Tagesordnungsantrag der SPD: Sachstand Gewerbeflächen (inkl. aktuelle Entwicklung)
FB 02/0020/WP19 · Kenntnisnahme
Tagesordnungsantrag der SPD: Sachstand Gewerbeflächen (inkl. aktuelle Entwicklung)
im Ratsinformationssystem anzeigenBeratung
Herrn Hissel wird das Wort erteilt, der daraufhin den Sachstand zu den Gewerbeflächen im Rahmen einer Präsentation vorstellt.
Die Ausschussmitglieder begrüßen die Arbeit der Verwaltung und betonen die hohe Relevanz des Themas Gewerbeflächen für den Standort Aachen. Einigkeit besteht über den bestehenden Handlungsdruck zur Entwicklung und Bereitstellung von Gewerbeflächen, insbesondere zur Sicherung wertschöpfender Arbeitsplätze und zur Unterstützung von Unternehmenswachstum.
Bündnis 90/Die Grünen weist auf die Revitalisierung bestehender Flächen, nachhaltige Entwicklung und interkommunale Zusammenarbeit hin, CDU und SPD unterstreichen zusätzlich auf die Notwendigkeit neuer Flächenentwicklungen im Stadtgebiet und eine stärkere Einbindung des Wirtschaftsausschusses. Die Bedeutung eines ausgewogenen Nutzungsmixes sowie die Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie werden hervorgehoben.
Die Verwaltung unterstreicht den Handlungsdruck, um nicht weiter relevante Arbeitgeber und damit u.a. auch Gewerbesteuerzahler an andere Standorte zu verlieren. Neue Flächenentwicklungen seien häufig einfacher umzusetzen als Revitalisierungen. Interkommunale und euroregionale Kooperationen werden grundsätzlich befürwortet, scheitern jedoch oft an rechtlichen und praktischen Hürden und erfordern insbesondere Vertrauen sowie enge Abstimmung. Die Verwaltung verfolgt weiter den Dreiklang von Revitalisierung von Konversionsflächen, interkommunaler Kooperation und soweit möglich Neunutzung in Betracht kommender Grundstücke.
Zudem wird betont, dass neben flächensparenden Tech-Unternehmen weiterhin klassische Industriearbeitsplätze benötigt werden. Abschließend unterstreichen die Fraktionen die Bereitschaft, die Herausforderungen gemeinsam und konstruktiv anzugehen.
Beschluss
Erläuterungen
1. Einleitung
Eine strategische und vorausschauende Gewerbeflächenplanung ist für die Stadt Aachen von zentraler Bedeutung, um wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Beschäftigung und kommunale Steuerungsfähigkeit langfristig zu sichern. Gewerbeflächen sind eine unverzichtbare Grundlage für Unternehmensansiedlungen, Betriebserweiterungen sowie für technologie- und produktionsorientierte Entwicklungen, die den Standort Aachen seit Jahren prägen.
Ziel dieser Vorlage zum Tagesordnungsantrag „Sachstand Gewerbeflächen“ (TO-AT 06C/26) der SPD-Fraktion ist es, eine Darstellung der aktuellen Gewerbeflächenentwicklung in Aachen zu liefern, bestehende strukturelle Herausforderungen einzuordnen und den daraus resultierenden Handlungsbedarf für Politik und Verwaltung aufzuzeigen. Dabei soll ein klarer Überblick über die gegenwärtige Situation sowie über die Notwendigkeit konkreter Maßnahmen zur Förderung einer nachhaltigen und bedarfsgerechten Entwicklung der Gewerbeflächen gegeben werden.
2. Ausgangslage
Die Bezirksregierung geht gemäß der Begründung des Regionalplanentwurfs für den Zeitraum von 2018 bis 2043 von einem Bedarf an Gewerbeflächen in Höhe von 318 ha für die Stadt Aachen aus. Demgegenüber stehen laut Bezirksregierung lediglich 113 ha gewerblich nutzbare Flächenpotenziale, die sich aus dem Flächennutzungsplan (FNP-AC*2030) (108 ha), sowie aus der Neuaufstellung des Regionalplans (5 ha) ergeben. Daraus ergibt sich eine Diskrepanz von 205 ha, die sich bei genauerer Betrachtung der Zahlen noch weiter verschärft. Der Großteil der Flächen ist aufgrund von Restriktionen qualitativ und quantitativ abzuwerten. Zu diesen Restriktionen zählen u.a.:
•naturschutz- und umweltrechtliche Belange,
•ungeklärte oder restriktive Eigentumsverhältnisse,
•konkurrierende Nutzungsansprüche (z. B. Wohnen, Hochschule, Infrastruktur,
Ausgleichsflächen),
•lange planerische und zeitliche Vorläufe bei Konversions- und Entwicklungsflächen
Gleichzeitig bleibt trotz konjunktureller Schwankungen die Nachfrage nach Gewerbeflächen auf einem konstant hohen Niveau. Eine Auswertung der Abteilung Unternehmensförderung des Fachbereichs Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalstadt und Europa zeigt über einen Zeitraum von sechs Jahren eine stabile Anfragesituation (125 bis 186 Anfragen pro Jahr bzw. durchschnittlich 146 Anfragen pro Jahr). In diesem Zeitraum konnten 103 Flächenanfragen erfolgreich bedient, 777 weitere Anfragen jedoch nicht oder noch nicht bedient werden. Zwar sind die Gründe hierfür vielfältig (Qualität der Anfrage, Finanzierungsfragen, Konkurrenzsituation zu anderen Kommunen), Hauptursache ist jedoch das fehlende Angebot von passenden Flächen in Aachen. Gefragt sind insbesondere zusammenhängende, gut angebundene und entwicklungsfähige Flächen. Dies entspricht häufig nicht dem vorhandenen Angebot an leerstehenden Bestandsobjekten, die oft eine geringe Qualität, einen unvorteilhaften Zuschnitt oder unzureichende Anbindung aufweisen und somit vermarktungsschwach sind.
