12. Mai 2026 um 17:00, Verwaltungsgebäude Maria-Theresia-Allee
TOP 7Öffentlich

Umgang mit der asiatischen Hornisse

FB 36/0036/WP19 · Entscheidungsvorlage

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Beratungsergebnis:zur Kenntnis genommen

Beratung

Anlässlich der Sitzung wird an alle Anwesenden die Verwaltungsvorlage, welche inzwischen die Logos der Unterzeichnenden enthält, in Papierform verteilt.

Herr Thomas führt aus, dass die Stadt Aachen zu einem gemeinsamen Austausch Vertreter*innen aus dem Naturschutz, professioneller Schädlingsbekämpfung, Imkerschaft sowie der Landwirtschaftskammer eingeladen habe (Runder Tisch Invasive Arten) und im Rahmen dessen das nun vorliegende Paper ausgearbeitet worden sei. In diesem werde die gemeinsame Position von Schützern und Nutzern dargestellt. Fazit sei, dass sich die Asiatische Hornisse inzwischen etabliert habe und es nicht möglich sein werde, diese ganz zu vertreiben. Wichtig sei daher, die Bürger*innen ausreichend aufzuklären. Die Entfernung der Frühnester, welche sich in der Regel nicht weit oben in den Bäumen befinden, sei vergleichsweise ohne großen Aufwand möglich und werde insbesondere in sensiblen Bereichen wie bei Schulen und Kindergärten empfohlen. Sollten sich hier Anhaltspunkte für Nester zeigen, werde E 18 versuchen, in diesen Bereichen gegen diese vorzugehen. Herr Nießen ergänzt, dass durch die Ausarbeitung des Papiers im Rahmen des Runden Tisches ein Signal nach außen geschaffen werden sollte.

Herr Schäfer teilt mit, dass der BUND das ausgearbeitete Papier ebenfalls unterstütze, jedoch die Frist versäumt habe und das Logo des BUND daher nicht auf dem Papier abgebildet worden sei. Herr Nießen gibt dazu bekannt, dass dies auch gerne im Nachgang noch erfolgen könne.

Herr Schwenk fügt an, dass seitens Herrn Dr. Aletsee eine wissenschaftliche Ergänzung zu dem Thema erfolgen soll und beantragt daher für diesen zu dem Tagesordnungspunkt ein Rederecht. Dieses wird seitens des Gremiums einstimmig mit drei Enthaltungen gewährt.

Herr Dr. Aletsee führt aus, dass er selber beim Runden Tisch anwesend gewesen sei und er die Ausarbeitung des Papiers begrüße. Allerdings fehle aus seiner Sicht in dem vorliegenden Papier eine Einstufung der Asiatischen Hornisse und ihrer potentiellen Gefahr für die Biodiversität. Er fordert daher folgende Ergänzung:

Für die heimische Biodiversität gilt die Asiatische Hornisse als potentielle Gefahr (*). Ein Nachweis, dass sie einen nennenswerten Einfluss auf die heimische Biodiversität hat steht aus. Neben vegetarische Kost frisst sie als unspezifischer Räuber viele andere Insekten. Wildbienen inklusive Hummeln stellen dabei nur 0,02% der Gesamtbeute dar (**). Die Asiatische Hornisse selbst wird regelmäßig Opfer unserer heimischen Europäischen Hornisse. (*) N AT U R S C H U T Z u n d L a n d s c h a f t s p l a n u n g | 56 (01) | 2024 (**) Rome, 2021

Herr Dr. Aletsee möchte durch diese Ergänzung erreichen, dass die Emotionalität in der Bevölkerung eingedämmt wird. Frau Stuhlmann schlägt vor, den Beschlussvorschlag der Verwaltung diesbezüglich zu ergänzen. Herr Thomas äußert die Sorge, dass der Hinweis an dieser Stelle zu einer öffentlichen Diskussion führe und schlägt daher vor, das Papier dahingehend nicht zu ergänzen, sondern den Hinweis in die FAQ’s aufzunehmen. Herr Schwenk unterstützt die Auffassung von Herrn Dr. Aletsee und spricht sich für eine Ergänzung des Papiers aus. Herr Ritzerfeld verweist auf Studien von DNA-Analysen, die die Annahme widerlegen, dass sich die Asiatische Hornisse ausschließlich von Honigbienen ernähre. In den DNA-Analysen seien Spuren von verschiedenen Arten nachgewiesen worden. Er selber habe feststellen können, dass die Tiere sich gegenseitig bekämpfen, jedoch nicht nachvollziehbar sei, welches die Oberhand behalte.

Herr Prof. Dr. Wagner wundert sich über die geführte Diskussion; das in der Vorlage vorgestellte Papier sollte seitens des Naturschutzbeirates zur Kenntnis genommen werden. Er schließt sich der Meinung von Herrn Thomas an, die Ergänzung in die FAQ’s aufzunehmen. Frau Stuhlmann richtet daher die Frage an Herrn Schwenk, ob dieser sich dem Vorschlag anschließen könne. Dies wird durch Herrn Schwenk bejaht.

