Hochwasserresilienz in Aachen - aktueller Stand
FB 36/0043/WP19 · Kenntnisnahme
Beratung
Herr Beigeordneter Thomas geht auf den 5. Jahrestag der Hochwasserkatastrophe ein.
Zum Jahrestag wird es verschiedene Veranstaltungen geben. Es werde kommuniziert werden, was seitdem in den Bereichen Katastrophenschutz, bauliche Maßnahmen, private und öffentliche Vorsorge geschehen sei.
In weiten Teilen sei der Wiederaufbau abgeschlossen.
Er dankt dem WVER aber auch vielen Bereichen der Stadtverwaltung wie dem Stadtbetrieb und dem Fachbereich Klima und Umwelt.
Es habe intensive Austausche im Hochwasserresilienzbeirat gegeben, an denen Betroffene, Bezirksregierung und viele andere Akteure beteiligt seien.
Der Ausschussvorsitzende begrüßt Herrn Kaleß vom WVER, der einen Vortrag halten wird. Es werden verschiedene Maßnahmen zum Hochwasserschutz vorgestellt.
Ratsherr Szagunn stellt im Anschluss konkrete Fragen zur Befahrbarkeit der Monschauer Straße im Falle eines aussergewöhnlichen Regenereignisses.
Herr Kaleß führt aus, dass die Monschauer Straße aufgrund von Berechnungen befahrbar bliebe.
Frau Schmitz / WVER ergänzt, dass die Aachener Strasse nur im Hochwasserentlastungsfall nach einem Vollstau überflutet werde.
2021 sei die Straße teilweise aufrund des Starkregens gesperrt gewesen. Bezogen auf Erreichbarkeiten sei man mit der Feuerwehr im Austausch.
Ratsherr Kiemes dankt für die Arbeit und schildert, dass die Bürger das Hochwasser noch nicht vergessen hätten. Auch er geht auf die Überflutung von Straßen ein und bittet um nochmalige Prüfung, da auch die
Monschauerstraße in 2021 überflutet gewesen sei.
Auch möchte er wissen, ob die Aachener Straße bei einer Überflutung erneuert werden müsse.
Herr Kaleß erläutert, dass die Straße so gebaut werde, dass sie einer Überflutung standhalten werde.
In dem erarbeiteten Masterplan könne man die Maßnahme zur Aachener Strasse nachsehen. Er weist ergänzend darauf hin, dass nicht alle 170 der im Masterplan genannten Maßnahmen realisiert würden.
Herr Beigeordneter Thomas geht auf den Masterplan ein. Es sei dort ersichtlich, welche Maßnahmen starke Wassermengen zurückhalten könnten. Es könne jedoch zu Extremfällen kommen, für die man keinen Schutz planen könne.
Ratsfrau Voßkötter wünscht sich, dass niemand nochmals ein Hochwasser wie 21 erleben müsse.
Der Ausschussvorsitzende dankt dem WVER und der Verwaltung für die geleistete Arbeit.
Er merkt an, dass es eine Breite an Maßnahmen gebe, die in der Bürgerschaft sicher nicht alle präsent seien und regt daher an, die Infos hierzu auch an die Bürger weiter zu geben.
Erläuterungen
Die Vorlage gibt anlässlich des bevorstehenden fünften Jahrestages des extremen Hochwasserereignisses vom 14.07.2021 einen zusammenfassenden Überblick über den aktuellen Sachstand der Hochwasservorsorge und Hochwasserresilienz im Stadtgebiet Aachen. Dabei wird zugleich die Anfrage der CDU-Fraktion „Geplante bzw. durchgeführte Maßnahmen zum Hochwasserschutz im Bezirk“ vom 28.03.2026 berücksichtigt, insbesondere hinsichtlich der dargestellten baulichen Maßnahmen zum Hochwasserschutz im Bezirk Aachen-Kornelimünster/Walheim.
Die nachstehend dargestellten Handlungsfelder skizzieren die wesentlichen Entwicklungen seit dem Hochwasserereignis 2021 und werden zu Beginn der Sitzung zunächst zusammenfassend vorgestellt. Im Rahmen der anschließenden Präsentation wird vertiefend insbesondere auf die unter Punkt 3 dargestellten baulichen Maßnahmen zum Hochwasserschutz eingegangen. Darüber hinaus erfolgt ein kurzer Bericht zum aktuellen Stand des Hochwasser-Regionalpakts Eifel-Rur.
