantrags ihre Meinung zu vertreten. Das Bürgerforum solle ein Raum für sachliche und respektvolle Diskussion sein; persönliche Angriffe oder herabsetzende Kommentare seien nicht hinnehmbar. Er stellt klar, dass die Antragstellende als Privatpersonen handele und ihre berufliche Tätigkeit keinen Bezug zum Antrag habe. Die Geschäftsstelle prüfe Anträge neutral gemäß § 24 GO NRW, und das Bürgerforum treffe in der Sitzung keine abschließende Entscheidung. Diese obliege im vorliegenden Fall der Bezirksvertretung Aachen-Mitte.
Herr Schaadt erläutert den baulichen Hintergrund des anstehenden Abbaus. Er führt aus, dass der Türelüre-Lißje-Brunnen im Zuge der geplanten Offenlegung des Paubachs sowie der damit verbundenen Umgestaltung des Straßenraums ohnehin zunächst entfernt und eingelagert werden muss. Die Planungen befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium; zudem sind zeitliche Vorgaben und Fördermittelbindungen zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund ist eine frühzeitige Klärung des zukünftigen Umgangs mit dem Brunnen erforderlich.
Im Bürgerforum entwickelt sich eine ausführliche Diskussion mit unterschiedlichen Positionen.
Mehrere Wortmeldungen sprechen sich für den Erhalt des Brunnens aus. Der Brunnen wird als Teil der Aachener Tradition und als kulturhistorisches Denkmal verstanden. Er steht in engem Zusammenhang mit dem bekannten Aachener Volkslied und wird als Ausdruck lokaler Identität gesehen. Es wird betont, dass das Denkmal Anlass zur pädagogischen Auseinandersetzung mit dem Thema Mobbing bieten kann. Eine Stadtführerinnen sucht regelmäßig mit Schulklassen den Brunnen auf und nutzt ihn gezielt für Gespräche über respektvolles Verhalten und gesellschaftliche Entwicklungen. Eine Entfernung wird daher als kontraproduktiv bewertet, da dadurch ein wichtiger Diskussionsanlass im öffentlichen Raum entfällt.
Mehrere Redner*innen regen an, den Brunnen durch eine Informationstafel, ergänzende Erläuterungen oder digitale Angebote (z. B. QR-Codes) historisch und gesellschaftlich einzuordnen. Auf diese Weise kann eine bewusste und reflektierte Auseinandersetzung ermöglicht werden. Der Brunnen kann als Mahnmal seiner Entstehungszeit verstanden werden, das unterschiedliche Interpretationen zulässt und zur kritischen Reflexion anregt.
Einige Wortmeldungen verweisen auf den Schutz der Kunstfreiheit und betonen, dass bei der Bewertung von Kunstwerken im öffentlichen Raum eine sorgfältige Abwägung erforderlich ist. Zudem wird gefragt, wie viele konkrete Beschwerden zum Brunnen vorliegen und ob eine Entfernung im Verhältnis zur historischen Bedeutung angemessen ist.
Ein Mitglied aus der Familie des Initiators erläutert, dass der Brunnen ursprünglich als Ehrung einer Figur aus dem Aachener Liedgut gedacht gewesen sei. Die Darstellung wird unterschiedlich wahrgenommen; aus ihrer Sicht zeigt das „Lißje“ Mut und Selbstbehauptung. Auch hier wird eine erläuternde Kontextualisierung als geeigneter Weg gesehen.
Demgegenüber äußern andere Redner*innen deutliche Kritik an der Darstellung. Sie beschreiben den Brunnen als befremdlich und problematisch, insbesondere für Kinder. Die Szene zeigt ein ängstliches, weinendes Mädchen in einer demütigenden Situation. Der Begriff „sexualisierte Gewalt“ wird kontrovers diskutiert; teils wird er als zutreffend, teils als unglücklich gewählt angesehen. Mehrere Beiträge betonen, dass eine solche Darstellung nicht unkommentiert im öffentlichen Raum stehen sollte. Einige sprechen sich daher für eine Versetzung des Brunnens in ein Museum aus, wo eine angemessene historische Einordnung erfolgen kann. Eine bloße Informationstafel im öffentlichen Raum ist aus ihrer Sicht nicht ausreichend.
