9. August 2023 um 17:00, Rathaus
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Quartiersanalyse Driescher Hof: Ergebnisse der Bewohner*innen-Befragung

FB 56/0294/WP18 · Kenntnisnahme

Quartiersanalyse Driescher Hof: Ergebnisse der Bewohner*innen-Befragung

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Beratungsergebnis:geändert beschlossen

Beratung

Frau Begaß erläutert anhand einer Präsentation, die imRatsinformationssystem einsehbar ist,

zum Thema.Es habe eine Befragung der Bewohner*innen im Bereich Driescher Hof zu den

Themen Wohnen, Wohnumfeld, Nachbarschaft und soziale Strukturen stattgefunden sowie ein Quartiers-Check als Fotostreifzug mit Kindern der Grundschule Driescher Hof. Sie geht auf die Form und die Ergebnisse der Befragung und des Fotostreifzuges ein. Das Quartier werde überwiegend als lebenswerter Ort mit Potential als grüner Stadtteil, als ruhiger, günstiger und sozial funktionierender Wohnort empfunden. Daneben offenbart die Befragung aber auch Schwächen und Verbesserungspotentiale des Quartiers sowie Wünsche sowohl der Befragten als auch der am Fotostreifzug beteiligten Kinder.Die Befragung und der Fotostreifzug, so merkt sie an, seien nur ein Baustein von vielen Analysen zur Lebenssituation im Quartier, die in den Prozess des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes einfließen.

Die dargelegten Handlungsbedarfe würden analysiert und die Ergebnisse in das Integrierte Stadtentwicklungskonzept und das Handlungskonzept Wohnen mit einbezogen. Das Quartiersmanagement vor Ort bringe bereits jetzt im Rahmen konkreter Projekte Ideen zur Verbesserung der Situation gemeinsam mit Anwohner*innen und Akteur*innen in Umsetzung.

Herr Dr. Otten bittet die Verwaltung, die Auswertung der Einzelergebnisse der Fragebögen

mitzuteilen. Die Ausführungen in der Vorlage, dass über 80% sagen, sie fänden es toll in Driescher Hof, sieht er kritisch. Driescher Hof seien nicht nur die ersten 30 m, sondern es gehe um den gesamten Bereich. Zum Thema Barrierefreiheit teilt er mit, da es unterschiedliche Behinderungen gebe, seien barrierefreie Wohnungen so gut wie nicht möglich. Das Ziel müsse sein, Barrierearmut herzustellen.

Die Ergebnisse zu allen Fragen des Fragebogens sind in der Präsentation aufgeführt.

Herr Jacoby verweist auf die Stellungnahme der OT Driescher Hof zu der Bewohner*innen-Befragung, die den Mitgliedern der Bezirksvertretung Aachen-Mitte zugesandt wurde. Er bezieht sich auf die Textstelle „Ergänzend dazu wäre es wünschenswert, wenn die Expertise von Einrichtungen im Stadtteil ebenfalls systematisch abgefragt werden würde, da diese häufig Sprachrohr für die Menschen sein müssen, die sich selbst nicht vertreten können – aus den verschiedensten Gründen.“ und stellt die Frage, ob die Expertise in die Befragung mit eingeflossen ist.

Frau Begaß teilt mit, die OT Driescher Hof sei eine hoch professionell arbeitende Einrichtung in diesem Quartier, die viele Jahre Erfahrungen mit den Menschen vor Ort habe und in der täglichen Arbeit mit allen möglichen Situationen der Hilfsbedürftigkeit oder der Armut auch von Kindern konfrontiert werde. Es sei deshalb sehr wichtig, kritisch darauf hinzuweisen, dass die Ergebnisse einer Befragung immer auch reflektiert werden müssten vor dem Hintergrund der statistischen Sozialdaten, aber auch der Lebenserfahrung und Lebenswirklichkeiten der sozialen Einrichtungen.

