Ergebnisvorstellung der Umfrage "Die Nacht gehört uns"
FB 01/0076/WP19 · Kenntnisnahme
"Die Nacht gehört uns!" - Vorstellung der Umfrageergebnisse
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Sabine Bausch, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Aachen eröffnet das Thema anhand einer Präsentation. Diese wird der Niederschrift in Allris beigefügt. Frau Bausch erläutert zunächst woher eigentlich die Idee zur Umfrage stammt.
Als strategischen Kern benennt sie die Frage der Sicherheit und der Teilhabe als Grundrecht und die Frage, wie man geschlechterspezifische Gewalt bekämpfen kann. Eine wissenschaftliche Datenbasis für Aachen lag nicht vor. Sie stellt außerdem die Kollegen Till Görgen, den städtischen Nachtbürgermeister und Dr. Simon Himmel, zuständig für Digitale Partizipation und Innovation im FB 01 vor. Die Bereichskooperation beschreibt Frau Bausch als sehr produktiv.
Herr Dr. Himmel führt durch die Methodik, Aufbau und Systematik der Umfrage. Die Umfrage kommt zu dem Schluss, dass Frauen das Nachtleben deutlich unsicherer als Männer erleben – das beeinflusst ihre Freiheit. Gleichzeitig ist Sicherheit eine Voraussetzung für gleichberechtigte Teilhabe. Durch die Unterschiede wird aufgezeigt: Öffentlicher Raum ist nicht für alle gleich zugänglich.
Till Görgen erläutert die Perspektive aufs Aachener Nachtleben aus Sicht des Nachtbürgermeisters.
Vorbehaltlich der Zusage von Fördermitteln wird es eine Konferenz zum Thema „Sicherheit in der Nacht“ am 30.09.26 geben, ergänzt Sabine Bausch.
Frau Nüttgens lobt die Mitwirkenden. Das Ergebnis zeige klar, dass die Nacht nicht sicher genug sei. Da müssen alle gemeinsam etwas dran ändern.
Herr Wiedau bestätigt die Einschätzung der Frau Nüttgens und zeigt sich positiv überrascht über die hohe Teilnahme. Wie habe die Verwaltung dieses tolle Ergebnis erreicht, fragt er in Richtung der Verantwortlichen? Des Weiteren wünscht er zu wissen, ob der Plan vorsieht, die Umfrage auch in anderen Ausschüssen zu thematisieren, oder ob das Bürgerforum entsprechend verweisen soll?
Das Team stellt die Umfrage gerne auch in anderen Ausschüssen vor, bisher gibt es allerdings keine Beratungsfolge.
Frau Bausch erläutert, man habe City Cards beauftragt und zu einem strategischen günstigen Zeitpunkt (Karneval 2026) Werbung durch Plakate gemacht. Zu diesem Zeitpunkt waren ohnehin viele Menschen unterwegs, die das Thema ansprach. Dazu führt sie aus, dass die Netzwerke der Gleichstellung und des Nachtbürgermeisters sehr wertvoll für die Verbreitung waren.
Herr Tillmanns lobt die gelungene Objektivierung. Die Menge an Menschen, die von Angst betroffen ist, sei erstaunlich. Die in der Umfrage benannten Angsträume seien ja leider bekannt und nicht verwunderlich. Dennoch ist mit der Umfrage gelungen, dass diese nun nicht mehr rein subjektiv zu betrachten sind. Wie wir in unserer Gesellschaft miteinander umgehen, zieht sich heute wie ein roter Faden durch die Sitzung. Der Ausblick und die beschriebenen Handlungsfelder sind richtig und wichtig, aber reicht das? So eine tolle Arbeit darf seiner Meinung nach, nicht einfach wieder „verpuffen“. Er sieht in der Beratungsfolge als nächstes den Betriebsausschuss Kultur, Theater und VHS als sinnstiftendes Gremium.