Ein weiterer Vorschlag sieht vor, einen künstlerischen Wettbewerb auszuloben und neben dem bestehenden Brunnen einen zusätzlichen, neu interpretierten Brunnen zu errichten. In dieser Variante solle das Motiv bewusst zeitgemäß umgedeutet werden, etwa indem das Mädchen selbstbewusst und aufrecht dargestellt werde. Auf diese Weise kann eine moderne künstlerische Auseinandersetzung erfolgen, ohne das bestehende Denkmal unmittelbar zu entfernen.
Weitere Wortmeldungen thematisieren die öffentliche Diskussion in sozialen Medien und mahnen zu einem respektvollen Umgang miteinander. Zudem wird die Frage aufgeworfen, wie jüngere Generationen oder Menschen unterschiedlicher kultureller Hintergründe den Brunnen wahrnehmen und in die Debatte einbezogen werden können.
Herr Wiedau stellt fest, dass die Wortmeldungen seiner Einschätzung nach keinen repräsentativen Querschnitt der Stadtgesellschaft abbilden. Innerhalb seiner Fraktion gibt es unterschiedliche Auffassungen: die jüngeren Mitglieder der Fraktion sind eher kritisch gegenüber dem Brunnen eingestellt, während ältere Mitglieder sich stärker für den Erhalt aus Gründen der Tradition ausgesprochen haben. Er weist darauf hin, dass auch der Kontext des zugrunde liegenden Liedes kritisch betrachtet werden muss. Die Darstellung fröhlicher Jungen gegenüber einem verzweifelten Mädchen ist problematisch. Eine abschließende Position hat seine Fraktion bislang nicht gefunden. Er betont, dass der Brunnen nicht noch prominenter gemacht werden soll und eine bloße Informationstafel aus seiner Sicht nicht ausreicht.
Frau Nüttgens entschuldigt sich eingangs bei der Antragstellerin für die negativen Reaktionen in sozialen Medien und fordert einen respektvollen Rahmen für die Diskussion. Sie sieht den Brunnen als Teil der Aachener Geschichte, befürwortet jedoch das Verhalten in sozialen Medien ausdrücklich nicht. Am Brunnen seien Täter- und Opferrollen deutlich erkennbar dargestellt. Sie spricht sich für eine Kontextualisierung sowie eine mögliche Neugestaltung aus. Zudem erinnert sie an einen früheren Beschluss des Bürgerforums, wonach Aachen seine Straßen und Denkmäler systematisch neu bewerten und sich kritisch mit ihnen auseinandersetzen solle. Transparente Informationen und Orientierung für die Öffentlichkeit seien dabei wesentlich.
Frau Perschon-Adamy spricht sich für den Erhalt des Brunnens aus und betont die Bedeutung von Brauchtum und lokaler Identität. Sie weist darauf hin, dass der Brunnen nach 1945 von der Aachener Bevölkerung selbst finanziert worden sei, um symbolisch wieder Wurzeln zu schlagen. Gleichzeitig erkennt sie an, dass aus heutiger Perspektive in der Darstellung des Mädchens Demütigung und Bloßstellung sichtbar seien. Gesellschaftliche Werte hätten sich verändert. Geschichte müsse bewusst gezeigt und reflektiert werden. Sie stellt die Frage, welche Inhalte auf einer Informationstafel dargestellt werden sollten, und regt ergänzend einen Wettbewerb an, bei dem Studierende eine alternative Darstellung erarbeiten könnten.
Frau Rademacher hebt hervor, dass sie die historischen Hintergründe, insbesondere die Ausführungen eines Familienmitglieds des Brunneninitiators Alois Stüttgen, als bereichernd empfunden habe. Sie betont, dass in der Sitzung keine endgültige Entscheidung getroffen werde und weitere Ausschüsse beteiligt seien. Sie weist darauf hin, dass die Wahrnehmung des Brunnens geschlechterabhängig sein könne: Frauen identifizierten sich möglicherweise stärker mit dem Leid des Mädchens, während Männer die Szene eher als harmloses Kinderspiel wahrnähmen. Eine Informationstafel halte sie für notwendig. Als weitere Optionen nennt sie eine Versetzung in ein Museum oder andere Formen des Umgangs. Grundsätzlich wünsche sie sich, dass der Brunnen weiterhin stehen könne, stellt jedoch die Frage nach dem künftigen Standort im Zuge der Umgestaltung.