Im Vorfeld der Befragung seien mit der OT Driescher Hof, dem Eltern-Café, das sich auch bei dem Quartiers-Check beteiligt habe, Gespräche geführt worden. Auch sei ein Workshop mit allen

Akteur*innen aus dem Quartier zu einer Quartiersbetrachtung des Gesamtraumes Forst/Schönforst/Driescher Hofgemeinsam mit dem Fachbereich Stadtentwicklung,-planung und Mobilitätsinfrastruktur durchgeführt worden. Es gebe regelmäßige Gespräche mit der Stadtteilkonferenz und dem Quartiersmanagement. Der Quartiersmanager vor Ort führe die Analysegespräche weiter.

Eine statistische Befragung erreiche niemals alle Menschen, insbesondere die Erreichbarkeit von

Menschen mit Sprachbarrieren gestalte sich trotz des Einsatzes von Übersetzer*innen und mehrsprachig ausgebildeten Mitarbeitenden erfahrungsgemäß schwierig. Dafür brauche es die Einrichtungen vor Ort und deren Expertise, weswegen diese bereits im Vorfeld der Befragung über das geplante Vorgehen informiert wurden und teilweise auch unterstützt haben. Ergänzend führt

Frau Begaß aus, die Befragung zu der Wohn- und Lebenssituation habe sich an die Bewohner*innen vor Ort gerichtet und nicht an die Einrichtungen vor Ort. Die Sichtweise der Akteur*innen vor Ort sei in den Gesamtprozess Forst / Driescher Hof eingebettet und würde von der Stadtentwicklung mit einem externen Planungsbüro ausgewertet. In das Gesamtergebnis zum Stadtentwicklungsprozess, aber nicht in das Befragungsergebnis fließen sie mit ein.

Herr Klopstein regt an, im Hinblick auf die fehlende Sauberkeit im Bereich Driescher Hof die Ergebnisse der Bewohner*innen-Befragung an den Betriebsausschuss Aachener Stadtbetriebzu geben.

Frau Penalosa bezieht sich auf den Antrag der Jugendlichen aus Driescher Hof, den diese an die Bezirksvertretung Aachen-Mitte gestellt haben. Die Jugendlichen hätten festgestellt, dass teilweise Gehwege nicht barrierefrei seien, z.B. die Rampe in der Johannstraße, wo ein Handlauf fehle. Sie erkundigt sich, ob auch die öffentlichen Wege bezüglich Barrierefreiheit betrachtet würden. Des Weiteren sollten mehr Mülleimer aufgestellt werden. Das Festival Stadtglühen, so führt sie aus, sei eine gute Aktion gewesen, die wiederholt werden sollte.

Frau Begaß teilt mit, die Verwaltung werde sich mit dem Thema öffentliche Räume und Barrierefreiheit befassen.

Herr Frieders stellt die Frage, welche sozialen Schichten sich zurückgemeldet haben und wie der Anteil hier sei. Er sei positiv überrascht über die Umfrageergebnisse.

Frau Begaß berichtet, Menschen mit Migrationshintergrund seien vermutlich unterrepräsentiert. Abgefragt wurde nur das Geburtsland, nicht ein Migrationshintergrund der Familie, doppelte

Staatsbürgerschaften etc. – ein direkter Abgleich mit Sozialplanungsdaten lasse sich daher nicht eindeutig herstellen. Personen mit geringem Einkommen seien gut repräsentiert. Die Aufteilung zwischen Hauseigentümer*innen und Mieter*innen sei jeweils 50 %. Auch die Eigentümer*innen seien Bewohner*innen des Driescher Hofes und hätten folglich eine Wahrnehmung und Meinung zu dem Quartier.Mit einer Befragung als Methodik erreiche man nicht alle Zielgruppen gleichermaßen. Man habe versucht, mit großem Aufwand und der Einbindung von Einrichtungen vor Ort so viele wie möglich zu erreichen. Die Rücklaufquote von rund 24% aller Bewohner*innen sei dabei bemerkenswert hoch für eine Bevölkerungsbefragung.

