15. Mai 2024 um 16:00, Rathaus
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Sachstandsbericht Fokusjahr Adalbertstraße (Tageordnungsantrag SPD & GRÜNE vom 20.03.2024)

FB 02/0323/WP18 · Kenntnisnahme

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Beratungsergebnis:zur Kenntnis genommen

Beratung

Ratsherr Linden (SPD) bedankt sich fürdie gute und ausführliche Vorlage, die nochmal deutlich die Vielzahl der komplexen, ineinander greifenden Prozesse und die Arbeit, die dahinter stecke, zeige. Der Rat der Stadt Aachen habe sich seit mindestenszwei Wahlperioden dem Wandel der Innenstadtgewidmet, in der letzten Wahlperiode sei beispielsweise die Grundsatzentscheidung zum Büchel getroffen worden, in dieser Wahlperiode seien viele Hilfspakete im Rahmen der Corona Pandemie zur Verfügung gestellt worden und ebenfalls die Grundsatzentscheidung zum Thema Horten/Bushof getroffen worden.

Die heutige Vorlage verdeutlicht, dass die Adalbertstraße einerseits zwar Anlass zur Sorge biete, andererseits jedoch weiterhin die Haupteinkaufsstraße der Stadt Aachen sei, viele Menschen anziehe undjede Aufmerksamkeit verdiene, die sie durch das Fokusjahr auch erhalte. Die Fokussierung über die verschiedenen Fachbereichehinweg war und sei notwendig, da viele wichtige Themen mit Politik und Verwaltung gemeinsam entschieden werden müssen. Der Wunsch sei gewesen, dass sich daraus eine Strategieentwicklung ergeben und heute hier im Hauptausschuss verabschiedet werden könne, aufgrund vieler noch laufender Prozesse, sei dies jedochnoch nicht möglich. Er erinnert daran, dass damals einer der Anlässe für dieses Fokusjahr die verstärkte Sorge um Galeria Kaufhof gewesen sei, die vor kurzem auch wieder präsent gewesen sei. Dies habe nochmal verdeutlicht, dass mehr Wissen nötig sei, um für solche Anlässe resilient zu sein. Die Gesprächstiefe zu diesem Thema und die Analyse zu diesem Block, in dem sich Galeria Kaufhof befinde, die Ideenentwicklung für Möglichkeiten darüber und drumherum, insbesondere die Perspektivenentwicklung für die vier ausgebauten Baublöcke, zeigen die vorangeschrittene Entwicklung innerhalb der letzten eineinhalb Jahren. Nach Abschluss dieser Baublockanalyse werde man eine Strategie in der Hand haben, die für mehr Resilienz sorgen werde. Heute stehen mehr Instrumente für die Adalbertstraße zur Verfügung, beispielsweise das ZIO Programm biete nochmal neue Möglichkeiten, in Richtung Leerstandankauf, Zwischenerwerb, Vorbereitung von Umnutzungen und Machbarkeitsstudien tätig zu werden. In den Ausschüssen sei verdeutlicht worden, dass nicht nur eine Fokussierung innerhalb der Stadtverwaltung wichtig sei, sondern auch eine Gesprächsoffensive mit allen, die vor Ort anzusprechen seien. Einige dieser Gespräche haben bereits stattgefunden, die Resultate werden heute dann im nichtöffentlichen Teil erläutert.

Ratsherr Schaadt (Grüne) stimmt Ratsherrn Linden (SPD) zu, dass die Adalbertstraße die Haupteinkaufsstraße der Stadt Aachen sei und auch sein werde, so wie es in der Vorlage erwähnt werde. Durch den Wandel kämpfe man an vielen Stellen in der Innenstadt mit Leerständen, man bemühe sich jedoch, die Adalbertstraße nicht untergehen zu lassen. In der Vorlage seien viele kurz- und langfristige Maßnahmen erwähnt, daraus sei erkennbar, wie tiefgründig sich die Verwaltung mit dem Thema auseinandergesetzt habe und dies auch weiterhin tue. Besonders unterstreichen möchte er das Gutachten des Bürger*innenrates, der sich sehr intensiv mit der Attraktivität der Innenstadt auseinandergesetzt habe. Genau für solche Angelegenheiten sei der Bürger*innerat installiert worden.

Mit den geplanten Projekten werde man die Attraktivitätlangfristig auch steigern, momentan liege der Fokus jedoch auf der Adalbertstraße, die Maßnahmen hierfür seien in der Vorlage genannt und bereits in der Umsetzung. Der Weg sei noch weit, eine Stadtentwicklung könne nicht von heute auf morgen realisiert werden, für die Überbrückung seien jedoch die geplanten, kurzfristigen Maßnahmen, mit denen man den akuten Leerstand bekämpfen könne, genau richtig.

Er bedankt sich für die umfangreiche und ausführliche Vorlage, die er im Namen der Grüne-Fraktion gerne zur Kenntnis nehme.

Ratsfrau Eschweiler (CDU) hält fest, dass die Vorlage sehr umfangreich sei, sie frage sich jedoch, ob die Adalbertstraße vor einem Jahr schöner oder schlechter als heute gewesen sei, da sie keinen Unterschied erkennen könne. Da helfe auch ein noch so gut gemeinter vertikaler Garten oder eine temporär aufgestellte Oase nichts. Wenn ein vertikaler Garten in die Innenstadt gebracht werde, sei das eine tolle Idee, es müsse sich jedoch auch darum gekümmert werden, was nicht geschehen sei. Weiterhin sei sie nicht sicher, ob das neue Projekt Smart City Gold mehr Leute zum Einkaufen in die Innenstadt ziehen werde. Sie richtet an Oberbürgermeisterin Keupen die Frage, wie die Verwaltung auf die Idee komme, die Adalbertstraße zukünftig im oberen Teil auf junge, sportliche, produktive Menschen und im unteren Teil auf junges, urbanes Wohnen plus auszurichten. Die jungen Menschen seien eher weniger diejenigen, die stationär einkaufen. Wenn die Adalbertstraße im Fokus stehen und wieder die Einkaufsstraße werden solle, auf die man so stolz gewesen sei, müsse man alle Bevölkerungsschichten jeden Alters ansprechen.

