Beantwortung des Ratsantrags Nr. 012/19: Gründung eines euregionalen Tourismusbüros
FB 02/0048/WP19 · Kenntnisnahme
Beantwortung des Ratsantrags Nr. 012/19: Gründung eines euregionalen Tourismusbüros
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Mit Schreiben vom 21.01.2026 beantragt die Fraktion Volt im Rat der Stadt Aachen, die Verwaltung zu beauftragen, gemeinsam mit den zuständigen Stellen in der Euregio Maas-Rhein die Gründung eines euregionalen Tourismusbüros zu prüfen und auf den Weg zu bringen. Ziel des Antrags ist es, die touristische Vermarktung und Vernetzung der Regionen Aachen, Süd-Limburg, Ostbelgien und der Provinz Lüttich grenzüberschreitend zu stärken und hierfür eine gemeinsame organisatorische Struktur zu schaffen.
Die Verwaltung hat die mit dem Antrag verbundene Zielsetzung fachlich geprüft und hierzu die bestehenden touristischen und euregionalen Strukturen sowie die Einschätzungen zentraler Akteure einbezogen. Berücksichtigt wurden insbesondere Stellungnahmen beziehungsweise fachliche Einschätzungen des aachen tourist service e.V., der Euregio Maas-Rhein, von Visit Zuid-Limburg sowie der StädteRegion Aachen.
Im Ergebnis wird deutlich, dass das Anliegen einer stärkeren grenzüberschreitenden Sichtbarkeit, Vernetzung und Zusammenarbeit im Tourismus fachlich geteilt wird. Die zentrale Frage ist daher nicht, ob Zusammenarbeit sinnvoll ist, sondern über welche Strukturen und Formate sie für Gäste, Leistungsträger, Kommunen und Tourismusorganisationen den größten konkreten Mehrwert entfalten kann.
Die Euregio Maas-Rhein verfügt bereits über eine etablierte grenzüberschreitende Organisationsstruktur. Darüber hinaus bestehen in den einzelnen Teilräumen professionelle Tourismusorganisationen mit klaren Zuständigkeiten für Vermarktung, Produktentwicklung, Gästeinformation, Netzwerkarbeit und projektbezogene Kooperation. In Süd-Limburg übernimmt Visit Zuid-Limburg Aufgaben des Destinations-managements und Destinationsmarketings, in Ostbelgien besteht mit der Tourismusagentur Ostbelgien eine entsprechende Struktur, in der Provinz Lüttich sind ebenfalls etablierte touristische Organisationen tätig. Auf deutscher Seite bestehen mit dem aachen tourist service e.V., der StädteRegion Aachen, den regionalen Tourismusakteuren sowie weiteren lokalen und regionalen Strukturen ebenfalls gewachsene Zuständigkeiten.
Vor diesem Hintergrund besteht im euregionalen Kontext bereits ein belastbares Netz an touristischen Institutionen und Angeboten.Insbesondere projektbezogen funktioniert die grenzüberschreitende touristische Zusammenarbeit bereits besonders gut, wie sich an zahlreichen Projekten belegen lässt.
Beispiele hierfür sind:
- Grenzrouten
Das Projekt wurde als EuRegionale-2008-Projekt gemeinsam von der Stadt Aachen, dem NABU-Stadtverband Aachen sowie den Gemeinden Plombières, Kelmis, Raeren und Vaals umgesetzt und besteht bis heute fort. Es verdeutlicht, dass euregionale Kooperation dann besonders wirksam ist, wenn sie an einem konkreten Produkt, einem klaren Besuchermehrwert und einer nachvollziehbaren Partnerstruktur ansetzt. - EUREGIO Grenztouren- App
Kostenfreie, viersprachige Rad- und Wander-App mit 60 grenzüberschreitenden Touren rund um das Dreiländereck. Sie zeigt, dass digitale touristische Bündelung über Ländergrenzen hinweg bereits praktisch umgesetzt wurde.
