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Bericht Sprachferienmaßnahmen 2026

FB 45/0048/WP19 · Kenntnisnahme

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Erläuterungen

1. Ausgangslage

Seit 2018 werden über den Fachbereich Jugend und Schule, zunächst über die Stelle der Bildungskoordination für Neuzugewanderte und später über die Stelle Koordination für durchgängige Sprachbildung, Sprachferienmaßnahmen für neuzugewanderte Kinder und Kinder mit Unterstützungsbedarfen im Bereich der Sprachbildung organisiert. Hierzu erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den entsprechenden Fachabteilungen innerhalb des Fachbereichs Jugend und Schule, dem Fachbereich KiTa und Tagespflege, sowie dem Kommunalen Integrationszentrum (KI) der Stadt Aachen.

Sofern möglich erfolgt eine Teilfinanzierung der Maßnahmen über entsprechende Förderprogramme; ein Teil der Angebote wird vollständig aus kommunalen Mitteln finanziert.

Ziel dieser Maßnahmen ist es, über diese zusätzlichen, kostenlosen Angebote Kinder mit Sprachförderbedarfen eine weitere Unterstützungsmöglichkeit zu bieten, um eine bestmögliche Bildungslaufbahn und Teilhabechancen zu fördern.

In den letzten Jahren konnte das Angebot an Ferienmaßnahmen mit dem Schwerpunkt der Sprachförderung immer weiter ausgebaut worden. Die Maßnahmen sind etabliert und die Nachfrage ist konstant hoch.

Bei diesen Maßnahmen handelt es sich um eine freiwillige Aufgabe.

Gleichzeitig kommt der Träger der Jugendhilfe damit seinen Aufgaben gemäß § 80 Abs. 1 und 2 SGB VIII nach.

Erfreulicherweise konnten die Angebote auch in diesem Jahr, trotz der herausfordernden haushalterischen Lage und der verhängten Haushaltssperre, im geplanten Umfang durchgeführt werden.

Im Folgenden wird eine Übersicht der durchgeführten Maßnahmen gegeben.

2. Sprachferienmaßnahmen 2026

In 2026 wurden insgesamt vier verschiedene Kursformate durch den FB 45 und teilweise in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Aachen organisiert, um über verschiedene Ansätze die Sprachbildung von Kindern und Jugendlichen in Aachen zu fördern:

  • Das „FerienIntensivTraining“ richtet sich an Schüler*innen der Klassenstufen 1 bis 10, die erst seit wenigen Jahren oder Monaten in Deutschland leben und hat den Charakter eines Willkommensangebots.
  • Das Ferienprojekt der Schulsozialarbeit zielt auf die Beziehungsarbeit mit zugewanderten Familien ab und zeichnet sich durch mehrjährige Beständigkeit aus.
  • Der Vorschulkurs „Hurra, ich geh‘ in die Schule“ ist für Kinder konzipiert, die kurz vor der Einschulung stehen, kein Deutsch sprechen und keine Kita besuchen.
  • Die OGS-Sprachferien haben einen inklusiven Charakter in dem Sinne, dass Kinder nicht nach Sprachkompetenzen separiert werden, sondern alle Kinder auf ihrem jeweiligen Stand ihre Fähigkeiten erweitern.

2.1 FerienIntensivTraining – FIT in Deutsch

Diese Angebote werden über das Landesförderprogramm„FerienIntensivTraining – FIT in Deutsch“ gefördert.

Damit sind 80% der Kosten über die Fördermittel abgedeckt. Der Eigenanteil für die Kommune beträgt 20%.

Das Landesförderprogramm ist aktuell bis Ende 2027 befristet. Ob eine erneute Verlängerung erfolgt kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden.

In den sogenannten FIT-Kursen können pro Kurs 18 bis 25 neuzugewanderte Schüler*innen teilnehmen. Ein Kurs wird jeweils von zwei Sprachlernbegleitungen durchgeführt.

Die Kurse werden so organisiert, dass die Gruppen der Teilnehmenden möglichst altershomogen sind.

Inhaltlich sind die Angebote so gestaltet, dass ein schrittweises Sprachenlernen über eine Verknüpfung von theoretischen Lerninhalten mit praktischen Alltagssituationen vermittelt wird. Hierfür werden innerhalb der Kurse Gelegenheiten geschaffen, in denen die Schüler*innen in authentischen Sprech- bzw. Kommunikationssituationen das zuvor Erlernte ausprobieren und anwenden können.

