Bericht Workshop Jugendpartizipation
FB 01/0361/WP18 · Kenntnisnahme
Beratung
Herr Brötz erläutert, dass das Thema der Jugendpartizipation die Verwaltung bereits seit geraumer Zeit begleite, insbesondere mit der Fragestellung, wie diese zukunftsorientiert und adressatengerecht gestaltet werden und möglichst alle Lebenswelten von jungen Menschen berücksichtigen könne. Die Überlegungen der Verwaltung seien flankiert worden durch einen entsprechenden Ratsantrag aus der Politik. Die Verwaltung habe sich hierzu auch mit dem städtischen Fachbereich Verwaltungsleitung und Bürger*innendialog (FB 01), dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) sowie mit der Landesstelle der Jugendringe ausgetauscht. Im November 2022 habe unter der Organisation der Teams Planung und Jugendpflege sowie des FB 01 ein großer Workshop mit Vertretungen verschiedener Kommunen stattgefunden, um sich zu den dortigen Ideen, Konzepte und Erfahrungen auszutauschen. Das Ergebnis sei direkt während des Termins durch ein Graphic-Recoring-Unternehmen visuell festgehalten worden, das entstandene Plakat hänge vor dem Sitzungsraum der heutigen Sitzung zur Ansicht (auch als Anlage zur Niederschrift im Ratsinformationssystem einsehbar). Der Austausch sei seiner Ansicht nach sehr ertragreich gewesen. Es habe festgestellt werden können, dass es einen bunten Strauß gebe an verschiedenen Formaten, um Menschen aus unterschiedlichen Milieus einzubinden. So verfolge die Stadt Münster ein formalisiertes Setting (mit einem Jugendrat), die Stadt Wuppertal setze auf digitale Formate, die Stadt Bonn hingegen mische beide Varianten. Was alle Kommunen vereine, sei die Suche nach Formaten außerhalb von Schule und wie junge Menschen sonst eingebunden werden könnten. Ebenso wichtig sei die Frage, welche Themen für junge Menschen relevant seien (z.B. Klimaschutz, Wohnsituationen, Mobilität, Clubszene, etc.). Im Ergebnis schlägt der Fachbereich Kinder, Jugend und Schule (FB 45) vor, gemeinsam mit FB 01 und dem KJA einen Workshop zu organisieren, wo junge Menschen aus verschiedenen Lebenswelten zusammengebracht werden sollen um zunächst in Erfahrung zu bringen, welche Themen besonders wichtig seien und ob und in welcher Form sie eingebunden werden wollen. Insbesondere bei dem Angebot digitaler Formate werde eine externe Beratung angestrebt. Die Umsetzung hänge jedoch an das Vorhandensein von entsprechenden personellen Ressourcen ab. Hier bestehe jedoch die Möglichkeit, eine Stelle Jugendpartizipation in 2023 zu besetzen. Zuvor müsse jedoch geklärt werden, wo diese Stelle angesiedelt werden solle: entweder im FB 45 oder aber im FB 01. Seitens des FB 45 bestehe ein hohes Eigeninteresse an der Einberufung eines solchen Jugendratschlages.
Herr Pauls lobt den aus seiner Sicht sehr guten Ansatz, insbesondere, dass auch Formate außerhalb der Schule gesucht werden sollen. Er befürchte, dass sonst einige junge Menschen außen vor bleiben würden. Er hofft, dass kreative und gute Lösungen gefunden werden und bietet hierbei seine Unterstützung an.
Herr Simons schließt sich den Ausführungen von Herrn Pauls an. Er weist auf den neu konzipierten Bürger*innenrat hin, der in Kürze das erste Mal tagen werde. Hier würden auch junge Menschen ab 16 Jahre beteiligt. Gegebenenfalls könnte man hier von den dortigen Erfahrungen mit dem Format profitieren und anknüpfen.
Herr Török lobt den Ansatz, junge Menschen aus sämtlichen Milieus ansprechen zu wollen. Dennoch handele es sich hierbei auch um eine Mammutaufgabe, da dies ebenso unterschiedliche Methoden der Ansprache benötige. Er halte es jedoch für wichtig und richtig, Kinder und Jugendliche bei sie betreffenden Planungen nicht nur mitzudenken, sondern mit zu beteiligen.
