15. April 2026 um 17:00, Bezirksamt Kornelimünster-Walheim
TOP 7Öffentlich

Bericht der Stadtarchäologie zu Varnenum

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Beratungsergebnis:zur Kenntnis genommen

Beratung

Der Bezirksbürgermeister begrüßt zu diesem Tagesordnungspunkt Herrn Schaub, Stadtarchäologe.

Herr Schaub beginnt seinen Bericht zur geplanten Erschließung des Varnenum mit einem Blick in die Vergangenheit und nimmt Bezug auf die bereits abgeschlossenen geophysikalischen Prospektionen der Universität Köln, welche sich mit der Frage auseinandersetzen, wie weit sich die ursprüngliche Siedlungsfläche insgesamt erstreckt haben kann. In diesem Kontext habe auch der LVR begonnen und unlängst beendet, die Sachverhaltsermittlung zum Erhalt auf den neuesten Stand zu bringen.

In Bezug auf die Öffentlichkeitsarbeit wolle er auf die kürzlich aufgestellte Informationstafel verweisen, welche in das Projekt ArchaeoRegion Nordeifel LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland/Stadtarchäologie eingebunden worden sei.

Mit Blick in die Zukunft gerichtet gibt er einen Ausblick auf das Förderprojekt der Städteregion Aachen zur Entwicklung von Qualitätsrundwanderwegen in der Städteregion Aachen mit dem Rast- und Informationselement „Varnenum“. Das Projekt befinde sich derzeit in der zweiten Förderphase. Geplant sei ebenfalls die Vermittlung digitaler Inhalte, bspw über die Historie des Platzes, in Absprache mit der Stadtarchäologie zur inhaltlichen Absicherung.

In dem grenzüberschreitenden Interreg-Projekt VIAVIA mit insgesamt 13 Partnern aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland finde sich eine weitere Förderungsmöglichkeit der touristischen Erschließung des römischen Kulturerbes in der Euregio Maas-Rhein. Für Aachen werde der Beitrag inhaltlich und organisatorisch durch Dr. Frank Pohle (Route Charlemagne) und Herrn Schaub als Stadtarchäologe bearbeitet. Im Zuge dessen sei vorgesehen, auch auf das Varnenum zu verweisen. Angedacht sei, dass virtuelle Figuren der Antike vor Ort Geschichte erzählen. Hier sei eine Verknüpfung mit dem zuvor beschriebenen Digitalisierungs-Projekt der Städteregion möglich. So könne bspw. die Römerin Julia Tiberina aus der Zeit um 200 n. Chr. von ihrem Besuch in Aachen berichten. Dieses Konzept soll auf Dauer weiter ausgeweitet werden. Auf einer interaktiven Karte, die über VIAVIA verbreitet wird, soll auch das Varnenum vermerkt sein.

Abschließend wolle er auf die Masterthesis von Frau Gubina verweisen, die heute gerne selbst vor der Bezirksvertretung gesprochen hätte, was jedoch aufgrund einer terminlichen Überschneidung nicht möglich gewesen sei. Die Thesis beschäftige sich mit der Bewahrung und dem Umgang mit historischem Bestand sowie der Entwicklung eines architektonischen Modulsystems für archäologische Fundstellen anhand des Varnenums in Kornelimünster, welche hier jedoch nur ausschnittweise vorgestellt werden könne. Die Thesis enthalte diverse Vorschläge weiterer Präsentationsmöglichkeiten des Varnenums in einem revisiblen Baukastensystem mit minimalstinvasivem Charakter und greife damit weitere Möglichkeiten auf, das Varnenum fortzuentwickeln.

Herr Hoffner sieht in dem Vortrag interessante Perspektiven, erinnert jedoch an das vor einigen Jahren in der Bezirksvertretung vorgestellte Projekt, bei dem zeitweise Tempel aufgestellt werden sollten, was dann letzten Endes nicht realisiert wurde. Er verweist weiter auf das aktuelle Projekt im Rathaus, durch welches die Besucher*innen ebenfalls in die virtuelle Welt entführt werden sollen, was jedoch für das Varnenum sicherlich nicht denkbar sei.

Abschließend wolle er fragen, ob Pläne bestehen, das heute nur in minimalen Teilen sichtbare Varneneum weiter zu erforschen und frei zu legen und ob die Einbeziehung des Steinbruchs noch ein Thema sei. Im Zuge dessen wolle er darauf hinweisen, dass die Wegeführung zum Varnenum schwierig sei. Eine Beschilderung vom Schildchenweg aus kommend sei sicherlich hilfreich.

Herr Schaub gibt an, nicht alle Fragen beantworten zu können. Man versuche, mit solchen Projekten das Interesse der Besuchenden zu steigern. Deshalb sei auch geplant, die fest integrierten Qualitätsrundwanderwegen in der Städteregion Aachen mit einer entsprechenden Beschilderung auszuweisen.

Die derzeit zu sehenden Fundamentreste und Teile der Tempelanlage seien nur ein kleiner Ausschnitt der Siedlung, über dessen Existenz man zunächst nicht im Bilde war. Hier seien weitere Bodenarbeiten und Ausgrabungen nicht vorgesehen. Es habe eine Vermesseung stattgefunden, um das zu schützende römische Ausgrabungsgebiet zu arrondieren. Man sei positiv in der Annahme, die Siedlungsgrenzen konkret bestimmen zu können.

Zu der Thematik des Steinbruchs habe man seit längerer Zeit nichts mehr gehört, so dass er hierzu nichts weiter beitragen könne.

Frau Nußbaum bedankt sich bei Herrn Schaub für den Vortrag und die Ausführungen und fragt, ob angedacht sei, dieses historischen Erbe zum Unterrichtsinhalt an den Schulen zu machen. Sie halte dies für sehr wichtig, weil anzunehmen sei, dass hier viel Wissen verloren gehe.

Es bestehe seitens der Stadtarchäologie lediglich die Möglichkeit, die Inhalte in den Schulunterricht einzubinden, wenn die Schulen an diese herantreten, so Herr Schaub. Er habe bereits in der Vergangenheit Schulklassen geführt und Unterricht übernommen, dies sei allerdings selten. Fächer wie Heimatkunde seien heute nicht mehr Bestandteil der Lehrpläne, so dass dieses Thema allenfalls in Projektwochen zum Inhalt gemacht werden könnte.

Herr Krott schließt sich dem Vorschlag von Frau Nußbaum, den Schulkindern diese Geschichte nahbar zu machen, an. Er sieht ein enormes Potential in den Ideen von Frau Gubina. Gleichwohl müsse die Umsetzung vor dem Hintergrund des ständigen Vandalismus gut überlegt und geplant sein. Gerne würde er sich die Ideen von Frau Gubina in einer nachfolgenden Sitzung anhören. Die heutige Sitzung sollte ein Auftakt sein, das Thema näher zu betrachten. Absclhießend lobt er die überregionale Zusammenarbeit.

Der Bezirksbürgermeister fragt, ob es Erkenntnisse über möglicherweise vorhandenene archologische Funde im Zuge des Umbaus der Straße Napoleonsberg geben könne. Herr Schaub verneint klare Anhaltspunkte im Bereich der Kanalführung.

Beschluss

Die Bezirksvertretung Aachen-Kornelimünster/Walheim nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.

Abstimmungsergebnis

Einstimmig
Technische Details

Grunddaten

TOP
Ö 7
Sitzung
Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Kornelimünster / Walheim
Gremium
Bezirksvertretung Aachen-Kornelimünster / Walheim
Datum
Mi., 15.04.2026
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Status
gemischt