Herr Deumens schildert seinen Eindruck aus der Diskussion und warnt davor, Begriffe wie „sexualisierte Gewalt“, „sexueller Missbrauch“ oder „Mobbing“ begrifflich zu überfrachten. Er sieht den Brunnen zugleich als Ausdruck von Geschichte, Tradition und Brauchtum, aber auch als Anlass zur Auseinandersetzung mit problematischen Darstellungen. Er befürwortet den Ansatz der Stadtführerin, den Brunnen als „Denk-mal“ und Lernort zu verstehen. Er stimmt dem geänderten Beschlussvorschlag zu und spricht sich für den Erhalt des Brunnens mit einer erläuternden Tafel aus, die sowohl den historischen als auch den gesellschaftlichen Kontext darstellt.
Herr Tillmanns betont die Bedeutung von Brauchtum und Volkskultur. Er sieht in der Darstellung weder sexualisierte noch übergriffige Elemente. Eine Entfernung des Brunnens halte er nicht für förderlich. Vielmehr spreche er sich für Maßnahmen zur Einordnung aus. Der Brunnen sei Teil der Aachener Identität und gehöre an seinen Standort in der Klappergasse. Auch er unterstützt den geänderten Beschlussvorschlag zum Erhalt mit Kontextualisierung.
Frau Haupts kritisiert die Diskussion in sozialen Medien vorab, stellt jedoch lobend heraus, dass der Austausch im Bürgerforum sachlich und respektvoll verlaufen sei. Sie verweist auf das Projekt von Sebastian Wiesner, der mittels KI-Technologie Aachener Denkmäler digital neu interpretiert habe. Sie regt an, auch den Brunnen in alternativer Form darzustellen. Darüber hinaus weist sie auf ein weiteres gesellschaftliches Problem hin, nämlich dass Frauen im öffentlichen Raum häufig keine geeigneten Toiletten fänden.
Herr Schaadt stellt klar, dass dies auch Männer betreffe, dies jedoch nicht Gegenstand der aktuellen Diskussion sei.
Frau Klostermann beschreibt den Brunnen als unangenehm und beschämend. Sie wundert sich, dass das zugrunde liegende Lied im Karneval als lustig wahrgenommen werde, und sieht darin eine problematische Seite des Brauchtums, bei der sich über Schwächere lustig gemacht werde. Sie spricht sich für eine Kommentierung des Brunnens aus und sieht ihn zugleich als möglichen Lernort, der Einblicke in Kindheit im 19. Jahrhundert sowie in die Entwicklung des Karnevals geben könne.
Herr Schaadt fragt nach der Bedeutung des Begriffs „begehbarer Brunnen“ aus früheren Beschlüssen und betont, dass der Brunnen nicht weiter aufgewertet oder zusätzlich hervorgehoben werden solle.
Herr Deumens ergänzt abermals, dass neben dem historischen auch der gesellschaftliche Kontext kenntlich gemacht werden müsse.
Herr Tobolik weist darauf hin, dass bei etwaigen Veränderungen an einem Kunstwerk rechtliche Vorgaben, insbesondere urheberrechtliche Aspekte, beachtet werden müssten.
Oberbürgermeister Dr. Ziemons betont abschließend die Rolle der Verwaltung als zuhörende Instanz und verweist darauf, dass die Bezirksbürgermeisterin Aachen-Mitte anwesend sei und die Erkenntnisse in einer kommenden Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Mitte einbringen werde.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Das Bürgerforum nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis und empfiehlt der Bezirksvertretung Aachen-Mitte, über den zukünftigen Umgang mit dem Türelüre-Lißje-Brunnen zu beraten. Es wird empfohlen, eine klar gekennzeichnete Kontextualisierung zur historischen und gesellschaftlichen Einordnung des Motivs vorzusehen.