In den Kursen bekommen zugewanderte Kinder und Jugendliche über mehrere Tage 7 Stunden pro Tag ein auf ihre Bedarfe zugeschnittenes Programm: Hier wird die deutsche Sprache auf vielfältige Weise erfahrbar gemacht; und jede*r Teilnehmer*in wird auf dem eigenen Level abgeholt und im eigenen Tempo mitgenommen.

Die Kinder und Jugendlichen entwickeln über die Tage eine positive Gruppendynamik.

Was sie verbindet ist: sie wollen die deutsche Sprache lernen, im neuen Land zurechtkommen; und Freund*innen finden. Neben diesen Gemeinsamkeiten verfügt jede Person über unterschiedliche Vorkenntnisse. Die Sprachlernbegleiter*innen bringen daher differenzierte Unterrichtsmaterialien mit, bilden Untergruppen und regen die Teilnehmer*innen an, sich gegenseitig zu unterstützen, bspw. durch Tandembildung.

Das Konzept der FIT-Kurse sieht, wie zuvor beschrieben, die Verknüpfung von Theorie und Praxis bei der Sprachvermittlung vor. Als konkrete Beispiele können hier genannt werden:

Ein Zoobesuch, im Anschluss an das Kennenlernen verschiedener Tiere. Häufig werden außerdem Verkaufsgespräche zunächst auf einem Spiel-Markt im Klassenraum geübt, und dann auf einem Wochenmarkt mit fremden Verkäufer*innen umgesetzt, was das Selbstbewusstsein der Teilnehmer*innen steigert. Falls dann die eingekauften Lebensmittel noch gemeinsam zubereitet und verzehrt werden, verknüpft das Gehirn das Vokabular zusätzlich mit Sinneswahrnehmungen und speichert es gezielt ab.

In diesem Jahr werden in den Oster-, Sommer- und Herbstferien jeweils 5 Gruppen an mehreren Standorten angeboten.

Als Standorte wurden die Hauptschule Aretzstraße, die Luise-Hensel-Realschule, die Montessori Grundschule Mataréstraße und die Hugo-Junkers-Realschule genutzt.

Teilgenommen haben in den Osterferien insgesamt 92 Schüler*innen und in den Sommerferien 99. Für die Herbstferien sind zum Zeitpunkt der Vorlagenerstellung über 100 Anmeldungen eingegangen, so dass davon auszugehen ist, dass alleine über diese Angebote in diesem Jahr ca. 300 Kindern die kostenlose Teilnahme an einer Sprachferienmaßnahme ermöglicht wird.

2.2 Ferienprojekt der Schulsozialarbeit für Integration

Dieses Ferienprojekt wird von der Schulsozialarbeit für Integration des Fachbereichs Jugend und Schule organisiert und richtet sich an zugewanderte Kinder im Grundschulalter. Das Projekt findet in den Oster-, Sommer- und Herbstferien jeweils in der zweiten Ferienhälfte, jeweils von montags bis freitags (6 Stunden/Tag), statt. An den Kursen nehmen konstant 25 - 30 Kinder teil.

Die Maßnahmen richten sich gezielt an Familien, die der Schulsozialarbeit größtenteils bekannt sind, da sie mit verschiedenen Problemlagen kämpfen, während die Kinder in der Schule große Defizite aufweisen.

Im Vordergrund steht hier die regelmäßige Teilnahme der Kinder, z.Tl. über Jahre, und die kontinuierliche Unterstützung bei schulischen Inhalten.

Seit 2024 wird das Projekt vollständig kommunal finanziert, wodurch es individuell gestaltet und damit noch besser an die Bedarfe der Zielgruppe angepasst werden konnte. Neben ehrenamtlichen Helfer*innen kommen je Ferien 4 Sprachförderkräfte zum Einsatz, was für die Wirksamkeit des Konzepts wesentlich ist.

Aufgrund der Haushaltssperre wurden für 2026 lediglich 90% der eingeplanten Mittel zur Verfügung gestellt. Mit kleineren Anpassungen konnten die Maßnahmen aber ohne Einschränkungen für die Teilnehmenden bzw. in Bezug auf die Teilnehmendenzahl durchgeführt werden.

Die Ferienmaßnahme schafft einen strukturierten und zugleich niedrigschwelligen Rahmen, in dem schulische Inhalte praxisnah erarbeitet und Wissenslücken gezielt geschlossen werden. Durch alltagsorientierte Lernsettings werden grundlegende Kompetenzen wie das Lesen und Verstehen von Anleitungen, der Umgang mit Maßeinheiten sowie die Entwicklung von Lernstrategien gefördert. Gleichzeitig erleben die Kinder Selbstwirksamkeit, indem sie konkrete Ergebnisse ihres Handelns unmittelbar erkennen können. Diese Erfahrungen sind zentral, um ein angemessenes Verständnis von Bildung in schulischen, sozialen und kulturellen Kontexten überhaupt erst aufzubauen. Die Kinder erlernen also Schlüsselkompetenzen, die ihnen helfen, sich den (Schul-)Alltag selbstständig zu erschließen.

