Neues Wochenmarktkonzept für Aachen
FB 23/0028/WP19 · Entscheidungsvorlage
Beschlussvorschlag
Der Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss beauftragt die Verwaltung mit der Ausarbeitung und Umsetzung des neuen Marktkonzepts für die Aachener Wochenmärkte.
In Vertretung
Thomas Hissel
Beigeordneter
Erläuterungen
Wochenmarkt im Wandel der Zeit
In seiner ursprünglichen Funktion war der Markt Treffpunkt, Begegnungs- und Kommunikationsort und leistete einen erheblichen Beitrag zur Lebensqualität für die Bürger*innen der Stadt. Es gab für die Bevölkerung kaum Alternativen, um frisches Gemüse und Obst zu bekommen. Der erste SB-Markt in Deutschland eröffnete 1957, anfangs wurde dort ein nur sehr begrenztes Sortiment angeboten, durchgesetzt hat sich diese Einzelhandelsform erst ab den 1970er Jahren, als die Preisbindung fiel und die ersten SB-Märkte auf „der grünen Wiese“ entstanden. Seitdem führt die Dynamik im Einzelhandel zu einem stetigen Wandel der Wochenmärkte. Aber auch heute tragen Wochenmärkte noch dazu bei, dass der stationäre Einzelhandel und die Gastronomie in ihrer Umgebung belebt werden und sie zu einer Attraktivitätssteigerung der Stadt beitragen. Dem Handel kommt im städtischen Funktions-Mix eine besondere Bedeutung zu, zumal er in der historischen Entwicklung wesentlich zur Gründung und Blüte vieler Städte beigetragen hat. So bildet der „Marktplatz“ im Regelfall den Mittelpunkt der Städte.
Die Wochenmärkte sind auch vom Wandel im Einkaufs- und Freizeitverhalten und der steigenden Wettbewerbsintensität betroffen, was zu sinkenden Kundenfrequenzen und Umsätzen führt. Einkaufs- und Essverhalten ändern sich, neue Arbeitszeitmodelle und der demographische Wandel wirken sich auf das Einkaufsverhalten aus. Während Märkte früher vor allem die Funktion der Versorgung hatten (frisch, schnell und wohnortnah einkaufen), wird diese Funktion heute von den Discountern zu teils deutlich günstigeren Preisen erfüllt. Die SB-Märkte bieten ein breites Angebot, Frische und Qualität, günstige Preise, lange Öffnungszeiten und Parkplätze vor der Tür.
In letzter Zeit verliert in vielen Städten der Einzelhandel an Attraktivität. Die Funktion des Wohnens wandert in suburbane Gebiete ab, der schwindenden Bevölkerung folgen Dienstleistungs- und Einzelhandelseinrichtungen. Die Stärkung der Märkte ist einer der Bausteine, um eine Rückbesinnung auf städtische Kernfunktionen zu erreichen. Die Besonderheit der Innenstadt liegt in ihrer Multifunktionalität durch die Verknüpfung von Wohnen, Arbeiten, Handel, Dienstleistung, Freizeit und Erholung.
Gründe nachlassender Besucherfrequenzen der Märkte liegen aber auch bei den Beschickern, dort fehlt häufig der Nachwuchs, traditionelle Warenanbieter aus dem Frischebereich brechen weg, viele Städte füllen die „Lücken“ mit Ständen für Bekleidung oder Kurzwaren auf. Für die Beschicker wird es immer schwieriger, die Stände auskömmlich zu betreiben, was zu weniger Ständen und somit einer schwindenden Attraktivität führt, bis sich die Märkte irgendwann ganz auflösen.
Laut dem Marktforschungsinstitut GfK entfallen in Deutschland nur 1,1 Prozent der Verbraucherausgaben bei frischen Lebensmitteln auf Wochenmärkte. GfK attestiert, dass "die Branche in den vergangenen 30 bis 40 Jahren insgesamt stark an Bedeutung verloren hat. In der Bevölkerung sind die Märkte beliebt, aber viele Menschen gehen gar nicht hin". Es geht also darum, unsere Wochenmärkte wieder attraktiver zu gestalten, das Angebot über die reine Versorgungsfunktion zu erweitern und neue Kundenkreise zu gewinnen. Die Wochenmärkte müssen sich deutlich von den SB-Marktangeboten unterscheiden, um attraktiv zu bleiben, z.B. durch Regionalität, besondere Qualität, Nachhaltigkeit, die Aufenthaltsqualität und ergänzende Events.