Weiterhin fragt sie sich, weshalb das ZIO-Programm nur auf die Adalbertstraße fokussiert werde und nicht auch an anderen Stellen, wie beispielsweise die Großkölnstraße, in der ebenfalls massive Leerstände bestehen. Im vergangenen Jahr sei die Großkölnstraße durch Oberbürgermeisterin Keupen selbst auf die Waage gestellt worden, nun werde diese vernachlässigt. Sie stimmt Ratsherrn Linden (SPD) zu, dass die Adalbertstraße ein großer Prozess sein werde, der nicht von heute auf morgen realisierbar sei, was jedoch nicht gebraucht werde, sei eine Machbarkeitsstudie nach der anderen, die am Ende zu noch mehr Leerständen führen werde. Die Leerstände dehnen sich unter anderem in Richtung Elisenbrunnen und schon länger in Richtung Holz- und Dahmengraben aus, man versuche durch das Haus der Neugier entgegenzuwirken, daher sollte der Fokus eben nicht nur auf die Adalbertstraße gesetzt werden. Weiterhin möchte sie bezüglich des neuen, durch die Verwaltung geplanten Programms für die obere Adalbertstraße „jung, sportlich, produktiv“ und für die untere Adalbertstraße „junges, urbanes Wohnen plus“ wissen, wann dies in der Politik diskutiert worden sei. In jeder Sitzung werde darauf hingewiesen, dass der Rat und nicht die Verwaltung das Entscheidungsgremium sei. Diese Vorlage schreibe an vielen Stellen mit großer Selbstverständlichkeit und großem Selbstbewusstsein, dass verwaltungsintern entschieden worden sei, der Rat sei jedoch nicht beteiligt worden. Abschließend hält sie fest, dass der Bürger*innenrat sehr geschätzt werde, man sich jedoch bewusst darauf verständigt habe, dass die Ergebnisse in die entsprechenden Ausschüsse delegiert werden und nicht einzelne Punkte herausgegriffen werden. Die CDU-Fraktion nehme die Vorlage zur Kenntnis, stelle jedoch fest, dass sich nicht wirklich etwas geändert habe.

Ratsherr Deumens (DIE LINKE) bedankt sich für diese umfassende Vorlage und für die Maßnahmen, die auf den Weg gebracht worden seien. Das ganze brauche seine Zeit, die beste Lösung für die Situation und Problematik habe niemand, es sei jedoch wichtig und richtig, dass es in Angriff genommen worden sei. Erfreulich sei, dass die Verwaltung immer wieder, auch im Zusammenhang mit der Planung und Vorstellung, wie es mit der Adalbertstraße weitergehen könne, auch die Empfehlungen des Bürger*innenrates zitiere. Dies sei wichtig für die Menschen dieser Stadt und für die ersten und für die zukünftigen Mitglieder des Bürger*innenrates. Es sei wichtig, dass diese Menschen spüren, dass sie ernst genommen werden. Natürlich sei es auch wichtig, dass die Beschlüsse des Bürger*innenrates in den entsprechenden Fachausschüssen beraten werden.

Weiterhin findet er es gut, dass das Thema Wohnraum in der Adalbertstraße nun auch in den Fokus gerückt werde.

Ratsherr Allemand (DIE Zukunft) bedankt sich bei den Fraktionen für den Impuls und bei der Verwaltung für die gute Vorlage Er hält fest, dass nicht nur Aachen, sondern jede Großstadt im Westen mit diesen Problematiken konfrontiert sei. Er bezieht sich auf den Wortbeitrag von Ratsfrau Eschweiler (CDU) und möchte wissen, welche Lösungen sie zu ihren, zum Teil auch richtigen, geäußerten Kritiken habe.

Ratsfrau Breuer (CDU) hält fest, dass der Rat bereits mehrere Male die Adalbertstraße auf der Tagesordnung gehabt habe und die negative Entwicklung dieser Straße wie eine „schleichende Krankheit“ vorangeschritten sei. Die übermäßigen Leerstände der Gewerberäumlichkeiten seien auch schon lange vorher in Richtung Dahmengraben entstanden und der Versuch, die Situation in der Großkölnstraße zu verbessern, sei allem Anschein nach gescheitert. Sie äußert, dass die isolierte Betrachtung der Adalbertstraße nicht richtig sei und ein „Bespielen“, wie es neuerdings genannt werde,auch nicht ausreichen werde, um die Menschen wieder in die Innenstadt zu ziehen.Die in der Vorlage aufgeführten Maßnahmen seien somit nicht zielführend.

Ratsfrau Griepentrog (Grüne) äußert bezüglich den Aussagen der CDU-Fraktion ihren Unmut darüber, dass diese die Stadt in solch einer Art und Weise und mit solch einer Intensität schlecht rede unddie Verwaltung bezüglich dieser Vorlage, die alle Aspekte rund um die Entwicklungsmaßnahmen umfasse, erneut kritisiere.

Ratsfrau Eschweiler (CDU) hält fest, dass sie diese Stadt liebe, jedoch auch ein sehr realitätsbedachter Mensch sei und sich die Tatsachen nicht schön rede. Bezüglich der Frage von Ratsherrn Allemand (DIE Zukunft), welche Alternativvorschläge sie zu bieten habe, hält sie fest, dass alle in der Vorlage aufgeführten Projekte, die für gut bewertet worden seien, beispielsweise „Ladenliebe“ und „Smart City Shopping“, auch Vorschläge der CDU-Fraktion gewesen seien. Weiterhin hält sie fest, dass die Adalbertstraße für alle Menschen dieser Stadt sei, nicht nur für die jungen, sportlichen und dynamischen, daher überlasse man der Verwaltung auch nicht die Realisierung eines solchen Projektes. Natürlich möchte man nicht, dass die Adalbertstraße herunter gewirtschaftet werde, daher arbeite man auch an allen Projekten mit, die Vorlage weise jedoch keine zielführenden Maßnahmen vor. Wie bereits erwähnt helfe da auch nicht eine Machbarkeitsstudie nach der anderen. Sie bleibe auch dabei, dass man sich um die Bepflanzungen, die man in der Adalbertstraße vorgenommen habe, auch kümmern müsse. Die Maßnahme an sich sei nicht schlecht, die Handhabung jedoch schon.

