Gastronomiesterben in Aachen nicht nur zur Corona-Zeit
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Zu diesem TOP berichtet zunächst Herr Becker, der stellvertretende Vorsitzende des DEHOGA‑Kreisverbands Aachen Stadt. Er erklärt, dass hinsichtlich der verschiedenen möglichen Ursachen für eine Schließung von Gastronomiebetrieben in Aachen, z. B. pandemiebedingt, aufgrund allgemeiner wirtschaftlicher Schwierigkeiten usw., keine statistischen Daten vorliegen. Als denkbare und mögliche Ursachen kommen insbesondere in Betracht: Die Abwanderung von Mitarbeitenden in der Gastronomie in andere Berufsfelder, fehlende Kundenfrequenz aufgrund sinkender Attraktivität der Innenstadt (z. B. Sicherheit und Sauberkeit, Erreichbarkeit der City mit dem motorisierten Individualverkehr (MIV), Leerstände von Einzelhandelsflächen im Innenstadtbereich), fehlende Erreichbarkeit bestimmter Innenstadtbereiche mit dem ÖPNV, wie z. B. des Markts (fehlender „Marktliner“), unattraktive Arbeitszeiten/Verdienstmöglichkeiten für Beschäftigte in der Gastronomie.
Im Rahmen der sich daran anschließenden Fragerunde diskutieren Integrationsratsmitglieder, Herr Demmer, Herr Yenen, Frau Braun u. a., verschiedene Themenbereiche mit Herrn Becker. Angesprochen werden insbesondere:
- Etwaige Wechselwirkungen zwischen dem Image der Stadt Aachen, der Verkehrspolitik/Erreichbarkeit der Innenstadt, dem Leerstand von Gewerbeimmobilien in der City, der Höhe von Gewerbemieten/‑pachten sowie eines möglicherweise in der Gastronomie künftig einzuführenden Mindestlohns einerseits und einer positiven/negativen Entwicklung des Gastronomieangebots in der Stadt andererseits.
- Mögliche Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des Aachener Weihnachtsmarkts durch eine Diversifizierung des Angebots von Anbieter*innen.
- Mögliche Konsequenzen aus der zuletzt am Beispiel der Pontstraße geführten Debatte über die öffentliche Sicherheit in der Innenstadt.
- Untersuchungen zu sog. Frequenzbringern für Einzelhandel und Gastronomie bezogen auf die einzelnen Verkehrsträger des Modal-Splits (MIV, ÖPNV, Radfahrer*innen, Fußgänger*innen).
Aus Sicht des DEHOGA-Vorstands bzw. der DEHOGA-Mitglieder werden die Notwendigkeit der Gastronomiebetreibenden, die staatlichen Corona-Hilfen zurückzahlen zu müssen, der Anstieg der Energiekosten/Lebensmittelpreise, die Abwanderung von Mitarbeitenden in andere Berufe, die zunehmende Bürokratisierung sowie die nur zeitlich begrenzte Zulassung von „Heizpilzen“ bzw. Ausweitung von Flächen in der Außengastronomie durch die Stadt Aachen eher kritisch gesehen. Für eher unproblematisch gehalten werden hingegen der Anstieg der Mieten/Pachten für Einzelhandels- und Gastronomiegewerbeflächen in Aachen.
Wünschenswert wäre aus Sicht der DEHOGA eine Senkung der Mehrwertsteuer im Gaststättengewerbe und in der Hotellerie, ein Verkehrskonzept vergleichbar z. B. dem in Maastricht, ein funktionierendes Instrumentarium der öffentlichen Hand, um effektiv gegenüber Leerstand-verursachenden Eigentümer*innen von Gewerbeimmobilien vorgehen zu können.