Im Jahr 2024 wurden in der Region Aachen laut jährlich veröffentlichtem Bericht „Standort im Fokus 2024“ der AGIT mbH insgesamt 38,4 ha auf 41 Grundstücke verteilt verkauft. Dies stellt im Hinblick auf die Grundstücksvermarktung den niedrigsten Wert der letzten Dekade dar. Besonders auffällig ist die geringe Zahl an Grundstücksverkäufen in der Stadt Aachen, die mit lediglich 2 Verkäufen und insgesamt 1,39 ha Fläche ebenfalls auf das begrenzte Angebot an verfügbaren Grundstücken hinweist. Ein weiterer negativer Trend ist der Rückgang der sofort verfügbaren Flächen. Seit 2020 sind diese in der Stadt Aachen um 52 % auf 4 ha (davon sind lediglich 0,4 ha im städtischen Eigentum) zurück gegangen. Im Vergleich dazu sind im Kreis Düren 45 ha, in der restlichen StädteRegion Aachen 23 ha und im Kreis Euskirchen 20 ha sofort verfügbare Fläche vorhanden.
Auch bei der Betrachtung der Gewerbefläche pro 10.000 Einwohner liegt Aachen mit 33,4 Hektar hinter vergleichbaren NRW-Städten wie Bielefeld (45,1 Hektar) und Mönchengladbach (42,2 Hektar). Dies schränkt die Möglichkeiten zur Ansiedlung neuer Unternehmen und zur Expansion bestehender Betriebe in Aachen erheblich ein und kann langfristig zu Standortnachteilen führen.
3. Bewertung und Handlungsbedarf
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Gewerbeflächenknappheit in Aachen ein langfristiges und strukturelles Thema darstellt. Kurzfristige konjunkturelle Effekte ändern nichts an der grundsätzlichen Unterversorgung. Außerdem stehen Gewerbeflächen unter starkem Druck durch Flächennutzungskonkurrenzen und werden häufig zugunsten anderer Nutzungen, insbesondere Wohnen und Wissenschaft, umgewandelt. Dies führt zu einem schleichenden, aber insgesamt signifikanten Verlust an Gewerbeflächen. Gleichzeitig erschweren rechtliche, ökologische und eigentumsbezogene Flächenrestriktionen die Mobilisierung vorhandener Potenziale.
Die interkommunale Zusammenarbeit, wie sie im Rahmen des Städteregionalen Gewerbeflächenpools stattfinden soll, wird grundsätzlich als wichtiges Instrument der Flächenvorsorge angesehen und sollte intensiviert werden. Aufgrund der komplexen rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen ist jedoch trotz intensiver interkommunaler Anstrengungen eine zeitnahe Umsetzung nicht unmittelbar zu erwarten.
Deshalb ist ein koordiniertes und mehrstufiges Vorgehen in der Aachener Gewerbeflächenbereitstellung erforderlich.
Es ist unabdingbar, bestehende und grundsätzlich verfügbare Potenziale zielgerichtet und zeitnah in die Nutzung zu bringen, insbesondere in bereits geprägten Gewerbestandorten wie Aachen-Rothe Erde und Aachen-Nord. Stichwort: Revitalisierung von ehemaligen Industrieflächen. Zudem müssen Potenziale, die derzeit durch rechtliche, planerische oder infrastrukturelle Restriktionen eingeschränkt sind, aktiv weiterentwickelt und schrittweise nutzbar gemacht werden. Hierzu zählen insbesondere Flächen mit mittel- bis langfristiger Perspektive wie das ehem. Camp Hitfeld, bei denen frühzeitig die notwendigen Rahmenbedingungen für eine spätere Entwicklung zu schaffen sind. Stichwort: Entwicklung von Konversionsflächen.
Darüber hinaus erscheint es als sinnvoll, perspektivische Flächenpotenziale, wie etwa die von der Bezirksregierung im Regionalplanentwurf vorgeschlagenen 5 ha in Eilendorf-Süd, konsequent in eine langfristige Flächenvorsorge zu integrieren, um auch künftig ausreichend Handlungsspielräume für wirtschaftliche Entwicklungen zu sichern. Stichwort: Nutzung vorhandener Potenzialreserven.
Nur durch dieses mehrstufige Vorgehen kann die Stadt Aachen dem Bedarf an Gewerbeflächen wirksam begegnen, ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erhalten und ihre Standortattraktivität nachhaltig sichern.
Unterstützt werden sollten diese Entwicklungen zur nachhaltigen und bedarfsgerechten Gestaltung der Gewerbeflächen durch die Beauftragung eines externen Büros, das in Kooperation mit der Stadtverwaltung ein auf Aachen zugeschnittenes Gewerbeflächenkonzept erstellt.
Abstimmungsergebnis
Weitere Dokumente (1)
Die Dokumente werden direkt vom Ratsinformationssystem der Stadt Aachen abgerufen und nicht von uns gespeichert oder gehostet.
Technische Details
ID: 1021341
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1021341
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2026-01-29 FB 02_0020_WP19 Tagesordnungsantrag SAO.pdf
11.2.2026
259.7 KB
Metadaten
- TOP
- Ö 7
- Sitzung
- Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Regionalentwicklung
- Gremium
- Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Regionalentwicklung
- Datum
- Mi., 25.02.2026
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 02 - Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalstadt und Europa
- Zusätze
- ANTRAG ZUR TAGESORDNUNG - SPD TO-AT 06C/26
- Geändert
- 3.6.2026
- Inhalt abgerufen
- 9. Juli 2026 um 12:11