Herr Moselage teilt mit, die Stellungnahme der OT Driescher Hof verstehe er als Appell, sich mit den

Akteur*innen weiter zusammenzusetzen und den Prozess gemeinsam fortzusetzen.

Herr Deloie bezieht sich auf die Ergebnisse des Quartiers-Check zum Bereich des Brunnens. Allgemein werde dieser Bereich aber als ein sehr negativer Ort wahrgenommen. Er regt an, dass die Anregungen der Jugendlichen, die schon vor der Befragung vorlagen, mit einfließen und die

Akteur*innen vor Ort gehört werden sollten. Des Weiteren erkundigt er sich nach dem Anteil der Menschen aus dem Neubaubereich und dem Altbereich Driescher Hof bei der Befragung.

Frau Begaß berichtet, aus den Fragebögen könnte man zu den genauen Wohnadressen keine Rückschlüsse ziehen. Die Befragung sei anonym gewesen. Zu dem Wasserspielplatz merkt sie an, dieser werde aus Sicht der Kinder gut gefunden (Freude am Spiel mit Wasser), aus Sicht der Jugendlichen und Erwachsenen kritischer gesehen (parkende Autos, versiegelte Fläche, keine Verweilqualität). Die Verwaltung wäge hier genau ab und differenziere das und könne aus den Sichtweisen ableiten, dass das Wasser als Spielort hier eine positive Bedeutung habe und es sich daher lohnt zu prüfen, inwieweit das Umfeld als Spiel- und Aufenthaltsort dort ggf. verbessert werden könnte.

Herr Jacoby betont, im Bereich Driescher Hof gebe es Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Menschen mit Armuts-, Migrationshintergrund, die bildungsfern seien. Er befürchte, dass diese Menschen nicht repräsentativ in die Befragung eingeflossen seien. Hier seien die Netzwerke sehr wichtig und sollten intensiver mit einbezogen werden.

Herr Ferrari weist darauf hin, dass die Befragung nur ein Bestandteil des Gesamtkonzeptes sei.

Herr Pfeiffer möchte wissen, wie die Befragungsergebnisse von den Sozialdaten abweichen und inwiefern hier mathematische Gewichtungen durchgeführt werden können.

Frau Begaß informiert, dass solche Gewichtungen und Abgleiche nur dann möglich wären, wenn die entsprechenden sozialplanerische Detaildaten passend zu den Dateninhalten des Fragebogens in kleinräumiger Form verfügbar wären. Da dies nicht der Fall ist, sei es mathematisch nicht möglich in korrekter Weise solche Gewichtungen vorzunehmen.Es gebe eine insgesamt hohe Rücklaufquote. Wie zuvor beschrieben, wären Menschen mit Migrationshintergrund aber vermutlich unterrepräsentiert. Frau Begaß verweist darauf, dass es wissenschaftlich auch kritisch bewertet wird, wenn bei empirischen Erhebungen Befragte z.B. durch Übersetzer*innen, Vorlesende etc. intensiver begleitet werden, da dies u.a. das Risiko z.B. der Beeinflussung der Befragten oder suggestiver Umformulierungen birgt, was zu Verfälschungen empirischer Daten führen kann.

Herr Dr. Otten spricht sich dafür aus, die Netzwerke in das Integrierte Stadtentwicklungskonzept mit einzubeziehen und regt folgende Ergänzung des Beschlussvorschlags an:

Die Bezirksvertretung Aachen-Mitte regt an, auch die Erkenntnisse der Netzwerke mit einfließen zu lassen.

Herr Jacobs erkundigt sich nach den Auswertungen der Hochschule Landshut.

Die Hochschule Landshut hat die ausgefüllten Fragebögen der Befragung Driescher Hof ausgewertet und interpretiert. Die Präsentation ist das Ergebnis der Auswertungen der Hochschule.