- VIAVIA
Im Projekt arbeiten 13 Partner aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland gemeinsam daran, römisches Erbe an neun Standorten zu einer zusammenhängenden Erlebnisroute zu verbinden – darunter Aachen, Maastricht, Heerlen, Jülich, Tongeren-Borgloon und weitere Partnerorte. Dieses Projekt läuft aktuell und endet formal im August 2027 – mit Blick auf eine Verstetigung. - Dreiländereck
Das Dreiländereck ist ein etablierter touristischer Ort und ein besonderer Symbolraum der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Es wird bereits heute von verschiedenen touristischen Akteuren vermarktet, etwa über Aachen Tourismus, Ostbelgien und Maastricht/Visit Maastricht. Aktuell bestehen zudem konkrete Ansätze, die weitere Entwicklung des Dreiländerecks gemeinsam mit den beteiligten Partnerkommunen und Gebietskörperschaften zu prüfen. Hierzu wird derzeit eine Absichtserklärung vorbereitet, mit der Aachen, Vaals, Plombières, Kelmis und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens ihre Bereitschaft erklären, Möglichkeiten einer gemeinsamen Weiterentwicklung des Standortes zu untersuchen. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere touristische Erlebbarkeit, historische und kulturelle Vermittlung, nachhaltige Mobilität, Besucherlenkung, grenzüberschreitende Angebotsentwicklung und regionale Wertschöpfung. Auch dies zeigt, dass euregionale touristische Zusammenarbeit bereits projekt- und anlassbezogen innerhalb bestehender Strukturen weiterentwickelt wird. - Mobilität
Mit dem Interreg-Maas-Rhein-Projekt TRANSIT liegt ein aktuelles Beispiel für funktionierende euregionale Mobilitäts- und Projektarbeit vor. Der Aachener Verkehrsverbund koordiniert als Lead-Partner zwölf Partnerinstitutionen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden mit dem Ziel, den grenzüberschreitenden Nahverkehr im Dreiländereck nutzerfreundlicher, nachhaltiger und besser vernetzt zu gestalten. Im Mittelpunkt stehen bessere Governance-Strukturen, grenzüberschreitendes Mobilitätsmanagement, digitale Anwendungen, mehrsprachige Fahrgastinformation sowie die Prüfung zusätzlicher Bahnverbindungen. Für den Tourismus ist das relevant, weil attraktive grenzüberschreitende Mobilität eine zentrale Voraussetzung dafür ist, touristische Angebote in der Euregio tatsächlich gemeinsam erlebbar und buchbar zu machen.
Zusätzlich easyConnect: Das AVV-Projekt wurde im März 2026 bei den Transport Ticketing Global Awards in London in der Kategorie „Cross-Border Ticketing“ ausgezeichnet. Inhaltlich geht es um ein grenzüberschreitendes Check-in/Check-out-Ticketing, bei dem der deutsche eTarif „eezy“ mit dem niederländischen Tarif verknüpft wird; der Pilot läuft zwischen Köln, Aachen und Maastricht.
Stellungnahmen der touristischen Akteure
Diese Bewertung wird durch die eingeholten Stellungnahmen gestützt. Der aachen tourist service e.V. begrüßt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ausdrücklich, stellt für die fachliche Bewertung jedoch die Perspektive der Gäste in den Mittelpunkt. Entscheidend sei die „tatsächliche Reiseentscheidung der Gäste“. Touristische Nachfrage entstehe demnach nicht vorrangig entlang politischer Kooperationsräume, sondern entlang klar erkennbarer Destinationen, Themen und Reiseanlässe. Besonders deutlich wird dies in der Einschätzung, dass die Euregio Maas-Rhein „keine touristische Destination“ darstellt. Aus Sicht des aachen tourist service e.V. wäre eine neue touristische Dachmarke daher mit erheblichem langfristigem Marketingaufwand verbunden, ohne dass daraus unmittelbar zusätzliche Nachfrage entstünde. Zugleich bestünde das Risiko, dass bestehende und für Gäste klar erkennbare Destinationen in ihrer Profilierung geschwächt würden. Der aachen tourist service e.V. empfiehlt daher, bestehende Strukturen weiter zu stärken und den Schwerpunkt auf konkrete gemeinsame Projekte und Kooperationen zwischen den vorhandenen Organisationen zu legen.