Vorteile der Wochenmärkte für die Stadt
Wochenmärkte sind selbstverständlicher Teil des städtischen Lebens. Ihre Bedeutung wird in der Öffentlichkeit jedoch oft unterschätzt, denn sie ergänzen nicht nur das Einzelhandelsangebot, sie befriedigen auch soziale und kommunikative Bedürfnisse der Bürger und Bürgerinnen. Außerdem erhöhen sie erheblich den Erlebniswert und die Aufenthaltsqualität ihres Umfeldes. Von einem attraktiven und gut angenommenen Wochenmarkt profitiert die Stadt in vielerlei Hinsicht:
Frequenz und Kaufkraft
Ein Wochenmarkt bringt zusätzliche Passanten-Frequenzen und erschließt für den Einzelhandel neue Kundengruppen. Viele Kund*innen der Wochenmärkte besuchen anschließend Geschäfte und Gastronomie, sodass die Wochenmärkte auch zu einer Umsatzsteigerung in der Umgebung beitragen. Durch ein auf das Marktangebot abgestimmtes ergänzendes Warenangebot des stationären Handels kann die Kaufkraft gezielt im Ort gehalten werden.
öffentliches Leben / Tourismus
Individuelle Beratung der Kunden durch die Händler und eine angenehme Aufenthaltsatmosphäre bereichern das Stadtleben. Wochenmärkte sind ein touristischer Anziehungspunkt. Studien zeigen, dass ein Einkaufsbummel und Besuch des Wochenmarktes zu den beliebtesten Urlaubsaktivitäten gehören.
Marketinginstrument
Insgesamt ist die Tendenz zu erkennen, dass der Erlebniseinkauf auch bei Wochenmarktbesuchern eine steigende Bedeutung hat. Ob dies über die Stadt organisiert und finanziert werden kann, muss noch geprüft werden. Es ist eher davon auszugehen, dass sich die Beschicker eher nicht finanziell beteiligen können.
Wochenmärkte in Aachen heute
Derzeit organisiert die Stadtverwaltung 13 bzw. 11 Wochenmärkte, davon drei im Stadtzentrum, die anderen in den Bezirken.
•Elisenbrunnen (Dienstag und Donnerstag)
•Brand (Dienstag und Samstag)
•Richterich (Mittwoch)
•Rothe Erde (Mittwoch) -derzeit ausgesetzt-
•Kronenberg (Mittwoch)
•Eilendorf (Donnerstag)
•Haaren (Freitag)
•Burtscheid (Freitag)
•Kornelimünster (Freitag) -derzeit ausgesetzt-
•Neumarkt (Samstag)
•Biomarkt Münsterplatz (Samstag)
Die Beschicker*innen verzeichnen, mit Ausnahme eines Anstiegs in der Pandemiezeit, in der verstärkt regional eingekauft und im Freien eingekauft wurde, seit Jahren sinkende Umsätze. Das wirkt sich auch auf die Angebotsvielfalt aus. Während vor rund 15 Jahren noch über 40 Beschicker*innen den Wochenmarkt vor dem Rathaus genutzt haben, ging deren Zahl bis Anfang der 2020er Jahre auf ca. 16 zurück. Die Verlegung des Innenstadt-Marktes vom Markt zum Friedrich-Wilhelm-Platz hat eine deutliche Verbesserung der Situation geschaffen, die deutlich macht, dass verschiedene Faktoren die Attraktivität der Märkte bestimmen. Der Großteil der Beschicker*innen des Dienstagsmarktes verzeichnet seit der Verlegung mehr Umsatz und auch die Kund*innen bewerten den neuen Standort sehr positiv. Insgesamt ist aber festzuhalten, dass die Umsätze sinken und die Kundenfrequenz nachlässt, was natürlich nicht nur auf die Standorte zurückzuführen ist. Eine 2024 vom Fachbereich 23 durchgeführte Befragung der Beschicker*innen nach Rahmenbedingungen, die zur Attraktivität des Marktes beitragen, wurden von den Beschicker*innen folgende Themen genannt:
•Lage des Marktes innerhalb der Stadt