Herr Podborny spricht die aufgeführten Logos unter dem Papier an und empfindet diese wie eine Art Werbung. Herr Nießen weist darauf hin, dass jeder Verband mitzeichnen könne und die abgebildeten Logos die Institutionen repräsentieren, die an dem Papier mitgearbeitet haben. Herr Ritzerfeld erkundigt sich danach, wie lange dazu noch Frist bestehe. Herr Thomas teilt mit, dass dies schnellstmöglich erfolgen müsse, da das Thema in der nächsten Sitzung des Ausschusss für Umwelt und Klimaschutz der Politik vorgestellt werde. Frau Stuhlmann schlägt vor, die Kommunikation über die Geschäftsführung des Naturschutzbeirates abzuwickeln.

Beschluss

Der Naturschutzbeirat nimmt die vorgeschlagenen Maßnahmen zum Umgang mit der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) durch den dazu gegründeten runden Tisch „Invasive Arten“ zur Kenntnis.

Beschlussvorschlag

Der Naturschutzbeirat nimmt die vorgeschlagenen Maßnahmen zum Umgang mit der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) durch den dazu gegründeten runden Tisch „Invasive Arten“ zur Kenntnis.

Erläuterungen

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend in Deutschland ausgebreitet und gilt laut Bundesregierung seit dem 25.03.2025 alsetablierte invasive gebietsfremde Art. Mit dieser Einstufung endet die bisherige Verpflichtung zur flächendeckenden Bekämpfung und Ausrottung der Art. Stattdessen beginnt eine sogenannte Managementphase, deren grundsätzliches Ziel es ist, die Auswirkungen der Art auf die menschliche Gesundheit, die Biodiversität und wirtschaftliche Belange – insbesondere der Imkerei – zu minimieren.

Die Entwicklung der Meldungen im Stadtgebiet Aachen zeigt eine zunehmende Präsenz der Art. Während im Jahr 2024 rund 30 Meldungen registriert wurden, lag die Zahl 2025 bereits im niedrigen dreistelligen Bereich. Etwa 40 Nester wurden im vergangenen Jahr durch den städtischen Einsatzdienst des Aachener Stadtbetriebs sowie durch die Untere Naturschutzbehörde entfernt. Der Großteil der Nester wird jedoch erst spät im Jahr entdeckt – häufig erst im Herbst, wenn die Baumkronen ihr Laub verlieren und die Nester sichtbar werden. Zu diesem Zeitpunkt haben Jungköniginnen das Nest bereits verlassen. Es erfolgt keine Wiederbesiedlung verlassener Nester, sodass eine Entfernung keinen Einfluss auf die weitere Ausbreitung hat.

Vor diesem Hintergrund befindet sich auch die Stadt Aachen in einem Anpassungsprozess im Umgang mit der Art. Verwaltung, Fachinstitutionen und betroffene Akteursgruppen beraten derzeit über eine geeignete lokale Strategie, die sowohl fachlich fundiert als auch praktikabel umsetzbar ist. Ziel ist ein abgestimmtes Vorgehen, das auf Sachlichkeit, Transparenz und Aufklärung der Öffentlichkeit basiert.

Um unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen, hat die Stadtverwaltung Vertreterinnen und Vertreter aus Naturschutz, professioneller Schädlingsbekämpfung, Imkerschaft sowie der Landwirtschaftskammer zu einem fachlichen Austausch eingeladen (Runder Tisch „Invasive Arten“). In diesem Expert*innenkreis wurden Erfahrungen mit der Art, Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Maßnahmen sowie Ansätze für eine gemeinsame Kommunikationsstrategie erörtert.

Dabei wurde deutlich, dass die Asiatische Hornisse nach Einschätzung der Fachleute dauerhaft Teil der heimischen Fauna bleiben wird. Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern – etwa Frankreich, Belgien und den Niederlanden – zeigen, dass eine vollständige Eindämmung der Art nach ihrer Etablierung kaum mehr möglich ist. Lokale Bekämpfungsmaßnahmen helfen bei der temporären, lokalen Reduktion der Nester und Individuen, haben jedoch keinen nachhaltigen Einfluss auf die Gesamtpopulation. Die gezielte Bekämpfung der Asiatischen Hornisse, durch Fachleute und zum richtigen Zeitpunkt, wird sowohl von der Stadt als auch von Expert*innen insbesondere in sensiblen Bereichen (beispielsweise Altenheimen, Schulen oder Kindertagesstätten) empfohlen. Insbesondere Primärnester lassen sich nach dem ersten Auftreten der Arbeiterinnen ab Mai mit vergleichsweise geringem Aufwand entfernen. Der überwiegende Anteil der Sekundärnester befindet sich in großer Höhe in Baumkronen und kann nur mit erheblichem technischen Aufwand entfernt werden.