Erläuterungen
Sachverhalt
Mit Schreiben vom 19.09.2024 beantragte eine Aachener Bürgerin den Abbau des Türelüre-Lißje-Brunnens an der Ecke Bendstraße/Klappergasse. Sie begründet dies mit der Auffassung, dass der Brunnen eine verharmlosende Darstellung von sexualisiertem Mobbing darstelle. Seit Errichtung des Brunnens im Jahr 1967 habe sich aber die Sichtweise auf diskriminierende und auch nur ansatzweise gewaltverherrlichende Darstellungen insbesondere zum Nachteil einer Minderheit geändert. Nach ihrer Einschätzung sei die Darstellung mit den Wertvorstellungen einer aufgeklärten und modernen Stadtgesellschaft nicht mehr vereinbar.
Der Brunnen wurde 1967 auf Initiative von Alois Stüttgen errichtet und vom Bildhauer Hubert Löneke gestaltet. Der Standort Klappergasse, an dem sich der Brunnen befindet, wird derzeit im Rahmen einer Neuplanung überarbeitet. Unter anderem ist die Errichtung eines Spielplatzes angedacht. Das Planungsteam hält einen Raum für die Skulptur oder eine Neuinterpretation in der Nähe des jetzigen Standorts vor.
Zur Klärung der Frage, ob der Brunnen erhalten, dauerhaft abgebaut oder umgestaltet werden soll, empfiehlt die Verwaltung, das Thema in der zuständigen Bezirksvertretung Aachen-Mitte zu beraten. Dabei sollen die unterschiedlichen Perspektiven aus den vorliegenden Stellungnahmen – insbesondere von Stadtplanung, Stadtarchiv, Kulturbetrieb (Kommission für Kunst im öffentlichen Raum) sowie der Gleichstellungsbeauftragten – einbezogen werden.
Die eingegangenen Bewertungen verdeutlichen, dass es sich um eine grundsätzliche Entscheidung über den künftigen Umgang mit dem Brunnen handelt.
Stellungnahmen
- Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Aachen
Die Gleichstellungsbeauftragte hebt hervor, dass der Brunnen eine Szene darstellt, in der drei Jungen ein hockendes Mädchen einkreisen, ihm den Ausweg versperren und dabei lachen, während das Mädchen mit heruntergezogenen Mundwinkeln verängstigt nach oben blickt. Diese Darstellung vermittle eindeutig ein Machtgefälle und sei nach heutigen Maßstäben als Mobbingsituation einzuordnen. Zwar handle es sich ursprünglich um die bildhauerische Umsetzung eines Aachener Kinderreims, doch habe sich die gesellschaftliche Bewertung inzwischen grundlegend verändert. Heute seien die gravierenden Folgen sozialer Ausgrenzung und Mobbing – von Angstzuständen bis hin zu Depressionen – bekannt. Ein Kunstwerk, das eine solche Demütigung abbildet, könne im öffentlichen Raum als problematisches Vorbild wirken. Öffentliche Räume müssten vielmehr ein respektvolles und inklusives Miteinander widerspiegeln. Ein Brunnen, der Machtmissbrauch und Erniedrigung darstellt, werde diesem Anspruch nicht mehr gerecht.
Die vollständige Stellungnahme der Gleichstellungsbeauftragten ist der Vorlage als Anhang beigefügt.
- Stadtplanerische Perspektive (Gutachten von Julia Rohrmanstorfer, Agentur KRAFT.RAUM Landschaftsarchitektur Düsseldorf)
Im Zusammenhang mit der geplanten Umgestaltung des Platzes arbeitet der Fachbereich 61 Stadtentwicklung und Stadtplanung mit den Landschaftsarchitekten des Planungsbüros KRAFT.RAUM zusammen. Die Beauftragung einer Agentur erfolgte, da es sich nicht allein um verkehrliche Fragen, sondern um eine umfassende städtebauliche Betrachtung handelt.
In seiner Expertise betont das Büro, dass die Gestaltung öffentlicher Räume stets auch die Verantwortung mit sich bringt, diskriminierende oder demütigende Darstellungen zu vermeiden. Öffentliche Orte sollten alle Menschen gleichermaßen respektieren und einladend wirken. Ein Brunnen, der Mobbing und Erniedrigung darstellt, vermittele hingegen ein Verhalten, das niemand selbst erfahren möchte, und stehe damit im Widerspruch zu den heutigen Werten von Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion. Vor diesem Hintergrund empfiehlt das Gutachten, im Zuge der Neugestaltung des Areals ernsthaft Alternativen zu prüfen. Dies könne sowohl in einem vollständigen Ersatz durch ein neues, zeitgemäßes Kunstwerk liegen, als auch in einer künstlerischen Neuinterpretation der vorhandenen Figuren, in einem Erhalt mit kritischer Kontextualisierung oder in einer Kombination dieser Ansätze. Besonders hervorgehoben wird, dass eine partizipative Gestaltung die Möglichkeit böte, die kulturelle Tradition sichtbar zu machen und zugleich dem Anspruch einer respektvollen und gleichstellungsorientierten Stadtgesellschaft gerecht zu werden.