Oberbürgermeisterin Keupen bedankt sich und hält fest, dass es sich bei dieser Vorlage um einen Sachstandbericht handle, es werden keine entsprechenden Maßnahmen auf den Weg gebracht, sondern über die aktuell laufenden Prozesse berichtet. Wie Ratsherr Linden (SPD) bereits erwähnt habe, werde man im nichtöffentlichen Teil über Gespräche berichten, die gerade im Kontext der Adalbertstraße geführt werden. Die Leerstandsquote in Höhe von 10,3 Prozent sei nicht schlechter als in anderen Städten, die Besucherfrequenz sei in der Adalbertstraße größer als in anderen Straßen. Man stehe vor einer sehr großen Herausforderung, an der an vielen Stellen innerhalb der Verwaltung gearbeitet werde. Vertikale Gärten seien vielleicht nicht die richtige Lösung, jedoch haben die Bäumein den roten Kübeln, die von der Interessensgemeinschaft Adalbertstraße initiiert und unterstützt wurden,den positiven Effekt ausgelöst, dass eine gute Netzwerkbildung und Verantwortungsgemeinschaft bei den anliegenden Geschäftsleuten entstanden sei. Abschließend erläutert sie, dass das Fokusjahr eine Schwerpunktsetzung in einem bestimmten Zeitkontext sei, um die Kräfte zu bündeln. Die Großkölnstraße entwickle sich durch die Initiative dort sehr gut, momentan habe man kaum Leerstände.

Beschluss

Der Hauptausschuss nimmt die Ausführungen der Verwaltung zum ‘Fokusjahr Adalbertstraße‘ einstimmig zur Kenntnis.

Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag:

Der Hauptausschuss nimmt die Ausführungen der Verwaltung zum ‘Fokusjahr Adalbertstraße‘ zur Kenntnis.

Erläuterungen

Sachstandsbericht Fokusjahr Adalbertstraße

(Tageordnungsantrag SPD & GRÜNE vom 20.03.2024)
Innenstädte sind deutschlandweit im Wandel und müssen sich an die veränderten Gegebenheiten anpassen. Hierzu zählt z. B. das veränderte Konsumverhalten (z. B. mehr Fokus auf Erlebnis und Nachhaltigkeit) und die Erwartungshaltung der Besucher*innen an die Qualität der Stadt (Ambiente, Verweilmöglichkeiten, Sicherheit, Sauberkeit). Auch die Aachener Innenstadt sieht sich vor diese Herausforderung gestellt.

Entgegen der üblichen Meinung hat die Innenstadt die während der Corona-Pandemie erlittenen Frequenzeinbußen durch Lockdowns, Hygienevorschriften und Konsumzurückhaltung weitgehend überwunden. So passierten 2023 im für den Einzelhandel wirtschaftlich besonders relevanten Dezember laut hystreet.com 1.079.745 Personen den zentralen Messpunkt „Adalbertstraße (West)“ und damit nur 1,7 % weniger als vor der Corona-Pandemie im Dezember 2019. Die Adalbertstraße ist nach wie vor die Einkaufsstraße mit der höchsten Frequenz in Aachen.

Die „Vitale Innenstädte 2022“-Studie, die das Institut für Handelsforschung (IFH Köln GmbH) alle zwei Jahre deutschlandweit durchführt, zeigt allerdings auf, dass Aachen in puncto Einzelhandels-, Gastronomie-, Freizeit-, Kultur-, Dienstleistungs- und Veranstaltungsangebot hinter anderen Städten derselben Größe in NRW sowie in Deutschland zurückfällt (siehe Abbildung 1). Zur Änderung dieses Zustandes sind neue Konzepte und Ideen gefragt.

Abbildung 1: Bewertung der Attraktivität der Aachener Innenstadt

Hinzu kommen weitere den stationären Einzelhandel belastende Herausforderungen etwa durch den Onlinehandel, der die Veränderung stationärer Geschäftsmodelle sowie den Wandel von Innenstädten zu Erlebnisstandorten mit sich bringt, die Konsumzurückhaltung und ein sich selbst verschärfendes Negativimage der Innenstadt. Dabei ist die gefühlte Lage oftmals schlechter als die tatsächliche.

Auch beeinflussen die existierenden Leerstände die Attraktivität der Innenstadt. Mit einer Leerstandsquote von 10,3 % (Basis: LeAn®, Datenstand der Wirtschaftsförderung zwischen 2022 und 2024, Aktualisierung folgt in Kürze) steht Aachen im Landesvergleich durchaus gut da. Gleichwohl führt die exponierte Lage und räumliche Bündelung einiger Leerstände - z. B im Dahmengraben und in der sog. ‘kleinen‘ Adalbertstraße - zu einem negativeren Eindruck, den es zu bekämpfen gilt, um die Auswirkungen auf das Image der gesamten Stadt einzudämmen. Das nachfolgende Schaubild zeigt den Status Quo des Bestands und des Leerstands. Damit wird einmal mehr deutlich, wie abhängig die Gesamtwahrnehmung der Einkaufsstraße von wenigen Einzelentwicklungen bzw. einzelnen Eigentumsverhältnissen ist.

Abbildung 2: Bestandsunternehmen und -branchen sowie Leerstände

Zur Belebung des Leerstands sind neue Nutzungen sowie Veränderungsbereitschaften seitens der Eigentümer*innen (inkl. Reglungsoptionen und Strukturbildungsmaßnahmen) sowie belebende Aktionen wie Veranstaltungen, vor allem aber auch eine neue inspirierende Prägung der Adalbertstraße im Gesamtbild „Erlebnis Innenstadt“ notwendig. Gute Voraussetzungen hierfür bildet die Bekanntheit der Adalbertstraße als Haupteinkaufsstraße.

Neben dem Aquis Plaza sind die GALERIA Karstadt Kaufhof sowie C&A und TK Maxx Magnetbetriebe, die Besucher*innen in die Straße ziehen. Insbesondere das Aquis Plaza spricht dabei eine junge Zielgruppe an. Gleichzeitig geht der Trend hin zu kleineren Konzepten; Geschäftsmodelle mit großen Flächenkonzepten tun sich deutschlandweit zunehmend schwer. Die Stadt Aachen steht daher im engen Austausch mit vielen Filialisten aus der Adalbertstraße, so z. B. GALERIA Karstadt Kaufhof, H&M, C&A und Woolworth, um deren Bedarfe und Entwicklungen zu flankieren und auf diese reagieren zu können.

Darüber hinaus wird eine Diskussion zu inhaltlichen und räumlichen Schwerpunktsetzungen der Innenstadtbereiche, die sich gegenseitig stärken und der Innenstadt ein vielseitigeres Profil geben, von der Verwaltung als sinnvoll erachtet und im Rahmen der Vorbereitenden Untersuchungen Östliche Innenstadt ausgearbeitet. Hierbei ist insbesondere die Adalbertstraße als Haupteinkaufsstraße in den Blick zu nehmen. Hierzu zählen z. B. passende Nutzungen (bspw. Wohnen oder Bildung), die Ansprache von bestimmten Zielgruppen (bspw. junge Menschen) sowie ein prägendes Stadtbild (bspw. Altstadt). Die verschiedenen Maßnahmen, die im Folgenden vorgestellt werden, richten sich darauf aus und zahlen aufeinander ein. Die fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit wird dabei über die Taskforce Innenstadtmorgen sichergestellt.

