27. April 2023 um 17:00, Verwaltungsgeb. Mozartstraße Zi.207
TOP 7Öffentlich

Bericht Workshop Jugendpartizipation

FB 01/0361/WP18 · Kenntnisnahme

im Ratsinformationssystem anzeigen
Beratungsergebnis:geändert beschlossen

Beratung

Herr Brötz verweist alle Anwesenden auf das ausgestellte Plakat/ das Graphic-Recording, welches einen Workshop aus Herbst des letzten Jahres zur Jugendpartizipation dokumentiert. (s. auch Anlage zur Niederschrift im Ratsinformationssystem).Es gäbe schon länger sowohl seitens des FB 45 als auch seitens des FB 01 – Bürger*innendialog als auch seitens der Politik - zuletzt entsprechend Ratsantrag der SPD - ein Interesse daran für die Jugendpartizipation geeignete Formate zu finden. Sie sollten zukunftsorientiert und adressatengerecht gestaltet werden und möglichst alle Lebenswelten von jungen Menschen berücksichtigen. Dazu habe ein großer Workshop mit Vertretungen verschiedener Kommunen stattgefunden, um sich zu den dortigen Ideen, Konzepten und Erfahrungen auszutauschen. Diese zeigten, dass es „keinen Königsweg“ gebe. Was alle Kommunen vereine, sei die Suche nach Formaten außerhalb von Schule und wie junge Menschen sonst eingebunden werden könnten. Ebenso wichtig sei die Frage, welche Themen für junge Menschen relevant seien (z.B. Klimaschutz, Wohnsituationen, Mobilität, Clubszene, etc.). Im Ergebnis schlägt der FB 45 vor, gemeinsam mit FB 01 und Vertreter*innen der Politik einen Jugendratschlag zu organisieren, wo junge Menschen aus verschiedenen Lebenswelten zusammengebracht werden sollen um zunächst in Erfahrung zu bringen, welche Themen besonders wichtig seien und ob und in welcher Form sie eingebunden werden wollen.

Frau Griepentrog berichtet, dass bei der gestrigen Veranstaltung im Rahmen ‚active for future‘ Schulen und Schülervertretungen beteiligt gewesen seien. Die Bezirksschülervertretung sei im ASW vertreten und habe auch selbst den Wunsch gehabt ebenfalls im Umweltausschuss vertreten zu sein. Dies sei in zentrales Thema für die Jugend. In der Praxis sei die Bezirksschülervertretungen nicht oft anwesend gewesen. Das hänge u.a. damit zusammen, dass die gewählten Schülervertretungen oft wechseln und über 18 sein müssten.

Herr Becker stimmt Frau Griepentrog zu, die Begeisterung bei Jugendlichen zu Mitwirkung sei bei der gestrigen Veranstaltung offenkundig gewesen. Er lobt und befürworte die Vorlage der Verwaltung sehr. Es sei wichtig nicht ein neues Gremium aufzubauen, sondern die Partizipation in ein vorhandenes System einzubinden. Wichtig zu beachten sei dabei die Umsetzungs- und Wirkungsorientierung. Die angestoßenen Prozesse dürften nicht zu lange dauern, weil dies sonst zu Frustration führe. Wichtig sei es auch verschiedene Milieus anzusprechen. Er halte ein kürzlich stattgefundenes Projekt im Driescher Hof für gelungen. Hier sollten die Kinder abfotografieren was ihnen in ihrem Wohnviertel gut gefalle und was ihnen nicht gut gefalle.

Herr Auler stimmt Herrn Becker zu. Er ergänzt, dass ein kurzer Umsetzungszeitraum der Knackpunkt sei. Die kommunalen Gremien seien sehr rechtlichen orientiert und daher nicht damit kompatibel. Er gibt zu bedenken, dass die Jugendlichen der Politik möglicherweise ‚Hausaufgaben‘ aufgeben, die aus finanzieller und/oder rechtlicher Sicht nicht (zeitnah) umzusetzen seien. Hier sei zu überlegen, den Erwartungsrahmen ehrlich zu kommunizieren. Vielleicht müsse klargestellt werden, dass die Anliegen/ Probleme zwar anerkannt werden, aber nicht in der Zeit in der die Betroffenen noch Kinder und Jugendliche sind, erfüllt werden könnten.

