5. Mai 2026 um 17:00, AGIT mbH, A COWORK
TOP 3Öffentlich

Sachstandsbericht Gemeinwohl-Ökonomie und Betriebliches Nachhaltigkeitsmanagement

E 26/0016/WP19 · Kenntnisnahme

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Beratungsergebnis:zur Kenntnis genommen

Beratung

Zu dem Tagesordnungspunkt referieren im ersten Teil Herr Dr. Heio van Norden, Referent der Geschäftsführung der AGIT mbh und im zweiten Teil Frau Anke Teuerle, Beschäftigte des Gebäudemanagements im Bereich der Stabsstelle Nachhaltigkeit, zum Sachstand Gemeinwohlökonomie im jeweiligen Unternehmen.

Dr. Heio van Norden stellt zunächst seine Person mit Werdegang und Funktion sowie Rolle bei der Agit mbH vor, bevor er dann im Weiteren die AGIT mbH, Aufgabenstellung sowie Sinn und Zweck der Agit mbH vorstellt. Er zeigt auf, wie die AGIT mbH regional sowie überregional vernetzt und eingebunden ist und so den Wandel der Region mitbegleitet und mitgestaltet. Mit dem Neubau sei das ACAT – AGIT Center for Advanced Technology -entstanden.

Herr van Norden zeigt auf, warum die AGIT mbH sich für die Gemeinwohl-Bilanzierung entschieden hat und hebt hervor, dass die AGIT mbH mit der Gemeinwohlbilanz ein Monitoring- und Managementsystem für mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen verbindet, sich Gewinnabsicht und Gemeinwohl nicht ausschließen und damit eine Transformation des Wirtschaftssystems hin zu mehr Gemeinwohl sowie hin zu einer nachhaltigen Marktwirtschaft gesehen wird.

Herr van Norden beschreibt im Weiteren den ca. 1-jährigen Prozess der Gemeinwohlbilanzierung der AGIT mbH, der im Juni 2023 mit der Auditierung und dem Erteilen des Zertifikats im Oktober 2023 gemündet ist.

Nachfolgend beschreibt Herr van Norden das Follow-Up der Gemeinwohlbilanzierung der AGIT mbH, das eine Einzelbetrachtung der im Bilanzierungsprozess erarbeiteten Positiv-Aspekte beinhaltet und mit „Ersten Schritten“ weitere Maßnahmen zur nächsten Zielerreichung.

Er zeigt auf, welche vielfältigen Maßnahmen nach der Gemeinwohlbilanzierung umgesetzt wurden – so wird u.a. der Neubau derAGIT von der Gesellschaft Nachhaltiges Bauen zertifiziert ( Gold-Zertifikat) - und wie sich Nachhaltigkeit in den verschiedenen Rollen der AGIT – Arbeitgeberin; Immobilienbesitzer- & Vermieterin; Berater- und Netzwerkerin - zeigt, Einfluss nimmt bzw. umgesetzt wird.

Im zweiten Teil der Präsentationen zur Gemeinwohlökonomie (GWÖ) berichtet Frau Anke Teuerle mittels Präsentation über das weitere Vorgehen nach der Gemeinwohlbilanzierung und GWÖ-Zertifizierung des Gebäudemanagements der Stadt Aachen (E 26), zu der im September 2024 mittels Vorlage umfassend berichtet wurde.

Sie führt aus, dass sie selbst den GWÖ-Prozess im Gebäudemanagement bis hin zur Zertifizierung nicht begleitet hat, sondern erst nach der GWÖ-Bilanzierung im Aufgabenbereich der Stabsstelle Nachhaltigkeit ihre Tätigkeit aufgenommen hat.

Sie zeigt auf, dass die GWÖ-Bilanzierung die Grundlage für das weitere Doing bildet und somit Grundlage für eine nachhaltige Personal- und Organisationsentwicklung ist.

