Konsumfreier Spiel- und Familienraum in der Aachener Innenstadt – Projekt-Evaluation
FB 45/0046/WP19 · Kenntnisnahme
Erläuterungen
Ausgangslage und Zielsetzung
Mit Beschluss des Kinder- und Jugendausschusses vom 9. Juni 2026 wurde die Verwaltung mit der Einrichtung eines temporären, konsumfreien Spiel- und Familienraums in der Innenstadt beauftragt (Vorlage FB 45/0026/WP19).
Dieser sollte Kindern und Familien – wie schon 2024 – erneut ein zentral in der Innenstadt gelegenes Angebot bieten, das witterungsunabhängig genutzt werden konnte und für Familien vor allem bei schlechtem oder heißem Wetter eine attraktive und konsumfreie Aufenthaltsmöglichkeit darstellte. Kindern sollte ein Ort geboten werden, an dem sie spielerisch lernen, sich kreativ ausdrücken und sich bewegen konnten, sodass über die Interaktion mit anderen Kindern ihre sozialen Kompetenzen gefördert wurden. Für Familien sollte die Möglichkeit der Begegnung und des Austauschs geschaffen werden sowie ein Raum, in dem sie aktiv sein und / oder sich entspannen und als Familie gemeinsam Zeit verbringen konnten. Damit sollte das Angebot letztlich auch zur Steigerung der Aufenthaltsqualität und Familienfreundlichkeit in der Innenstadt beitragen.
Bei der Einrichtung dieses Angebots handelt es sich um eine freiwillige Aufgabe.
Gleichzeitig kommt der Träger der Jugendhilfe damit seinen Aufgaben gemäß § 80 Abs. 1 und 2 SGB VIII nach.
Durchführung
Das Projekt fand in diesem Jahr in der Annahalle statt, die in der Annastraße 14-16 in zweiter Reihe ruhig und doch zentral liegt. Der Familienspielraum öffnete dort vom 3. bis 28. August montags bis freitags von 10:30 bis 17:30 Uhr seine Türen.
Ausgestattet wurde der Raum mit Unterstützung einiger städtischer KiTas, die während ihrer Schließzeiten großzügig Kindermöbel und Spielgeräte, Turnmatten, Bücher und Spielzeuge ausliehen. Außerdem konnte eine Tischtennisplatte aus einer städtischen OGS entliehen werden.
Betreut wurde das Angebot in diesem Jahr durch städtische Studierende des praxisintegrierten dualen Studiums der Sozialen Arbeit. Sie standen bei allen organisatorischen Fragen zur Verfügung – vor allem aber organisierten sie in eigener Regie abwechslungsreiche und attraktive Spiel- und Bastelangebote. So konnten die Kinder beispielsweise gemeinsam mit ihren Eltern oder den Studierenden Perlenarmbänder herstellen, kleine Schatzkisten und Blumentöpfe bemalen, Samenbomben basteln, Lesezeichen oder Instrumente wie Panflöten, Tamburine oder Rasseln anfertigen und mit nach Hause nehmen – um nur einiges zu nennen. Besonders gefragt war natürlich Kinderschminken, das dann spontan auch jeden Tag angeboten wurde. Ganz nebenbei konnten die Studierenden während dieser Zeit die während des Studiums vermittelten Methodenkompetenzen und theoretischen Inhalte in der Praxis anwenden.
Spontan wurde das Angebot außerdem durch die engagierte Nachbarschaft in der Annastraße und das Magazin KingKalli unterstützt – sei es durch Leihgaben wie einen Spielteppich mit dazugehörigen Spielautos oder ein Sofa, kostenlose Unterstützung im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Spenden weiteren Bastelmaterials wie Stoff oder Holzlöffel oder durch ergänzende kreative Aktionen wie das Basteln von Woll-Pompons.
Hier gilt allen Akteur*innen, die den Spielraum mit ihren Ideen und kostenlosen Angeboten bereichert haben, ein großes Dankeschön.
Resonanz
Die Studierenden notierten täglich die Zahl der Kinder, die den Spielraum gemeinsam mit ihren Eltern, Großeltern oder anderen erwachsenen Begleitpersonen aufsuchten sowie das ungefähre Alter der Kinder.
