Wohnungslosigkeit bei Kindern und Jugendlichen, Antrag zur Tagesordnung der Fraktion Die Linke vom 29.04.2026
FB 45/0027/WP19 · Kenntnisnahme
Beratung
Herr Walter bedankt sich für die Vorlage, wenngleich die Zahlen ernüchternd seien. Gegebenenfalls müsse gemeinsam überlegt werden, an welchen Stellen unterstützt werden könne.
Frau Hoffmann erkundigt sich danach, ob der Arbeitskreis Kinderarmut noch aktiv sei. Sie habe als Trägervertretung Interesse an einer Teilnahme.
Frau Schmitt-Promny unterstreicht die Wichtigkeit der Bestandsaufnahme, um einen Überblick über die Situation zu erhalten. Nun stelle sich jedoch die Frage, was die nächsten Schritte seien. Sie bittet um Auskunft, ob es Auffangbecken oder Aufnahmestellen für die jungen Menschen gebe.
Frau Wallraff weist darauf hin, dass die obdachlosen jungen Menschen nicht erfasst seien und bittet um Darlegung der Gründe.
Herr Grundmann erläutert, dass der Fachbereich Jugend und Schule zunächst das Zahlenmaterial des Fachbereiches Wohnen, Soziales und Integration (FB 56) analysiert habe, ergänzt um die vorliegenden Daten der Jugendstreetwork. Die Zahlen seien auch für den FB 45 erschreckend. Insbesondere bei unter 18-Jährigen bewege man sich schnell im Bereich der Kindeswohlgefährdung. Die Datenerhebung sei allerdings dadurch erschwert, dass die Jugendlichen nur schwer greifbar seien. Dennoch sei ein Großteil der Jugendlichen versorgt. Es bestehe eine enge Zusammenarbeit mit dem FB 56. Seines Wissens nach tagt der Arbeitskreis derzeit nicht, die Themen würden aber in vielen anderen Austauschformaten mit bedacht.
Herr Tillmanns unterstreicht, dass die Zahlen im Verhältnis sehr hoch seien. Oftmals seien die Familien von Zwangsräumungen betroffen. Die schwerpunktmäßige Verortung sei zwar beim FB 56, dennoch sei eine Sensibilisierung wichtig. Es müsse ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass hier ein Bild gezeichnet werde, wie ein Teil der Jugendlichen in Aachen lebe. Er bedankt sich daher für den Antrag der Fraktion Die Linke.
Erläuterungen
1. Ausgangslage:
Die Fraktion Die Linke stellt mit Schriftsatz vom 29.04.2026 den Antrag auf Berichterstattung, wie hoch die Anzahl an wohnungslosen Kindern und Jugendlichen in Aachen ist (aufgeschlüsselt nach wohnungslosen Familien; Geflüchteten sowie nach Kindern und Jugendlichen, bei denen ein Zusammenleben mit der Familie nicht möglich ist) und welche Maßnahmen hier zur Vermeidung bzw. Bekämpfung von Wohnungslosigkeit unternommen werden (vgl. Anlage 1).
2. Sachstand zu Wohnungslosen gemäß Zahlennachweis des Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration (FB 56)
Da dem Fachbereich Jugend und Schule hierzu keine zahlenmäßigen Angaben vorliegen, wurde der Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration (FB 56) um Auskunft gebeten.
Ermittlung der gemeldeten Kinder und Jugendlichen, die im Familienverband in städtischen Unterkünften untergebracht sind (Wohnungslose und Geflüchtete mit gesichertem Aufenthaltsrecht), zum Stichtag 31.01.2026:
0 bis 6 Jahre:117
7 bis 12 Jahre:179
13 bis 17 Jahre: 172
Summe der wohnungslosen Minderjährigen: 468 (vgl. Anlage 2)
Hinzu kommen die untergebrachten Personen im Alter von 18 bis 27 Jahren, die diesem Personenkreis zuzuordnen sind:
18 bis 24 Jahre: 185
25 bis 27 Jahre:54
Die vorliegenden Werte beziehen sich auf die gemeldeten Einwohner*innen der im Antrag der Fraktion Die Linke genannten Zielgruppe gemäß den Kriterien der Bundeswohnungslosenstatistik zum genannten Stichtag (vgl. Anlage 2).