Darüber hinaus leistet die Maßnahme einen wesentlichen Beitrag zur Integration. Durch gemeinsame Aktivitäten, wie den Besuch von Bibliotheken, Museen oder naturnahen Lernorten, werden neue Erfahrungsräume eröffnet, die den Kindern ansonsten häufig verschlossen bleiben. Soziale Kompetenzen werden gezielt gefördert und die Übertragbarkeit der erlernten Inhalte in den Alltag unterstützt. Integration ist hierbei als langfristiger Prozess zu verstehen, der Kontinuität und Verlässlichkeit erfordert.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Einbindung der Eltern und Erziehungsberechtigten. Diese erhalten konkrete Impulse und praktische Unterstützung, um ihre Kinder im schulischen Kontext besser begleiten zu können. Gleichzeitig werden grundlegende Aspekte einer förderlichen Erziehung vermittelt und erlebbar gemacht. Die Möglichkeit zur aktiven Mitwirkung, etwa bei der Zubereitung von Mahlzeiten oder der Begleitung von Ausflügen, stärkt die Handlungskompetenz der Eltern und fördert den Aufbau von Vertrauen zur Sozialarbeit. Dies erleichtert auch den Zugang zu weiterführenden Hilfsangeboten, beispielsweise im Kontakt mit Behörden.

Die Maßnahme ist das einzige Angebot, das diese vielfältigen Aspekte in dieser Form miteinander verbindet. Sie ist über Jahre hinweg gewachsen, fachlich fundiert und wird von den Teilnehmenden sehr gut angenommen. Zu-dem wird großer Wert auf Wirtschaftlichkeit gelegt: Die Kosten werden z.B. durch eigenständiges Kochen reduziert. Die Angebote sind bewusst so gestaltet, dass sie auch unter armutsrelevanten Bedingungen im Alltag der Familien umsetzbar sind.

2.3 Vorschulkurs „Hurra, ich geh‘ in die Schule!“ (Kommunales Integrationszentrum)

Der Kurs „Hurra, ich gehe in die Schule!“, kurz „Hurra“ wird seit mehreren Jahren in den Sommerferien in der Nadelfabrik angeboten.

Hintergrund war, dass der Bedarf gesehen wurde die Zielgruppe von Kindern, die kurz vor dem Schulbeginn stehen, allerdings erst über geringe Sprachkenntnisse sowie geringe bis keine KiTa-Erfahrung verfügen, mit einem geeigneten Angebot zu unterstützen.

Ziel der Maßnahme ist es, dass die Kinder über das Angebot mit weiteren Kindern in Kontakt kommen, denen es ähnlich geht, ihnen die Angst vor der neuen Situation ein wenig genommen wird und über die Inhalte des Kurses bestmöglich auf den Beginn ihrer Schullaufbahn vorbereitet werden.

In den letzten Jahren erfolgte die Finanzierung vollständig aus kommunalen Mitteln des Fachbereichs Jugend und Schule. Dies war grds. auch für 2026 vorgesehen.

Aufgrund der Haushaltssperre wurden alternative Finanzierungsmöglichkeiten gesucht.

Erfreulicherweise war es in diesem Jahr einmalig möglich, die Maßnahme über Landesmittel zu finanzieren, die das KI erhalten hatte.

In diesem Jahr fand das Angebot vom 17. bis zum 28. August, also kurz vor Beginn der Einschulung, statt. Die Durchführung der beiden Kurse erfolgte montags bis freitags, täglich für 4 Stunden. Jede Gruppe wurde von zwei Honorarkräften geleitet.

Teilgenommen haben 26 Kinder, die kurz darauf eingeschult wurden.

Das Interesse an diesem Angebot war groß: 39 Anmeldungen waren im Vorfeld für die beiden Kurse eingegangen.

Bei der Platzvergabe wurden vorrangig Kinder mit einem hohen individuellen Unterstützungsbedarf berücksichtigt, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland lebten, nur über geringe Deutschkenntnisse verfügten und wenig oder keine Kita-Erfahrung in Deutschland hatten.

Der Kurs verlief insgesamt sehr positiv. Die Kinder nahmen das Angebot gerne an und besuchten den Kurs regelmäßig.

