Rückblick Historischer Jahrmarkt
E 88/0022/WP19 · Kenntnisnahme
Beratung
Frau Wulf bezieht sich in ihren Ausführungen auf die im Vorfeld der Sitzung zur Verfügung gestellten Unterlagen. Nachdem 2024 die Organisation des Historischen Jahrmarkts an den Eigenbetrieb Aachen Event übertragen wurde, ist dieser 2026 erstmals durch den Eigenbetrieb durchgeführt worden. Frau Wulf präsentiert, wie auf den Folien 7-11 der als Anlage beigefügten Präsentation dargestellt, die erstmalig angefallenen Organisationsaufgaben, die Ergebnisrechnung 2026 sowie die Kosten für Sicherheitsmaßnahmen. Sie stellt besonders die schwierigen Verhältnisse vor Ort heraus, insbesondere, die nach dem Hochwasser 2021 noch nicht vollständig wiederhergestellte Stromversorgung. Alle dargestellten Konzepte (Müll-, Sicherheit-, Verkehr- / Parken und Vermarktung) mussten komplett neu erarbeitet werden, da sich die Voraussetzungen seit dem Jahr 2019, in dem der Historische Jahrmarkt zuletzt durchgeführt wurde, erheblich verändert haben. Sie weist außerdem darauf hin, dass 2027, bedingt durch die anstehenden Baumaßnahmen im Verkehrsbereich, das Verkehrs- und Parkkonzept nochmals angepasst werden muss. Das aktuelle Ergebnis weist einen Fehlbetrag von -75.885,23 EUR netto aus. Der Anteil der Kosten für Sicherheitsmaßnahmen an den Gesamtkosten beträgt 57 %, d.h. 91.211,74 EUR. Da aus dem Jahr 2019 keine Zahlen vorliegen, kann hier kein Vergleich gezogen werden.
Sie stellt am Beispiel des Öcher Bend die Kostenentwicklung für Sicherheitsmaßnahmen ab 2009 dar. Besonders auffällig ist die Entwicklung im Bereich Ordnungsdienst mit einer Steigerung um 6586 % (2010 – 2025). Jedes Mal, wenn ein besonders einschneidendes Ereignis in diesem Zeitraum geschehen ist (Love Parade, Breitscheidplatz Berlin, Nizza…) wurden Sicherheitsmaßnahmen verschärft bzw. ab 2011 Sicherheitskonzepte eingefordert. Die Sicherheitskonzepte sind im Einvernehmen mit allen beteiligten Behörden, koordiniert von FB 32, zu erstellen. Die Auswirkungen der Verschärfungen sind jeweils aktuell umzusetzen, meistens durch Einsatz von mehr Personen im Ordnungsdienst. Die Kosten im Bereich Sanitätsdienst sind im betrachteten Zeitraum um 251 % gestiegen, u.a. durch den erhöhten Bedarf an KTW und RTW. Um Kosten zu reduzieren, wurden ab dem Jahr 2024 die Öffnungszeiten reduziert. Sie hält fest, dass auch zukünftig mit weiteren Kostensteigerungen zu rechnen sein wird.
Die Mitglieder des Betriebsausschusses bedanken sich für die Erläuterungen und die gute und gelungene Durchführung der Veranstaltung, verbunden mit der Hoffnung, dass der Historische Jahrmarkt wieder dauerhaft stattfinden kann. Herr Casper und Herr Pilgram fragen nach, ob es möglich ist, Kosten zu sparen und mehr Aussteller*innen zu akquirieren bzw. ob die Stadt Aachen sich im Rahmen der Haushaltssperre die Veranstaltung weiterhin noch leisten kann.
Herr Hissel weist daraufhin, dass dies eine Entscheidung ist, die von der Politik zu treffen ist. Er merkt weiter an, dass Kosten zwar reduziert werden können, aber niemals auf „Null“ zu bringen sind. Gleichwohl ist die Veranstaltung sehr attraktiv. Die weiteren Entscheidungen zum Historischen Jahrmarkt werden durch den Haupt- und Finanzausschuss getroffen.
In der anschließenden Diskussion, an der sich Frau Pitz, Frau Dr. Schmeer, Herr Casper und Herr Pilgram beteiligen, wird der Wunsch geäußert, dass diese Traditionsveranstaltung weiter durchgeführt werden soll. Es wird angeregt, zu prüfen, wo Kosten eingespart werden können und ob weitere Aussteller*innen gewonnen werden können, z.B. im Bereich des Antikmarktes.
Im Übrigen wird gefragt, wieviel Besucher*innen da waren und ob zukünftig mit einer funktionierenden Stromversorgung zu rechnen ist.