Maßnahmen zur Weiterentwicklung und Steuerung der östlichen Innenstadt

Der Umgang mit städtebaulichen Missständen in der östlichen Innenstadt wird derzeit durch den Prozess der ‘Vorbereitenden Untersuchungen‘ (VU) beleuchtet (siehe dazu: FB 61/0901/WP18: Vorbereitende Untersuchungen nach § 141 Baugesetzbuch in der östlichen Innenstadt – Analysebericht und vorläufige Sanierungsziele, Sachstand und weiteres Vorgehen; http://ratsinfo.aachen.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=28529). In einem nächsten Schritt werden in diesem Kontext die Begabungen und Entwicklungsperspektiven der einzelnen Lagen verwaltungsseitig diskutiert. Für die obere Adalbertstraße könnte dies ‘jung, sportlich, produktiv‘ sein, für die untere Adalbertstraße ‘junges, urbanes Wohnen plus‘. Ziel ist es, noch in diesem Jahr ein Handlungsprogramm mit konkreten Maßnahmen zu schreiben und die vorbereitenden Untersuchungen in 2025 abzuschließen.

Parallel zur VU in der östlichen Innenstadt wurde Ende des letzten Jahres ein weiterer Prozess angeschoben: die Perspektiventwicklung vier ausgewählter Baublöcke im Untersuchungsbereich. Ziel der Baublockuntersuchung ist es, die Potentiale einzelner Lagen herauszuarbeiten und gemeinsam mit den Eigentümer*innen vor Ort eine Perspektive für die zukünftige Entwicklung, Modernisierung und Instandhaltung der Gebäude und Grundstücke zu schaffen. Dieser Prozess wird unterstützt durch das Architekturbüro Raumwerk - Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH - aus Frankfurt/Düsseldorf. Bei der Perspektiventwicklung Baublöcke handelt es sich um die vier bebauten Flächen zwischen

Adalbertstraße/Stiftstraße

Adalbertstraße/Reihstraße (bis Höhe Wespienstraße)

Adalbertstraße/Blondelstraße und

Blondelstraße/Peterstraße/Schumacherstraße

Die Perspektiventwicklung/ Baublockuntersuchung soll dabei aus zwei Phasen bestehen. In der ersten Phase, den städtebaulichen Skizzen, die seit Anfang 2024 läuft, werden gemeinsam mit dem Planungsbüro für die vier Baublöcke in der östlichen Innenstadt inhaltlich schlüssige und verständlich dargestellte städtebauliche Visionen in verschiedenen Varianten entwickelt. In der zweiten Phase, die in der zweiten Jahreshälfte 2024 stattfinden soll, berät das Büro im Rahmen einer hochbaulichen Erstberatung interessierte Immobilieneigentümer*innen im gesamten Untersuchungsbereich der VU.

Mit dem inhaltlichen Schwerpunkt der Perspektiventwicklung Baublöcke findet am 06.05.2024 die dritte Informationsveranstaltung im Rahmen der vorbereitenden Untersuchungen für interessierte Eigentümer*innen statt. Neben einem kurzen Sachstandsbericht zur VU wird das Hauptaugenmerk dieses digitalen Treffens auf der Vorstellung der Fortschritte bei der Perspektiventwicklung liegen. Die Stadt möchte den Termin nutzen, das Büro Raumwerk vorzustellen und darüber informieren, wie die rund 750 Eigentümer*innen des Untersuchungsgebietes an der Gestaltung einer Zukunftsvision für ihre Immobilie und das Quartier mitwirken können. Im nächsten Schritt sollen gemeinsam mit den Eigentümer*innen detailliertere Vertiefungsvarianten der Baublöcke erarbeitet werden.

In einer städtebaulichen Sanierungsmaßnahme – einem denkbaren Ergebnis vorbereitender Untersuchungen – wird es Aufgabe der Stadt, städtebauliche Missstände auf privaten Grundstücken zu beseitigen, wenn nicht gewährleistet ist, dass die Eigentümer*innen der Grundstücke selbst dies zügig und zweckmäßig übernehmen. Aus diesem Grunde wurden mit den Eigentümer*innen von Schlüsselgrundstücken mit sich offenkundig abzeichnenden Missständen (z.B. länger andauernden größeren Leerständen) seit Einleitung der vorbereitenden Untersuchungen vertiefte Gespräche geführt. Für die seit mehr als zehn Jahren leerstehenden Gebäude des ehemalige Modehauses Wehmeyer (und angrenzend) im Baublock Adalbertstraße-Reihstraße wurden 2023 Städtebaufördermittel zur Erleichterung eines denkbaren städtischen Zwischenerwerbs sowie zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie eingeworben.

Maßnahmen zur Verbesserung und Aufwertung des lokalen Angebots

Um die Adalbertstraße zukunftsfähig aufzustellen, muss ein stärkerer Nutzungsmix aus Einzelhandels-, Gastronomie-, Kultur- und Freizeitangeboten in der Straße angestrebt und gefördert werden. Auch innovative Konzepte sowie neue Innenstadtnutzungen z. B. urbane Produktion und Handwerk, sind gefragt. Dies spiegelt sich auch in den Empfehlungen des ersten ständigen Bürger*innenrats, welcher im Herbst 2023 tagte, wider.

Kurzfristige Maßnahme: CityGold

Projekte wie ‘CityGold‘ dienen dazu, leere Schaufenster zu beleben und regionalen Designer*innen, Künstler*innen, ehrenamtlichen Initiativen bis hin zu Startups eine kostenfreie Ausstellungsfläche zu bieten. Für die Adalbertstraße wird geprüft, für welche Leerstände Schaufensterausstellungen in Frage kommen.