Zu den Kategorien „verdeckte Wohnungslosigkeit“ bzw. Personen auf der Straße liegen dem FB 56 keine belastbaren Zahlen vor.
3. Sachstand aus der Sicht der Jugendstreetwork des Fachbereichs Jugend und Schule
Die Jugendstreetwork des Fachbereichs Jugend und Schule erhebt seit 2015 – mit pandemiebedingter Unterbrechung – eigene Fallzahlen zu wohnungslosen jungen Menschen, die das Angebot in Anspruch nehmen. Den Betroffenen wird regelmäßig eine vorübergehende Postanschrift zur Verfügung gestellt, um notwendige Behörden- und Versicherungskorrespondenz (u.a. Jobcenter, Krankenkassen, Justizbehörden) zu ermöglichen.
- 2015 bis Pandemiebeginn 2020: jährlich 25 bis 45 wohnungslose junge Menschen bis 27 Jahre; darunter 1 bis 2 Minderjährige pro Jahr (14 bis unter 18 Jahre).
- Seit 2022 bis 2025: jährlich 10 bis 17 Personen, davon im Mittel 4 weiblich sowie 2 bis 3 divers.
Zusätzlich wurden im Jahr 2025 3 minderjährige wohnungslose junge Frauen erfasst. Die Betreuung bzw. der Kontakt erfolgte über die jeweils zuständige Jugendbehörde (bundesweit). Eine Anbindung an die Jugendstreetwork des FB 45/210 wurde angeboten.
- Jahr 2026 (bis dato): 13 volljährige wohnungslose junge Menschen, davon 3 weiblich und 3 divers.
Die Jugendstreetwork arbeitet niedrigschwellig und freiwilligkeitsbasiert. Zentral sind Beziehungsarbeit, Vertrauensaufbau sowie motivierende Unterstützung zur Schadensbegrenzung und Perspektiventwicklung. Im Vordergrund stehen Krisenintervention, Primärversorgung, Existenzsicherung, Krankenversicherung sowie Zugänge zu Notschlafstellen. Bei Minderjährigen priorisiert die Jugendstreetwork die erneute Kontaktaufnahme zum zuständigen Jugendamt bzw. zu Jugendhilfeeinrichtungen und begleitet in passgenaue Hilfen.
4. Sachstand aus der Sicht des allgemeinen Jugendhilfedienstes des Fachbereichs Jugend und Schule
Die Frage über die Höhe der Anzahl an wohnungslosen Kindern und Jugendlichen, bei denen ein Zusammenleben mit der Familie nicht möglich ist, wird statistisch nicht erfasst.
Die Anzahl der Minderjährigen, die gem. § 27 i.V.m. §§ 33, 34, 35a und gem. §§ 42, 42a stationär durch den FB 45 untergebracht sind, belaufen sich auf insgesamt 700 junge Menschen unter 18 Jahren. Diese Kinder und Jugendliche gelten jedoch nicht als wohnungslos (vgl. FB 45/0023/WP19).
Weitere Dokumente (2)
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Technische Details
ID: 1024022
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1024022
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2026-05-20 FB 45_0027_WP19 Wohnungslosigkeit be SAO.pdf
26.5.2026
517.4 KB
Metadaten
- TOP
- Ö 8
- Sitzung
- Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses
- Gremium
- Kinder- und Jugendausschuss
- Datum
- Di., 09.06.2026
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 45 - Fachbereich Jugend und Schule
- Zusätze
- Die Unterlagen wurden nachgereicht.
- Geändert
- 10.6.2026
- Inhalt abgerufen
- 3. September 2026 um 01:27