Frau Heider verweis auf das Bildungsbüro, welches Projekte zur Jugendpartizipation umsetze und fragt, ob das Bildungsbüro eingeladen werden könnte um den Ausschuss darüber zu informieren.

Herr Kaldenbach antwortet, dass das Bildungsbüro hauptsächlich mit den Schülervertretungen arbeite. Seitens der Stadt werde aber versucht gezielt nicht nur solche Kinder und Jugendliche einzubinden, die über Schülervertretungen organisiert sind, sondern möglichst alle Lebenswelten.

Herr Schneider ergänzt, dass die Partizipation junger Menschen auch in der Kirche eine große Rolle spiele. Die Erfahrung zeige, dass es schwierig sei junge Menschen für eine kontinuierliche Gremienarbeit zu gewinnen da sie sich aufgrund ihrer Lebensphase häufig in Lebensumbrüchen befänden (z.B. Umzug aufgrund von Studium/ Arbeit).

Herr Brötz bedankt sich für die Anmerkungen. Er ergänzt, dass seitens der Verwaltung auch der Kontakt zur Kirche und deren Erfahrungen herangezogen worden seien.

Er bestätigt Herrn Auler. Es bestehe ein Spannungsfeld zwischen dem kommunalrechtlichen Rahmen auf der einen Seite, und dem notwendigen ‚Loslassen Können‘ auf der anderen Seite.

Bzgl. der Einladung des Bildungsbüros bestätigt er Herrn Kaldenbach, dennoch könne das Bildungsbüro für einen Erfahrungsaustausch eingeladen werden.

Beschluss

Beschluss (geändert): Der Ausschuss für Schule und Weiterbildung nimmt den Bericht der Verwaltung zustimmend zur Kenntnis.

Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag:

Der Kinder- und Jugendausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis.

Der Ausschuss für Schule und Weiterbildung nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis.


Erläuterungen

Erläuterungen:

Mit Antrag vom 06.11.2020 beantragte die SPD Fraktion im Rat der Stadt Aachen die Einrichtung eines Jugendparlamentes für Aachen.

Die Stadt Aachen hat sich auf den Weg gemacht, eine innovative Kommune des Bürger*innendialogs zu werden und die Zukunft der Stadt gemeinsam mit der Stadtgesellschaft gestalten. Um zu befürchtende Abkopplungseffekte bestimmter Bevölkerungsteile zu verhindern und die Identifikation mit der örtlichen demokratischen Vertretungsgremien zu stärken gilt es, die großen Themen und Veränderungsprozesse der Stadt eng mit der Bürger*innenschaft zu diskutieren und Entscheidungen und Planungen transparent zu kommunizieren. Gleichzeitig bietet die Stadtgesellschaft ein großes Potenzial, Lösungen gemeinsam zu erarbeiten und in die Umsetzung zu bringen, indem sie eine Vielzahl eigener Ressourcen einbringt. Die Zukunft der Stadt ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft nur im engen Schulterschluss bewältigen kann.

Hierzu wurde seit 2021 sukzessive der Fachbereich Verwaltungsleitung und Bürger*innendialog eu ausgerichtet und eine Fachdienststelle für den Bürger*innendialog aufgebaut. Ende 2023 wird der Organisationsaufbau abgeschlossen und alle Stellen besetzt sein. Ein erster Fokus lag bisher bei der Stärkung des Bürgerforums, der Einrichtung eines Bürger*innenrates für Aachen sowie eines Bürger*innentreffs mit Gesprächsformaten in der Innenstadt. In einem zweiten Schritt kann nun die zielgruppenspezifische Beteiligung geschärft werden.