Frau Schmidt-Promny findet es interessant, wie heute auf die Datenlage reagiert wird. Für sie war dies alles nichts neues. Sie würde sich sehr freuen, würden die Sorgen der Mitwirkenden endlich ernst genommen. Leider muss man dann aber – wie so oft – über Verhaltensweisen reden. Die Beleuchtungsproblematik sollte man mit Bewegungsmeldern lösen. ASEAG Nachttaxen funktionieren schon sehr gut. Dennoch muss man zeitnah mit der ASEAG in den Austausch gehen ob man den Nacht-ÖPNV sukzessive verbessern kann. Sie spricht über das Projekt „Edelgard-schützt“ in Köln. Dort bieten geschulte Kooperationspartner*innen eine ortsnahe und unkomplizierte Unterstützung bei Bedrohung an. Es wurden schützende Orte als Anlaufstellen geschaffen, zu denen Betroffene gehen können, wenn sie sich belästigt fühlen oder sexualisierte Gewalt erlebt haben. Bewusstseinsbildung ist ihrer Meinung nach das A&O.
Auch Herr Deumens lobt das große Engagement des Umfrage Teams. Und bestätigt, dass ein Bewusstsein der Gastronomen geschaffen werden muss. Seine Kritik bezieht sich auf die Lesbarkeit des Berichts. Könnte man dies niederschwelliger gestalten? Obwohl Probleme sicherlich bekannt waren, gibt es nun Informationen schwarz auf weiß. Das hilft im weiteren Verlauf. Eine für ihn neue Information ist, dass das öffentliche Vertrauen zum Ordnungsamt scheinbar nicht gegeben ist. Da kann man sicherlich gut ansetzen. Über eine städteregionale Konferenz zum Thema würde er sich freuen. Hoffentlich kann man die finanziellen Mittel dafür generieren.
Frau Bausch bestätigt, dass die Konferenz in der Planung ist und auch städtebauliche Perspektiven einfließen werden.
Herr Tobollik wünscht zu wissen, welche Möglichkeiten der Verwaltungsapparat für mehr Sicherheitspersonal habe? Er hätte es außerdem zielführend gefunden, wenn die Verursacher in der Umfrage benannt worden wären. Er spricht sich für eine Fortführung der Umfrage in diesem Hinblick aus und wünscht die Kriminalstatistik entsprechend mit einzubeziehen.
Frau Haupts lobt die Bewerbung im öffentlichen Raum. Man hat es geschafft, die Umfrage sehr sichtbar zu machen. Die Fragen, die die Umfrage enthielt, haben nochmal deutlich gemacht, wie sich Frauen unterwegs ohnehin schon schützen. Die Notwendigkeit und Selbstverständlichkeit dessen ist ohnehin schon drastisch. Für sie zeigt sich ein strukturelles Problem, völlig egal wer die Verursacher der Angst sind.
Frau Schmidt-Promny bestätigt die Einschätzung der Frau Haupts, dass der Einbezug der Kriminalstatistik unnötig sei. Es muss darum gehen, das strukturelle Problem sichtbar zu machen und keine weiteren Gelder in eine Fortführung der Umfrage zu stecken, nur um Hass und Hetze zu verbreiten.
Auch Herr Tillmanns bestätigt, dass es in der Umfrage nicht um Täter geht. Es handelt sich um eine Befragung zum Thema Angst.
Frau Breuer empfindet die Position „Beleuchtung“ als sehr wichtig. Nicht allen Frauen ist Selbstbewusstsein in diesem Maße geschenkt. Frauen haben Angst, wir haben es schwarz auf weiß. Das ist sehr schlimm und muss angegangen werden. Wo Licht ist, ist es weniger beängstigend.
Herr Tobollik merkt an, dass es ihm darum geht, was nun mit dieser Erhebung gemacht wird. Man dürfe nicht die Augen davor verschließen, wo die Gefahr herkommt.
Eine Dame aus dem Publikum wünscht eine Untersuchung der Opferprofile, nicht die der Täter.
Frau Bausch antwortet, dass der vollständige Bericht dies sehr ausführlich behandelt.
Herr Dr. Himmel ergänzt, dass je detaillierter die Abfrage ist, desto eher die Menschen die Befragung abbrechen. Man muss immer die Frage im Hinterkopf behalten, wie detailliert das Profil der Umfrageteilnehmenden sein muss und ob es sich lohnt, beispielsweise wenn man Behinderung oder Queerness abfragt, eine Erhöhung der Abbrecherquote in Kauf zu nehmen.
Eine Person aus dem Publikum fragt ob es in der Umfrage auch um die Sicherheit am Tage ging. Nonbinäre Menschen erleben die dargestellte Gewalt nämlich tagein tagaus. Sie berichtet aus ihrem persönlichen Erleben, dass sie weder Mann noch Frau sei und ständig von der Stadtverwaltung misgegendert werde. Dies enstpräche jedes Mal einer Ordnungswidrigkeit. Sie wünscht das System Verwaltung entsprechend zu schulen.
