Ausweitung der Praxisintegrierten Ausbildung - Ratsantrag der Fraktionen der GRÜNEN und der SPD vom 25.01.2023
FB 45/0374/WP18 · Kenntnisnahme
Beratung
Herr Tillmann erläutert, dass die beiden Fraktionen Die Grüne und SPD den Antrag im Anschluss an die letzten Haushaltsberatungen vor dem Hintergrund der vielfältigen Auswirkungen des Fachkräftemangels gestellt hätten. Die Ausweitung der Ausbildungskapazitäten stelle aus Sicht der beiden Fraktionen eine mögliche Option dar, diesem Fachkräftemangel langfristig und bestenfalls nachhaltig zu begegnen. Zwar seien die Argumente der Verwaltung in der Vorlage nachvollziehbar. Da es sich somit um einen länger angelegten Prozess handele und die Ausbildungskapazitäten stetig angehoben werden sollten, beantragt er die Streichung des zweiten Satzes des Beschlussvorschlages, wonach der Ratsantrag mit der heutigen Beratung als erledigt gelte.
Frau van der Meulen weist auf die Erläuterungen in der Vorlage hin, dass Berufspraktikantinnen und -praktikanten im Rahmen des einjährigen Berufspraktikums ein monatliches Entgelt in Höhe von 1.652,02 Euro erhalten würden. Sie erkundigt sich danach, ob es sich bei diesem einjährigen Praktikum um das Anerkennungsjahr nach der theoretischen Fachausbildung zur*zum Erzieher*in handele.
Frau Traeger bestätigt diese Vermutung von Frau van der Meulen. Die Auszubildenden im Rahmen der PIA-Ausbildung würden im Unterschied zu den Berufspraktikantinnen und -praktikanten halbtags in der KiTa tätig sein und halbtags die Berufsschule besuchen.
Herr Gurr greift aus der Vorlage auf, dass die Käthe-Kollwitz-Schule noch über freie Plätze verfügen würde und erkundigt sich nach möglichen Handlungsoptionen, beispielsweise eine verstärkte und offensive Öffentlichkeitsarbeit.
Frau Traeger berichtet, dass bislang zwei Regelklassen für die klassische Ausbildung mit ca. 20-25 Schülerinnen und Schülern hätten angeboten werden können. Die Tendenz habe sich nun jedoch zu einem verstärkten Interesse an der PIA-Ausbildung entwickelt, sodass für das kommende Schuljahr 2023/2024 nur noch eine Regelklasse für die klassische Ausbildung zustande käme.
Frau Mendes erkundigt sich, ob es stattdessen genügend Bewerbungen für die PIA-Ausbildung gegeben hätte.
Frau Traeger erläutert, dass sich die Anzahl an verfügbaren Plätzen nahezu mit den eingegangenen Bewerbungen denke. Das Berufskolleg Stolberg/Simmerath verfüge noch über einzelne, freie Plätze. Gleichzeitig befinde sich das Berufskolleg aber noch im Anmeldeverfahren.
Herr Brötz ergänzt, dass die Ausbildungskapazitäten in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut worden seien. In den letzten fünf Jahren sei die Anzahl an Klassen an der Käthe-Kollwitz-Schule von zwei auf vier erhöht worden, in Stolberg/Simmerath von zwei auf fünf. Hierbei handele es sich um eine außergewöhnliche Entwicklung, auch im NRW-weiten Vergleich. Daher sei es auch nicht ungewöhnlich, dass es aktuell noch freie Plätze in Stolberg/Simmerath gebe. Er weist noch darauf hin, dass es in der Eifel eine höhere Nachfrage nach der klassischen Ausbildung gebe.
Frau Scheidt weist darauf hin, dass die Berufskollegs auch in die Überlegungen und in die Konzipierung des Aachener Modells involviert gewesen seien. Es werde daher noch Gelegenheiten geben, sich zu dieser Thematik mit den Schulen auszutauschen.