Besondere Bedeutung kommt hierbei der Zielgruppe der Jugendlichen zu, denn die die Stadt von Morgen ist die Stadt der Jugendlichen, die zugleich wichtige Expert*innen für zukünftige Themen, Planungs- und Entscheidungsprozesse sind. Jedoch gilt es bei der Beteiligung spezifische Anforderungen zu beachten, denn diese erfordert, zum einen eine zielgruppengerechte Ansprache und Formate und zum anderen, dass Ergebnisse erlebbar und konkret werden und eine schnelle Umsetzung der Ergebnisse gewährleistet ist. Dabei kann dies entweder durch strukturelle Einbindung und Stärkung der Jugendbeteiligung in bestehenden Prozessen und Formaten geschehen oder durch Einrichtung zusätzlicher, zielgruppenspezifischer Formate. Hier kann auch auf die bestehenden guten Strukturen der Jugendförderung in Kommune und StädteRegion aufgebaut werden.

Die bundesdeutschen Großstädte gehen beim Aufbau ihrer Partizipationslandschaft sehr unterschiedlich vor. Um zu schauen, wie die gewünschte Stärkung der Jugendpartizipation am besten in die örtliche, stetig aufwachsende Beteiligungslandschaft wirksam eingebunden werden kann, wurde vereinbart, mit einem Expert*innenworkshop verschiedener kommunaler Partizipationsbeauftragter unter Beteiligung von Politik und Trägern der freien Jugendhilfe zu starten, bei dem es darum ging, sehr ehrlich auf die gemachten Erfahrungen und ihre Wirksamkeit zu schauen.

Hierzu wurde am 26.10.2022 ein dreistündiger Expert*innenworkshop organisiert, zu dem Expert*innen der Jugendbeteiligung aus den Kommunen Bonn, Düsseldorf, Heidelberg, Münster und Wuppertal als Referent*innen geworden werden konnte. Eine Visuelle Zusammenfassung des Workshops ist dieser Vorlage als Anlage 1: Graphic Recording – Visuelle Zusammenfassung des Workshops beigefügt.

Ziel des Workshops war es die Gelingensfaktoren und Barrieren einer inklusiven, umsetzungsorientierten und jugendgerechten Partizipation zu identifizieren, die Eckpunkte zur Stärkung der Jugendpartizipation in Aachen zu entwickeln und somit die Grundlage für den weiteren Prozess zu legen.

Eingangs wurde verwaltungsseitig auf die Vielfalt der etablierten Partizipationsformate in Aachen (z. B. Interessenvertretungen in Schulen), Austauschformate(z.B. Kinderparlament), Beteiligung in städtebaulichen Prozessen (Quartiersentwicklung, Freiflächen, Spielplätze etc.), Beteiligung in städtischen Dialog- und Beteiligungsformaten sowie die strategische Stärkung über den Ausbau der Bürger*innendialoge, das OecherLab, den Büger*innenrat und das Bürgerforum skizziert und auf die Mitwirkungsmöglichkeiten im Rahmen der kooperativen Stadt hingewiesen. Vor dem Hintergrund dieser zahlreichen bestehenden Beteiligungsformate wurde die Frage aufgeworfen, ob die bestehenden Gremien und Formate durchlässiger gestaltet werden sollten oder es tatsächlich eigenständiger zusätzlicher Formate für Jugendliche bedarf.

Anschließend stellten die Vertreter*innen der Kommunen Bonn, Düsseldorf, Heidelberg, Münster und Wuppertal

anhand folgender Leitfragen

-Wie ist die Ansprache / Aktivierung der Zielgruppe erfolgt/gelungen?

-Welche Formate werden in Ihrer Kommune umgesetzt?

-Gibt es eine institutionelle Anbindung? Welche Ressourcen werden zur Verfügung gestellt (personell und finanziell)?

- Wie erfolgt die Rückkopplung der Ergebnisse an die Jugendlichen? Wie läuft die Umsetzung (Wirksamkeitskontrolle)?

ihre Ansätze, Strategien und Formate vor.

Durch die Präsentationen und insbesondere die Diskussion wurde deutlich, dass das vielschichtige Themenfeld mit sehr unterschiedlichen Ansätzen und Verortungen in den Kommunalverwaltungen verfolgt wird. Diese gehen jeweils einher mit unterschiedlichen Herausforderungen und Qualitäten. Ein „Königsweg“ besteht nicht, vielmehr sollten sich die Ansätze an den kommunalen Partizipationsgegebenheiten orientieren und auf diesen aufbauen.