•ÖV Anbindung / Erreichbarkeit / Parkmöglichkeiten
•Höhere Zahl an Beschicker*innen erwünscht
•Qualitativ hochwertigeres / vielseitigeres Angebot
•Erweiterte Öffnungszeiten (9:00 bis 16:00 Uhr)
•Mehr Eventcharakter
Zum Teil sehen die Aachener Beschicker die Wochenmärkte insgesamt kritisch und geben ihnen keine Zukunftsaussichten, da immer weniger Menschen den Beruf des Beschickers ergreifen wollen und die Umsätze nicht mehr auskömmlich seien. Dies bestätigt auch der Bundesverband Schausteller und Marktkaufleute (BSM), nach dessen Angabe die Zahl der aktiven Marktkaufleute weiter sinkt. "Immer weniger junge Menschen wollen diesen Beruf ergreifen. Er bedeutet lange Arbeitszeiten unter freiem Himmel, auch unter ungünstigen Witterungsbedingungen muss der Marktstand geöffnet sein. Weil Personal fehlt, sei es oft nicht möglich, Betriebe weiterzuführen“. Bundesweit gibt es laut dem BSM etwa 40.000 Marktkaufleute. Die Zahl der Märkte sei relativ konstant, viele seien in den vergangenen Jahren jedoch geschrumpft.
Zukunft der Aachener Wochenmärkte
Standort / Größe
Der Wochenmarkt sollte soweit möglich immer zentral in der Innenstadt und den Bezirken stattfinden. Das bietet dem Kunden in der Regel eine gute Erreichbarkeit, die Möglichkeit auch andere Einkäufe zu tätigen und schafft gleichzeitig ökonomische Synergieeffekte mit Handel und Gastronomie. Auch zeigt die Erfahrung vieler Städte, dass ein Wochenmarkt mindestens 10 Marktstände aufweisen sollte, um als attraktiv wahrgenommen zu werden.
Auch die Infrastruktur spielt eine wichtige Rolle. Die Beschicker benötigen einen zentralen und separat ablesbaren Stromanschluss, ebenso wie die einfache Anfahrbarkeit der Stände und Stellplätze für Ihre Transportfahrzeuge. Die Besucher wünschen sich neben der guten Erreichbarkeit auch Sitzmöglichkeiten und Toilettenanlagen in der Nähe. An den Standorten in der Stadt ist das nicht überall gegeben, die Verwaltung muss diese Infrastruktur weiter ausbauen. Beispielsweise verfügt der Standort des Biomarktes am Münsterplatz aufgrund der hohen Kosten und der Anforderungen an den Denkmalschutz bisher über keinen eigenen Stromanschluss.
Erweiterung der Marktzeiten
Durch die veränderten Konsum‐ und Einkaufsgewohnheiten entsprechen die heutigen Marktzeiten nur bedingt dem Einkaufsverhalten. Die Standzeiten sollten sich eher den Öffnungszeiten des Einzelhandels annähern, also morgens später öffnen und dafür bis in den Nachmittag Waren anbieten, damit vor allem auch Berufstätige auf dem Markt einkaufen können. Auch bieten längere oder verschobene Öffnungszeiten die Möglichkeit, einen Mittagstisch anzubieten. Die Beliebtheit von Feierabendmärkten zeigt, dass viele Menschen lieber später einkaufen und das Einkaufen mehr als Freizeitbeschäftigung sehen. Da die Öffnungszeiten der Märkte nicht vollständig mit den Ladenöffnungszeiten des Einzelhandels synchronisiert werden können, besteht für die Einzelhändler die Gelegenheit, die Kunden anschließend zum Einkauf in den Läden zu bewegen.
Dem steht entgegen, dass die Markthändler zunehmend Schwierigkeiten haben, Personal zu finden. Zudem sind frische Waren nur begrenzt haltbar. Daher erscheint eine Prüfung der Verschiebung der festgesetzten Marktzeiten in Absprache mit den Beschickern sinnvoll.