1. Wiederaufbau
Nach dem Hochwasserereignis vom 14.07.2021 lag der Schwerpunkt zunächst auf der Bewältigung der unmittelbaren Schäden und der Unterstützung des Wiederaufbaus im Stadtgebiet. Fünf Jahre nach dem Ereignis ist der Wiederaufbau erfolgreich umgesetzt und weitgehend abgeschlossen.
Ein wesentlicher Bestandteil der Wiederaufbauphase war die Unterstützung der Betroffenen bei der Beantragung und Abwicklung von Sofort- und Wiederaufbauhilfen. Hierzu waren Mitarbeiterinnen des Sozialamtes insbesondere in der ersten Förderphase regelmäßig vor Ort in den betroffenen Bezirken präsent, unterstützten bei der Antragstellung und ermöglichten eine zügige Bearbeitung und Auszahlung der Hilfen.
Den größten Wiederaufbauaufwand im Bereich städtischer Gebäude stellte die Grundschule Kornelimünster dar, die durch das Hochwasser massiv beschädigt wurde und anschließend durch das Gebäudemanagement der Stadt Aachen mit Mitteln der Wiederaufbauhilfe NRW aufwendig wiederhergestellt werden musste. Darüber hinaus wurde für den Standort ein bauliches Hochwasserschutzkonzept erarbeitet, dessen Umsetzung derzeit vorbereitet wird.
Zudem wurden durch den Aachener Stadtbetrieb zahlreiche durch das Hochwasser beschädigte Brücken, Wege, Ufermauern und Gewässerbauwerke im Einzugsgebiet der Inde wiederhergestellt oder instandgesetzt. Weitere Maßnahmen befinden sich derzeit noch in der Umsetzung. In der Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Kornelimünster/Walheim am 11.06.2025 stellte der Stadtbetrieb die umfangreichen Maßnahmen speziell an den Brücken vor.
Über den Wiederaufbau hinaus werden insbesondere im Rahmen neuer Baugebiete die Anforderungen an die Regenwasserbewirtschaftung vorsorgend und konsequenter umgesetzt. Ziel ist es, zusätzliche Abflussspitzen in Gewässer zu vermeiden und nachteilige Auswirkungen auf den Hochwasserschutz zu verhindern. Dazu werden Maßnahmen zum Wasserrückhalt und zur verzögerten Ableitung des Niederschlagswassers vorgesehen, etwa durch dezentrale Muldensysteme oder Stauraumkanäle, um eine weitere Verschärfung der Hochwassergefahr zu vermeiden.
2. Konzeptionelles Vorgehen im Hochwasserschutz und Verwaltungshandeln
Neben dem Wiederaufbau war es nach dem Hochwasserereignis 2021 erforderlich, den Hochwasserschutz auf konzeptioneller Ebene strategisch und langfristig weiterzuentwickeln. Da Fließgewässersysteme auf Ebene ihrer gesamten Einzugsgebiete betrachtet werden müssen, können Einzelmaßnahmen an einer Stelle nachteilige Auswirkungen auf unterliegende Bereiche haben. Auch die erwartete Zunahme und Intensivierung von Niederschlagsereignissen infolge des Klimawandels werden hierbei berücksichtigt.
Bereits unmittelbar nach dem Hochwasserereignis 2021 wurde gemeinsam mit dem Wasserverband Eifel-Rur, dem Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft der RWTH Aachen sowie betroffenen Kommunen, darunter auch die Stadt Aachen, der Masterplan „Hochwasserresiliente Stadt- und Gebietsentwicklung im Einzugsgebiet von Inde und Vicht“ erarbeitet. Ziel war die Identifikation und Priorisierung geeigneter, aufeinander abgestimmter Maßnahmen zur Stärkung der Hochwasserresilienz auf Ebene der gesamten Flusseinzugsgebiete.
Darauf aufbauend wurde zwischen der Stadt Aachen, der StädteRegion Aachen und dem Wasserverband Eifel-Rur (WVER) ein Regionales Hochwasserrisikomanagement etabliert, das als gemeinsame Abstimmungs- und Koordinierungsplattform zwischen den beteiligten Verwaltungen und dem Wasserverband dient.
