Umbenennung des „Pastorplatz“ in Aachen und Aufstellung eines Mahnsteins in Gedenken an Anne Frank
FB 01/0094/WP18 · Anhörung
Beratung
Die Antragstellerin Frau Siemens ist selbst am Pastorplatz aufgewachsen, daher ihr gesteigertes Interesse am Ort und dessen historischer Wertschätzung. Sie erläutert ihr Anliegen indem sie über das Schicksal von Anne Frank und Ihrer Familie berichtet. Im weiteren Verlauf listet sie die bis dato vorhandenen Stolpersteine zur Famile Frank und Holländer aus dem Projekt „Wege gegen das Vergessen“ in der Stadt Aachen auf.
Der Geschäftsführer des Bürgerforums Herr Geber, Verfasser der Vorlage, erläutert diese kurz und erklärt warum seitens der Verwaltung keine Umbenennung empfohlen wird. Es ist als kritisch anzusehen wohltätigen Aachenern (die Familie Pastor) grundlos die Ehrung zu entziehen um dieser anderen Personen zukommen zu lassen.
Ferner weist er darauf hin, dass der 100. Geburtstag von Anne Frank bereits im Jahre 2029 gefeiert wird. Dies mag auf den ersten Blick noch lange Zeit sein, andererseits ist dies sicherlich der richtige Zeitpunkt um eine ganz besondere Ehrung für die Familie zu entwerfen.
Frau Conradt staunt über den bewundernswerten Einsatz der Antragstellenden und nimmt an, dass sich niemand grundsätzlich gegen eine Ehrung ausspricht. Dennoch schlägt sie vor, den Antrag an die BV AC-Mitte weiterzuleiten um dort eine Teillösung zu finden, die sowohl zeitnah als auch zum 100. Geburtstag greift.
Frau Göths dankt der Antragstellerin für die Rekapitulation der Familiengeschichte der Anne Fank, da sie dies als sehr hilfreich empfand. Sie unterbreitet den Vorschlag die Ehrung nicht nur Anne Frank zu widmen, sondern ihrer ganzen Familie. In welcher Form die Ehrung erfolgen kann lässt sie bewusst offen. Dementsprechend möge folgende Ergänzung beim Beschluss berücksichtigt werden: Weiterhin wird empfohlen, Möglichkeiten einer zusätzlichen Ehrung der Familie Anne Franks zu prüfen.
Frau Scheidt gibt zu bedenken, dass eine Ehrung, wie die Antragstellenden sie wünschen, ein hochsensibles Thema ist. Sie schlägt vor, das Projekt „Wege gegen das Vergessen“, wie auch das „Gedenkbuchprojekt“ zur Unterstützung heranzuziehen. Ausgehend von diesen Projekten findet man Orte die die dunkelsten Stunden unserer Stadt anmahnen. Sicherlich macht es Sinn, sie in die Beratungen einzubeziehen. Auch können von dort aus Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie eine Ehrung noch vor dem 100. Geburtstag erfolgen kann.
Der Vorsitzende Herr Dopatka gibt zu bedenken, dass eine Umbenennung in Anne-Frank-Platz schon alleine deshalb schwierig ist, weil eine hohe Verwechslungsgefahr zur Anne-Frank-Straße bestünde. Der Deutsche Städtetag weist auf diese Problematik ebenfalls hin. Trotzdem befürwortet er den zweiten Teil des Antrags, der die Einrichtung eines Gedenkortes vorsieht und möchte sich auch für dieOption aussprechen, die die Familie Holländer als Ganzes einbezieht.
Frau Schmidt-Promny stimmt dem Wortbeitrag der Bürgermeisterin Scheidt zu. Eine Übergabe an die Experten der Projekte: „Wege gegen das Vergessen“ und „Gedenkbuchprojekt“ sollte erfolgen um eine professionelle Einbindung in die Erinnerungskultur zu gewährleisten. Eine isolierte Umbenennung des Platzes ist nicht wünschenswert.
Auch Herr Tillmanns schließt sich dieser Meinung an.
Herr Mauer betont, dass es nicht Intention des Antrags war, die Erinnerung der Familie Pastor zu schmälern.
Herr Wagner bekräftigt, dass das Engagement gegen den Nationalsozialismus uneingeschränkt weitergehen muss, wenn auch fast keine Zeitzeugen mehr zu befragen sind. Der große Kontext „100. Geburtstag“ sollte unbedingt gewürdigt werden, schöner wäre aber einen Gedenkort am vorgeschlagenen Standort bereits früher installieren zu können.
In diesem Zusammenhang erinnert Herr Deumens daran, dass man die Erinnerungskultur aufrecht erhalten muss, eben weil immer weniger Zeitzeugen vorhanden sind. Dennoch kann das Thema im Bürgerforum nicht abschließend behandelt werden, weshalb er sich der Einbeziehung der Experten anschließt.