Frau Wulf erklärt, dass es bereits Kontakt mit einem Veranstalter für Antikmärkte gibt, der sehr interessiert daran ist, im nächsten Jahr am Historischen Jahrmarkt mitzuwirken. Die Ausweitung der Stände aus diesem Bereich würde die Attraktivität der Veranstaltung weiter erhöhen. In Bezug auf die Stromversorgung stellt sie fest, dass Aachen Event auf die Umsetzung der nötigen Maßnahmen keinen Einfluss hat. Sie betont, dass die mobile Versorgung mit Strom zusätzliche Kosten verursacht.
Der Betriebsausschuss Aachen Event nimmt die Ausführungen der Betriebsleitung zur Kenntnis.
Erläuterungen
1. Ausgangslage und Historie der Veranstaltung
Der Historische Jahrmarkt Kornelimünster wurde bis 2019 von Roncalli durchgeführt. In den Jahren 2020 bis 2025 fand die Veranstaltung nicht statt – zunächst pandemiebedingt, anschließend infolge der Hochwasserkatastrophe im Ortskern. Nachdem Roncalli die Veranstaltung nicht mehr durchführen wollte, hat das Bezirksamt Kornelimünster im Rahmen einer Ausschreibung einen neuen Veranstalter gesucht. 2023 wurde eine Ausschreibung in Form einer Verhandlungsvergabe durchgeführt, um einen Veranstalter für 2023 zu finden. Dieses Verfahren verlief trotz zweier Interessensbekundungen ohne Abgabe eines Angebotes und wurde deshalb beendet. Aufgrund der Rückmeldung von Anbietenden, der Zeitrahmen sei zu kurz gewesen, um die Veranstaltung adäquat zu planen, wurde im September 2023 erneut eine Verhandlungsvergabe für den Historischen Jahrmarkt 2024 durchgeführt. Im Interessenbekundungsverfahren taten sich zwar Interessenten hervor, die jedoch schlussendlich kein Angebot abgegeben haben. Als Begründung seitens der Interessenten wurde angegeben, die Veranstaltung sei in den letztendlichen Kosten nicht kalkulierbar.
Nach zwei erfolglosen Ausschreibungen ist 2024 die Organisation an den Eigenbetrieb Aachen Event übertragen worden und erstmals 2026 von Aachen Event durchgeführt worden.
2. Organisation und Durchführung
Der Historische Jahrmarkt ist geprägt von der Mischung aus historischen Fahrgeschäften, gastronomischen Betrieben, Kunsthandwerk- und Verkaufsgeschäften sowie Antikhändler*innen. Das Besondere an der Veranstaltung ist auch der Veranstaltungsort, der historische Ortskern in Kornelimünster. Dieser bringt neben der besonderen Atmosphäre allerdings auch zahlreiche Herausforderungen mit sich.
Die erstmalige Durchführung hat für Aachen Event einen deutlich erhöhten Organisationsaufwand bedeutet.
Zu den besonders umfangreichen Organisationsaufgaben zählen u.a. folgende:
- Neu-Akquise der Schausteller*innen, Händler*innen und Gastronomen
- Ermittlung der technischen Infrastruktur (Wasser, Strom etc.)
- Erstellung Müllkonzept
- Erstellung Sicherheitskonzept
- Erstellung Verkehrskonzept und Parkkonzept
- Vermarktung, Bewerbung und Sponsorenakquise
Viele Informationen mussten einmalig neu erarbeitet werden, z.B. das Müllkonzept, das Konzept für die Vermarktung. Für Folgeveranstaltungen kann auf diese Informationen zurückgegriffen werden. Das Sicherheitskonzept wird veranstaltungsbezogen immer wieder angepasst. Das Verkehrskonzept muss aufgrund der Baumaßnahmen, die in Kornelimünster für 2027 geplant sind, ebenfalls angepasst werden.
3. Beteiligung von Schausteller*innen, Gastronomiebetrieben und Kunsthandwerk- und Verkaufsgeschäften
Da die Veranstaltung mehrere Jahre nicht stattgefunden hat, fiel die Beteiligung 2026 geringer als in den Jahren vor der Unterbrechung aus. Ein direkter Vergleich mit 2019 ist allerdings aufgrund fehlender Vergleichszahlen nicht möglich.
Kategorie | Anzahl 2026 |
Schausteller*innen | 5 |
Gastronomie | 19 |
Kunsthandwerk- und Verkaufsgeschäfte | 58 |
Antikhändler*innen | 3 |
Gesamt | 85 |
Gründe für die geringere Beteiligung:
Die geringere Beteiligung ist maßgeblich darauf zurückzuführen, dass die Beschicker*innen aufgrund der mehrjährigen Unterbrechung inzwischen feste Alternativtermine und -standorte gefunden haben.
Zudem hat Roncalli den Antikmarkt von einem Antikhändler als Subunternehmer organisieren lassen. Mit diesem haben wir die Zusammenarbeit in der gleichen Form vereinbart. Leider hat er uns im April 2026 mitgeteilt, dass er sein Geschäft krankheitsbedingt aufgibt bzw. abgibt. Der neue Inhaber beabsichtigt grundsätzlich, die Zusammenarbeit fortzuführen, konnte dies so kurzfristig allerdings nicht gewährleisten. Daher fehlten vor allem im Bereich des Antikmarktes zahlreiche Händler.
