29. Juni 2021 um 18:00, 4. Aachener Gesamtschule
TOP 4.2Öffentlich

Bürgerantrag gemäß § 24 Gemeindeordnung NRW, Antrag der SJD – Die Falken KV Aachen vom 10.07.2020Öffentliche Toiletten im Kennedypark und im Stadtpark

FB 36/0069/WP18 · Anhörung

im Ratsinformationssystem anzeigen
Beratungsergebnis:geändert beschlossen

Beratung

Der Antragsteller Jan Pütz stellt sich vor und beschreibt wie Corona einen schwerwiegenden Missstand in der Stadt Aachen offenbart hat. Er selbst ist Betreuer der Kinderferienspiele im Kennedypark. Das Spielhaus im Kennedypark in der Düppelstraße 2 bot vor Corona immer eine Anlaufstelle für einen Toilettengang. Zu Pandemiezeiten musste den Menschen diese Möglichkeit verwehrt werden. Wie allerorts, führte dies zu problematischen Situationen für Jung und Alt. Gerade Kindern kann man schlecht sagen: „ Halt auf!“

Öffentliche und kostenlose Toiletten würden die Aufenthaltsqualität in Parks erheblich steigern. Hier ist es ihm wichtig zu betonen, dass Pissoirs nicht ausreichen. Damit benachteiligt man Mädchen und Frauen strukturell enorm. Seiner Meinung nach, hat die Stadt eine Daseinsvorsorge, der Sie baldmöglichst nachkommen sollte.

Frau Göths freut sich sehr über den Antrag, der von vielen Kindern und Jugendlichen mitgezeichnet wurde. Ein kürzlich gestellter Ratsantrag der SPD fordert ein lang- und kurzfristiges Toilettenkonzept für die Stadt Aachen, ausdrücklich nicht nur in Parks. Ihrer Kenntnis nach hat die Bezirksvertretung AC-Mitte (B0) genau zu diesem Zweck bereits eine hohe Summe an finanziellen Mitteln bereitgestellt, es kam aber noch zu keiner relevanten Umsetzung. Von der Verwaltung wüsste sie gerne warum bislang keine Lösung gefunden wurde. Sie wünscht des Weiteren neben dem Kennedypark und dem Westpark, den Stadtpark im Beschluss zu ergänzen.

Frau Conradt nimmt zu den bereitgestellten Investitionsmitteln der Bezirksvertretung AC-Mitte Stellung. Sie stellt klar, dass es zu begrüßen ist, dass die Stadtverwaltung den Bedarf, wie im Beschluss ersichtlich, anerkennt. Dennoch stellt sie die Realisierungschance in Frage, angesichts der Tatsache, dass eine präzise geplante Maßnahme der BV AC-Mitte bereits im Juli 2017 finanziert, aber bis heute nicht umgesetzt wurde.

Die Historie beschreibt sie wie folgt:

Im Dezember 2014 sind Frau Conradt und die heutige Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen in der B0 vorstellig geworden um finanzielle Unterstützung für die Aufstellung zweier ökologischer Toiletten im Moltkepark zu erhalten. Die B0 hat das Anliegen damals aufgenommen und die Beratungen diesbezüglich waren vielfältig. Warum eine Umsetzung nicht erfolgt ist entzieht sich ihrer Kenntnis.

Im Juni 2017entschied die B0 die vorhandene Toilettenanlage im Westpark zu sanieren und mit 20.000 € aus bezirkliche Mitteln zu bezuschussen. Es hieß aus der Verwaltung eine Toilettenanlage müsse neu gebaut werden, die vorhandene sei nicht zu sanieren.

Bereits im Dezember 2017 kam die neue Überlegung hinzu den Mies-van-der-Rohe Pavillion in den Westpark zu versetzen und damit eine Toilettenmöglichkeit zu schaffen. 1 ½ Jahre später, nach unzähligen Runden in der Verwaltung wurde kommuniziert der Plan funktioniere nicht und das Geld wurde an die B0 zurücküberwiesen.