Anordnung
Eine räumliche Bündelung der Besucherfrequenz vereinfacht den Besucher*ìnnen das einkaufen und trägt somit zur Frequenzerhöhung bei. Dies ist im Wesentlichen von den zur Verfügung stehenden Platzflächen abhängig, die in Aachen aufgrund der geschichtlichen Entwicklung kompakt und überschaubar beieinanderliegen. Im Idealfall entsteht eine Gasse, durch die die Kunden schlendern können. Bei einer Aufstellung Rücken an Rücken müssten die Kunden um die „Marktinsel“ herumlaufen, um von einem Stand zum anderen zu gelangen, und die Fläche zwischen den Ständen bietet die Möglichkeit der Begegnung und Kommunikation. Zudem müssen Flächen für Kabelführung, Transportkisten, Lieferfahrzeuge sowie Flucht- und Rettungswege vorgehalten werden, was z.B. am Standort Elisenbrunnen nicht optimal gelöst werden kann. Auch sind Hauseingänge, Schaufenster und Grünflächen freizuhalten, daher versucht die Verwaltung, die Stände möglichst kompakt und übersichtlich anzuordnen.
Tagesstände
Die Verwaltung schlägt vor, zunächst testweise zwei Zonen für tageweise Beschicker zu reservieren, die saisonale Artikel oder Aktionstage anbieten (z.B. Pilzmarkt, Kartoffelmarkt etc.). Angeboten werden sollen diese Stände kleineren Erzeugern, die nur saisonal anbauen.
Attraktives, vielfältiges Angebot
Ein guter Wochenmarkt zeichnet sich durch ein vielfältiges Angebot aus, das auch jüngere Zielgruppen anspricht. Die Angebotsvielfalt selbst kann durch gezielte Ansprache in Frage kommender neuer Marktbeschicker gesteigert werden. In der Vergangenheit hat die Verwaltung aber festgestellt, dass es in der Region keine weiteren Beschicker gibt, sodass eventuell der Suchradius erweitert werden müsste. Über einzelne Aktionen soll versucht werden, neue Beschicker*innen zu finden, z.B. durch einen dreimonatigen Gebührenerlass, damit Händler testen können, ob der Wochenmarkt für sie lohnend ist.
In Anlehnung an § 67 GewO sollte der Wochenmarkt ein Grundangebot an Obst, Produkten des Gartenbaus, der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei und sonstige Lebensmittel wie z.B. Molkereiprodukte bereithalten. Insgesamt sollen das Warenangebot und die Sortimentsbreite vielfältiger und attraktiver werden. Als zukunftsfähig gilt insbesondere das Angebot regionaler Produkte.
Markt als Treffpunkt
Um den Markt auch als beliebten Treffpunkt für Jung und Alt mit „mehr Einkaufsspaß als anderswo“ zu positionieren, sollte für ein ergänzendes, attraktives gastronomisches Angebot mit regionalen Spezialitäten gesorgt werden. Um langfristig auch jüngere Kunden zu gewinnen, ist es unerlässlich, Events und sonstige Aktionen in das Marktgeschehen zu integrieren, z.B. durch das vermehrte Angebot von „Streetfood“.
Veranstaltungsformat
Neben einem „herkömmlichen“ Wochenmarkt kann das Konzept auch besondere Marktformate, wie beispielsweise Bauernmarkt, Markt für Regionale Produkte, o.ä. umfassen. Der vorletztes Jahr durchgeführte Kartoffelmarkt hat gezeigt, dass dies mehr Besucher anlockt und z.T. auch neue Händler bzw. Erzeuger anspricht. Denkbar ist eine zusätzliche „Aktionsfläche“, die in das Wochenmarktformat eingebunden wird. Außerdem könnte eine gemeinsame Verzehrfläche der Markthändler für Kunden vorgesehen werden.