- Stellungnahme der Kommission „Kunst im öffentlichen Raum“
Der Bürger*innenantrag wurde von der Kommission „Kunst im öffentlichen Raum“ unter der Leitung des städtischen Kulturdezernenten ausführlich diskutiert. Die Kommission stellte die Mehrdeutigkeit des Kunstwerks heraus: Einerseits handelt es sich um ein Zeugnis lokaler Kulturgeschichte, eng verbunden mit einem Aachener Karnevalslied, das für viele Bürgerinnen und Bürger ein Stück Identität darstellt. Andererseits sind die dargestellten Szenen problematisch und nur schwer mit heutigen Wertvorstellungen vereinbar.
Die Kommission sprach sich gegen eine vollständige Neugestaltung oder Neuvergabe eines Kunstwerkes aus, unter anderem aus finanziellen Gründen. Stattdessen betonte sie die Sinnhaftigkeit einer Kommentierung des Denkmals. Erläuternde Tafeln oder digitale Angebote könnten sowohl die historische Einordnung als auch die kritische Auseinandersetzung mit dem Motiv ermöglichen. Zudem sollte die Anwohnerschaft in mögliche Überlegungen zu einer ergänzenden Gestaltung einbezogen werden. Insgesamt sah die Kommission in einer sorgfältigen Kommentierung einen tragfähigen Minimalkonsens.
Der Vermerk der Sitzung ist der Vorlage als Anhang beigefügt.
- Stellungnahme des Stadtarchivs
Der Leiter des Aachener Stadtarchivs hat eine umfassende historische Einordnung des Brunnens vorgenommen. Diese ist der Vorlage als Anhang beigefügt. Der Brunnen wurde 1967 auf Initiative von Alois Stüttgen errichtet und vom Bildhauer Hubert Löneke gestaltet. Finanziert wurde er durch Spenden der Aachener Bürgerschaft, die damals über 9.700 DM aufbrachte. Damit stellt der Brunnen ein Zeugnis bürgerschaftlichen Engagements der Nachkriegszeit dar.
Das Motiv bezieht sich auf ein im 19. Jahrhundert populäres Aachener Lied, das die Geschichte eines Mädchens erzählt, das von drei Jungen aufgehalten wird, bis es sich einnässt. Dieses Lied war über Generationen hinweg in der Stadt bekannt und galt als fester Bestandteil der lokalen Volkskultur, etwa im Karneval. Bei der Einweihung des Brunnens 1967 stand die Würdigung der Aachener Tradition und des Bürgersinns im Vordergrund; der problematische Kern der Geschichte wurde nicht thematisiert. Heute kann die Szene jedoch durchaus als Mobbingsituation wahrgenommen werden. Nach Ansicht des Stadtarchivs hängt die Bewertung stark von der Perspektive der Betrachtenden ab, sodass sich weder eindeutig feststellen lässt, ob es sich um sexualisiertes Mobbing oder um eine verharmloste Kinderszene handelt. Klar ist jedoch, dass sich die Sicht auf das Motiv im Laufe der Zeit gewandelt hat.
Das Stadtarchiv plädiert daher für eine Kontextualisierung. Der Brunnen könne als Ausgangspunkt für Diskussionen über gesellschaftliches Miteinander, Traditionspflege und den Wandel von Wertvorstellungen dienen. Ergänzende Informationstafeln oder digitale Angebote könnten ein tieferes Verständnis ermöglichen. Im Rahmen seines Projekts „Historische Stadtmarkierungen“ schlägt das Archiv vor, den Brunnen zu integrieren, um sowohl seine Funktion als Zeugnis der Stadtgeschichte zu würdigen als auch eine kritische Einordnung zu gewährleisten.