Herr Tillmann schließt sich ebenfalls den bisherigen Beiträgen an. Er sei ebenfalls der Meinung, dass die Heterogenität der angesprochenen Personen möglichst divers sein solle. Dies setze jedoch ein hohes Maß an Beziehungsarbeit voraus. Er wünsche sich, dass der Jugendratschlag so heterogen wie möglich aufgestellt werde, um hier ein gutes und adressatengerechtes Format gefunden werden könne.
Frau Vallot bekräftigt, dass es sich um eine Mammutaufgabe handele und merkt daher an, dass eine Stelle möglicherweise zu wenig sein könnte. Die Verwaltung müsse sich daher darauf einstellen, dass sie noch weitere personelle Ressourcen benötigen werde.
Frau van der Meulen betont, dass junge Menschen aktiv und selbstwirksam erleben müssten, dass ihre Meinung relevant sei und einfließe.
Herr Breuer lobt die Überlegungen, nicht nur rein formale Ansätze zu verfolgen. Die Formate und Zugänge müssten auch niedrigschwellig sein. Gleichzeitig könnten Beteiligungen auch nur punktuell bzw. themenbezogen sein, ohne dass sich ein junger Mensch für mehrere Jahre an ein Projekt binden oder verpflichten müsse. Er weist zudem darauf hin, dass bei jungen Menschen in dem Moment der Beteiligung eine gewisse Erwartungshaltung und Wünsche geweckt würden. Es müsse daher mitgedacht werden, dass nicht alle Wünsche mitberücksichtigt werden könnten. Aus seiner Sicht würden die freien Träger hier gerne mit einsteigen und unterstützen.
Frau Scheidt dankt Herrn Breuer und greift auf, dass sicherlich auf die Expertise der freien Träger zurückgegriffen werde, denn diese wüssten am besten, wie die jungen Menschen in ihren Stadtteilen erreicht werden könnten. Bereits aktuell gebe es verschiedene Beteiligungsformate wie das Schüler*innenparlament, das Kinderparlament oder auch die Mitbestimmung in den Offenen Einrichtungen. Möglicherweise könnte ein Bürger*innenrat für junge Menschen bis 25 Jahren interessant sein. Es seien alle zugleich eingeladen und gefordert, sich an der Suche nach guten Formaten zu beteiligen.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Kinder- und Jugendausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis.
Der Ausschuss für Schule und Weiterbildung nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis.
Erläuterungen
Erläuterungen:
Mit Antrag vom 06.11.2020 beantragte die SPD Fraktion im Rat der Stadt Aachen die Einrichtung eines Jugendparlamentes für Aachen.
Die Stadt Aachen hat sich auf den Weg gemacht, eine innovative Kommune des Bürger*innendialogs zu werden und die Zukunft der Stadt gemeinsam mit der Stadtgesellschaft gestalten. Um zu befürchtende Abkopplungseffekte bestimmter Bevölkerungsteile zu verhindern und die Identifikation mit der örtlichen demokratischen Vertretungsgremien zu stärken gilt es, die großen Themen und Veränderungsprozesse der Stadt eng mit der Bürger*innenschaft zu diskutieren und Entscheidungen und Planungen transparent zu kommunizieren. Gleichzeitig bietet die Stadtgesellschaft ein großes Potenzial, Lösungen gemeinsam zu erarbeiten und in die Umsetzung zu bringen, indem sie eine Vielzahl eigener Ressourcen einbringt. Die Zukunft der Stadt ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft nur im engen Schulterschluss bewältigen kann.
Hierzu wurde seit 2021 sukzessive der Fachbereich Verwaltungsleitung und Bürger*innendialog eu ausgerichtet und eine Fachdienststelle für den Bürger*innendialog aufgebaut. Ende 2023 wird der Organisationsaufbau abgeschlossen und alle Stellen besetzt sein. Ein erster Fokus lag bisher bei der Stärkung des Bürgerforums, der Einrichtung eines Bürger*innenrates für Aachen sowie eines Bürger*innentreffs mit Gesprächsformaten in der Innenstadt. In einem zweiten Schritt kann nun die zielgruppenspezifische Beteiligung geschärft werden.
