26. Januar 2006 um 17:00, Sitzungssaal Haus Löwenstein
TOP 4Öffentlich

Bericht über das Wohnprojekt für psychisch kranke Wohnungslose, Wirichsbongardstraße

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Beratungsergebnis:zur Kenntnis genommen

Beratung

Frau Daniela Heift, Diplom-Sozialarbeiterin des Alexianerkrankenhauses Aachen, berichtete über das seit ca. einem Jahr bestehende gemeinsame Projekt der Stadt Aachen und des Alexianerkrankenhauses, Obdachlose mit einer psychischen Erkrankung in einem städtischen Übergangswohnheim zu betreuen. Die von Ihr gezeigten Übersichten sind dieser Niederschrift als Anlage beigefügt.

Herr Schäfer (CDU-Fraktion) dankte Frau Heift für ihren Bericht und die vor Ort geleistete Arbeit. Er bat um Mitteilung, ob die derzeitige Überbelegung (Soll 15 Bewohner, Ist 18 Bewohner) Probleme bereite und ob es Beschwerden der Anwohner der Wirichsbongardstraße gebe.

Frau Heift teilte mit, dass sie sich der Nachbarschaft gemeinsam mit ihrem Kollegen im Vorfeld als Ansprechpartner vorgestellt habe. Bisher aufgetretene Schwierigkeiten hätten durch persönliche Gespräche ausgeräumt werden können. Trotz der derzeitigen Überbelegung funktioniere das Zusammenleben im Wohnhotel.

Frau Scheidt betonte, wie wichtig es sei, ein solches Angebot in Aachen vorzuhalten. Sie bat um Mitteilung, warum die Verweildauer im Wohnhotel auf ein Jahr befristet sei und ob bezüglich der minderjährigen Bewohnerin das Jugendamt eingeschaltet worden sei.

Frau Heift legte dar, dass im Vorfeld keine Anhaltspunkte für eine sinnvolle Verweildauer im Wohnhotel vorgelegen hätten. Daher habe man sich zunächst auf eine Befristung von einem Jahr geeinigt und vereinbart, nach Ablauf eines Jahres zu reflektieren, inwieweit dieser zeitliche Rahmen verändert werden müsse. Tatsächlich sei bereits jetzt festzustellen, dass der Zeitraum von einem Jahr zu knapp bemessen sei. Es sei sehr schwierig, für den betroffenen Personenkreis adäquaten Wohnraum zu finden. In den Fällen, in denen eine Heimunterbringung notwendig sei, müssten lange Wartezeiten in Kauf genommen werden. Bei der im Wohnhotel wohnhaften minderjährigen Person handele es sich um die Tochter eines Bewohners. Bisher sei es dem Mädchen gelungen, sich durch mehrfache Aufenthaltswechsel den Behörden zu entziehen.

Zu dem von Frau Schulz angesprochenen Projekt Hotel Plus aus Köln teilte Frau Heift mit, dass auch dieses ursprünglich befristet geplant worden sei. Zwischenzeitlich habe man sich jedoch damit abgefunden, dass die meisten Bewohner länger bleiben, da man ihnen keine Alternativen anbieten könne.

Herr Künzer regte an, die Verwaltung zu beauftragen, nochmals zu klären, was genau mit den vereinbarten Rahmenbedingungen erreicht werden könne. Die Einrichtung dürfe nicht zu einem Auffangbecken für Personen werden, die nicht in das Angebot passen. Das Ergebnis weitergehender Beratungen zwischen der Verwaltung und dem Träger bat er dem Ausschuss zur Kenntnis zu geben.

Herr Mahr betonte, dass dieses Projekt für alle Beteiligten Neuland darstelle. Bei der Jahresfrist handele es sich um eine gegriffene Frist mit der Zielsetzung, die Bewohner innerhalb dieses Zeitrahmens zu selbständigem Wohnen zu befähigen. Er betonte, dass grundsätzlich keine Dauerbetreuung angestrebt werde und stattdessen eine flexible Anwendung der Jahresfrist beabsichtigt sei. Das starre Festhalten an der Jahresfrist wäre kontraproduktiv, weil in diesem Fall die bisher geleistete Arbeit umsonst gewesen sei. Das begonnene Projekt müsse als Lernprozess für alle Beteiligten verstanden werden, der erforderliche Nachbesserungen einschließe.

Frau Heift zeigte auf, wie wichtig es sei, den Bewohnern von vorneherein zu vermitteln, dass die Form der Unterbringung nicht auf Dauer angelegt sei. Nur damit könne der Zweck erreicht werden, gemeinsam mit dem Sozialamt einen Weg in eine andere Wohnform zu finden. In erster Linie müssten die betroffenen Personen gruppenfähig werden.

Auf Nachfrage von Herrn Verholen teilte Frau Heift mit, dass zwei Personen aufgrund ihrer massiven Drogenproblematik die Einrichtung hätten verlassen müssen, da die für diesen Personenkreis notwendige Betreuung rund um die Uhr im Wohnhotel nicht geleistet werden könne. Zwei weitere Personen seien nach ihrer Krankenhausentlassung bis zum erneuten Bezug einer eigenen Wohnung vorübergehend im Wohnhotel aufgenommen worden. Damit sei für sie die Gefahr gebannt worden, in die Obdachlosigkeit abzurutschen.

Abstimmungsergebnis

Zustimmung:Ablehnung:Enthaltung:
Technische Details

Grunddaten

TOP
Ö 4
Sitzung
öffentliche Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschusses
Gremium
Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie
Datum
Do., 26.01.2006
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche Sitzung
Vorlage
Anhörung
Beratung
öffentlich
Federführend
Fachbereich Soziales und Integration
Status
gemischt