Langfristige Maßnahmen: Ladenliebe & neue Nutzungen

Bei der Neuvermietung und Vermittlung von Leerständen für Geschäftsneugründungen unterstützt die Verwaltung ebenfalls. Nach dem Auslaufen der erfolgreichen Förderung über das ‘Sofortprogramm Innenstadt NRW‘ schließt das Förderprogramm ‘Zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren‘ (ZIO) des Landes NRW an. Die Verwaltung ist somit in der Lage, das 2021 gestartete Projekt ‘Ladenliebe weiterzuführen. Die zur Verfügung stehenden Fördermittel im Rahmen von ‘Ladenliebe‘ sollen fokussiert in der Adalbertstraße eingesetzt werden, um die Leerstände zu beleben (förderfähig sind Flächen von bis zu 300m²). Die Einzelhandelslagen in der Adalbertstraße sind Teil des zentralen Versorgungsbereiches Aachen City (Hauptzentrum) dessen Ziel es ist, auch künftig ein lebendiges und attraktives innerstädtischen Zentrum zu erhalten und zu entwickeln. In Bezug auf den Einzelhandel bleibt die Innenstadt Ansiedlungsort für groß- und kleinflächige Einzelhandelsbetriebe, insbesondere mit nahversorgungs- und zentrenrelevanten Sortimenten. Diese tragen dazu bei, das Aachen als Einkaufsstadt in der Städteregion seine Bedeutung erhält und weiterentwickelt, auch vor dem Hintergrund etwaiger Trading-Down-Effekte. Während die Stadt- und Nahversorgungszentren verschiedenen Bedingungen unterworfen sind, sind dem Hauptzentrum durch das Zentren- und Nahversorgungskonzept selbst keine Beschränkungen hinsichtlich Neuansiedlungen für den Einzelhandel auferlegt. Angestrebt werden Nutzungen, die insbesondere junge Menschen ansprechen. Darunter könnte z. B. ein Ort für Auszubildende oder ein Raum zum Erleben von handwerklichen Berufen fallen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Die Belebung von Leerständen durch Handwerk, Vereine und Freizeitangebote ist ein Wunsch und eine Kernbotschaft des Bürger*innenrats: „Der Leerstand muss an alternative Mieter vermietet werden, damit die Innenstadt zu jeder Tageszeit belebt ist und z. B. Vereine und Kurse Räume erhalten […].“ In diesem Zusammenhang spricht das Gremium u.a. die Empfehlungen aus, zum einen eine reine Einkaufsstraße zu vermeiden und zum anderen aktiv gegen Leerstand vorzugehen (vgl. Bürger*innenrats-Gutachten, Empfehlung 2.4., 2023).
Neue Nutzungen wurden bspw. schon im Aquis Plaza ermöglicht, als im Juni letzten Jahres das Discovery Museums bei seiner Tour dort Halt machte. Weiterhin eröffnete am 02. Februar 2024 der Kunstraum im Untergeschoss des Aquis Plaza mit Unterstützung der Taskforce Innenstadtmorgen. Ebenfalls hat im letzten Jahr im März erstmals die Ausbildungswoche der Arbeitsagentur und der Kammern im Aquis Plaza stattgefunden, um junge Menschen zu ihren Jobchancen zu beraten. Die Veranstaltung wurde dieses Jahr im März wiederholt und hat eine sehr gute Resonanz von der jungen Zielgruppe erhalten.
Weitere Nutzungen werden über die digitale Leerstands- und Ansiedlungsmatching-Plattform LeAn angestrebt, die zu einer schnelleren Belebung der Immobilien beitragen soll. Über diese liegen bereits mehr als 60 weitere Gesuchsmeldungen für die Aachener Innenstadt – davon 10 mit konkretem Ansiedlungswunsch in der Adalbertstraße bzw. rund um den Kaiserplatz – vor. Diese Ansiedlungen werden aktuell geprüft und bewertet sowie Gespräche mit in Frage kommenden Eigentümer*innen geführt. Auch drohende Leerstände wurden bereits von Eigentümer*innen aus der Adalbertstraße über den LeAn gemeldet, was einen sensiblen und vertraulichen Umgang mit diesen Informationen voraussetzt.

Im Wintersemester 2023/2024 wurde in gemeinsamer Kooperation von der GALERIA Karstadt Kaufhof, der Immobilieneigentümer, der FH, der RWTH und der Wirtschaftsförderung der Studierendenwettbewerb Handel im Wandelinitiiert. Der Studierendenwettbewerb verfolgt das Ziel, potenzielle Nach- und Umnutzungskonzepte für einzelne Großimmobilien in der Innenstadt zu entwickeln und so eine schnellere (Wieder-)Belebung von Großimmobilien in 1A-Lage zu ermöglichen.

Studierende der RWTH Aachen der Lehrstühle Technik- und Organisationssoziologie, Architektur und Stadtentwicklung sowie Studierende der Architektur an der FH Aachen haben im Rahmen einer Seminarleistung Entwürfe für eine mögliche Bestandsentwicklung des ehemaligen Saturn-Gebäudes mit den Schwerpunktthemen ‘Wohnen und Leben‘, ‘Produktion und Kreativität‘, ‘Kunst und Kultur‘ sowie ‘Bewegung und Sport‘ entwickelt. Die eingereichten Entwürfe wurden zunächst von den betreuenden Fachprofessoren und anschließend von Vertretern der Verwaltung sowie der GALERIA beurteilt und ausgezeichnet.

Die eingereichten Entwürfe zeigen unterschiedliche Szenarien und Mischnutzungskonzepte für die Bestandsimmobilie auf. Besonders hervorzuheben sind inspirierende Ideen, die beispielsweise die Dächer des Kaufhofes, der ehemaligen Saturnimmobilie und des Parkhauses Elisengalerie mit einem grünen Sport- und Bewegungsband inklusive Roof Top-Gastronomie verbinden und damit neue Ein- und Ausblicke auf und in die Stadt ermöglichen. Allein diese ungewöhnliche Idee zeigt das Potenzial für neue, frequenzsteigernde Lösungen auf. Weitere studentische Arbeiten beschäftigen sich mit intelligenten Wohnraumoptionen für Jung und Alt, mit Sport-, Kultur- und Bildungsangeboten, mit innovativem Handel, Handwerk und lokaler Produktion. Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden in einer Broschüre gebündelt und fließen in die Planungen für die mögliche zukünftige Nutzung der Immobilie ein. Eine über die ZIO-Förderung geplante Machbarkeitsstudie für diese Immobilie soll daran anknüpfend ausgeschrieben werden, um die eingereichten Ideen zu prüfen und in die Umsetzung zu bringen. Eine Ausschreibung wird jetzt erst möglich, da die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs in diese einfließen sollen und die Fördergelder über das ZIO-Programm erst ab diesem Jahr genutzt werden dürfen.

