Umgang mit der Rattenproblematik; hier: Tagesordnungsantrag der Fraktion DIE LINKE vom 10.03.2026
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Frau Balsam vom Aachen Stadtbetrieb (E 18) berichtete über den aktuellen Stand zur Rattenproblematik in Aachen. Anlass hierfür sei der Antrag der Fraktion Die Linke, der eine intensivere Auseinandersetzung mit der Thematik fordere. Frau Balsam berichtet, dass sich die Verwaltung derzeit noch in Abstimmungsprozessen mit mehreren beteiligten Fachbereichen befinde und sie hiermit einen Zwischenstand gibt.
Nach aktuellen Einschätzungen liegt die Rattenpopulation im städtischen Gebiet bei zwei bis drei Tieren pro Einwohner. Für Aachen ergibt sich daraus eine geschätzte Gesamtpopulation von rund 800.000 Ratten.
Als wesentlich begünstigende Faktoren nennt Frau Balsam das umfangreiche Nahrungsangebot durch Abfälle und Kompost, zahlreiche Rückzugsorte in der städtischen Infrastruktur sowie klimatische Veränderungen im Sinne von stetig steigenden Temperaturen. Zusätzlich sollen die zahlreichen Wärmequellen im Stadtgebiet die Problematik verstärken, da sie bessere Lebens- und Fortpflanzungsbedingungen bieten.
Frau Balsam erklärt ebenso, dass der Verkauf von Giftködern an Privatpersonen seit Anfang des Jahres aufgrund einer gesetzlichen Änderung untersagt sei.
Der Einsatz solcher Mittel sei ausschließlich fachkundigem Personal sowie spezialisierten Fachfirmen vorbehalten. Giftköder dürfen darüber hinaus nicht mehr frei zugänglich, beispielsweise in Kanalsystemen, ausgelegt werden, sondern müssen in speziellen, wassergeschützten Köderboxen platziert werden.
Diese neuen Anforderungen führen zu erheblichen Mehrkosten, da die Anschaffungskosten für entsprechende Köderboxen bei etwa 300 € pro Stück liegen. Für eine effektive Bekämpfung ist jedoch ein hoher Materialeinsatz erforderlich. Sie führt aus, dass ca. zehn Boxen pro Kilometer Kanal ausgelegt werden müssten, wobei die Maßnahme in einem 14-tägigen Rhythmus über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen wiederholt werden müsse.
Die Problematik beschränke sich jedoch nicht nur auf Aachen, sondern betreffe zahlreiche andere Kommunen ebenso. Entsprechend finde hierzu ein interkommunaler Austausch statt, unter anderem in Form von Arbeitskreisen.
Als weiteren zentralen Aspekt nennt Frau Balsam das Verhalten der Bevölkerung im Umgang mit Abfällen. Offen zugängliche Müllbehälter sowie unsachgemäß gelagerte Abfälle, insbesondere mit Lebensmittelresten, stellen leicht erreichbare Nahrungsquellen für Ratten dar und tragen maßgeblich zur Vermehrung bei.
Frau Balsam teilt mit, dass eine kurzfristige Lösung hierzu nicht zu erwarten sei. Vielmehr bedarf es eines koordinierten und langfristigen Vorgehens unter Berücksichtigung der rechtlichen, finanziellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.
Frau Balsam berichtet ebenso von den bereits positiven Entwicklungen. So gab es bereits mehrere Einsätze gemeinsam mit dem Aachener Stadtbetrieb und dem Ordnungsamt, so dass sich bei Meldungen aktiv die Situation vor Ort angeschaut wurde. Wenn sich die Meldung auf Privatgrund befand, wurde gemeinsam mit den Eigentümern geklärt, was geändert werden muss, damit dieser Schädlingsbefall verhindert werden könne.
Seit September 2025 bis Anfang März 2026 kam es zu über 50 Meldungen, welche aktiv von den Kolleginnen und Kollegen vor Ort bearbeitet worden seien. Frau Balsam erklärt, dass der Aachener Stadtbetrieb bei Meldungen oder Sichtungen von Schädlingen dieser Art, sofort einen ortsansässigen Schädlingsbekämpfer beauftrage und es im letzten Jahr ungefähr 90 Fälle gab, bei denen eine aktive Schädlingsbekämpfung über ein Intervall von 6 bis 8 Wochen, je nachdem wie die Ergebnisse der Zwischenschritte waren, gemacht wurde.
Ratsherr Dr. Nositschka (Die Linke) bedankt sich für den Vortrag und berichtet, dass seine Fraktion den Antrag aufgrund eines Vorfalles im Juni 2025 gestellt habe. Zu dem Zeitpunkt war ein Fraktionskollege mit beruflichen Gästen im Elisengarten und mit Beginn der Dämmerung hätte man zahlreiche Ratten im Elisengarten gesehen. Die Gäste betonten, dass sie die Rattenproblematik in Aachen im Vergleich zu anderen Städten enorm finden.
Dass wir mit den warmen Quellen einen zusätzlichen Faktor zur Begünstigung der Rattenproblematik haben bedauere er und wünscht, dass der Vortrag von Frau Balsam verschriftlich wird.
Ratsherr Kiemes (CDU) bedankt sich ebenfalls und greift auf, dass erwähnt wurde, dass es Erschwernisse bezüglich der Gesetzgebung gäbe und er würde im Zuge dessen gerne wissen, um was für Gesetzgebungen es hierbei geht. Er bittet um schriftliche Informationen hierzu, damit man sich mit der Thematik genauer auseinandersetzen könne, um zu unterstützen die Erschwernisse eventuell ein Stück weit zurückzunehmen.
Ratsfrau Parting (SPD) bedankt sich und erläutert, dass das ein Thema sei, welches immer wieder von Bürgerinnen und Bürgern thematisiert wird und den Stadtbetrieb häufiger beschäftigt. Ihrer Meinung nach handle der Stadtbetrieb bei derartigen Meldungen in der Regel zügig. Es sei aber gut, dass Privatpersonen keine Köder mehr auslegen dürfen. Dies sei zwar für die Rattenbekämpfung ungünstig, aber für jeden Hundehalter positiv.
Weiter regt sie andas Thema zukünftig weiter im Stadtbetrieb zu begleiten, denn da würde das Thema grundsätzlich erstmals hingehören. Vorteilhaft wäre es, wenn man hierzu gelegentlich einen Bericht bekommen würde, um zu schauen, wie sich das Thema entwickelt, vor allem auch im Hinblick auf die finanzielle Entwicklung.
Oberbürgermeister Dr. Ziemons bedankt sich bei Frau Balsam für den Vortrag.
Technische Details
ID: 1022387
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1022387
Grunddaten
- TOP
- Ö 8
- Sitzung
- Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses
- Gremium
- Haupt- und Finanzausschuss
- Datum
- Mi., 25.03.2026
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Status
- gemischt