Marketing
Ein professionell gestaltetes Erscheinungsbild der Stände und eine klar positionierte Wort- / Bildmarke wirken sich positiv auf den Erfolg von Wochenmärkten aus. Dazu gehört der auf einem gemeinsamen Corporate Design aufbauende Werbeauftritt auf Homepage, Plakat, Flyer oder social-media. Marketingaktionen wie z.B. Kennenlern-Gutscheine für neue Kunden oder Stempelkarten für Stammkunden sind ebenfalls wirkungsvoll. Neben der Werbung auf den öffentlichen Werbeflächen sollen künftig verstärkt social-media Kanäle genutzt und eine eigene Web-Seite aufgebaut werden. Auf der Webseite sollten die Veranstaltungsorte, -tage und -zeiten sowie Basis-Informationen zu den einzelnen Wochenmärkten und den Beschickern aufgelistet werden. Neuen Händler bietet das die Möglichkeit, Sortimentslücken zu entdecken. Während Werbung und Pressearbeit zu den Veranstaltungen und Angeboten erfolgt, dient die regelmäßige bis tagesaktuelle Social-Media Berichterstattung dem Reichweitenaufbau. Auch die Entwicklung eines Aachener Wochenmarkt Logo´s oder die Einführung einheitlicher Markttaschen wird geprüft. Die Beschicker könnten Bonuskarten für den Einkauf unverpackter, regionaler Ware einführen.
Die Supermärkte haben mit ihren langen Öffnungszeiten, direkten Anfahrten und Parkplätzen vor der Tür Wettbewerbsvorteile gegenüber den Wochenmärkten. In der Kundenwerbung setzten sie die originären Wochenmarkt-Stärken für ihr Marketing ein. So kommunizieren sie die besondere Frische, Hochwertigkeit, Regionalität, Saisonalität oder Nachhaltigkeit ihrer Produkte. Mit der Innenarchitektur versuchen sie Wochenmarktatmosphäre zu erzeugen. Das Marketing der Wochenmärkte muss sich daher eindeutig am „Original"-Wochenmarkt ausrichten. Dazu gehören neben der Atmosphäre auf den Märkten insbesondere die Themen Qualität, Frische, Nachhaltigkeit, Regionalität und gesunde Ernährung. Dies sollte aber nicht als „Marktromantik“, sondern zeitgemäß dargestellt werden, indem Hintergründe zu Herkunft, Nachhaltigkeit und gesundheitlichen Wert der Produkte oder Anbaugebiete erläutert werden. Das Marketing kann auch genutzt werden, um die Menschen auf den Wochenmärkten (Händlerporträts, Berichte über Händler-Kunden-Beziehungen, Kooperationen mit Einzelhandel und Gastronomie etc.) darzustellen.
Ergänzende Themenmärkte
Neben saisonalen Themenmärkten wie Oster- oder Grünmarkt sollte der Feierabendmarkt mit ergänzenden Angeboten wie Spezialitätenverkauf dauerhaft etabliert werden. Die beiden Konzepte ergänzen sich sehr gut, da sie unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Den Themenfeldern sind keine Grenzen gesetzt: Sie reichen von länderbezogenen und historischen Märkten über Bauernmärkte bis hin zu saisonalen Veranstaltungen wie Frühlings-, Oktober-, Spargel- und Kartoffelmärkten.
Biomarkt
In den letzten beiden Jahren hat sich die Verwaltung (Dez. VII, Dez. VI, FB 23 und FB 36) mehrfach mit Landwirten, Bio-Beschickern und Expert*innen aus dem Bereich Ernährung ausgetauscht, um das Format des „Bio-Markts“ weiter zu entwickeln. Ziel war es, den Bio-Markt als Format und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung zu stärken. Dieses Bewusstsein für gesunde Ernährung wächst in der Bevölkerung ebenso wie der Wille, Produkte essen zu wollen, die nicht um die halbe Welt gereist sind. Auch sollten Plastikverpackungen beim Verkauf am Marktstand vermieden und umweltfreundliche Markttaschen angeboten werden.
Die Begriffe „Bio“ und „Öko“ sind gesetzlich durch die EG-Öko-Verordnung EU-weit geschützte Begriffe. Das LANUK sorgt für die Einhaltung der Anforderungen der Verordnung. Erzeugung und Verarbeitung so gekennzeichneter Lebensmittel sind nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus erfolgt. Produkte, die nach den Vorgaben der Verordnung erzeugt und verarbeitet wurden, dürfen im Handel das EU Bio-Logo sowie das staatliche sechseckige Biosiegel/Öko-Kennzeichen tragen. Dadurch wird die Auswahl von Bio-Produkten im Handel erleichtert und es unterstützt die Erzeuger bei der Vermarktung.