Für die menschliche Gesundheit stellt die Asiatische Hornisse nach übereinstimmender Einschätzung der Fachleute keine größere Gefahr dar als heimische Wespen- oder Hornissenarten. Die Tiere verhalten sich überwiegend defensiv, verteidigen ihre Nester allerdings in einem Umkreis von wenigen Metern. Außerhalb dieses Bereichs zeigen sie normalerweise kein aggressives Verhalten. Wie bei anderen Hautflüglern können Stiche schmerzhaft sein und für Allergiker*innen ein Risiko darstellen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Imkerei, da die Asiatische Hornisse gezielt vor Fluglöchern von Bienenstöcken jagt und dort Honigbienen abfangen kann. Die in Europa verbreitete westliche Honigbiene (Apis mellifera) verfügt – anders als die asiatische Honigbiene (Apis cerana) – über keine spezifischen Abwehrstrategien gegen diesen Fressfeind. Fachleute empfehlen daher präventive Schutzmaßnahmen an den Bienenständen. Weiter Informationen zum Schutz der Bienenvölker stellen die Fachverbände bereit (siehe FAQ).

Das Aufstellen von Insektenfallen ist aus artenschutzrechtlicher Sicht in Deutschland unzulässig. Fallen wirken in der Praxis nicht selektiv und führen zu erheblichem Beifang anderer Insektenarten. Der Einsatz solcher Fallen verstößt daher gegen das Tötungsverbot nach § 39 und § 44 Bundesnaturschutzgesetz.

Vor diesem Hintergrund sind sich die beteiligten Fachleute weitgehend einig, dass Aufklärung und sachliche Information der Bevölkerung das wichtigste Instrument im Umgang mit der Asiatischen Hornisse darstellen. Unsachgemäße Eigenmaßnahmen oder nicht fachgerechte Bekämpfungsversuche können sowohl ökologische Schäden verursachen als auch Unfälle auslösen.

Ein zukünftiger Umgang mit der Art wird daher voraussichtlich entsprechend der gesetzlichen Vorgaben auf einem pragmatischen Managementansatz beruhen. Nestentfernungen sollen insbesondere dort erfolgen, wo konkrete Gefahren für Menschen bestehen. Ziel ist der Aufbau eines Unterstützungs- und Beratungsangebots durch ehrenamtliche Fachleute für die Nestentfernung auf privaten Grundstücken. Im öffentlichen Bereich wird die Entfernung durch die Stadt übernommen. Gleichzeitig sollen Informationsangebote für die Bevölkerung und Hinweise zu Präventionsmaßnahmen für Arbeitende im Gefahrenbereich (z.B. Baum- und Grünpflege, GaLa-Baubetriebe) ausgebaut werden, um einen sachlichen und fachlich fundierten Umgang mit der Art zu fördern.

Langfristig wird es nach Einschätzung der beteiligten Fachleute darum gehen, sich auf die dauerhafte Präsenz der Asiatischen Hornisse einzustellen und mögliche negative Auswirkungen durch geeignete Managementmaßnahmen und Information so weit wie möglich zu begrenzen.

Für Meldungen von Nestern der Asiatischen Hornisse in Aachen ist das „Neobiotaportal“ des LANUK (Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen) zu nutzen (https://neobiota.naturschutzinformationen.nrw.de/neobiota/de/fundpunkte/erfassung).

Auswirkungen

Finanzielle Auswirkungen:

JA

NEIN

X

Investive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Gesamt­bedarf (alt)

Gesamt­bedarf (neu)

Einzahlungen

0

0

0

0

0

0

Auszahlungen

0

0

0

0

0

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Ergebnis

0

0

0

0

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0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

konsumtive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Folge-kosten (alt)

Folge-kosten (neu)

Ertrag

0

0

0

0

0

0

Personal-/

Sachaufwand

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0

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0

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Abschreibungen

0

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0

Ergebnis

0

0

0

0

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0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Weitere Erläuterungen (bei Bedarf):

Keine


Klimarelevanz:

Bedeutung der Maßnahme für den Klimaschutz/Bedeutung der Maßnahme für die

Klimafolgenanpassung (in den freien Feldern ankreuzen)

Zur Relevanz der Maßnahme für den Klimaschutz

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

X

Der Effekt auf die CO2-Emissionen ist:

gering

mittel

groß

nicht ermittelbar

X

Zur Relevanz der Maßnahme für die Klimafolgenanpassung

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

X

Größenordnung der Effekte

Wenn quantitative Auswirkungen ermittelbar sind, sind die Felder entsprechend anzukreuzen.

Die CO2-Einsparung durch die Maßnahme ist (bei positiven Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 t bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr(über 1% des jährl. Einsparziels)

Die Erhöhung der CO2-Emissionen durch die Maßnahme ist (bei negativen Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels)

Eine Kompensation der zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen erfolgt:

vollständig

überwiegend (50% - 99%)

teilweise (1% - 49 %)

nicht

nicht bekannt

Abstimmungsergebnis

Einstimmig
Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2026-04-22 FB 36_0036_WP19 Umgang mit der asiat SAO.pdf

5.5.2026

137.9 KB

Metadaten

TOP
Ö 7
Sitzung
Sitzung des Naturschutzbeirates
Gremium
Naturschutzbeirat
Datum
Di., 12.05.2026
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Entscheidungsvorlage
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Entscheidungsvorlage
Federführend
FB 36 - Fachbereich Klima und Umwelt
Geändert
13.5.2026
Inhalt abgerufen
3. September 2026 um 01:30