Im November 2019 wurde in Absprache mit dem FB 36 Klima und Umwelt geplant, die Verwaltung setze das Fundament für eine neue Toilettenanlage im Westpark, die B0 übernehme die Kosten für die Errichtung dieser. Die finanziellen Mittel wurden auf 30.000 € aufgestockt und an den FB überwiesen. Geschehen ist bis heute nichts. Sie betont keinesfalls zu akzeptieren, dass eine bereits durchgeplante und durchfinanzierte Initiative in der neuerlichen Planung untergeht.

Zusätzlich spricht Frau Conradt noch den Punkt an, dass eine externe Betreuung von Toilettenanlagen unbefriedigend ist. Am Hangeweiher bspw. war die Toilette wochenlang nicht zu benutzen, da ein Nutzer eine Fremdwährung in den Geldschlitz gesteckt hatte und den Gebrauch somit blockierte. Dieser Fehler wurde aufgrund sehr langer Wartungsintervalle erst Wochen später behoben.

Als letzten Punkt wünscht Frau Conradt, dass bestehende Toilettenanlagen, wie bspw. die unterhalb des Rathauses oder unterhalb der Musikmuschel im Stadtpark, begutachtet und u.U. nach einer Sanierung/Instandsetzung wieder in Betrieb genommen werden.Die Erstellung eines Konzeptes ist sicherlich kein falscher Weg, dient aber nicht der schnellen und pragmatischen Installation von öffentlichen und kostenfreien Toiletten.

Eine Bürgerin, Frau Spicher, meldet sich in diesem Zusammenhang zu Wort und beschreibt die öffentliche Toilette am Elisengarten als unzumutbar. Sie hat die Situation beim Ordnungsamt geschildert und dort lediglich die Kontakten zur betreibenden Firma RBL Media GmbH erhalten. Dort rief sie an und wurde abgewiesen, mit der Auskunft, dass die geschilderte Situation gar nicht sein könne, da vor 3 Tagen erst kontrolliert wurde. Dies bezweifelt Frau Spicher sehr stark. Sie bittet die Stadt nichts aus der Hand zu geben, ohne auch zu kontrollieren.

Herr Deumens zeigt sich erschrocken von den Ausführungen der Frau Conradt. Wie kann ein solch wichtiges Thema so auf die lange Bank geschoben werden? Nicht nur für Kinder ist ein Netz von öffentlichen Toiletten unerlässlich. Auch ältere Menschen standen, gerade zu Corona Zeiten, häufig vor großen Problemen bei der Toilettensuche. Das Thema muss entsprechend auch für die Innenstadt mitgedacht werden. Er bittet darum, nun sehr viel schneller zu agieren.

Frau Bürgermeisterin Scheidt bittet die Verwaltung um eine temporäre Lösung in den Parks bereits zu Ferienbeginn, da bald schon die Ferienspiele stattfinden und ca. 500 Kinder in den Parks unterwegs sein werden. Die Einrichtung von Toilettenwagen, wie bspw. auf dem historischen Jahrmarkt in Kornelimünster, scheint eine schnelle, saubere Lösung zu sein.

Frau Schmidt-Promny unterstützt diese Kurzfristigkeit und betont, dass öffentliche Toiletten definitiv ein Thema der Daseinsvorsorge sind. Sie bittet aber darum, das Thema Sauberhaltung dringend mit zu berücksichtigen. Eine verschmutzte Toilette schadet mehr, als sie nützt. Sie richtet die Frage an die Verwaltung, ob nach so vielen Jahren der Beratung nun wieder bei null mit der Planung begonnen würde und ob eine temporäre Lösung in der Kürze der Zeit (bis Ferienbeginn) denkbar sei?

Herr Meiners, stellv. Fachbereichsleiter im Fachbereich Klima und Umwelt (FB 36) sagt dem Plenum eine schnelle Lösung zu. Er erklärt, dass sein FB die Federführung hinsichtlich des Antrags der Falken gerade erst erhalten habe. Der Bedarf sei klar auf den Punkt gebracht worden und auch der Verwaltungsvorstand hat deutlich gemacht, dass eine Lösung gefunden werden muss.