Sofern verpackte und gekennzeichnete Bio-Ware am Marktstand angenommen, gelagert und ohne jegliche Änderung an Endverbraucher weiterverkauft wird, fällt der Marktstand unter das Einzelhandelsprivileg. Sobald jedoch die Originalverpackung geändert bzw. entnommen und mit Etiketten gekennzeichnet wird, fällt diese Tätigkeit unter das Aufbereiten von Bio-Waren und wird kontrollpflichtig. Das Einzelhandelsprivileg ermöglicht es, dass biologische Erzeugnisse, die direkt an den Endverbraucher abgegeben werden, nicht kontrollpflichtig sind, auch wenn die Erzeugnisse nicht selbst erzeugt wurden. Somit ist der Einzelhandel nur von der Kontrollpflicht befreit, sofern die verpackten und gekennzeichneten Bio-Waren verkauft werden, ohne Änderungen an der Ware vorgenommen zu haben.
Da der Begriff „Bio“ geschützt ist, dürfen auf dem Biomarkt nur biozertifizierte Produkte und Unternehmen ihre Waren anbieten. Sofern Beschicker ohne Zertifikat auf den Biomarkt auffahren, wird gegen die EU-Öko-Verordnung verstoßen. Bei einer Kontrolle durch das LANUK fallen sowohl Geldbußen für den Standbetreiber, als auch für die Verwaltung an und es ist mit erneuten Kontrollen zu rechnen.
Ein wesentlicher Nachteil des heutigen Bio-Marktes ist der Standort. Zwar liegt er in einem sehr attraktiven, historischen Umfeld, die nutzbare Fläche des Münsterplatzes ist aber zu klein, um den Markt auszubauen, da die Standflächen durch die Stele, Bäume und Feuerwehraufstellflächen deutlich eingeschränkt werden. Außerdem verfügt der Münsterplatz über keinen Stromanschluss, der aufgrund des angrenzenden Doms nur als Senkelektrant ausgeführt werden könnte. Die Kosten hierfür werden auf min. 80 T€ geschätzt. Nach Abstimmung mit RegioNetz müsste ein möglicher Anschluss über die Häuser am Münsterplatz erfolgen, es bedürfte also einer zusätzlichen privatrechtlichen Vereinbarung.
Die Verwaltung prüft aus diesen Gründen aktuell ergebnisoffen mit den Bio-Beschickern und weiteren Akteuren den Umzug des Biomarkts zum Friedrich-Wilhelm-Platz, da an diesem Ort die angestrebten Weiterentwicklungen besser umzusetzen sind. Da der Biomarkt bzw. der künftige Bio- / Regionalmarkt nicht die gesamte Fläche vor dem Elisenbrunnen benötigen würde, bliebe Platz für weitere Veranstaltungen auf dem Friedrich-Ebert-Platz sowie in der Rotunde des Elisenbrunnens.
Um alle in diesem Konzept genannten Ziele zu erreichen, muss auch die Wochenmarktsatzung der Stadt überarbeitet werden. Dies neue Satzung wird verwaltungsintern derzeit überarbeitet und in Kürze dem Rat zum Beschluss vorgelegt.
Neues Konzept
Die Verwaltung schlägt vor, zur Attraktivierung und dauerhaften Sicherung der Wochenmärkte folgende Schritte umzusetzen:
- Standort / Größe / Infrastruktur
- Angebote von Sitzgelegenheiten erhöhen / Stehtische sollen zu mehr Verweildauer anregen
- Versorgung mit Strom sicherstellen (sofern noch nicht vorhanden)
- Erweiterung der Marktzeiten
- Marktzeiten werden verlängert bis 16 Uhr
- Tagesstände
- Vergabe saisonaler Plätze, die von Erzeugern/Produzenten genutzt werden können, die saisonale Produkte anbieten (Kürbisse, Erdbeeren usw.).
- Attraktives, vielfältiges Angebot
- Vorbestellungen sollen ermöglicht werden
- Produktpalette wird erweitert (Fisch, Fleisch, Alkoholausschank, etc.)