Dem Antrag von Herrn Tillmann folgend, lässt Frau Scheidt über den geänderten Beschlussvorschlag (Streichung des 2. Satzes) abstimmen.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
- Der Kinder- und Jugendausschuss nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.
- Der Ratsantrag der Fraktionen der GRÜNEN und der SPD gilt damit als erledigt.
Erläuterungen
Erläuterungen:
- Ausgangslage
Der Bedarf an Fachkräften in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung in Kindertages-stätten übersteigt das Angebot inzwischen bei weitem. Neueinstellungen können die Ausfälle (z.B. Schwangerschaften, Elternzeiten, Langzeiterkrankungen) oder Weggänge (z.B. Umzüge, Verren-tungen, Berufswechsel) nicht im Ansatz kompensieren. Die Auswirkungen bekommen die Familien, die verbleibenden (Fach-)Kräfte aber auch die Träger der Kindertageseinrichtungen beinahe täglich zu spüren. Es werden Betreuungszeiten reduziert, Gruppen oder sogar ganze Kitas geschlossen. Gleichzeitig ist ein weiterer Ausbau des Angebots in der Region erforderlich, um den Rechtsanspruch auf einen Platz in KiTa oder Tagespflege zu erfüllen.
Eine Möglichkeit dem Fachkräftemangel zu begegnen, ist die Ausweitung der Ausbildungsplätze.
2018 wurde neben der klassischen Ausbildungsform an Fachschulen die Praxisintegrierte Ausbildung zum/r Erzieher*in und seit 2022 auch zum/r Kinderpfleger*in entwickelt und fortwährend ausgebaut.
Im vorliegenden Antrag wird sich insbesondere auf die Praxisintegrierte Ausbildung zum/r Erzieher*in bezogen.
Die Fachschulen in der StädteRegion Aachen haben in den vergangenen Jahren eine Erweiterung gerade bei diesen Ausbildungen umgesetzt, so dass nun in der Käthe-Kollwitz-Schule pro Jahrgang fünf Klassen in der Ausbildung zum/r Erzieher*in, im Berufskolleg Simmerath/Stolberg vier Klassen angeboten werden. Letzteres bietet zusätzlich alle drei Jahre eine Teilzeitausbildung zum/r Erzieher*in an, d.h. die Schüler*innen besuchen die Schule nebenberuflich. Da dies eine hohe Belastung für alle Beteiligten darstellt, startet nicht jährlich ein Ausbildungsgang, die eingehenden Bewerbungen können jedoch gedeckt werden.
Die Erweiterung der Ausbildungsklassen ist gelungen, obwohl die Anzahl der jungen Menschen pro Jahrgang, für die die Ausbildung in Frage kommen könnte, im relevanten Zeitraum kleiner geworden ist.[1]
Gleichzeitig ist insgesamt die Zahl der in den Kindertagesstätten beschäftigen Menschen deutlich gestiegen.[2]
Für das kommende Schuljahr 2023/24 ist davon auszugehen, dass in der Käthe Kollwitz Schule wegen fehlender Anmeldungen nur vier Klassen angeboten werden: drei Klassen in der PiA-Erzieher*innenausbildung und eine Regelklasse.
Im Berufskolleg Simmerath Stolberg gibt es zum Sommer keine Veränderung, es bleibt bei zwei PiA-Klassen und zwei Regelklassen in Vollzeit.
- Praxisintegrierte Ausbildung (PiA) zum/r Erzieher*in
Die klassische Ausbildung einer Fachkraft umfasst eine zweijährige fachtheoretische Vollzeitausbildung in der Schule, an die sich ein einjähriges Berufspraktikum in einem Berufsfeld in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und/oder jungen Erwachsenen anschließt (z.B. Kinderheim, OT, KiTa). Für die beiden ersten Jahre kann Schüler*innen-BAföG beantragt werden. Im Berufspraktikum erhalten die angehenden Erzieher*innen durch den Träger der Praxisstelle ein Entgelt.
Bei der Praxisintegrierten Ausbildung (PiA) wird über drei Jahre gleichzeitig, je im Umfang einer halben Stelle, mit einem Ausbildungsvertrag in einem Berufsfeld (analog obiger Auflistung) der praktische Anteil der Ausbildung absolviert und gleichzeitig die Fachschule besucht.