Herr Yavuz bittet bei der Konzepterstellung auf Barrierefreiheit und die gendergerechte Nutzungsmöglichkeit zu achten. Des Weiteren hat er in seiner Fraktionssitzung vernommen, dass vor Jahren Komposttoiletten von der Stadt angeschafft wurden. Er fragt ob man diese kurzfristig nutzen könnte. Ferner gibt er zu bedenken, das – bei aller Befürwortung- bedacht werden muss, dass gerade im Kennedypark eine öffentliche Toilette schnell zu einem Hotspot für illegale Aktivitäten verkommen kann. Er wünscht außerdem den Zusatz mittel- bis langfristig im Beschlussvorschlag zu streichen und diesen wie folgt zu formulieren:

„Das Bürgerforum nimmt die Ausführungen der Antragstellenden und der Verwaltung zur Kenntnis und empfiehlt, dass die Verwaltung zeitnah ein Konzept zur Aufstellung von Toilettenanlagen im Stadtgebiet entwirft. Für Toilettenanlagen in stark frequentierten städtischen Parkanlagen sollen vorgezogene temporäre Lösungen möglichst zu Ferienbeginn umgesetzt werden.“

Frau Conradt und Herr Hilgers bedanken sich bei Herrn Meiners für die Zusage und die ehrlichen Worte.

Herr Meiners bestätigt, dass eine Arbeitsgruppe „öffentliche Toiletten“ eingerichtet wird, die Bedarfsträger, Eigentümer und Koordinatoren organisiert. Bzgl. der angesprochenen Komposttoiletten kann man diese aus hygienischen Aspekten nicht mehr nutzen.

Frau Bürgermeisterin Hilde Scheidt lässt sodann über nachfolgenden Beschlussvorschlagabstimmen.

Beschluss

Das Bürgerforum nimmt die Ausführungen der Antragstellenden und der Verwaltung zur Kenntnis und empfiehlt, dass die Verwaltung zeitnah ein Konzept zur Aufstellung von Toilettenanlagen im Stadtgebiet entwirft. Für Toilettenanlagen in stark frequentierten städtischen Parkanlagen sollen vorgezogene temporäre Lösungen möglichst zu Ferienbeginn umgesetzt werden.

Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag:

Das Bürgerforum nimmt die Ausführungen der Antragstellenden und der Verwaltung zur Kenntnis und empfiehlt, dass die Verwaltung ein mittel- bis langfristiges Konzept zur Aufstellung von Toilettenanlagen im Stadtgebiet entwirft. Für die Toilettenanlagenim Kennedypark und im Westpark sollen vorgezogene und zeitnahe Lösungen umgesetzt werden.


Erläuterungen

Erläuterungen:

Mit Antrag gem. § 24 GO NRW vom 10.07.2020 regt die SJD – Die Falken KV Aachen an, öffentliche Toiletten im Kennedypark und Stadtpark zu errichten, die darüber hinaus jederzeit kostenlos zugänglich sind.

Es sei ergänzend darauf hingewiesen, dass zwischenzeitlich auch zwei Ratsanträge zur Verfügbarkeit öffentlicher Toiletten gestellt, jedoch noch nicht behandelt worden sind:

-Ratsantrag der Fraktion Die Linke vom 01.10.2020 - „Öffentliche Toiletten für Aachener Parks“

-Ratsantrag der SPD-Fraktion vom 23.03.2021 – „Mehr öffentliche Toiletten schaffen!“.

In Corona Zeiten hat die gesellschaftspolitische Debatte über die Thematik „Verfügbarkeit öffentlicher Toiletten“ spürbar zugenommen; der Bürgerantrag der SJD sowie die beiden Ratsanträge sind Ausdruck dieser Entwicklung. Ohnehin bestehende Defizite im Bereich öffentlicher Toilettenanlagen haben sich angesichts geschlossener Gastronomien und Geschäfte, beschränkter Zutrittsmöglichkeiten zu sozialen und öffentlichen Einrichtungen nochmals intensiviert und den kommunalen Handlungsbedarf weiter verschärft. Unter den aktuellen Angebotsbedingungen kann ein „menschliches Bedürfnis“für Menschen mit und ohne Behinderung zum echten Problem werden.