- Veranstaltungsformat
- Hintergründe erläutern (Herkunft, gesundheitlicher Wert, Anbaugebiete…)
- Menschen vorstellen (Händler, Besucher, Einzelhandel...)
- Aktionen für Kinder am Wochenende (Ostern, Halloween, Mutter-/Vatertag, Weihnachten etc.); Lehrpfad über den Markt zum Thema Obst und Gemüse; Erntedankfest
- Begleitprogramm wie Themenmärkte, Angebote für Kinder oder ein Probiertag
- Marketing
- Intensivierung des Marketings und der Akquise von Beschickern
- Marktmanagement: einheitliche Tüten, Gutscheinheft (2€ sparen beim 10. Einkauf) etc.
- Präsentation der Beschicker, Interviews mit Kunden etc.
- Biomarkt
- Neuer Standort ergebnisoffen in Prüfung – samstags am Elisenbrunnen
- Biomarkt wird zum Bio- und Regionalmarkt, Bio-Teil mit Beschickern/Händlern mit Zertifikat
- Regional-Teil des Marktes: regionale Selbsterzeuger aus der Euregio Maas-Rhein
- Biobeschicker können mit Biozertifikat werben und sich damit von den konventionellen Anbietern abheben
- Ergänzende Themenmärkte
- Veranstaltung von Themen- oder saisonalen Märkten wie dem Kartoffelmarkt als Ergänzungen zu den Wochenmärkten
- In Absprache mit E 49 Angebot ergänzender Kulturveranstaltungen (Musik, Aufführungen etc.)
- Wochenmarktsatzung
- Änderung der Wochenmarktsatzung zur Ermöglichung der vorgeschlagenen Ergänzungen und Änderungen.
Auswirkungen
Finanzielle Auswirkungen:
JA | NEIN | ||
X |
Investive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff. | Gesamtbedarf (alt) | Gesamtbedarf (neu) | |
Einzahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Auszahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | |||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | ||||||
konsumtive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff. | Folge-kosten (alt) | Folge-kosten (neu) | |
Ertrag | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Personal-/ Sachaufwand | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Abschreibungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | |||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | ||||||
Weitere Erläuterungen (bei Bedarf):
Keine
Klimarelevanz:
Bedeutung der Maßnahme für den Klimaschutz/Bedeutung der Maßnahme für die
Klimafolgenanpassung (in den freien Feldern ankreuzen)
Zur Relevanz der Maßnahme für den Klimaschutz
Die Maßnahme hat folgende Relevanz:
keine | positiv | negativ | nicht eindeutig |
Der Effekt auf die CO2-Emissionen ist:
gering | mittel | groß | nicht ermittelbar |
Zur Relevanz der Maßnahme für die Klimafolgenanpassung
Die Maßnahme hat folgende Relevanz:
keine | positiv | negativ | nicht eindeutig |
Größenordnung der Effekte
Wenn quantitative Auswirkungen ermittelbar sind, sind die Felder entsprechend anzukreuzen.
Die CO2-Einsparung durch die Maßnahme ist (bei positiven Maßnahmen):
gering | unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels) | ||
mittel | 80 t bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels) | ||
groß | mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels) |
Die Erhöhung der CO2-Emissionen durch die Maßnahme ist (bei negativen Maßnahmen):
gering | unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels) | ||
mittel | 80 bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels) | ||
groß | mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels) |
Eine Kompensation der zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen erfolgt:
vollständig | |||
überwiegend (50% - 99%) | |||
teilweise (1% - 49 %) | |||
nicht | |||
nicht bekannt |
Für diesen Tagesordnungspunkt liegen noch keine Beratungsergebnisse vor.
Technische Details
ID: 1022737
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1022737
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2026-03-26 FB 23_0028_WP19 Neues Wochenmarktkon SAO.pdf
13.4.2026
179.7 KB
Betroffene Straßen
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Metadaten
- Status
- öffentlich (Vorlage für Öffentlichkeit freigegeben)
- Vorlageart
- Entscheidungsvorlage
- Federführend
- FB 23 - Fachbereich Immobilienmanagement
- Geändert
- 24.4.2026
- Inhalt abgerufen
- 19. Mai 2026 um 15:44