Besondere Bedeutung kommt hierbei der Zielgruppe der Jugendlichen zu, denn die die Stadt von Morgen ist die Stadt der Jugendlichen, die zugleich wichtige Expert*innen für zukünftige Themen, Planungs- und Entscheidungsprozesse sind. Jedoch gilt es bei der Beteiligung spezifische Anforderungen zu beachten, denn diese erfordert, zum einen eine zielgruppengerechte Ansprache und Formate und zum anderen, dass Ergebnisse erlebbar und konkret werden und eine schnelle Umsetzung der Ergebnisse gewährleistet ist. Dabei kann dies entweder durch strukturelle Einbindung und Stärkung der Jugendbeteiligung in bestehenden Prozessen und Formaten geschehen oder durch Einrichtung zusätzlicher, zielgruppenspezifischer Formate. Hier kann auch auf die bestehenden guten Strukturen der Jugendförderung in Kommune und StädteRegion aufgebaut werden.
Die bundesdeutschen Großstädte gehen beim Aufbau ihrer Partizipationslandschaft sehr unterschiedlich vor. Um zu schauen, wie die gewünschte Stärkung der Jugendpartizipation am besten in die örtliche, stetig aufwachsende Beteiligungslandschaft wirksam eingebunden werden kann, wurde vereinbart, mit einem Expert*innenworkshop verschiedener kommunaler Partizipationsbeauftragter unter Beteiligung von Politik und Trägern der freien Jugendhilfe zu starten, bei dem es darum ging, sehr ehrlich auf die gemachten Erfahrungen und ihre Wirksamkeit zu schauen.
Hierzu wurde am 26.10.2022 ein dreistündiger Expert*innenworkshop organisiert, zu dem Expert*innen der Jugendbeteiligung aus den Kommunen Bonn, Düsseldorf, Heidelberg, Münster und Wuppertal als Referent*innen geworden werden konnte. Eine Visuelle Zusammenfassung des Workshops ist dieser Vorlage als Anlage 1: Graphic Recording – Visuelle Zusammenfassung des Workshops beigefügt.
Ziel des Workshops war es die Gelingensfaktoren und Barrieren einer inklusiven, umsetzungsorientierten und jugendgerechten Partizipation zu identifizieren, die Eckpunkte zur Stärkung der Jugendpartizipation in Aachen zu entwickeln und somit die Grundlage für den weiteren Prozess zu legen.
Eingangs wurde verwaltungsseitig auf die Vielfalt der etablierten Partizipationsformate in Aachen (z. B. Interessenvertretungen in Schulen), Austauschformate(z.B. Kinderparlament), Beteiligung in städtebaulichen Prozessen (Quartiersentwicklung, Freiflächen, Spielplätze etc.), Beteiligung in städtischen Dialog- und Beteiligungsformaten sowie die strategische Stärkung über den Ausbau der Bürger*innendialoge, das OecherLab, den Büger*innenrat und das Bürgerforum skizziert und auf die Mitwirkungsmöglichkeiten im Rahmen der kooperativen Stadt hingewiesen. Vor dem Hintergrund dieser zahlreichen bestehenden Beteiligungsformate wurde die Frage aufgeworfen, ob die bestehenden Gremien und Formate durchlässiger gestaltet werden sollten oder es tatsächlich eigenständiger zusätzlicher Formate für Jugendliche bedarf.
Anschließend stellten die Vertreter*innen der Kommunen Bonn, Düsseldorf, Heidelberg, Münster und Wuppertal
anhand folgender Leitfragen
-Wie ist die Ansprache / Aktivierung der Zielgruppe erfolgt/gelungen?
-Welche Formate werden in Ihrer Kommune umgesetzt?
-Gibt es eine institutionelle Anbindung? Welche Ressourcen werden zur Verfügung gestellt (personell und finanziell)?
- Wie erfolgt die Rückkopplung der Ergebnisse an die Jugendlichen? Wie läuft die Umsetzung (Wirksamkeitskontrolle)?
ihre Ansätze, Strategien und Formate vor.
Durch die Präsentationen und insbesondere die Diskussion wurde deutlich, dass das vielschichtige Themenfeld mit sehr unterschiedlichen Ansätzen und Verortungen in den Kommunalverwaltungen verfolgt wird. Diese gehen jeweils einher mit unterschiedlichen Herausforderungen und Qualitäten. Ein „Königsweg“ besteht nicht, vielmehr sollten sich die Ansätze an den kommunalen Partizipationsgegebenheiten orientieren und auf diesen aufbauen.