Im Rahmen des Expert*innentalks und der anschließenden Diskussionsrunde zwischen Politik, Verwaltung, Jugendhilfeträger und Expert*innen wurden insbesondere folgende Eckpunkte und Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Jugendpartizipation und die angemessene Beteiligung bei ihren Interessen berührenden Planungen,

Entscheidungen und Maßnahmen festgehalten:

-Unabdingbar ist ein hohes Engagement und eine strukturierte Begleitung in Verbindung mit entsprechenden personellen Ressourcen.

-Die Verortung in der Verwaltung ist nicht einheitlich. Zum Teil sind entsprechende Stellen unmittelbar der Stadtplanung zugeordnet (Schwerpunkt: konsequente Jugendpartizipation in allen Stadtentwicklungsprozessen), zum Teil im Bereich der Jugendpflege (Schwerpunkt: Empowerment) und zum Teil im Fachbereich der Oberbürgermeister*innen (Schwerpunkt: zentrales Beteiligungsmanagement, Wirksamkeit in alle Dezernate)

-Eine Umsetzungs-/ Wirkungsorientierung ist für Jugendliche von zentraler Bedeutung, kurzfristige Umsetzungsmöglichkeiten müssen geschaffen werden schaffen, um eine sichtbare Wirksamkeit zu entfalten.

-Die Aufbereitung muss adressatengerecht erfolgen. Eine besondere Herausforderung besteht in der Ansprache und Einbindung ALLER Jugendlichen aus verschiedenen Milieus und Sozialräumen, nicht nur der politisch motivierten/ institutionalisierten.

-Zentral für eine ernsthafte Beteiligung ist zudem die Transparenz ggü. den Jugendlichen. Grenzen der Beteiligung müssen ebenso transparent dargelegt und kommuniziert werden, wie der Umgang mit den Ergebnissen.

-Zentraler Bedeutung kommt einer höheren Durchlässigkeit bestehender Formate - insbesondere pol. Partizipation zu. Hierzu gilt es die Einbindung in vorhandene Strukturen bei Politik und Verwaltung zu schaffen.

-Jugendliche müssen direkt beteiligt werden, um selbst Teil der Struktur zu sein und direktes Feedback geben zu können.

Auf Basis der vorgenannten Ergebnisse und Erkenntnisse wurde folgendes weitere Vorgehen vereinbart:

-Ein Jugendratschlag, bei dem Formate, Prozesse und Themen gemeinsam mit der Zielgruppe erarbeitet werden, um zu hören, was Jugend will und diese frühzeitig einzubinden.

-Ziel ist es, Strukturen zu schaffen, die strukturell eine Beteiligung über alle Themenbereiche sicherstellen

-Der Jugendratschlag soll durchgeführt werden, sobald die in der Verwaltung geschaffenen Personalkapazitäten besetzt sind. Eine externe Moderation erscheint sinnvoll.

Insgesamt bot die Veranstaltung einen spannenden Einblick in die Vielfalt der Jugendpartizipation und war geprägt von einem breit geteilten Wunsch nach der Fortführung des Austauschs. Zugleich war sie ein wichtiger Schritt für den weiteren Aachener Prozess. Insbesondere wurde deutlich, dass ein starres separates Gremium der Jugendpartizipation eine geringere Wirkung entfaltet, als eine strukturelle Verankerung in allen wichtigen Themenbereichen. Diese wird über entsprechende Fachexpertise und und gezielte räumlich begrenzte und situative Formen der Beteiligung gewährleistet.


Abstimmungsergebnis

Zustimmung: einstimmig Ablehnung: Enthaltung:
Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2023-04-03 FB 01_0361_WP18 Bericht Workshop Jug SAO.pdf

6.11.2024

1.5 MB

Metadaten

TOP
Ö 7
Sitzung
Sitzung des Ausschusses für Schule und Weiterbildung
Gremium
Ausschuss für Schule und Weiterbildung
Datum
Do., 27.04.2023
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Kenntnisnahme
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
FB 01 - Fachbereich Verwaltungsleitung, Grundsatz und Dialog
Zusätze
Die Unterlagen wurden nachgereicht.
Geändert
8.2.2026
Inhalt abgerufen
8. Februar 2026 um 19:08

Beschlussdokument

Sammeldokument öffentlich

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