Zudem hat der Insolvenzverwalter am 27.04. verkündet, dass die Aachener Filiale der GALERIA Karstadt Kaufhof GmbH – und damit ein Magnet für die Innenstadt – nicht von der Schießung betroffen sein wird. Es wird Wert darauf gelegt den Standort zu erhalten, da dieser weiterhin stark frequentiert und folglich umsatzstark ist. Eine Verkleinerung des Sortiments und damit der Verkaufsfläche ist aber sehr wahrscheinlich. Nach der Insolvenz der Signa-Gruppe muss zudem das Immobilieneigentum neu geordnet werden. Die Verwaltung ist diesbezüglich im Austausch mit potenziellen neuen Eigentümer*innen.

Bedingt durch die ehemals lukrative Einnahmesituation dank hoher Ladenmieten sind die Obergeschosse verschiedener Immobilien in der Adalbertstraße im letzten Jahrzehnt vernachlässigt worden und damit wertvoller Wohnraum verloren gegangen. Dieses Potenzial gilt es zu heben, zunächst durch Beratung und Bewusstseinschaffung. Neben der Bedeutung für den Wohnungsmarkt können die Mieteinnahmen für die Obergeschosse auch dazu beitragen, die Miete der Erdgeschosslagen auf ein marktfähiges Niveau zu reduzieren. Die Verwaltung unterstützt die privaten Eigentümer*innen im Rahmen der VU Östliche Innenstadt und der Perspektiventwicklung Baublöcke aktiv dabei.

Maßnahmen zur Unterstützung der Digitalisierung des stationären Einzelhandels

Um den stationären Einzelhandel zukunftsfähig aufzustellen, ist insb. die Unterstützung von inhabergeführten Geschäften notwendig. Hierunter fällt vor allem das Thema Digitalisierung, für welches in den letzten Jahren das Förderprojekt ‘Smart Shopping Aachen‘ auf den Weg gebracht wurde. Auch weitere Projekte wurden zur Unterstützung der digitalen Angebote, z. B. Click & Collect-Lösungen, entwickelt.

Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und zur Schaffung von Erlebnissen beim Innenstadtbesuch

Im Rahmen der Taskforce Innenstadtmorgen werden verschiedene Maßnahmen zur Steigerung der Aufenthaltsqualität öffentlicher Räume umgesetzt. Durch eine temporäre Umgestaltung von Stadträumen wird u. a. erprobt, wie Stadträume perspektivisch genutzt werden können. Im letzten Jahr wurden bereits einige, vor allem schnell umsetzbare, Maßnahmen mit starker Außenwirkung auf den Weg gebracht. Hierzu zählt die Schaffung von mehr Aufenthaltsqualität (u.a. durch Begrünung). Anfang August wurde die AdalbertOase am Willy-Brandt-Platz aufgebaut. Neben begrünten Sitzbänken, Palmen und Lampions konnten sich die Innenstadtbesucher*innen über StreetArt freuen, welche als Fotomotiv installiert wurde. Außerdem wird geprüft, ob eine großflächige Streetart-Gestaltung der provisorischen Sperrholzwand entlang und rund um die ehemalige Wehmeyer-Immobilie erfolgen kann, als Hingucker und Ausdruck einer Willkommenskultur für urbane Kunst und Kreativität.

Mehr Grün wurde durch ein Projekt mit Studierenden in die Adalbertstraße gebracht. Am 20.09.2023 wurden Vertikalgärten, die zuvor mit den Studierenden zusammengebaut wurden, in der oberen Adalbertstraße aufgestellt.

Die zuvor erwähnten begrünten Sitzbänke, die im letzten Jahr pilotartig aufgestellt wurden, werden im Herbst durch neue Möbel abgelöst. Im Rahmen des ZIO-Förderprogramms wurde die Beschaffung und Aufstellung von hochwertigen, mobilen und begrünten Sitzelementen für den Willy-Brandt-Platz bewilligt. Die sieben modularen Elemente (ca. 3mx1,5m) sind als Verstetigung der aktuellen Sitzbänke aus Holz vorgesehen, die in Rahmen der AdalbertOase sehr gut von den Bürger*innen angenommen wurden. Die neuen Bänke bestehen aus hochwertigen Materialien (Stahl, pulverbeschichtet mit Sitzauflagen aus recyceltem Kunststoff) und sind generationengerecht gestaltet (mit Arm- und Rückenlehen, siehe Abbildung 4). Die mobilen Elemente werden in drei Inseln gruppiert und mit insektenfreundlichen Stauden und großen Sträuchern (Felsenbirnen) den Platz begrünen.

Abbildung 4: Leitfabrikat: Solid Mobile Green Isles, Streetlife BV

Die öffentliche Ausschreibung für die Beschaffung der Möblierungselemente konnte erst nach der Zusage der Fördermittel auf den Weg gebracht werden und läuft aktuell bereits. Sie werden vorgefertigt geliefert und vor Ort montiert (keine baulichen Eingriffe nötig), sodass eine vollständige Demontage der Sitzinseln und ein erneuter Aufbau an anderen geeigneten Standorten in der Stadt mit vertretbarem Aufwand möglich sind. Die Elemente werden voraussichtlich Ende September/ Anfang Oktober 2024 auf dem Willy-Brandt-Platz aufgestellt und begrünt. Ziel diese Maßnahme ist es, das Erscheinungsbild und die Aufenthaltsqualität des Willy-Brand-Platzes zu steigern und mehr Grün und Beschattung in die Straße zu holen. Dies zahlt auch auf eine Empfehlung des Bürger*innen-Rats ein: „Die Bürger*innen des Rates wollen als zentrales Anliegen die Aufenthaltsqualität auf den öffentlichen Flächen in der Innenstadt ohne Konsumzwang steigern. Durch die höhere Verweildauer wird sich die Konsumbereitschaft als Sekundäreffekt automatisch steigern. […].“ Der Bürger*innenrat 2023 empfiehlt daher, Sitzinseln auf Plätzen zu errichten, welche durch ihre Anordnung Kommunikation fördern und zum Verweilen einladen (vgl. Bürger*innenrats-Gutachten, Empfehlung 2.1., 2023).

Mittlerweile wurden außerdem zwölf mobile Bäume durch die Initiative Starke Adalbertstraße (ISA), die lokale Interessengemeinschaft, über den Fonds‘Aachener Einzelhandel, Gastronomie und Handwerk stärken‘ angeschafft und am 21.11.2023 sowie am 15.03.2024 aufgestellt. Die hierüber ermöglichte Aktion entspricht zudem der Empfehlung des Bürger*innenrats und damit dem Wunsch: „… zwischen den Bänken und Laternen in der Adalbertstraße mobil [zu] begrünen“ (vgl. Bürger*innenrats-Gutachten, Empfehlung 5.1., 2023).Mit dem Fonds wird das Ziel verfolgt, die Innenstadt zu beleben und aufzuwerten. Zeitnah wird eine erneute Antragstellung möglich sein.