Im Rahmen des Expert*innentalks und der anschließenden Diskussionsrunde zwischen Politik, Verwaltung, Jugendhilfeträger und Expert*innen wurden insbesondere folgende Eckpunkte und Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Jugendpartizipation und die angemessene Beteiligung bei ihren Interessen berührenden Planungen,
Entscheidungen und Maßnahmen festgehalten:
-Unabdingbar ist ein hohes Engagement und eine strukturierte Begleitung in Verbindung mit entsprechenden personellen Ressourcen.
-Die Verortung in der Verwaltung ist nicht einheitlich. Zum Teil sind entsprechende Stellen unmittelbar der Stadtplanung zugeordnet (Schwerpunkt: konsequente Jugendpartizipation in allen Stadtentwicklungsprozessen), zum Teil im Bereich der Jugendpflege (Schwerpunkt: Empowerment) und zum Teil im Fachbereich der Oberbürgermeister*innen (Schwerpunkt: zentrales Beteiligungsmanagement, Wirksamkeit in alle Dezernate)
-Eine Umsetzungs-/ Wirkungsorientierung ist für Jugendliche von zentraler Bedeutung, kurzfristige Umsetzungsmöglichkeiten müssen geschaffen werden schaffen, um eine sichtbare Wirksamkeit zu entfalten.
-Die Aufbereitung muss adressatengerecht erfolgen. Eine besondere Herausforderung besteht in der Ansprache und Einbindung ALLER Jugendlichen aus verschiedenen Milieus und Sozialräumen, nicht nur der politisch motivierten/ institutionalisierten.
-Zentral für eine ernsthafte Beteiligung ist zudem die Transparenz ggü. den Jugendlichen. Grenzen der Beteiligung müssen ebenso transparent dargelegt und kommuniziert werden, wie der Umgang mit den Ergebnissen.
-Zentraler Bedeutung kommt einer höheren Durchlässigkeit bestehender Formate - insbesondere pol. Partizipation zu. Hierzu gilt es die Einbindung in vorhandene Strukturen bei Politik und Verwaltung zu schaffen.
-Jugendliche müssen direkt beteiligt werden, um selbst Teil der Struktur zu sein und direktes Feedback geben zu können.
Auf Basis der vorgenannten Ergebnisse und Erkenntnisse wurde folgendes weitere Vorgehen vereinbart:
-Ein Jugendratschlag, bei dem Formate, Prozesse und Themen gemeinsam mit der Zielgruppe erarbeitet werden, um zu hören, was Jugend will und diese frühzeitig einzubinden.
-Ziel ist es, Strukturen zu schaffen, die strukturell eine Beteiligung über alle Themenbereiche sicherstellen
-Der Jugendratschlag soll durchgeführt werden, sobald die in der Verwaltung geschaffenen Personalkapazitäten besetzt sind. Eine externe Moderation erscheint sinnvoll.
Insgesamt bot die Veranstaltung einen spannenden Einblick in die Vielfalt der Jugendpartizipation und war geprägt von einem breit geteilten Wunsch nach der Fortführung des Austauschs. Zugleich war sie ein wichtiger Schritt für den weiteren Aachener Prozess. Insbesondere wurde deutlich, dass ein starres separates Gremium der Jugendpartizipation eine geringere Wirkung entfaltet, als eine strukturelle Verankerung in allen wichtigen Themenbereichen. Diese wird über entsprechende Fachexpertise und und gezielte räumlich begrenzte und situative Formen der Beteiligung gewährleistet.
Abstimmungsergebnis
Technische Details
ID: 119047
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=119047
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2023-04-03 FB 01_0361_WP18 Bericht Workshop Jug SAO.pdf
6.11.2024
1.5 MB
Metadaten
- TOP
- Ö 6
- Sitzung
- Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses
- Gremium
- Kinder- und Jugendausschuss
- Datum
- Di., 25.04.2023
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 01 - Fachbereich Verwaltungsleitung, Grundsatz und Dialog
- Zusätze
- Die Unterlagen wurden nachgereicht.
- Geändert
- 8.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 8. Februar 2026 um 19:04
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
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