Insgesamt besuchten demnach 743 Kinder den Spielraum, was über die 20 Öffnungstage gesehen eine durchschnittliche Zahl von rund 37 Kindern ergibt. Tatsächlich schwankte die Zahl zwischen 21 und 56 Kindern pro Tag. Der Anteil kleinerer Kinder unter sechs Jahren lag dabei bei rund 90 %, die übrigen Kinder waren überwiegend im Grundschulalter.
Darüber hinaus befragten die Studierenden die erwachsenen Besucher*innen, wie sie von dem Angebot erfahren hatten, weshalb sie den Spielraum aufsuchten und baten um Feedback zu den Angeboten und Aktionen sowie zu den Räumlichkeiten.
Wie sich herausstellte, erfuhren die Eltern von dem Angebot überwiegend durch den städtischen Instagram-Post, durch private WhatsApp-Gruppen oder durch Gespräche mit anderen Eltern. Einige verwiesen auch auf die zuvor in städtischen KiTas und Grundschulen ausgehängten Plakate.
Anreiz für den Besuch des Spielraums war vielfach, dass es sich um eine gute Alternative bei schlechtem oder auch bei besonders heißem Wetter handelte. Auch, dass der Archimedische Sandkasten im August bereits geschlossen war, wurde mehrfach als Grund angeführt. Krabbelgruppen nutzten den Raum für ihre Treffen und um den Kindern gleichzeitig eine andere Umgebung zu bieten. Insgesamt spielte aber vor allem die Suche nach Beschäftigungsmöglichkeiten für die Kinder, sei es während des Urlaubs oder des Besuchs bei den Großeltern oder auch im Anschluss an den regulären KiTa-Besuch, eine große Rolle.
Das Angebot als solches wurde durchweg positiv bewertet. Dabei wurde die Tatsache, dass die Nutzung des Spielraums kostenlos und barrierefrei möglich war ebenso hervorgehoben wie die Vielfältigkeit der Spiel- und Bastelangebote. Auch die Öffnungszeiten wurden positiv bewertet.
Bezüglich der Verortung des Angebots in der Annahalle wurde immer wieder sowohl deren zentrale Lage als auch die ganz besondere Atmosphäre dort („Gewächshauscharakter“) gewürdigt. Die Tatsache, dass die Halle dabei gleichzeitig noch übersichtlich ist und die Kinder damit für die Eltern auch während Gesprächen mit anderen Eltern auf dem Sofa oder in der Sitzecke immer im Blick waren, wurde ebenfalls hervorgehoben. Die vorhandene Toilette inkl. Waschbecken, die Wickelecke sowie die durch den Pächter der Halle kostenfrei zur Verfügung gestellten Getränke (Wasser und Apfelsaft) fanden ebenfalls große Zustimmung.
Als Herausforderung wurden lediglich zwei Punkte benannt. Zum einen wurde die Akustik der Halle bei hoher Inanspruchnahme vereinzelt als schwierig wahrgenommen, zum anderen wurde die Temperatur in der Halle an wenigen Tagen Anfang August, als die Außentemperatur bei ca. 35 °C lag, trotz der beiden großen Ventilatoren, die vom Pächter durchgängig zur Verfügung gestellt wurden, teils als hoch empfunden.
Insgesamt war festzustellen, dass viele Familien den Raum wiederholt besuchten. Mehrfach wurde der Wunsch geäußert, dass der Familienspielraum in dieser Form auch an den Wochenenden, im Winter oder sogar dauerhaft angeboten werden solle.
Inhaltliche Bewertung des Angebots
Die erneute Durchführung des Projekts „Konsumfreier Spiel- Familienraum in der Aachener Innenstadt“ hat nochmals bestätigt, was schon 2024 festzustellen war: dass es sich dabei um eine zielführende und wirksame Maßnahme im Sinne einer familienfreundlichen Gestaltung der Aachener Innenstadt handelt.