Beschluss

Die Bezirksvertretung Aachen-Mitte nimmt die Ausführungen und den Ergebnisbericht zur Bewohner*innen-Befragung am Driescher Hof der Verwaltung zur Kenntnis und begrüßt die Integration der Ergebnisse in die Analysen zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept Forst / Schönforst / Driescher Hof. Die Erkenntnisse der Netzwerke in Driescher Hof sollen in das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Forst / Schönforst / Driescher Hof mit einbezogen werden.

Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag:

Der Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie nimmt die Ausführungen und den Ergebnisbericht zur Bewohner*innen-Befragung am Driescher Hof der Verwaltung zur Kenntnis und begrüßt die Integration der Ergebnisse in die Analysen zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept Forst/Schönforst/Driescher Hof.

Die Bezirksvertretung Mitte nimmt die Ausführungen und den Ergebnisbericht zur Bewohner*innen-Befragung am Driescher Hof der Verwaltung zur Kenntnis und begrüßt die Integration der Ergebnisse in die Analysen zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept Forst/Schönforst/Driescher Hof.

Der Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss nimmt die Ausführungen und den Ergebnisbericht zur Bewohner*innen-Befragung am Driescher Hof der Verwaltung zur Kenntnis begrüßt die Integration der Ergebnisse in die Analysen zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept Forst/Schönforst/Driescher Hof.


Erläuterungen

Erläuterungen:

Im Handlungskonzept Wohnen werden die Strategien zur Wohnraumentwicklung Aachens beschrieben. Übergreifende Zielsetzung ist es dabei das Wohnen für alle Zielgruppen in allenTeilräumen der Stadt zu ermöglichen und dabei nicht nur das eigentliche Wohnen, sondern auch Aspekte des Wohnumfeldes, der quartiersbezogenen Infrastrukturen und des sozialen Zusammenlebens in eine gut geplante Wohnbauentwicklung einzubeziehen. Das Handlungskonzept beschreibt dabei eine Vielfalt unterschiedlicher Maßnahmen und Instrumente mit denen dies erfolgen soll.

  1. Ausgangslage und Anlass

Mit Beschluss des Handlungskonzept Wohnens im Mai 2022 durch den Rat der Stadt Aachen wurde auch der darin beschriebene Fokusraum Forst/Driescher Hof im Hinblick auf die Wohn- und Lebenssituationen der Menschen vor Ort verstärkt in den Blick genommen.Der Fokusraum wird- bei reiner Betrachtung der Sozialdaten – charakterisiert durch eine hohe Quote an Transferleistungsempfangenden an der Wohnbevölkerung, einer überdurchschnittlichen Betroffenheit von Armutsphänomenen, einem großen Anteil von Familien mit Kindern einerseits und einer gleichzeitig deutlich ausgeprägten demographischen Alterungssituationanderseits. Gleichzeitig ist der Raum in Teilbereichen gekennzeichnet durch überalterte Bausubstanzen und einem Sanierungsstau bei einzelnen Gebäuden. Dies wirkt sich nicht nur negativ im Hinblick auf rein baulich, energetische Faktoren aus, sondern auch auf das Wohnumfeld und damit die Wohn- und Lebensqualität der Menschen im Quartier. Auch abseits der Wohngebäude werden in dem Gebiet Verbesserungspotentiale erkannt, z.B. wenn es um Lärmschutz, Gestaltung von Grünanlagen oder sozialen Infrastrukturen geht.Um langfristig eine Erhöhung der Wohn- und Lebensqualitäten für die Menschen in dem Quartier zu erreichen, bedarf es daher einer integrierten Quartiersentwicklung zur Aufwertung und Verbesserung des Gesamtraumes.