Sie beschreibt die Vielzahl der unterschiedlichsten Maßnahmen, die im Rahmen der GWÖ-Bilanzierung erarbeitet wurden und die nun im Rahmen der weiteren Entwicklung der nachhaltigen Personal- und Organisationsentwicklung bereits umgesetzt oder angestoßen wurden; diese sind den nachfolgend aufgeführten übergeordneten Themenfeldern zuzuordnen:

  • Interne Kommunikation
  • Fortbildungen
  • Organisationskultur
  • Digitalisierung und Vereinfachung
  • Nachhaltige Beschaffung
  • Nachhaltigkeit im Bestand
  • Kreislaufwirtschaft.

Sie erläutert, dass sich im weiteren Doing Aktivitäten im engen Zusammenhang mit der Gemeinwohl-Bilanz entwickelt haben - teilweise auch davon unabhängig – , damit einhergehend eine gebündelte Sichtbarkeit erzeugt wird und Nachhaltigkeit in ihrer ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension verbunden wird.

Sie zeigt weiter auf, dass damit verbunden auch eine Weiterentwicklung der Mitarbeitendenbeteiligung und Bewusstseinsbildung einhergeht. Sie beschreibt, dass beispielsweise Workshops mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten - z.B. Arbeitsumgebung, nachhaltige Beschaffung - durchgeführt werden und u.a. eine Mitarbeitendenbeteiligung zum Themenschwerpunkt „Interne Kommunikation“ mittels Impulsumfrage vorbereitet wird.

Frau Teuerle zeigt abschließend auf, dass mit diesem Sachstandbericht der Umsetzungsprozess der im Rahmen der Bilanzierung ermittelten Verbesserungspotenziale beschrieben und dargestellt werden sollen.

Sie fasst zusammen, dass nach derzeitigem Stand die Frage einer Re-Bilanzierung geprüft werden soll, eine Re-Bilanzierung nach der weiteren GWÖ Matrix 5.2 grundsätzlich angestrebt wird, jedoch dabei die Entwicklung der GWÖ-Bilanzierung-Tools weiter beobachtet und abgewartet werden soll.

Sie betont, dass eine mögliche GWÖ-Re-Bilanzierung zur Beratung und Entscheidung in die entsprechenden Gremien eingebracht werde.

Der Ausschussvorsitzende Ratsherr Schaadt bedankt sich bei beiden Vortragenden für Ihrer Präsentationen. Er fragt die Verwaltung Herrn Thomas, Dezernent VII, nach den ursprünglichen Überlegungen, die als Pilot angedachte GWÖ-Bilanzierung des E 26 auf die anderen Fachbereiche der Stadt Aachen auszurollen und wie der aktuelle Sachstand diesbezüglich ist.

Herr Thomas antwortet, dass die Präsentationen der beiden Vortagenden aufgezeigt habe, wie zum einen die AGIT mbH und zum anderen das E 26 die GWÖ -Bilanzierung und das weitere Doing auf unterschiedlichen Ebenen umsetzen.

Er betont, dass die Dezernate der Stadt auf dem Weg sind, dies jedoch nicht der Gemeinwohlökonomie zugeordnet werden kann.

Er legt dar, dass zum einen die jeweiligen Fachlichkeiten – wie im Fall von E 26 die Gebäudefachlichkeit – erforderlich sind, zum anderen jedoch auch die Frage der Finanzierung zu klären ist.

Er wirft ein, dass mit Maßnahmen für ein klimaneutrales Aachen eventuell auch Brücken geschlagen werden könnten.

Er hebt hervor, dass dies jedoch in den einzelnen Fachbereichen geprüft, analysiert und bearbeitet werden müsse; er erachtet die Kernverwaltung insgesamt als komplexer und aufwendiger.

Herr van Norden meldet sich zu Wort und ergänzt seinen Vortrag, dass auch die AGIT mbH die Frage einer Re-Bilanzierung diskutiert und dies noch nicht abschließend entschieden ist. Er sieht insbesondere die Bedeutung der Eigenverpflichtung, die Maßgaben gemäß der GWÖ umzusetzen.

Herr Dipl. Betriebswirt (FH) Hauschild, Kaufmännischer Betriebsleiter des Gebäudemanagements, legt dar, dass der eingebrachte Sachstandbericht dazu dienen soll, einen Zwischenbericht zu geben und die aufgrund der Kommunalwahl neu im Ausschuss angehörenden Ausschussmitglieder über die Gemeinwohlökonomie-Bilanzierung sowie entsprechende Maßnahmenumsetzung zu informieren.