Herr Hennes vom Citymanagement des Fachbereichs Bürger*innendialog und Verwaltungsleitung (FB 01) erläutert anhand seiner Powerpoint-Präsentation verschiedene Initiativen und Programme der Stadt Aachen zur Stärkung von Gastronomie, Einzelhandel sowie Kunst- und Kulturangeboten in der Innenstadt (Die Präsentation wird der Niederschrift als Anlage beigefügt).
Wichtige Bausteine zur Belebung der Innenstadt und zur Erhöhung der Kundenfrequenz sind danach
- sogenannte „urbane Interventionen“ durch die (junge) Kunst- und Kulturszene zur Stärkung der urbanen Kreativität,
- die Stärkung der Außengastronomie durch zusätzliche temporäre Pop-up-Flächen wie z. B. im Rahmen des Verkehrsversuchs am Theater Aachen,
- der neue Corona-Unterstützungsfonds für Einzelhandel, Handwerk und Gastronomie - mit einer Förderung von bis zu 10.000 EUR pro Antrag/Einzelfall,
- das „Smart-Shopping-Projekt“ für hybriden Einzelhandel in Aachen (ehemals: „Einkaufen in Aachen“),
- die Aktion „Ladenliebe“, mit deren Hilfe allein bis Ende 2021 mindestens 10 leerstehende Einzelhandelsflächen für mindestens zwei Jahre mit neuen, innovativen Dienstleistungs-, Handels- oder Handwerksangeboten an den Start gehen werden sowie
- ein städtisch subventioniertes Rabatt‑/Gutscheinsystem für den Aachener Einzelhandel und die Gastronomie.
Herr Dolan, Herr Fallah, Herr Yenen, Frau Derichs und andere beteiligen sich an der Aussprache zum Bericht von Herrn Hennes. Alle Redner*innen danken Herrn Hennes und der Verwaltung für den informativen Bericht.
Herr Dolan hebt hervor, dass die Vielzahl der von Herrn Hennes geschilderten städtischen Initiativen zur Belebung der Innenstadt in einem wohltuenden Gegensatz zu der in Teilen einseitig defizitorientiert geführten öffentlichen Debatte stehe. Als gelungenes Beispiel für eine positive Entwicklung, ergänzt Herr Dolan den aufgrund einer lokalen Initiative entstandenen Weihnachtsmarkt an der Elsassstraße.
Herr Fallah wirbt in seinem Wortbeitrag dafür, dass Gastronomieunternehmen prüfen sollten, ob über innovative Außenwerbekonzepte der verschiedenen Locations eine zusätzliche Attraktivität für bestimmte Gruppen von potenziellen Kunden geschaffen werden könnte.
Herr Yenen erkundigt sich danach, wie intensiv die einzelnen vorgestellten Programmbausteine zur Stärkung von Einzelhandel, Kreativwirtschaft und Gastronomie in der Innenstadt durch die Social-Media-Kanäle der Stadt Aachen beworben wurden/werden und regt verstärkte Aktivitäten in diesem Bereich an.
Frau Derichs berichtet von verschiedenen erfolgreichen Pop-Up-Projekten aus Aachen, an denen sie als Unternehmerin selbst beteiligt war. Sie lobt ausdrücklich die Mitarbeitenden des FachbereichsKommunikation und Stadtmarketing (FB 13), für die Art und Weise wie insbesondere der Instagram- und Facebook-Kanal der Stadt genutzt wird.
Auf Wunsch des Integrationsrats wird das Thema im Jahr 2022 erneut auf die Tagesordnung genommen. Außerdem wird die Verwaltung die Präsentation von Herrn Hennes im Nachgang der Sitzung auf elektronischem Weg an die Mitglieder verschicken.
Einstimmig und ohne Enthaltung beschließt der Integrationsrat.
Beschluss
Abstimmungsergebnis
Technische Details
ID: 109002
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=109002
Grunddaten
- TOP
- Ö 5
- Sitzung
- Sondersitzung des Integrationsrates
- Gremium
- Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration
- Datum
- Mi., 27.10.2021
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Status
- gemischt
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
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