Frau Siemens freut sich als Antragstellerin sehr über die fruchtbare Diskussion und betont, dass es ihnen nur wichtig war das Anne Frank und ihre Familie nicht vergessen wird. Ein Stück Erinnerung ist eine Verpflichtung dieser Tage. In welcher Form die Erinnerung aufrechterhalten wird, bleibt zu beraten.
Frau Scheidt wünscht in die Beschlussformulierung mit einzubeziehen, dass das Bürgerforum über die Ergebnisse aus der Beratung mit den genannten Projekten informiert wird.
Herr Yavuz regt an auch den Pastorplatz in die Beschlussformulierung mit aufzunehmen.
Der Vorsitzende Herr Dopatka lässt sodann über nachfolgenden Beschlussvorschlag abstimmen.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Das Bürgerforum empfiehlt der entscheidungsbefugten Bezirksvertretung Aachen-Mitte keine Umbenennung des „Pastorplatz“ vorzunehmen. Weiterhin wird empfohlen, Möglichkeiten einer zusätzlichen Ehrung Anne Franks, insbesondere im Hinblick auf ihren 100. Geburtstag im Jahre 2029, zu prüfen.
Erläuterungen
Erläuterungen:
Mit Schreiben vom 22.03.2021 beantragen zwei Aachener Bürger*innen die Umbenennung des „Pastorplatz“ in Aachen in „Anne-Frank-Platz“ sowie die Aufstellung eines Mahnsteins in Gedenken an Anne Frank.
Die Antragstellenden wählen bewusst den Pastorplatz, da Anne Frank von Juli 1933 bis Januar 1934 bei ihrer Großmutter im Haus Pastorplatz 1 lebte, bis sie ihrer Familie nach Amsterdam ins Exil folgte und nach erfolgter Deportation im August 1944 im KZ Bergen Belsen, im März 1945 starb. Außerdem schlagen die Antragstellenden die Aufstellung eines Mahn- und Gedenksteins im umgestalteten Bereich des Pastorplatzes vor, welcher auf einer Gedenktafel eine kurze Biographie Anne Franks wiedergibt.
Die besondere Beziehung Aachens zu Anne Frank wurde u.a. zu ihrem 50. und 80. Geburtstag durch folgende Ehrungen unterstrichen:
- Anne-Frank-Straße, Straßenbenennung 2009 (von der Hanbrucher Straße abgehende Erschließungsstraße)
- Anne-Frank-Gymnasium , Gymnasium in Laurenberg, seit Gründung 1979 zu Ehren von Anne Frank.
- Stolpersteine ( http://www.wgdv.de/stolpersteine/personenverzeichnis/frank,-anne ) 2009
- Gedenktafel Nr. 43, Monheimsallee (http://www.wgdv.de/wege/monheimsallee )
Vor dem Haus Pastorplatz 1 wurden ganz konkret sogenannte Stolpersteine für Anne, Edith und Margot Frank eingelassen.
Die Antragstellenden sehen bei der Umbenennung des Pastorplatz keine Minderung der Ehrung der Familie von Pastor in Aachen, da bereits ebenfalls verschiedene Benennungen vorliegen. Recherchen des Fachbereiches Geodaten und Bodeninformation (FB 62) haben hierzu Folgendes ergeben:
Pastorplatz:
- Benennung nach Kommerzienrat Gottfried Pastor (1809 - 1899)
- Beschluss der Burtscheider Stadtverordnetenversammlung vom 14. Februar 1894
- Kommerzienrat Gottfried Pastor gilt als "Erbauer" des Platzes und der benachbarten Roonstraße
- Lage: im Knotenpunkt von der "Kongressstraße", der "Luisenstraße", der "Roonstraße" und der "Sophienstraße"
Von-Pastor-Straße:
- Benennung nach dem HistorikerLudwig von Pastor (1854 - 1928)
- Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 30.11.1928
- Die Straßenbenennung erfolgte zu Ehren des in Aachen geborenen Historikers Ludwig von Pastor (1854 - 1928). Er wurde 1901 zum Direktor des Österreichischen Historischen Instituts in Rom berufen und war ab 1921 Gesandter Österreichs beim Heiligen Stuhl.
- Lage: von der "Karl-Marx-Allee" bis zur "Kapellenstraße"
In wieweit Gottfried Pastor und Ludwig von Pastor miteinander verwandt sind, war in der gegeben Kürze nicht zu klären, eine direkte Verwandtschaft wie Vater - Sohn oder Brüder ist aber nicht gegeben.Bei der Benennung der Von-Pastor-Straße und beim Pastorplatz wurde daher nicht die Familie Pastor bzw. von Pastor geehrt sondern die einzelnen Personen. Eine Gesamtwertung im Hinblick auf eine Familie kann daher nicht vorgenommen werden.