Im Mittelpunkt standen die Vorbereitung auf den Schuleinstieg sowie die Vermittlung von schulbezogenem Wortschatz und wichtigen Inhalten für den Schulalltag. Themen wie Schulmaterialien und Verkehrsregeln wurden aufgegriffen und durch praktische Übungen vertieft. Besonders positiv war die Entwicklung der Kinder im Verlauf des Kurses: Es wurden Fortschritte im sprachlichen Bereich, ein zunehmendes Selbstvertrauen sowie positive Entwicklungen im sozialen Miteinander beobachtet. Die Kinder beteiligten sich zunehmend aktiv und selbstständig und äußerten vielfach, dass sie gerne am Kurs teilnahmen und sich auf die weiteren Kurstage freuten.

Im Anschluss an die Maßnahme wurden die Eltern mittels Feedbackbögen befragt. Die Rückmeldungen fielen insgesamt sehr positiv aus. Insbesondere die Zufriedenheit mit dem Kurs sowie die Freude der Kinder an der Teilnahme wurden sehr hoch bewertet. Auch wahrgenommene Fortschritte der Kinder und die Unterstützung bei der Vorbereitung auf den Schuleinstieg wurden überwiegend positiv eingeschätzt.

2.4 OGS-Sprachferien (Kommunales Integrationszentrum)

Für die Durchführung dieser Maßnahme wurden keine zusätzlichen Haushaltsmittel in Anspruch genommen.

Das Kommunale Integrationszentrum (Team Schulische Bildung) bietet Offenen Ganztagsschulen (OGS) an, sie bei der Entwicklung eines Konzepts für Sprachferien zu unterstützen. Mehrere städtische OGS haben in den letzten Jahren von diesem Angebot profitiert. Konzeptionelle Grundpfeiler der OGS-Sprachferien sind alltagsintegrierte Sprachbildung unter Einbezug der Mehrsprachigkeit der Kinder, ein inklusiver Ansatz, Lernen mit allen Sinnen an Orten im Sozialraum und Partizipation.

Im Jahr 2026 wurde die OGS der Grundschule Driescher Hof intensiv beraten und bei der Konzeptentwicklung begleitet. Im Ergebnis wurden die drei Sommerferienwochen, die die OGS geöffnet war, komplett in das Sprachferienkonzept eingebettet, so dass alle 97 anwesenden Kinder teilgenommen haben.

Das Angebot war so beliebt, dass manche Kinder ihre ursprünglich gebuchte Teilnahme von einer auf zwei oder sogar alle drei Ferienwochen verlängert haben. Die Ferienspiele fanden vom 20.07. bis zum 07.08.2026, montags bis freitags von 9:00 bis 15:00 Uhr, statt. Die ersten beiden Ferienwochen wurden explizit als Sprachferien geplant und gestaltet. In der dritten Woche wurden bereits etablierte sprachfördernde Angebote fortgeführt.

Durch das Pilotprojekt „OGS-Sprachbildungsprogramm“ des Fachbereichs Jugend und Schule ist Sprachbildung grundsätzlich im pädagogischen Alltag der OGS Driescher Hof noch stärker verankert worden und wird als Querschnittsaufgabe in unterschiedlichen Angeboten berücksichtigt. Beteiligt an den Sprachferien war auch das Quartiersmanagement Stadtteilbüro Forst / Driescher Hof.

Eines der vielen Highlights war die Stadtteilbegehung „Zeig mir deinen D-Hof“. Dabei übernahmen die Kinder die Rolle der Expert*innen, führten durch den Stadtteil und zeigten Orte, die für sie eine besondere Bedeutung haben. Sie haben dadurch gelernt, ihre eigenen Perspektiven und Erfahrungen sprachlich auszudrücken.

3. Fazit / Ausblick

Auch für das nächste Jahr sind Angebote in den unterschiedlichen Kursformaten geplant, die zuvor beschrieben wurden. Damit können voraussichtlich wieder in den Oster-, Sommer- und Herbstferien für unterschiedliche Altersgruppen Maßnahmen zur Unterstützung der Sprachbildung angeboten werden.

Die Durchführung und Umsetzung der Maßnahmen sind davon abhängig, ob anteilige Fördermittel sowie entsprechende Haushaltsmittel zur Verfügung stehen.

Für diesen Tagesordnungspunkt liegen noch keine Beratungsergebnisse vor.

Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2026-10-08 FB 45_0048_WP19 Bericht Sprachferien SAO.pdf

29.10.2026

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Betroffene Straßen

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Metadaten

Status
öffentlich (Vorlage für Öffentlichkeit freigegeben)
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
FB 45 - Fachbereich Jugend und Schule
Geändert
28.10.2026
Inhalt abgerufen
2. November 2026 um 02:27