Einschätzung
Die Stellungnahmen machen deutlich, dass der Türelüre-Lißje-Brunnen sowohl ein lokalgeschichtliches Zeugnis als auch eine Darstellung ist, die nach heutigen Maßstäben kritisch bewertet werden muss. Ein gemeinsamer Minimalkonsens aller Fachstellen besteht darin, dass das Motiv in seiner heutigen Form nicht mehr unkommentiert im öffentlichen Raum stehen sollte. Ein unveränderter Erhalt ohne Einordnung wird daher übereinstimmend als nicht ausreichend angesehen. Zugleich wird der historische und kulturelle Bezug des Brunnens hervorgehoben und als erhaltenswerte Grundlage für eine zukünftige Auseinandersetzung mit dem Thema bewertet.
Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Verwaltung, die möglichen Varianten – insbesondere eine Kontextualisierung, eine gestalterische Weiterentwicklung oder eine Einbindung in die anstehende Platzgestaltung – in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte zu beraten und unter Einbeziehung der relevanten Fachstellen sowie der lokalen Öffentlichkeit eine tragfähige Entscheidung über den zukünftigen Umgang mit dem Brunnen zu entwickeln.
Auf diese Weise bleiben sowohl die historische Herkunft als auch die notwendige Auseinandersetzung mit dem Motiv sichtbar, ohne den problematischen Charakter der ursprünglichen Darstellung fortzuführen.
Auswirkungen
Finanzielle Auswirkungen:
JA | NEIN | ||
x |
Investive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff. | Gesamtbedarf (alt) | Gesamtbedarf (neu) | |
Einzahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Auszahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | |||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | ||||||
konsumtive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff. | Folge-kosten (alt) | Folge-kosten (neu) | |
Ertrag | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Personal-/ Sachaufwand | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Abschreibungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | |||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | ||||||
Weitere Erläuterungen (bei Bedarf):
Keine
Klimarelevanz:
Bedeutung der Maßnahme für den Klimaschutz/Bedeutung der Maßnahme für die
Klimafolgenanpassung (in den freien Feldern ankreuzen)
Zur Relevanz der Maßnahme für den Klimaschutz
Die Maßnahme hat folgende Relevanz:
keine | positiv | negativ | nicht eindeutig |
x |
Der Effekt auf die CO2-Emissionen ist:
gering | mittel | groß | nicht ermittelbar |
x |
Zur Relevanz der Maßnahme für die Klimafolgenanpassung
Die Maßnahme hat folgende Relevanz:
keine | positiv | negativ | nicht eindeutig |
x |
Größenordnung der Effekte
Wenn quantitative Auswirkungen ermittelbar sind, sind die Felder entsprechend anzukreuzen.
Die CO2-Einsparung durch die Maßnahme ist (bei positiven Maßnahmen):
gering | unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels) | ||
mittel | 80 t bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels) | ||
groß | mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels) |
Die Erhöhung der CO2-Emissionen durch die Maßnahme ist (bei negativen Maßnahmen):
gering | unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels) | ||
mittel | 80 bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels) | ||
groß | mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels) |
Eine Kompensation der zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen erfolgt:
vollständig | |||
überwiegend (50% - 99%) | |||
teilweise (1% - 49 %) | |||
nicht | |||
nicht bekannt |
Abstimmungsergebnis
Weitere Dokumente (5)
Die Dokumente werden direkt vom Ratsinformationssystem der Stadt Aachen abgerufen und nicht von uns gespeichert oder gehostet.
Technische Details
ID: 1021187
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1021187
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2025-01-06 FB 01_0621_WP18 Abbau des Tuereluere-L SAO.pdf
5.2.2026
2.6 MB
Betroffene Straßen
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Metadaten
- TOP
- Ö 4.4
- Sitzung
- Sitzung des Bürgerforums
- Gremium
- Bürgerforum
- Datum
- Di., 10.02.2026
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Entscheidungsvorlage
- Status
- öffentlich
- Vorlageart
- Entscheidungsvorlage
- Federführend
- FB 01 - Fachbereich Verwaltungsleitung, Grundsatz und Dialog
- Geändert
- 17.3.2026
- Inhalt abgerufen
- 24. April 2026 um 11:13