Für einen solchen Prozess ist es unerlässlich die oben benannten,rein indikatorbasierten Datenlagen der Sozialplanung, zu erweitern umdie ganz persönlichen Sichtweisen und Erfahrungen der Menschen im Hinblick auf ihr Quartier. Eine solche Bewertung des eigenen Wohn- und Lebensumfeldes und das Aufzeigen von Verbesserungspotentialen und -wünschen von den Menschen vor Ort bilden dabei wichtige Grundlagen für Planungsprozesse, für die Bildung von Handlungsschwerpunkten und die Ausarbeitung konkreter Projektideen und Maßnahmen für das Quartier.

Im Handlungskonzept Wohnen beschrieben wird, wie diese Gesamtheit der dann vorhandenen, gesammelten Informationen anschließend als ein ergänzender Analysebaustein z.B.in den großen Gesamtprozess zur Erstellung eines integrierten Stadtentwicklungskonzeptes für den Raum Forst/Schönforst/Driescher Hof eingespeist werden kann, derderzeit unter Federführung des Fachbereichs Stadtentwicklung, -planung und Mobilitätsinfrastrukturin enger Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration umgesetzt wird.

  1. Methodik

Im Handlungskonzept Wohnen wurden zwei verschiedene Wegeaufgezeigt, mit denen es gelingen kann Erkenntnisse über die Sichtweisen der Bevölkerung auf ihr Quartier zu gewinnen.

Die sogenannte „Quartiersanalyse“ beschreibt dabei ein Vorgehen, bei dem gezielt verschiedene Zielgruppen in einem Quartier zu bestimmten Themenschwerpunkten befragt werden und diese Befragungsergebnisse später auch statistisch ausgewertet werden können.

Der sogenannte „Quartiers-Check“skizziert dagegen eine qualitative Methode, bei der z.B. in spielerischen Formaten ganz individuelle Blicke auf das Quartier eingefangen werden, die frei von vorgefertigten Antwortmöglichkeiten sind. Dieses Format eignet sich besonders für die Einbindung der Eindrücke sowie Erlebnis- und Erfahrungswelten z.B. von Kindern und Jugendlichen im Quartier.

Im Jahr 2022 wurde die Entscheidung getroffen den Raum Driescher Hof innerhalb des Gesamtraumes mit beiden Formaten in den besonderen Fokus zu nehmen, da gerade für diesen Raum ergänzende Informationen fehlten und die dort lebenden Zielgruppen bei anderen Beteiligungsformaten (z.B. Workshop-Veranstaltungen etc.) häufig sehr unterrepräsentiert sind.

Die Quartiersanalyse sollte dabei die Themenschwerpunkte „Wohnen, Wohnumfeld, Nachbarschaft und soziale Strukturen“ beinhalten. Der entsprechende Fragebogen hierzu wurde gemeinsam von der Sozialplanung und Wohnungsmarktbeobachtung im fachbereichsübergreifenden Austausch erarbeitet.

Der Quartiers-Check wurde in Form eines Fotostreifzuges mit Kindern der Grundschule GGS Driescher Hof vom Quartiersmanagement Forst/Driescher Hof gemeinsam mit der Schule organisiert und durchgeführt.

  1. Umsetzung

Die Quartiersanalyse am Driescher Hof in Form einer Bewohner*innen-Befragung fand vier Wochen lang zwischen dem 19.09.2022 und 16.10.2022 statt.An den ersten drei Tagen (19.-21.09.2022) wurden am gesamten Driescher Hof (rund 2500 Haushalte) ausgedruckte Papier-Fragebögen in jeden Briefkasten eingeworfen. Jeder Umschlag enthielt ein erklärendes, niedrigschwelliges Anschreiben sowie den sechsseitigen, deutschsprachigen Fragebogen. Gleichzeitig war ein frankierter Rücksendeumschlag enthalten, damit bei Rücksendung der Fragebögen per Post keine Kosten entstehen. Dem Anschreiben beigefügt waren zudem vier QR-Codes, über die man zur Online-Version des Fragebogens gelangte, der dort in vier Sprachen verfügbar und ausfüllbar war: deutsch, englisch, türkisch und russisch. Dort war auch das erklärende Anschreiben in die jeweiligen Sprachenübersetzt.