Ein Gast aus dem Publikum empfindet die dargestellten Wünsche aus der Umfrage als sehr konkret, bspw. Kameras, Beleuchtung und Schutzräume. Er fragt, ob daraus nun eine Maßnahmenliste erstellt wird, die der Rat beraten kann? Er persönlich findet die Einbindung der Kriminalstatistik schon wichtig. Kann man die Thematik vielleicht sogar auf Gewalt in Einrichtungen ausweiten?
Frau Lürken bestätigt, dass es sicherlich nicht reiche, nur über die Ergebnisse der Umfrage zu reden. Dennoch muss man sehen was realistisch, finanziell abbildbar ist.
Frau Bausch fasst zusammen, dass die Ergebnisse der Umfrage Handlungsfelder aufzeigen, aber auch Werkzeuge an die Hand geben. Die beeindruckend hohe Beteiligung zeige ja, wie groß der Wunsch nach Mitgestaltung ist. Die vielen Stimmen ermöglichen einen klaren Blick auf unsere Stadt und bilden das Fundament für die Maßnahmen, die wir nun gemeinsam auf den Weg bringen für ein inklusiveres und achtsameres Aachen.
Das Bürgerforum nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.
Erläuterungen
Die Stadt Aachen legt dem Bürgerforum die Ergebnisse der Umfrage „Gehört die Nacht uns?“ vor. Ziel der Erhebung war es, das subjektive Sicherheitsempfinden in der Nacht in Aachen zu erfassen und daraus Hinweise für künftige Maßnahmen abzuleiten. Besonders im Fokus standen die Perspektiven von Frauen und queeren Personen.
Die Idee zur Umfrage entstand im Rahmen der Planungen zum Weltfrauentag 2026 in Zusammenarbeit mit der vhs Aachen, dem DGB NRW Region Süd-West und dem Gleichstellungsbüro der Stadt Aachen. Die Umsetzung erfolgte gemeinsam mit dem Nachtbürgermeister über das Beteiligungsportal www.beteiligung.nrw.de. Die fachliche Auswertung übernahm die Abteilung FB 01/300 (Bürgerbeteiligung und Ehrenamt).
Durchgeführt wurde die Befragung vom 21. Januar bis zum 22. Februar 2026 als offene Online-Befragung. Insgesamt beteiligten sich 4.625 Personen; nach Bereinigung von 42 Datensätzen standen 4.585 Datensätze für die Auswertung zur Verfügung.
Die Teilnehmenden waren überwiegend jung (Durchschnittsalter 32,5 Jahre, Median 28 Jahre; Altersspanne 13–78 Jahre). 71,5 % gaben an, weiblich zu sein, 25,6 % männlich, 1 % divers, und 1,4 % machten keine Angabe. Hinsichtlich der sexuellen Selbstzuordnung bezeichneten sich 81,6 % als nicht queer, 10,3 % als queer, 3,8 % waren unsicher, 3,4 % machten keine Angabe und 0,9 % blieben ohne Antwort. Die Auswertung berücksichtigt die Perspektiven von Frauen und queeren Personen gesondert.
Die ausführlich dargestellten Ergebnisse sind dem beigefügten Ergebnisbericht zu entnehmen. Ergänzend hierzu werden Einordnungen der Gleichstellungsbeauftragten und des Nachtbürgermeisters dargestellt.
Die Ergebnisse werden im Bürgerforum mündlich vorgestellt.
Weitere Dokumente (1)
Die Dokumente werden direkt vom Ratsinformationssystem der Stadt Aachen abgerufen und nicht von uns gespeichert oder gehostet.
Technische Details
ID: 1023197
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1023197
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2026-04-20 FB 01_0076_WP19 _Die Nacht gehoert un SAO.pdf
5.5.2026
11.4 MB
Metadaten
- TOP
- Ö 5
- Sitzung
- Sitzung des Bürgerforums
- Gremium
- Bürgerforum
- Datum
- Di., 05.05.2026
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Status
- öffentlich
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 01 - Fachbereich Verwaltungsleitung, Grundsatz und Dialog
- Zusätze
- Unterlagen werden nachgereicht
- Geändert
- 26.5.2026
- Inhalt abgerufen
- 8. Juli 2026 um 17:18