Auch die Euregio Maas-Rhein unterstützt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Tourismus ausdrücklich. Michael Dejozé (Leiter der EMR) verweist zugleich darauf, dass es bereits vielfältige funktionierende Kooperationsformen zwischen touristischen Akteuren gibt. Insbesondere „projektbezogene Ansätze“ hätten sich als tragfähig erwiesen. Zur möglichen Einrichtung eines euregionalen Tourismusbüros bewertet die EMR den tatsächlichen zusätzlichen Nutzen zurückhaltend. Ob dadurch „nachhaltige Mehrwerte“ entstehen könnten, hänge maßgeblich von Ausgestaltung, Abstimmungsbedarfen und institutioneller Einbettung ab. Auch eine gemeinsame Dachmarke wird kritisch eingeordnet: Nach einem Austausch touristischer Akteure aus allen Teilregionen im Jahr 2025 sei eine solche Dachmarke „nicht zielführend“. Die EMR sieht ihre Rolle daher vor allem darin, Austausch zu fördern, Impulse zu setzen und bestehende Zusammenarbeit zwischen den Akteuren zu unterstützen.
Visit Zuid-Limburg teilt nach der vorliegenden Zusammenfassung ebenfalls die Einschätzung, dass der Aufbau einer zusätzlichen dauerhaften Institution derzeit nicht der richtige Weg wäre. Die Stärke der Region liege gerade in den bestehenden, profilierten Destinationen mit eigenen Marken, Netzwerken und Zielgruppen. Maßgeblich solle die Customer Journey der Gäste sein. Zugleich wird eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den bestehenden Organisationen ausdrücklich befürwortet, insbesondere durch gemeinsame Vorhaben in den Bereichen Marketing, Routenentwicklung, Digitalisierung und nachhaltiger Tourismus. Diese Projektlinien ermöglichen eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit konkretem Nutzen für Gäste und Partner, ohne neue Doppelstrukturen zu schaffen. Die StädteRegion Aachen hat mitgeteilt, dass sie sich der fachlichen Einschätzung der Stadt Aachen anschließt.
Zusammenfassend lässt sich aus den Stellungnahmen festhalten, dass eine weitere enge Zusammenarbeit gewünscht und von den relevanten Akteuren befürwortet wird. Zusätzliche Kosten- und Abstimmungsaufwände durch eine weitere, neue Dachorganisation werden jedoch von den Expert*innen kritisch in Frage gestellt. Insbesondere die EMR hat sich in diesem Kontext bereits begonnen, touristische Akteur*innen stärker in den Austausch zu bringen und als Plattform zu fungieren. Dieser Austausch könnte seitens der EMR weiter intensiviert werden, sofern es von den Stakeholdern gewünscht ist.
- Fazit
Die im Ratsantrag formulierte Zielsetzung, die grenzüberschreitende touristische Zusammenarbeit in der Euregio Maas-Rhein zu stärken, wird fachlich geteilt. Die Prüfung zeigt, dass bereits heute in verschiedenen Bereichen funktionierende Kooperationen bestehen.
Auch die Stellungnahmen der touristischen Einrichtungen bestätigen, dass eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit grundsätzlich gewünscht ist. Zugleich wird deutlich, dass zusätzliche Kosten-, Abstimmungs- und Koordinierungsaufwände durch eine neue dauerhafte Organisation kritisch bewertet werden. Aus Sicht der beteiligten Akteure liegt der größere Mehrwert darin, bestehende Tourismusorganisationen, ihre Marken, Netzwerke und Kommunikationskanäle gezielt miteinander zu verbinden.
Die Euregio Maas-Rhein hat zudem signalisiert, den Austausch der touristischen Akteure weiter intensivieren zu können, sofern dies von den Stakeholdern gewünscht ist. Damit kann das Anliegen des Ratsantrags innerhalb vorhandener Strukturen aufgegriffen und projektbezogen weiterentwickelt werden.
Die Verwaltung empfiehlt daher, die Zusammenarbeit über die bestehenden Tourismusagenturen, die Euregio Maas-Rhein und konkrete gemeinsame Projekte weiterzuführen und von der Einrichtung eines neuen euregionalen Tourismusbüros abzusehen.
Für diesen Tagesordnungspunkt liegen noch keine Beratungsergebnisse vor.
Technische Details
ID: 1025582
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1025582
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2026-08-04 FB 02_0048_WP19 Beantwortung des Rat SAO.pdf
11.8.2026
439.8 KB
Betroffene Straßen
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Metadaten
- Status
- öffentlich (Vorlage für Öffentlichkeit freigegeben)
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 02 - Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalstadt und Europa
- Geändert
- 18.8.2026
- Inhalt abgerufen
- 3. September 2026 um 01:16