Das Projekt konnte die damit verbundenen Zielsetzungen uneingeschränkt erfüllen. Zusätzlich zu den zuvor beschriebenen Rückmeldungen bezüglich des Angebots und der Räumlichkeiten belegt die positive Resonanz, dass der Familienspielraum auch in diesem Jahr wieder dem Ziel gerecht werden konnte, sowohl die Aufenthaltsqualität, als auch die Familienfreundlichkeit in der Innenstadt zu steigern und damit die Attraktivität der Innenstadt zu stärken.
Die Tatsache, dass die Inanspruchnahme des Spielraums weit überwiegend durch Familien mit Kindern unter sechs Jahren erfolgte, resultiert möglicherweise einerseits daraus, dass durch die Ausstattung des Raums fast ausschließlich mit Leihgaben aus den städtischen KiTas vor allem diese Zielgruppe bedient wurde.
Andererseits könnte dies aber auch dafürsprechen, dass während der Sommerferien und der damit einhergehenden Schließzeiten der KiTas gerade für diese Zielgruppe ein entsprechender Bedarf gegeben sein könnte – insbesondere, da für Kinder ab sechs Jahren auch die Möglichkeit der Teilnahme an den vielfältigen Ferienspielangebote besteht. Insofern konnte der Familienspielraum das seit vielen Jahren bestehende Angebot der Ferienspiele in diesem Jahr für die jüngere Zielgruppe ergänzen.
Grundsätzlich ist aus den v.g. Gründen eine Wiederholung im Jahr 2027 wünschenswert und anzustreben.
Gleichzeitig sind dabei die besonderen Rahmenbedingungen in diesem Jahr zu beachten, die bei Überlegungen und Entscheidungen im Zusammenhang mit einer erneuten Durchführung in 2027 zu berücksichtigen sind.
Herausforderungen
Unsicherheiten bezüglich der Räumlichkeiten:
Der Pächter der Annahalle hat aufgrund des auch aus seiner Sicht positiv verlaufenen Projekts grundsätzlich Bereitschaft signalisiert, die Halle für eine erneute Durchführung im August 2027 zu reservieren. Allerdings ist nach einem Eigentümerwechsel des Gebäudes derzeit unklar, ob und unter welchen Voraussetzungen die Halle tatsächlich zur Verfügung stehen wird. Eine endgültige Klärung könnte sich bis ins Frühjahr 2027 hinziehen.
Insofern würde sich unter Umständen erneut die Frage nach alternativen und zugleich geeigneten Räumlichkeiten in zentraler Lage stellen. Die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten verlief im Jahr 2025 erfolglos, da frei verfügbare Flächen im Innenstadtbereich kaum vorhanden sind. Dies war der Hauptgrund dafür, dass die Umsetzung in 2025 nicht möglich war.
Ob bei Bedarf anderweitige Flächen gefunden werden könnten und falls ja, ob diese kostenfrei oder mit möglichen Mietzahlungen verbunden sein würden, wäre dann zu prüfen.
Personeller Aufwand:
Sowohl die finanziellen Rahmenbedingungen als auch der Durchführungszeitraum (vier Wochen in den Sommerferien) führten dazu, dass die Vergabe von Organisation und Durchführung des Projekts an einen externen Träger keine Option war.
Um das Projekt dennoch umzusetzen, wurden die Planungs- und Organisationsaufgaben vorranging durch die Jugendhilfeplanung im Team Planung des Fachbereichs Jugend und Schule wahrgenommen.
Die gesamte vorbereitende und begleitende Organisation des Projekts inklusive der Beschaffung von Spiel- und Bastelmaterialien, die Klärungen bezüglich möglicher Leihgaben aus KiTas und OGS, Organisation und Durchführung des entsprechenden Hin- und Rücktransports von Möbeln und Spielmaterial sowie der komplette Auf- und Abbau vor Ort erfolgte durch Mitarbeitende des Verwaltungsbereichs im Fachbereich Jugend und Schule. Dies war nur unter der Voraussetzung möglich, dass sowohl sach- und fachfremde Aufgaben übernommen wurden sowie anderweitige Aufgaben aus dem eigenen Sachgebiet teils zurückgestellt oder „on top“ erledigt werden mussten.