Herr Thomas zeigt auf, dass seitens der Landesregierung ein Nachhaltigkeitsbericht gefordert wird. Dieser werde mit den zur Verfügung stehenden Mitteln weiter erarbeitet und aufbereitet. Er betont, dass abzuwägen und zu diskutieren ist, welche Art von Maßnahmen umsetzbar sind und umgesetzt werden sollen – er sieht dies auf einem guten Weg.

Ratsherr Dr. Breuer wirft ein, dass GWÖ nicht nur das große Ganze in den Blick nimmt, sondern auch in kleinen Schritten lebbar ist, wie zum Beispiel bei der Einbindung der Mitarbeitenden.

In Bezug auf ökonomische Kriterien sieht er viele Aspekte, die einen Benefit für den Betriebe darstellen.

Er legt dar, dass das System GWÖ auch davon lebt, Re-Zertifizierungen durchzuführen, da damit verbunden auch neue Unternehmen für die Idee der GWÖ und Ihrer Zertifizierung gewonnen werden können.

Herr Günther fragt nach, wie die Beschäftigung von Eigenreinigungskräften versus der Beschäftigung von Dienstleistern unter Berücksichtigung der Maßgaben der Gemeinwohlökonomie zu sehen und zu bewerten ist.

Herr Hauschild führt aus, dass nach derzeitigem Stand 10 Eigenreinigungskräfte beim Gebäudemanagement beschäftigt sind und die entsprechenden Stellen aufgrund bestehend langjähriger Beschlusslage mit einem kw-Vermerk (künftig wegfallend) versehen sind.

Er beschreibt, dass man in einem steten und guten Austausch mit der örtlichen Handwerkskammer, Innung und Industriegewerkschaft ist. Zudem habe das Gebäudemanagement einen Flyer erstellt, mit dem Reinigungskräfte über ihre Rechte aufgeklärt und Kontaktadressen benannt werden sollen. Diese Flyer seien entsprechend an die Reinigungskräfte verteilt worden; dies solle u. a. auch dem Schutz der Reinigungskräfte dienen.

Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor.

Erläuterungen

Einordnung und weiteres Vorgehen

Wie angekündigt wird zum aktuellen Sachstand der Themen Gemeinwohl-Ökonomie und Betriebliches Nachhaltigkeitsmanagement im städtischen Gebäudemanagement berichtet.

Die Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz des städtischen Gebäudemanagements sowie der Beitritt zum Verein „Gemeinwohl-Ökonomie e.V.“ wurden durch den Betriebsausschuss Gebäudemanagement am 20.09.2022 empfohlen und vom Rat der Stadt Aachen am 28.09.2022 beschlossen.

Die Zertifizierung erfolgte in 2024 durch eine Auditierung. Die Bilanzierung war ein umfangreicher Beteiligungs- und Informationsprozess, der in Form einer Mitarbeitendenbefragung sowie mehrerer Workshops in der Organisation umgesetzt wurde. Anhand der Gemeinwohl-Matrix 5.0 wurde eine Ist‑Analyse durchgeführt sowie zahlreiche Verbesserungspotentiale erarbeitet. Die Zertifizierung ist ein wichtiger Schritt der Neuausrichtung hin zu nachhaltigen Entwicklungszielen und zum Gemeinwohl. Die Ergebnisse wurden den Mitarbeitenden des Städtischen Gebäudemanagements in einer Abschlussveranstaltung am 19.09.2024 vorgestellt. Im Rahmen der Veranstaltung wurde außerdem eine Priorisierung der erarbeiteten Verbesserungspotentiale vorgenommen. Im Betriebsausschuss Gebäudemanagement sowie im Rat der Stadt Aachen wurde ebenfalls über die Ergebnisse berichtet.