Darüber hinaus wird derzeit auf Initiative des Umweltministeriums NRW der Hochwasser-Regionalpakt Eifel-Rur vorbereitet. Ziele sind insbesondere die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren, die aktive Flächensicherung sowie eine stärkere Verknüpfung von Hochwasser- und Starkregenvorsorge.
3. Bauliche Maßnahmen zum Hochwasserschutz auf dem Gebiet der Stadt Aachen
Neben den strategischen und organisatorischen Ansätzen wurden auch konkrete bauliche Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes auf den Weg gebracht. Dabei liegt der Fokus nicht ausschließlich auf neuen Großprojekten, sondern ebenso auf der Anpassung bestehender Schutzstrukturen. Im Einzugsgebiet der Wurm wurde jüngst beispielsweise das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Kahlgracht durch den WVER erhöht; weitere Maßnahmen an den HRB Rödgerbach und Debyestraße folgen. Im Einzugsgebiet der Inde ist durch den WVER die Erhöhung der altstadtseitigen Ufermauer in Kornelimünster in detaillierter Planung, die einen wichtigen Baustein zur Verbesserung des Hochwasserschutzes im Ort für ein HQ 100 darstellt. Für einen als Schwachstelle identifizierten Durchgang von der Innenstadt zur Inde im Bereich der Straßenbrücke Napoleonsberg („Pilgerweg“) wird eine dauerhafte Hochwasserschutzlösung vorbereitet, nachdem die dortige Schutzanlage beim Hochwasserereignis 2021 erheblich beschädigt worden war.
Darüber hinaus befinden sich neue Hochwasserschutzanlagen in der Planungsphase durch den WVER. Von besonderer Bedeutung ist hierbei das HRB Iterbach im Einzugsgebiet der Inde. Die grundlegende geotechnische Untersuchung hat ergeben, dass der bestehende Straßendamm grundsätzlich geeignet ist, für den Bau eines Rückhaltebeckens genutzt zu werden, allerdings noch umfangreiche Umbauten und Verstärkungen erforderlich sind. Aktuell wird eine wasserbauliche Machbarkeitsstudie abgeschlossen, in der verschiedene Umbauvarianten geprüft werden. Im weiteren Verlauf folgen die konkrete Planung sowie das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren, in dem insbesondere Umwelt-, Sicherheits- und Hochwasserschutzaspekte umfassend geprüft werden. Bis zur baulichen Umsetzung und Inbetriebnahme des Beckens wird daher noch ein längerer Zeitraum von mehreren Jahren vergehen.
Im Einzugsgebiet der Wurm wird derzeit das neue HRB Beverbach durch den WVER geplant, um den Hochwasserschutz in Teilen der innerstädtischen Bebauung von Aachen zu verbessern.
Ergänzend zu baulich-technischen Maßnahmen tragen Gewässerrenaturierungen zum Hochwasserschutz bei, indem zusätzliche Retentionsräume geschaffen, Abflussgeschwindigkeiten reduziert und natürliche Wasserrückhaltefunktionen gestärkt werden. Aufgrund der dichten Siedlungsstrukturen und begrenzten Flächenverfügbarkeiten können solche Maßnahmen häufig nur schrittweise umgesetzt werden. Insgesamt konnten in den vergangenen Jahrzehnten bereits rund 12 km Gewässer im Stadtgebiet renaturiert werden. Neben dem Gewässer- und Naturschutz gewinnt hierbei zunehmend auch der Hochwasserschutz an Bedeutung.
4. Vorhersage und Vorgehen im akuten Hochwasserfall
Das Hochwasserereignis 2021 wurde hinsichtlich der Ereignisbewältigung und Gefahrenkommunikation umfassend aufgearbeitet. Dabei wurden insbesondere die Abstimmung zwischen Wasserwirtschaft, Katastrophenschutz und den beteiligten Verwaltungen, die internen Melde- und Kommunikationswege sowie die Warnung der Bevölkerung und die Krisen- und Gefahrenkommunikation weiterentwickelt.