Neben der postalischen Rücksendung war es auch möglich den ausgefüllten Fragebogen an verschiedenen Stellen im Quartier abzugeben (u.a. Rewe, Kita, Stadtteilbüro).

Die Befragung selbst wurde nicht nur in dieser postalischen Form betrieben, sondern auch durch aufsuchende Interviews vor Ort. Zwischen dem 22.09. und 16.10.2023 waren daher täglich Interviewer*innen der Stadt, ausgestattet mit iPads (digitaler Fragebogen) und ausgedruckten Fragebögen aufsuchend am Driescher Hof im Einsatz. So erhielten die Bewohner*innen die Möglichkeit, den Fragebogen analog oder digital mithilfe von städtischem Fachpersonal auszufüllen.

Außerdem wurde die Befragung mit verschiedenen Aktivitäten im Quartier verknüpft. Sohat das Quartiersmanagement Veranstaltungsformate (z.B. das offene Wohnzimmer) genutzt, um Bewohner*innen zu motivieren an der Befragung teilzunehmen. Daneben haben sich Akteur*innen im Quartier, z.B. bei Nachbarschaftscafés und Elterncafés daran beteiligt Menschen auf die Befragung aufmerksam zu machen und Hemmschwellen beim Zugang zu der Befragung abzubauen.

Die Analyse und Interpretation der Befragung erfolgen wissenschaftlich durch die Hochschule Landshut.

Für den Quartiers-Check wurden Kinder der GGS Driescher Hof mit Kameras ausgestattet durch das Quartier begleitet. Sie hatten dabei den Auftrag Orte zu fotografieren, die sie besonders wertvoll und schön finden oder Orte, die sie weniger schön finden. Die Beschreibungen der Kinder zu den Fotos wurden dabei auch als O-Töne eingesammelt. Im Rahmen eines Schulfestes im Juni 2022 wurden die Bilder der Kinder samt O-Tönen dann in der Schule ausgestellt und damit für die Kinder gemeinsam mit den Eltern ein Abschluss ihres Streifzuges durch das Quartier gestaltet. Die Ergebnisse des Streifzuges sind ergänzend zu den Befragungsergebnissen Teil der Gesamtanalyse in dem Raum.

  1. Ergebnisse

Anders als bei vielen nur online durchgeführten Befragungen war die Resonanz auf die sehr intensiv betriebene aufsuchende Befragung im Quartier hoch. Bei circa 2.500 befragten Haushalten am Driescher Hof gab es 599 Rückläufer in Form von schriftlich und digital ausgefüllten Fragebögen. Die Befragungsergebnisse besitzen damit eine hohe Aussagekraft und Repräsentativität. Spannendbei der Betrachtung der Ergebnisse ist, dass die Daten und Eindrücke einerseits konkrete Stellschrauben und Ansatzpunkte zur Verbesserung von Lebenssituationen im Betrachtungsraum aufzeigen, aber anderseits auch deutlich die vielfältigen positiven Facettendes Quartiers hervorheben. Nicht immer ist das Image eines Raumes deckungsgleich mit dem tatsächlichen Empfinden der Menschen vor Ort. Denn so überraschend es für manch einen klingen mag – der Driescher Hof ist auch ein lebenswerter und geschätzter Wohlfühl- undWohnstandort.

Extrakt aus den Ergebnissen

Die Bandbreite der mit der Befragung erreichten Altersgruppen und Haushaltsformen, entspricht den demographischen Schwerpunkten mit vielen älteren Haushalten (z.T. Singlehaushalte) und Familien.Von den Befragten war die Mehrheit im Alter von 46-66 Jahren (199 Personen) gefolgt von 30-45 -Jährigen (131) und 67-79 Jahre alten Menschen (103). Die Haushaltsgröße lag im Durchschnitt bei 2,55 Personen.Knapp über die Hälfte der Befragten lebt mit ein oder mehreren Kindern im Haushalt.