- Vergütung
Im Rahmen der Praxisintegrierten Ausbildung wird nach TVöD folgende Ausbildungsvergütung gezahlt:
1. Ausbildungsjahr1190,69 Euro/Monat
2. Ausbildungsjahr1252,07 Euro/Monat
3. Ausbildungsjahr1353,38 Euro/Monat
Zum Vergleich: Das Berufspraktikantenentgelt beträgt1652,02 Euro/Monat im Rahmen des einjährigen Berufspraktikums.
- Situation vor Ort im Hinblick auf die Praxisintegrierte Ausbildung
4.1 an den Schulen
Beide Berufskollegs (Käthe Kollwitz Schule und Berufskolleg Simmerath/Stolberg) befinden sich zurzeit in der Anmeldephase für den neuen Ausbildungsjahrgang, beginnend ab Sommer 2023. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, d.h. es gibt noch freie Plätze, Bewerbungen liegen ebenfalls noch vor. Eine Erweiterung der Klassen wird nicht gesehen, da die entsprechenden Fachlehrer*innen fehlen, die den Unterricht anbieten könnten.
Die Bewerbung an der Fachschule und um einen Ausbildungsvertrag mit einer Praxisstelle bedingen sich gegenseitig.
4.2 Situation bei der Stadt Aachen
Bereits jetzt ist nahezu in allen Gruppen einer Kita ein/e Auszubildende*r eingesetzt. Hinzu kommen Schüler-, Vor-, FOS- und sonstige Praktikant*innen.
Dadurch gelingt es häufig nur mit erheblichem Engagement, alle PiA (Erzieher*innen und Kinderpfleger*innen) und Berufspraktikant*innen in den Einrichtungen unterzubringen und in der Ausbildung gut zu begleiten.
Ausgehend hiervon wird seitens FB 45 eine weitere Ausweitung der Ausbildungsplätze in diesem Bereich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht empfohlen.
4.3 Situation bei den freien Trägern
Eine Nachfrage bei verschiedenen Trägern in Aachen zeigt ein ähnliches Bild. Grundsätzlich besteht eine hohe Bereitschaft, diese Menschen auszubilden. Die Zahl an Ausbildungsplätzen ist nahezu bei allen Trägern in den letzten Jahren erweitert worden. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Anleitung eines/r angehenden Erzieher*in eine zunehmend größer werdende Herausforderung ist, die nicht leicht zu schultern ist. Die jungen Praktikant*innen befinden sich noch im Reifungsprozess zum Erwachsenen und benötigen vielfache Begleitung auch über die fachlichen Anforderungen hinaus.
Der derzeitige Stand an Ausbildungsplätzen kann bei den Trägern gehalten werden, eine zusätzliche Aufstockung an Ausbildungsplätzen wird nicht gesehen. Nur ein Träger gab an, sich vorstellen zu können, weitere Nachwuchskräfte auszubilden, sofern er dazu eine finanzielle Unterstützung erhalten würde.
Es ist insgesamt zu beobachten, dass im Laufe des Kita-Jahres aufgrund der personellen Situation oftmals die Belastung in den Einrichtungen zunimmt, Anleitungen müssen gewechselt werden, eine kontinuierliche Begleitung ist manchmal kaum möglich.
Diese Rückmeldung geben auch angehenden Erzieher*innen in der Schule. Zudem berichten sie, dass ein hoher Personalmangel in den Einrichtungen sie zeitweilig dazu "zwinge", Aufgabenbereiche zu übernehmen, die sie noch nicht leisten könnten.Aufgaben, die ihnen die Schule stelle, können zeitweise nicht umgesetzt werden (z.B. die Durchführung von Beobachtung und daraus gezielter Begleitung für einzelne Kinder); das erschwert insgesamt die Kompetenzerweiterung, die laut Curriculum vorgesehen ist.