Die zahlreichen Verbesserungspotentiale sind eine wichtige Arbeitsgrundlage im städtischen Gebäudemanagement. Sie sind Grundlage für die Umsetzung unterschiedlicher Projekte. Mit Hilfe eines Maßnahmencontrollings wird in regelmäßigen Abständen der aktuelle Stand zur Umsetzung überprüft. Hierfür ist eine enge Abstimmung und Kooperation der Stabsstelle Betriebliches Nachhaltigkeitsmanagement mit den relevanten Akteur*innen im Gebäudemanagement notwendig. Manche Aktivitäten haben sich unabhängig von der Gemeinwohl-Bilanz, andere im engen Zusammenhang mit ihr entwickelt. Ihnen allen gemein ist, dass ihre Umsetzung bzw. Weiterentwicklung durch die Gemeinwohl-Bilanz und in der Weiterführung durch das Maßnahmencontrolling gebündelt sichtbar werden. Über den aktuellen Stand wird der Betriebsleitung unmittelbar berichtet. Eine Information an die Mitarbeitenden zum aktuellen Stand der Umsetzung der Verbesserungspotentiale erfolgt über Vorträge und Newsletter.

Fazit

Die Gemeinwohl-Bilanz ist ein wertvolles Management-Tool, das seine Wirkung auf drei Wegen entfaltet:

Die Bilanz ist Grundlage für eine umfassende Personal- und Organisationsentwicklung. Sie ist ein wertebasierter Orientierungsrahmen, der Nachhaltigkeit in ihrer sozialen, ökonomischen und ökologischen Dimension verbindet. Und der Bilanzierungsprozess ist Ausgangspunkt für eine breit angelegte Mitarbeitendenbeteiligung und Bewusstseinsbildung, die in zahlreichen Maßnahmen weiterentwickelt wird. Klassische Personal- und Organisationsentwicklung wird zusammen mit ökologischer Nachhaltigkeit gedacht. Der holistische Ansatz einer nachhaltigen Personal- und Organisationsentwicklung berücksichtigt alle Stakeholder der kommunalen Organisation:

· Lieferant*innen

· Finanzpartner*innen

· Mitarbeitende

· Fachbereiche und Eigenbetriebe

· Bürger*innen vertreten durch die Politik.

Die Bilanz schafft Transparenz und Klarheit im Change-Prozess. Dabei handelt es sich um einen allmählichen, schrittweisen Wandel, in dem bestehende Aktivitäten weiterentwickelt und mit den Ergebnissen der Gemeinwohl-Bilanz verknüpft werden. Die Bilanz liefert hierfür eine Struktur, mit der unterschiedliche Maßnahmen zusammengeführt werden.

Die geplante Einführung der überarbeiteten Matrix 5.2 wird die Ausrichtung der Gemeinwohl-Bilanz hin zu einem Management-Tool weiter begünstigen. Um diese positive Entwicklung innerhalb der Gemeinwohl-Ökonomie als Organisation möglichst frühzeitig nutzen zu können, besteht ein regelmäßiger Austausch innerhalb des „Gemeinwohl-Ökonomie e.V.“. Die Beta-Version der Matrix 5.2 wird dem städtischen Gebäudemanagement als Mitgliedsunternehmen des „Gemeinwohl-Ökonomie e.V.“ nach Fertigstellung übermittelt und zur Weiterentwicklung des Maßnahmencontrollings mit Ausrichtung auf eine mögliche Rebilanzierung nach Matrix 5.2 berücksichtigt. Die Verbesserungspotentiale werden in den nächsten Monaten kontinuierlich umgesetzt. Nach Beendigung der Testphase und positiver Resonanz zur Matrix 5.2 wird eine Rebilanzierung des städtischen Gebäudemanagements im Jahr 2027 angestrebt und eine Beschlussvorlage zur Beratung eingebracht.

Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2026-03-30 E 26_0016_WP19 Sachstandsbericht Ge SAO.pdf

30.3.2026

77.6 KB

Metadaten

TOP
Ö 3
Sitzung
Sitzung des Betriebsausschusses für das Gebäudemanagement
Gremium
Betriebsausschuss Gebäudemanagement
Datum
Di., 05.05.2026
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Kenntnisnahme
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
E 26 - Gebäudemanagement
Geändert
6.5.2026
Inhalt abgerufen
24. Juli 2026 um 01:23