Bei einer möglichen Wiederholung des Projekts im nächsten Jahr wäre zu prüfen, ob und inwieweit verwaltungsintern anderweitige Optionen zur Verteilung der umfangreichen organisatorischen Aufgaben gefunden werden oder ob ein Teil der Aufgaben auch extern vergeben werden kann.
Eine Umsetzung in der diesjährigen Form stellt eine Ausnahme dar und kann nicht als Konzept für Folgejahre vorausgesetzt werden.
Zur Durchführung von Spiel- und Bastelangeboten sowie zur Gewährleistung einer permanenten Anwesenheit vor Ort während der Öffnungszeiten wurde in Abstimmung mit der zuständigen Fachabteilung der Einsatz der Studierenden des praxisintegrierten dualen Studiums der Sozialen Arbeit (BASA-Studierende) als Lösung erarbeitet. Die ging auch mit einem Mehraufwand für die Fachabteilung einher. Während der Einsätze vor Ort standen die Studierenden zudem ihren eigentlichen Einsatzstellen nicht zur Verfügung.
Sofern auch für das kommende Jahr ein vergleichbares Projekt geprüft werden soll, ist die Möglichkeit des Einsatzes von BASA-Studierenden mit der zuständigen Fachabteilung erneut abzustimmen.
Andernfalls müsste geprüft werden, ob eine Durchführung mit Hilfe von Honorarkräften erfolgen kann. Dies hätte die Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Mittel zur Folge.
Fehlende finanzielle Mittel:
In 2026 standen für die Durchführung des Angebots – nach Übertragung der Mittel aus dem Vorjahr – insgesamt 4.000 € zur Verfügung.
Aufgrund der Haushaltssperre sowie des geringen Budgets wurden seitens der Verwaltung alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die Maßnahme mit möglichst geringem Finanzaufwand umzusetzen.
Hierzu wird auf die vorgenannten Ausführungen bzgl. der Räumlichkeiten, der Ausstattung des Raums, der Organisation/Planung sowie des Einsatzes der BASA-Studierenden verwiesen.
Die zur Verfügung stehenden Mittel wurden vorrangig für die Anschaffung von Spiel- und Bastelmaterial eingesetzt. Im Ergebnis konnte das Angebot des Spiel- und Familienraums in 2026 mit einem Budget von rund 1.000 € umgesetzt werden.
Aufgrund der Tatsache, dass eine Umsetzung in der in diesem Jahr erfolgten Art und Weise nicht auf das Folgejahr übertragen werden kann und ggfs. sowohl für Miete, als auch für externe Vergaben (z.B. für Transporte, Auf- und Abbau) Mittel zur Verfügung stehen müssten, wäre ein Budget von mind. 4.000 € erforderlich, um hier Handlungsoptionen zu haben.
Sofern externe Honorarkräfte eingesetzt werden müssten, sind hier weitere Mittel im Umfang von 8.000 € zu berücksichtigen.
Für das Haushaltsjahr 2027ff sind aktuell keine Mittel im Haushalt zur Realisierung eines vergleichbaren Angebots eingeplant.
Fazit
Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass das Angebot in diesem Jahr von den Familien sehr gut angenommen und als ergänzendes Angebot in den Sommerferien geschätzt wurde. Eine erneute Durchführung im kommenden Jahr ist aus Sicht der Jugendhilfe daher wünschenswert.
Gleichzeitig ist die wiederholte Einrichtung eines konsumfreien Familienspielraums aus den zuvor genannten Aspekten davon abhängig, ob und inwiefern es gelingen kann, neben geeigneten Räumlichkeiten auch Lösungen sowohl hinsichtlich der finanziellen Mittel als auch im Hinblick auf Organisation, Durchführung und Begleitung zu finden.
Für diesen Tagesordnungspunkt liegen noch keine Beratungsergebnisse vor.
Technische Details
ID: 1027115
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=1027115
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2026-10-02 FB 45_0046_WP19 Konsumfreier Spiel- SAO.pdf
2.10.2026
299.2 KB
Betroffene Straßen
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Metadaten
- Status
- öffentlich (Vorlage für Öffentlichkeit freigegeben)
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 45 - Fachbereich Jugend und Schule
- Geändert
- 28.10.2026
- Inhalt abgerufen
- 2. November 2026 um 02:27