Es ist zu befürchten, dass die Bedingungen und Erfahrungen im Arbeitsfeld die jungen Fachkräfte abschreckt, sich zu bewerben oder dauerhaft bleiben zu wollen. Im Rahmen des Kitagipfels der StädteRegion äußerten dort anwesenden Schüler*innen aus den jeweiligen Abschlussklassen, dass eine hohe Belastung wahrgenommen wird und einige der Mitschüler*innen im Anschluss an die Ausbildung studieren wollten.
- Ausblick
Es ist wünschenswert, weitere Ausbildungsplätze vorzusehen. Ob dieser Wunsch erfüllbar sein wird, liegt sowohl an den institutionellen Möglichkeiten der Fachschulen, als auch an den tatsächlichen Arbeitssituationen in den meisten Einrichtungen. Gerade die zusätzliche Aufgabe der verantwortlichen Anleitung vor Ort ist in diesem Zusammenhang bewusst und selbstkritisch, auch in der weiteren Entwicklung, zu betrachten.
[1] Von 20210 bis 2022 hat sich die Zahl der Schulabsolvent*innen in NRW von 216.151 auf 179.793 verringert („Das Schulwesen in NRW aus quantitativer Sicht 2020/2021“; https://www.schulministerium.nrw/system/files/media/document/file/quantita_2020.pdf)
[2] Siehe: DJI Personal und Arbeitsmarkt in Zeiten von Corona
https://www.fachkraeftebarometer.de/fileadmin/Redaktion/Publikation_FKB_Corona_2022/WiFF_FKB_Corona_2022_web.pdf
Auswirkungen
Finanzielle Auswirkungen
JA | NEIN | ||
x |
Investive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff. | Gesamtbedarf (alt) | Gesamtbedarf (neu) | |
Einzahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Auszahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | |||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | ||||||
konsumtive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff. | Folge-kosten (alt) | Folge-kosten (neu) | |
Ertrag | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Personal-/ Sachaufwand | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Abschreibungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | |||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | ||||||
Weitere Erläuterungen (bei Bedarf):
Klimarelevanz
Bedeutung der Maßnahme für den Klimaschutz/Bedeutung der Maßnahme für die
Klimafolgenanpassung (in den freien Feldern ankreuzen)
Zur Relevanz der Maßnahme für den Klimaschutz
Die Maßnahme hat folgende Relevanz:
keine | positiv | negativ | nicht eindeutig |
Der Effekt auf die CO2-Emissionen ist:
gering | mittel | groß | nicht ermittelbar |
Zur Relevanz der Maßnahme für dieKlimafolgenanpassung
Die Maßnahme hat folgende Relevanz:
keine | positiv | negativ | nicht eindeutig |
Größenordnung der Effekte
Wenn quantitative Auswirkungen ermittelbar sind, sind die Felder entsprechend anzukreuzen.
Die CO2-Einsparung durch die Maßnahme ist (bei positiven Maßnahmen):
gering | unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels) | ||
mittel | 80 t bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels) | ||
groß | mehr als 770 t / Jahr(über 1% des jährl. Einsparziels) |
Die Erhöhung der CO2-Emissionen durch die Maßnahme ist (bei negativen Maßnahmen):
gering | unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels) | ||
mittel | 80 bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels) | ||
groß | mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels) |
Eine Kompensation der zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen erfolgt:
vollständig | |||
überwiegend (50% - 99%) | |||
teilweise (1% - 49 %) | |||
nicht | |||
nicht bekannt |
Abstimmungsergebnis
Technische Details
ID: 119614
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=119614
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2023-05-04 FB 45_0374_WP18 Ausweitung der Praxi SAO.pdf
6.11.2024
618.2 KB
Metadaten
- TOP
- Ö 7
- Sitzung
- Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses
- Gremium
- Kinder- und Jugendausschuss
- Datum
- Di., 23.05.2023
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 45 - Fachbereich Kinder, Jugend und Schule
- Zusätze
- Die Unterlagen wurden nachgereicht.
- Geändert
- 8.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 8. Februar 2026 um 19:18
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
Öffnen