Über die Hälfte der Befragten (55%) wohnen bis zu 20 Jahre am Driescher Hof, hiervon rund 22% seit 11 bis 20 Jahren. Weitere 36% leben länger als 21 bis 49 Jahren dort, ca. 9% sogar seit 50 Jahren oder länger. Diese Zahlen verdeutlichen eine hohe Verweildauer am Driescher Hof, was u.a. eine starke Verbundenheit zum Quartier unterstreicht und sich an vielen Stellen der Befragungsergebnisse auch in entsprechenden qualitativen Äußerungen und Bewertungen ausdrückt.

Ausschlaggebende Gründe für den Zuzug an den Driescher Hof waren jedoch für die Befragten v.a. die erfolgreiche Suche nach einer passenden und günstigen Wohnung und der Immobilienerwerb. Etwa die Hälfte der Befragten wohnt zur Miete (52%), die andere Hälfte besitzt Eigentum (Haus/Wohnung, 48%).

Bezogen auf das Wohnen und den Wohnraum wurden durch eine Frage mit freien Antwortmöglichkeiten Veränderungswünsche abgefragt. 411 Befragte gaben mindestens einen Veränderungswunsch an: Barrierefreiheit (inklusive der Nennung Aufzug) spielt eine große Rolle, genauso wie mehr Raum (weiteres Zimmer, größere Küche). Auch der Wunsch nach Außenbereichen (Garten, Balkon, Terrasse) wird häufig genannt.

Bei der Frage nach Stärken des Quartiers insgesamt gab es zahlreiche Nennungen (982), was insofern bemerkenswert war, da diese frei selbst benannt werden sollten und nicht als Ankreuzfeld vorhanden waren.Besonders positiv hervorgehoben wurden dabei Grünflächen, unter anderem in Form von Wiesen, Parks und Spielplätzen, sowie die Infrastruktur (Versorgungsmöglichkeiten, Busanbindung und soziale Infrastruktur). Die Grün- und Erholungsbereiche am Driescher Hof wurden auch als wichtige Aufenthaltsorte benannt, ebenso wie das Eiscafé als Ort in der Ladenzeile. Ein Treffpunkt und eine Quartiersmitte sind demzufolge beliebte „Third Places“, die von den Bewohner*innen angenommen und stark frequentiert werden.

Die gegensätzliche Abfrage nach Schwächen des Driescher Hofs wurde seltener bewertet (801 Nennungen). Fehlende Sauberkeit und der Bereich um die Hochhausbebauung gelten hierbei als unattraktive Faktoren. Eine zusätzliche Frage zur Bewertung der Infrastruktur ergab, dass der Bereich Kultur(-veranstaltungen), öffentliche Toiletten, Sportmöglichkeiten, Gastronomie sowie das Freizeitangebot für Senior*innen, Kinder und Jugendliche nach Ansicht der Bewohnenden dringend verbessert werden müsste.

Die Befragung zeigt in Summe jedoch eine durchaus positive Stimmungslage am Driescher Hof. Die Aussagen „Jede Kultur ist willkommen.“, „Es gibt eine nette Nachbarschaft im Stadtteil.“, und „Hier fühle ich mich sicher“ wurden jeweils von fast der Hälfte der Befragten mit voller Zustimmung bestätigt.

Rund 85% aller Befragten gaben explizit an, dass sie sich am Driescher Hof wohlfühlen. Dabei wurden erneut die infrastrukturellen Angebote (Versorgung, ÖPNV) sowie v.a. eine nette Nachbarschaft, ein schönes Wohnhaus und eine bezahlbare Miete als Wohlfühlfaktoren deklariert. Insgesamt 1.572 Nennungen (Mehrfachantworten) wurden zum Thema Wohlfühlen angekreuzt. Die Abfrage nach Gründen für einfehlendes Wohlfühlen erhielt lediglich 343 Nennungen; die Unattraktivität des Viertels („keine schöne Gegend“) ist hier ein wesentlicher Grund.