Hinsichtlich einer Beschlussempfehlung durch das Bürgerforum sollte darauf hingewiesen werden, dass für die Benennung von Gemeindestraßen und sonstigen öffentlichen Straßen im Sinne von § 3 Abs. 4 und 5 des Straßen- und Wegegesetzes NRW – wie der Pastorplatz - in der Stadt Aachen die Bezirksvertretungen im Rahmen der Entscheidung zuständig sind, in diesem Falle konkret die Bezirksvertretung Aachen-Mitte.
Die Bezirksvertretung Aachen-Mitte hat in ihrer Sitzung vom 08.02.2017 beschlossen, zukünftig Persönlichkeiten nicht mehr durch Benennungen oder Umbenennungen von Straßen sondern in anderer Form zu ehren. Der entsprechenden Niederschrift ist zu entnehmen, dass die Benennungen und Umbenennungen von Plätzen explizit von diesem Beschluss nicht erfasst werden. Darüber hinaus wird Bezirksvertretungen Aachen-Mitte in nachfolgenden Wahlperioden empfohlen, ebenfalls nach diesem Beschluss zu verfahren.
Des Weiteren liegt dem Bürgerforum ein Antrag vor, der die Handhabung der Benennung von Straßen und Plätzen nach Personen dem Grunde nach anregt. Mit Vorlage FB 62/0005/WP18 ist vorgesehen, dass dieser Antrag in der gleichen Sitzung des Bürgerforums unter TOP 5.1 behandelt wird.
Fazit der Verwaltung:
In der Stadt Aachen sind bereits einige Maßnahmen vorgenommen worden, den besonderen Bezug Aachens zu Anne Frank darzulegen, sowohl durch Straßenbenennung, als auch durch die Benennung einer wichtigen Bildungsinstitution für junge Menschen und Gedenkstätten an ehemaligen Wohnorten Anne Franks in Aachen. Die grundsätzliche Abwägung, einen bereits nach einer zu ehrenden Person benannten Platz nach einer anderen Person – unabhängig einer Konkretisierung – umzubenennen, wird seitens der Verwaltung als äußerst schwierig und Konfliktreich empfunden und von daher nicht empfohlen.Sofern die Persönlichkeit Anne Franks durch weitere Maßnahmen eine Ehrung erhalten soll, sind seitens der Verwaltung Maßnahmen, welche nichtdie grundlose Rücknahme von bestehenden Ehrungen anderer Personen darstellen, eher angezeigt.
In diesem Zusammenhang könnte im Hinblick auf den 100. Geburtstag Anne Franks im Jahre 2029 eine Kooperation aus dem Projekt „Wege gegen das Vergessen“ der VHS Aachen, dem Kulturbetrieb der Stadt Aachen, sowie den Fachbereichen Stadtentwicklung, -planung und Mobilitätsinfrastruktur sowie Klima und Umwelt Maßnahmen kreieren.
Auswirkungen
Finanzielle Auswirkungen
JA | NEIN | ||
x |
Investive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff. | Gesamtbedarf (alt) | Gesamtbedarf (neu) | |
Einzahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Auszahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | |||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | ||||||
konsumtive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff. | Folge-kosten (alt) | Folge-kosten (neu) | |
Ertrag | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Personal-/ Sachaufwand | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Abschreibungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | |||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | ||||||
Weitere Erläuterungen (bei Bedarf):
Klimarelevanz
Bedeutung der Maßnahme für den Klimaschutz/Bedeutung der Maßnahme für die
Klimafolgenanpassung (in den freien Feldern ankreuzen)
Zur Relevanz der Maßnahme für den Klimaschutz
Die Maßnahme hat folgende Relevanz:
keine | positiv | negativ | nicht eindeutig |
x |
Der Effekt auf die CO2-Emissionen ist:
gering | mittel | groß | nicht ermittelbar |
x |
Zur Relevanz der Maßnahme für die Klimafolgenanpassung
Die Maßnahme hat folgende Relevanz:
keine | positiv | negativ | nicht eindeutig |
x |
Abstimmungsergebnis
Technische Details
ID: 105751
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=105751
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2021-04-30 FB 01_0094_WP18 Umbenennung des _Pas SAO.pdf
9.12.2024
2.9 MB
Betroffene Straßen
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Metadaten
- TOP
- Ö 5.1.1
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Bürgerforums
- Gremium
- Bürgerforum
- Datum
- Di., 11.05.2021
- Uhrzeit
- 18:00
- Anlass
- Öffentliche Sitzung
- Vorlage
- Anhörung
- Status
- öffentlich
- Vorlageart
- Anhörung
- Federführend
- FB 01 - Fachbereich Verwaltungsleitung, Grundsatz und Dialog
- Geändert
- 9.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 9. Februar 2026 um 17:44