Bei Fortführung der Veranstaltung in den Folgejahren ist davon auszugehen, dass die Anzahl insgesamt wieder gesteigert werden kann.
4. Besucher*innenresonanz
Die Rückmeldungen der Besucherinnen und Besuchern fielen überwiegend positiv aus. Die Wiederbelebung der Tradition wurde begrüßt. Vor allem Bürger und Bürgerinnen aus Kornelimünster fanden die Wiederaufnahme der Veranstaltung für den Bezirk enorm wichtig.
Es kamen aber auch zahlreiche Besucher und Besucherinnen aus der Städteregion und aus dem benachbarten Ausland (Belgien, Niederlande).
Kritisiert wurde die geringere Anzahl an Beschicker*innen insgesamt sowie der sehr kleine Antikmarkt.
5. Ergebnis
Wir sind bereits zu Beginn der Planung davon ausgegangen, dass die Veranstaltung mit einem Defizit abschließt. Für Großveranstaltungen dieser Art, die nur noch mit entsprechenden umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt werden können, besteht grundsätzlich ein finanzielles Risiko. Sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben sind im Vorfeld nur in Teilen seriös kalkulierbar. Die geringere Anzahl an Beschicker*innen hat daher dazu geführt, dass die erwarteten Einnahmen nicht erreicht werden konnten. Mit den tatsächlichen Einnahmen inklusive der Bezirksmittel können lediglich die Kosten für die Anforderungen aus dem Sicherheitskonzept gedeckt werden.
Im Detail ergibt sich folgendes Ergebnis:
Position | Ist |
Einnahmen (Standgebühren, Sponsoring u. a.) | 73.899,10 Euro |
Bezirksmittel BA 4 | 10.000,00 Euro |
Ausgaben (Organisation, Sicherheit, Infrastruktur) | 150.998,33 Euro |
Ergebnis / Zuschussbedarf | -67.099,26 Euro |
Die Ausgaben setzen sich zusammen aus:
Position | Ist | in % |
Infrastruktur (Strom, Wasser etc.) | 19.543,74 Euro | 12,94 |
Sicherheit (Sicherheitskonzept, Ordnungs- und Sanitätsdienst etc.) | 82.425,74 Euro | 54,59 |
Programm | 6.575,24 Euro | 4,35 |
Mieten | 2.185,00 Euro | 1,45 |
Reinigung und Abfallmanagement | 6.230,17 Euro | 4,13 |
Kommunale Gebühren | 2.408,00 Euro | 1,59 |
Verkehr und Anwohnerparken | 12.110,40 Euro | 8,02 |
Werbung etc. | 13.344,11 Euro | 8,84 |
Sonstiges | 1.415,96 Euro | 0,94 |
Einmalige Kosten (Anpassung Software) | 4.760,00 Euro | 3,15 |
Aufgrund sicherheitsrelevanter Vorfälle bei gleichartigen Veranstaltungen (z.B. Weihnachtsmarkt in Magdeburg) sind deutlich umfangreichere Sicherheitsmaßnahmen (Aufbau von HTS-Sperren) seitens der Behörden gefordert worden. Mit 54,59% machen sie mehr als die Hälfte der Ausgaben aus.
6. Bewertung und Herausforderungen
Positiv hervorzuheben ist insbesondere die erfolgreiche Wiederbelebung der Tradition sowie die positive öffentliche Resonanz auf die Veranstaltung. Es ist gelungen, an die Tradition anzuknüpfen und die Veranstaltung wieder aufleben zu lassen.
Herausforderungen:
Als Herausforderung ist zunächst die gegenüber den Jahren vor 2019 geringere Beschicker*innenzahl zu nennen und die beabsichtigte deutliche Steigerung dieser Zahlen. Vor dem Hintergrund der Kosten ist dies das vorrangige Ziel, da die Höhe vieler Kostenblöcke unabhängig von der Zahl der Beschicker*innen ist. Höhere Einnahmen tragen insofern zu einem besseren Kostendeckungsfaktor bei.
Technische Details
ID: 1025750
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1025750
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2026-08-10 E 88_0022_WP19 Rueckblick Historisch SAO.pdf
17.8.2026
94.0 KB
Metadaten
- TOP
- Ö 4
- Sitzung
- Sitzung des Betriebsausschusses für Aachen Event
- Gremium
- Betriebsausschuss Aachen Event (ehem. Eurogress)
- Datum
- Di., 08.09.2026
- Uhrzeit
- 17:01
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- E 88 - Aachen Event (ehem. Eurogress)
- Geändert
- 9.9.2026
- Inhalt abgerufen
- 26. Oktober 2026 um 02:23