Gefragt nach sozialen Kontakten im Quartier gaben 84% der Befragten diese als sehr (38%) oder eher zufriedenstellend (46%) zu empfinden, was somit eine eher positive Grundstimmung im Hinblick auf das soziale Gefüge vor Ort unterstreicht. In der Befragung wurde auch nach sozialen Hilfsstrukturen gefragt. Neben der eigenen Familie und dem Freundeskreis wurde dabei die Bedeutung der Nachbarschaft hervorgehoben – bei Kinderbetreuung, Fahrgelegenheiten, Besorgungen und handwerklicher Unterstützung spielte diese eine vergleichbar große Rolle wie der Freundeskreis.

Zusammenfassend wird der Driescher Hof von den Befragten im Quartier als lebenswerter Ort mit Potenzial als grüner Stadtteil und als ruhiger, günstiger und sozial funktionierender Wohnort empfunden. Die aufgezeigten Verbesserungspotenziale, die hier nur verkürzt dargestellt wurden, fließen in die Analysen zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept neben anderen Analysebausteinen ein.

Da derzeit noch abschließende Auswertungen und Interpretationen durch die wissenschaftlich begleitende Hochschule Landshut vorgenommen werden, wird die finale Ergebnispräsentation in den Ausschüssen mündlich vorgetragen bzw. dann in Form einer Präsentation zur Verfügung gestellt. Dabei werden dann auch die Ergebnisse des Foto-Streifzuges in Verbindung zur Befragung beschrieben.


Auswirkungen

Finanzielle Auswirkungen

JA

NEIN

x

Investive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Gesamt­bedarf (alt)

Gesamt­bedarf (neu)

Einzahlungen

0

0

0

0

0

0

Auszahlungen

0

0

0

0

0

0

Ergebnis

0

0

0

0

0

0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

konsumtive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Folge-kosten (alt)

Folge-kosten (neu)

Ertrag

0

0

0

0

0

0

Personal-/

Sachaufwand

0

0

0

0

0

0

Abschreibungen

0

0

0

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0

Ergebnis

0

0

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0

0

0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden


Klimarelevanz

Bedeutung der Maßnahme für den Klimaschutz/Bedeutung der Maßnahme für die

Klimafolgenanpassung (in den freien Feldern ankreuzen)

Zur Relevanz der Maßnahme für den Klimaschutz

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

x

Der Effekt auf die CO2-Emissionen ist:

gering

mittel

groß

nicht ermittelbar

x

Zur Relevanz der Maßnahme für dieKlimafolgenanpassung

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

x

Größenordnung der Effekte

Wenn quantitative Auswirkungen ermittelbar sind, sind die Felder entsprechend anzukreuzen.

Die CO2-Einsparung durch die Maßnahme ist (bei positiven Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 t bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr(über 1% des jährl. Einsparziels)

Die Erhöhung der CO2-Emissionen durch die Maßnahme ist (bei negativen Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels)

Eine Kompensation der zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen erfolgt:

vollständig

überwiegend (50% - 99%)

teilweise (1% - 49 %)

nicht

nicht bekannt

Abstimmungsergebnis

Einstimmig
Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2023-05-16 FB 56_0294_WP18 Quartiersanalyse Dri SAO.pdf

19.10.2024

5.6 MB

Metadaten

TOP
Ö 6
Sitzung
Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Mitte
Gremium
Bezirksvertretung Aachen-Mitte
Datum
Mi., 09.08.2023
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Kenntnisnahme
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
FB 56 - Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration
Geändert
8.2.2026
Inhalt abgerufen
8. Februar 2026 um 19:43

Beschlussdokument

Sammeldokument öffentlich

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