Verweilqualität soll darüber hinaus auch durch zwei smarte Sitzbänke (Solarbänke, die als WLAN Hotspot dienen) geschaffen werden, die in Kürze am Kugelbrunnen aufgestellt werden.

Im Zuge der Pflege der identitätsstiftenden Merkmale der Adalbertstraße wurde zudem veranlasst, dass der prominente Kugelbrunnen aufwendig gereinigt und Instand gesetzt wurde und seither wieder in vollem Glanz erstrahlt.

Trotz der hohen Reinigungsfrequenz des Aachener Stadtbetriebs kommt es immer wieder zu Verunreinigungen des öffentlichen Raums. Hierzu tragen die zunehmende Wegwerfmentalität sowie die mangelnde Bereitschaft und teils das fehlende Wissen den Müll – richtig getrennt – zu entsorgen bei. Einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Sauberkeit leistet der Mängelmelder des E 18, mit dem zügig und effizient auf gemeldete Verunreinigungen reagiert wird.

Auch das mangelnde subjektive Sicherheitsgefühl wird immer wieder thematisiert. So zum Beispiel auch im Rahmen des Bürger*innenrats: „Ein Aufenthalt in der Innenstadt soll familienfreundlicher und attraktiver werden. […] Das Sicherheitsgefühl soll gestärkt werden, weil wir uns in den leeren Straßen unwohl fühlen“. (vgl. Bürger*innenrats-Gutachten, Empfehlung 5.4., 2023). Die Präsenz des Ordnungsamtes wird im Rahmen der personellen Kapazitäten stetig ausgebaut. Die gemeinsame Anlaufstelle von Polizei und Ordnungsamt in der Peterstraße schafft eine zusätzliche Kontaktstelle, welche insbesondere aus den Bereichen Kaiserplatz und Bushof kurzfristig und niederschwellig erreichbar ist. Zudem werden zur Vermeidung und Aufklärung von Straftaten der Bereich um den Kaiserplatz und den Bushof von der Polizei videobeobachtet.

Maßnahmen zur Belebung der Adalbertstraße durch Events und Aktionen

Im August 2023 fanden verschiedene Veranstaltungen der VHS Aachen auf dem Willy-Brandt-Platz statt. Beispielhaft zu nennen sind Sonnenbeobachtungen, Zumba- und Kunstkurse. Zudem wurde am 19.08.2023 der Auftakt des Innenstadtmorgenfestivals im Rahmen des Fokusjahrs auf dem Willy-Brandt-Platz gefeiert, ebenso die Einweihung der AdalbertOase am 30.08.2023.

Für dieses Jahr ist ein größeres Event im Sommer vorgesehen, für dessen Planung und Umsetzung ein externer Dienstleister gesucht wird. Eine entsprechende Ausschreibung wurde bereits im letzten Jahr auf den Weg gebracht, muss aber wiederholt werden, da kein geeigneter Dienstleister gefunden werden konnte. Eine neue Ausschreibung ist derzeit in Vorbereitung. Flankiert wird das Event durch mehrere kleine Veranstaltungen von lokalen Akteur*innen. Neben dem Event im Sommer ist ein Eventwochenende bzw. eine Woche zum Thema Wissenschaft in der Adalbertstraße in Planung, welche ebenfalls zeitnah ausgeschrieben werden soll. Die Durchführung von Stadt- und Straßenfesten zahlt dabei auch auf die Wünsche des Bürger*innen-Rats ein.

Ebenfalls wurde geprüft, ob Veranstaltungen der Reihe ‘Stadtglühen‘ in der Adalbertstraße stattfinden können. Dies ist leider nicht möglich, da vorrangig Grünflächen mit einer Grundfläche von ca. 350 m² mit kulturellen Angeboten (Musik, Theater, Literatur, Tanz und Performance sowie Bildende Kunst und ein Kinderprogramm) bespielt werden. Eine solche Grünfläche ist in der Adalbertstraße nicht vorhanden. Zudem ist es nicht möglich die Adalbertstraße für zwei Tage zu sperren, um das komplette Angebot von „Stadtglühen“ auf einer zusammenhängenden Fläche darzustellen. Ein solitäres Event in der Adalbertstraße hingegen würde dem Konzept nicht gerecht.

Maßnahmen zur Unterstützung des lokalen Netzwerks

Die Verwaltung setzt diese Maßnahmen in engem Schulterschluss mit der sich in Gründung befindenden Interessengemeinschaft der Straße (ISA) um. Diese wurde im letzten Jahr von fünf engagierten Eigentümer*innen und mit Unterstützung durch den städtischen Fonds‘Aachener Einzelhandel, Gastronomie und Handwerk stärken‘ gegründet. Darüber hinaus begleitet die Taskforce Innenstadtmorgen die ISA bei ihren Aktivitäten und unterstützt bei der Planung der Zusammenkünfte. Kurzfristig ist ein Austausch zum Thema ‘Sicherheit & Sauberkeit‘ in der Adalbertstraße in Planung.

Im Sinne eines abgestimmten Innenstadtmanagements wurden innerhalb der Verwaltung Abstimmungsstrukturen geschaffen, die die fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit erleichtern und einen besonderen Fokus auf die Innenstadtentwicklung legen (Jour Fixes, feste Gremien und punktuelle Abstimmungen insbesondere für die Schnittstellen Citymanagement, Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung, Koordinationsstellen Bushof/ Kaiserplatz, Soziales, Sicherheit und Ordnung).