Der durch die verschiedenen Anträge unterstrichene Handlungsbedarf wird verwaltungsseitig nicht nur für einige wenige zentrale Parkanlagen, sondern auch für andere öffentliche Räume (öffentliche Plätze, Wegeverbindungen, etc.) als wichtige Aufgabe anerkannt.

Die Stadt hat mit einem Unternehmen einen Vertrag über die Aufstellung und Unterhaltung von Stadtwerbung abgeschlossen, indem sich dieser auch zur Übernahme der bereits seinerzeit vorhandenen sechs öffentlichen WC-Anlagen verpflichtete; dieser Vertrag darf aus vergaberechtlichen Gründen nicht erweitert werden. Für die Errichtung weiterer Anlagen bedarf es insofern eines formalen Vergabeverfahrens.

Angesichts der Vielzahl zusätzlicher Bedarfsanmeldungen, mit Blick auf die Unterschiedlichkeit der Bedarfsräume aber auch wegen der erheblichen Kosten je Einzelstandort ist die Verwaltung deshalb dabei:

nachvollziehbare Kriterien zur Ermittlung von Bedarfsprioritäten zu entwickeln (Kennedypark und Westpark gehören sicher dazu),

klare verwaltungsinterne Zuständigkeiten bzw. Ansprechpartner zu definieren und

wirtschaftliche Lösungsalternativen für Einzelstandorte oder Standort-Pakete unter Berücksichtigung der kommerziellen Anbieter zu entwerfen.

Dieser Klärungsprozess u.a. auch zu der Frage, ob ausgewählte Standorte wie Westpark oder Kennedypark vorgezogen umgesetzt werden können, läuft derzeit und soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. Nach abschließender Klärung wird die Verwaltung das Bürgerforum und die zuständigen Fachausschüsse umgehend beteiligen.

Auswirkungen

Finanzielle Auswirkungen

JA

NEIN

x

Investive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Gesamt­bedarf (alt)

Gesamt­bedarf (neu)

Einzahlungen

0

0

0

0

0

0

Auszahlungen

0

0

0

0

0

0

Ergebnis

0

0

0

0

0

0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

konsumtive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Folge-kosten (alt)

Folge-kosten (neu)

Ertrag

0

0

0

0

0

0

Personal-/

Sachaufwand

0

0

0

0

0

0

Abschreibungen

0

0

0

0

0

0

Ergebnis

0

0

0

0

0

0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Weitere Erläuterungen (bei Bedarf):


Klimarelevanz

Bedeutung der Maßnahme für den Klimaschutz/Bedeutung der Maßnahme für die

Klimafolgenanpassung (in den freien Feldern ankreuzen)

Zur Relevanz der Maßnahme für den Klimaschutz

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

x

Der Effekt auf die CO2-Emissionen ist:

gering

mittel

groß

nicht ermittelbar

x

Zur Relevanz der Maßnahme für dieKlimafolgenanpassung

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

x

Größenordnung der Effekte

Wenn quantitative Auswirkungen ermittelbar sind, sind die Felder entsprechend anzukreuzen.

Die CO2-Einsparung durch die Maßnahme ist (bei positiven Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 t bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr(über 1% des jährl. Einsparziels)

Die Erhöhung der CO2-Emissionen durch die Maßnahme ist (bei negativen Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels)

Eine Kompensation der zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen erfolgt:

vollständig

überwiegend (50% - 99%)

teilweise (1% - 49 %)

nicht

x

nicht bekannt

Abstimmungsergebnis

Einstimmig angenommen
Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2021-06-21 FB 36_0069_WP18 Buergerantrag gemaess _ SAO.pdf

17.11.2024

1.5 MB

Metadaten

TOP
Ö 4.2
Sitzung
öffentliche Sitzung des Bürgerforums
Gremium
Bürgerforum
Datum
Di., 29.06.2021
Uhrzeit
18:00
Anlass
Öffentliche Sitzung
Vorlage
Anhörung
Status
öffentlich
Vorlageart
Anhörung
Federführend
FB 36 - Fachbereich Klima und Umwelt
Geändert
5.11.2025
Inhalt abgerufen
9. Februar 2026 um 18:11

Beschlussdokument

Sammeldokument öffentlich

Öffnen