Darüber hinaus hat sich die Stadt Aachen aktiv an mehreren wissenschaftlichen Projekten zur Verbesserung von Hochwasser- und Starkregenprognosen in der Region beteiligt. Hierzu zählen insbesondere die Projekte HÜProS und INFRAH, in denen KI-gestützte Frühwarn- und Prognosesysteme für kleinere Gewässer und Starkregenereignisse entwickelt werden. Ziel dieser Projekte ist es, Prognosen und Lagebilder deutlich zu verbessern, um dem Bevölkerungsschutz, den beteiligten Behörden sowie der Bevölkerung im Hochwasserfall bessere Informationen zur Verfügung zu stellen und mehr Zeit zur Reaktion zu verschaffen.
5. Informationen für BürgerInnen zur Gefahreneinschätzung und Unterstützung bei der Eigenvorsorge
Im Nachgang zum 1. Aktionstag Hochwasser am 06.09.2024 in Kornelimünster führte die Stadt Aachen im 1. Quartal 2025 weitere Hochwasser-Aktionstage in Hahn, Friesenrath und Sief durch. Diese umfassten Vor-Ort-Begehungen sowie niedrigschwellige Erstberatungen für Gebäudeeigentümer*innen durch unabhängige Fachexperten; eine regelmäßige Fortführung solcher Formate wird angestrebt.
Ergänzend wurde 2026 die gemeinsame Informationskampagne „Wissen über Wasser“ von Stadt Aachen, StädteRegion Aachen und dem Wasserverband Eifel-Rur gestartet (www.wissen-über-wasser.de). Sie bündelt Informationen, Karten und praxisnahe Hinweise zur Hochwasser- und Starkregenvorsorge und dient insbesondere der allgemeinen Sensibilisierung und Erstinformation von Bürger*innen, Architekten, Ingenieuren und Bauherren sowie Schüler*innen und Jugendlichen.
Zur strukturellen Stärkung der privaten Starkregen- und Hochwasservorsorge unterstützt die Stadt darüber hinaus den gemeinsamen Aufbau einer unabhängigen Beratungsplattform durch altbau plus (abp) und den neu gegründeten Verein neuwasser e. V. Ziel ist die Schaffung einer dauerhaften Anlaufstelle, die eine neutrale und qualifizierte Beratung zur Eigenvorsorge – auch vor Ort – durch geschulte Fachleute ermöglicht und in Abstimmung mit „wissen-überwasser.de“ alle erforderlichen Informationen bereitstellt.
6. Mobile Hochwasserschutzsysteme und bürgerschaftliche Mitwirkung
Als ergänzender Ansatz zu den bestehenden Strukturen im Hochwasserschutz wird derzeit eine durch die Stadt initiierte und getragene Struktur zum Einsatz mobiler Hochwasserschutzsysteme zur stärkeren Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die Hochwasservorsorge und -bewältigung aufgebaut. Ziel ist es, die Selbstvorsorge zu stärken und zusätzliche Handlungsmöglichkeiten im Hochwasserfall zu schaffen. Dabei sollen mobile Schutzsysteme im Bedarfsfall durch geschulte Bürgerinnen und Bürger vor Ort unterstützt eingesetzt werden und so zu einem kollektiv getragenen Schutz beitragen.
Der Ansatz versteht sich als Ergänzung zu den Maßnahmen des Wasserverbands Eifel-Rur und kann die Resilienz vor Ort sowie die Eigenverantwortung und Handlungssicherheit der Bevölkerung stärken. Erste Rückmeldungen aus der Bürgerschaft zeigen eine hohe Akzeptanz und verdeutlichen den Bedarf an Formaten, die ein aktives Mitwirken ermöglichen. Das Vorhaben befindet sich derzeit im Aufbau und wird vor einer Umsetzung wasserrechtlich sowie organisatorisch geprüft, um eine sichere und wirksame Ausgestaltung zu gewährleisten.
Technische Details
ID: 1023925
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1023925
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2026-05-12 FB 36_0043_WP19 Hochwasserresilienz SAO.pdf
22.5.2026
88.3 KB
Betroffene Straßen
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Metadaten
- TOP
- Ö 9
- Sitzung
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Klimaschutz
- Gremium
- Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz
- Datum
- Di., 09.06.2026
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 36 - Fachbereich Klima und Umwelt
- Geändert
- 24.7.2026
- Inhalt abgerufen
- 31. August 2026 um 01:28