Im Rahmen des Zukunftsprozesses Innenstadtmorgen konnten dabei wichtige Austauschformate und

Arbeitsgruppen geschaffen werden, um das konkrete Handeln in der Innenstadt effizient zu bündeln,

gemeinsam zu gestalten und zu kommunizieren. Auf diesem Wege konnte im Jahr 2023 die „Leitungsrunde Innenstadt“ etabliert werden, welche als strukturierendes Gremium auf Einladung der Oberbürgermeisterin quartalsweise tagt und unter Leitung des Citymanagements auf Ebene der Fachbereichsleitungen stattfindet. Die letzten Sitzungen fanden zum Schwerpunktthema Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung statt. Der ‘Fokus Adalbertstraße‘ ist für den Zukunftsprozess Innenstadtmorgen und innerhalb dieser Arbeitsgruppen ein zentrales Projekt. Der Zukunftsprozess geht aktuell in eine zweite Phase, in der die zukünftige Entwicklung der Einkaufsstraßen für die gesamte Innenstadt beleuchtet werden soll. Zudem steht die Weiterentwicklung der ‘Aachener Innenstadt Charta‘ in Bezug auf die räumliche Bedeutung im Vordergrund. Hierbei soll unter anderem anhand von Raumanalysen und Entwicklungsszenarien diskutiert werden, welche Nutzungsoptionen für die einzelnen Innenstadtbereiche zu verfolgen sind und wie sich die Adalbertstraße perspektivisch in dieses Gesamtgefüge integriert.

In den vergangenen Jahren wurden – oft durch politischen Antrag – verschiedene Stellen zur koordinierenden Bearbeitung von Schwerpunktthemen in der Innenstadt geschaffen. Hierzu gehören beispielweise das wachsende Team ‘Innenstadtentwicklung / Citymanagement‘ und die Koordinationsstelle Bushof. Im Mai letzten Jahres konnte die neue Koordinationsstelle Kaiserplatz / östliche Innenstadt erfolgreich besetzt werden und erste Netzwerktreffen zur Entlastung der Situation rund um den Kaiserplatz durchgeführt werden. Gemeinsam mit der personell neu besetzten Koordinationsstelle Bushof arbeitet die Koordinationsstelle Kaiserplatz an der Etablierung von Netzwerkstrukturen und konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der akuten Belastungslage. Viele Menschen gelangen über den Bushof und den Kaiserplatz in die Adalbertstraße, weshalb die Arbeit und Netzwerkstärkung der Koordinationsstellen in diesen direkt angrenzenden Bereichen auch großen Einfluss auf die Entwicklungen der Adalbertstraße hat. Bei den ersten Netzwerktreffen Kaiserplatz, der an die untere Adalbertstraße anschließt, spielte das Thema ‘Sicherheit‘ eine große Rolle. Nach dem ersten Dialog, bei dem die Belastungen der Anwohner*innen, Gewerbetreibenden und Immobilienbesitzer*innen im Mittelpunkt standen (28.08.23), wurde beim zweiten Netzwerktreffen der Fokus auf den Aspekt der Sicherheit und Ordnung gelegt (18.09.23). Die eingeladenen Vertreter von Polizei und Ordnungsamt berichteten über ihre Arbeit und stellten sich den Fragen der Anwesenden. Das dritte Netzwerktreffen wurde von einem Dokumentarfilm zum Thema Suchterkrankung eingeleitet und es kamen im Anschluss Experten der Sucht- und Wohnungslosenhilfe zu Wort (08.11.23).

Am 31.01.24 erfolgte ein behörden- und fachbereichsübergreifender Dialog zu aktuellen Themen rund um den Kaiserplatz. Die Vertreter*innen der Caritas berichteten u.a. über die Arbeit der Streetworker. Diese Austauschrunde wird künftig einmal im Quartal stattfinden.

Fazit

Es sind verschiedene Ansätze und Maßnahmen erforderlich, um eine zukunftsfähige Aufstellung der Adalbertstraße erreichen zu können. Viele Maßnahmen und Projekte wurden im letzten Jahr bereits angestoßen und werden aktuell verstetigt bzw. neue Ansätze in Erprobung gebracht.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung und mit externen Akteur*innen ist bereits gut eingeübt und erleichtert die Umsetzung der geplanten Maßnahmen. Neue Strukturen, wie die ISA, erhöhen dabei die Bereitschaft und Eigenverantwortung externer Akteur*innen. Dies kann durch Beratung, Förderung aber auch Forderung durch die Verwaltung unterstützt werden.

Dennoch bleiben die Herausforderungen hoch, der eingeschlagene kooperative und mehrdimensionale Weg ist aber folgerichtig und wird auch dank der politischen Unterstützung konsequent weiter ausgebaut.

Zudem wird die anstehende Diskussion über einen thematisch-inhaltlichen Fokus für die Adalbertstraße helfen, weitere strategisch sinnvolle Maßnahmen umzusetzen und die Haupteinkaufsstraße zukunftsfähig aufzustellen.

Auswirkungen

Finanzielle Auswirkungen

JA

NEIN

X

Investive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Gesamt­bedarf (alt)

Gesamt­bedarf (neu)

Einzahlungen

0

0

0

0

0

0

Auszahlungen

0

0

0

0

0

0

Ergebnis

0

0

0

0

0

0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

konsumtive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Folge-kosten (alt)

Folge-kosten (neu)

Ertrag

0

0

0

0

0

0

Personal-/

Sachaufwand

0

0

0

0

0

0

Abschreibungen

0

0

0

0

0

0

Ergebnis

0

0

0

0

0

0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Weitere Erläuterungen (bei Bedarf):


Klimarelevanz

Bedeutung der Maßnahme für den Klimaschutz/Bedeutung der Maßnahme für die

Klimafolgenanpassung (in den freien Feldern ankreuzen)

Zur Relevanz der Maßnahme für den Klimaschutz

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

x

Der Effekt auf die CO2-Emissionen ist:

gering

mittel

groß

nicht ermittelbar

X

Zur Relevanz der Maßnahme für dieKlimafolgenanpassung

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

x

Größenordnung der Effekte

Wenn quantitative Auswirkungen ermittelbar sind, sind die Felder entsprechend anzukreuzen.

Die CO2-Einsparung durch die Maßnahme ist (bei positiven Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 t bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr(über 1% des jährl. Einsparziels)

Die Erhöhung der CO2-Emissionen durch die Maßnahme ist (bei negativen Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels)

Eine Kompensation der zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen erfolgt:

Vollständig

überwiegend (50% - 99%)

teilweise (1% - 49 %)

Nicht

nicht bekannt

Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2024-05-02 FB 02_0323_WP18 Sachstandsbericht Fo SAO.pdf

16.11.2024

810.3 KB

Betroffene Straßen

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Metadaten

TOP
Ö 4
Sitzung
Sitzung des Hauptausschusses
Gremium
Hauptausschuss
Datum
Mi., 15.05.2024
Uhrzeit
16:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Kenntnisnahme
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
FB 02 - Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalstadt und Europa
Geändert
31.10.2025
Inhalt abgerufen
8. Februar 2026 um 14:02

Beschlussdokument

Sammeldokument öffentlich

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