19. Juni 2024 um 18:00, Schloss Schönau
TOP 4Öffentlich

Schönauer Friede - hier: Wurzelschäden im Straßenraum

E 18/0194/WP18 · Entscheidungsvorlage

Schönauer Friede - hier: Wurzelschäden im Straßenraum

im Ratsinformationssystem anzeigen
Beratungsergebnis:geändert beschlossen

Beratung

Herr Bezirksbürgermeister Meyers begrüßt zu diesem Tagesordnungspunkt Frau Weiß vom Aachener Stadtbetrieb, Geschäftsbereich Straßenunterhaltung und Brückenbau.

Frau Weiß führt aus, dass die Probleme der Straßenschäden aufgrund der Baumwurzeln ähnlich wie in der Straße „Schönauer Friede“ auch in mehreren anderen Bereichen des Stadtgebiets Aachen auftreten. Die dort gepflanzte Baumart ist zu wuchsfreudig für den Raum, den man ihm bei der Pflanzung gegeben hat. Durch die Bodendichte wird die Wasser- und Nährstoffversorgung der Bäume gestört, sodass die Wurzeln der betroffenen 13 Bäume den Raum nach oben zur Straßenoberfläche nutzen, um dort weiter zu wachsen.

Als bester Lösungsvorschlag wurde folgender herausgearbeitet:

Die Bäume werden jeweils einzeln begutachtet, der Wurzelraum geöffnet und die Wurzeln, die die Schäden verursachen gekappt. Im weiteren Verlauf wird dann betrachtet, ob die Bäume weiter lebensfähig sind. Auf Rückfrage von Herrn Bezirksbürgermeister Meyers führt Frau Weiß an, dass zu erwarten ist, dass die Bäume nicht mehr lebensfähig sind, sobald die Wurzeln aus der Baumgrube genommen werden. Nicht mehr lebensfähige Bäume müssten dann entfernt werden. Es wird derzeit geprüft, an welcher Stelle und in welcher Form dann Ersatzpflanzungen vorgenommen werden können.

Herr Bezirksbürgermeister Meyers gibt sodann den Einwohner*innen die Möglichkeit, Fragen zu diesem Tagesordnungspunkt zu stellen.

Herr H. bezieht sich auf die im März stattgefundene Ortsbegehung. Ein städtischer Mitarbeiter habe ihm gegenüber geäußert, dass wenn Anwohner an den Stellen, an denen die Wurzelschäden aufgetreten sind, stürzen und sich verletzen, sie selbst haften würden. Er möchte wissen, ob diese Aussage zwischenzeitlich rechtlich abgesichert wurde.Weiterhin erbittet er Auskunft über bestehende Abstandsregelungen von Pflanzungen an Grundstücksgrenzen.

Die Beantwortung dieser beiden Fragen erfolgt schriftlich.

Herr H. gibt darüber hinaus an, dass es zu weiteren, also neuen, Schäden an seinem Eigentum gekommen sei. Er möchte wissen, ob es richtig sei, dass bei einer weiteren Schadensmeldung an die Versicherung, bestehende Vorschäden nicht erwähnt werden dürfen. Herr Bezirksbürgermeister Meyers bittet darum, jeden Schaden der Stadt Aachen zu melden. Nach seiner Einschätzung erfolgt von dort die Kommunikation und Weitergabe der Schadensmeldungen an die zuständige Versicherung.

Herr Bezirksvertreter Kehr (CDU) bedankt sich für die Vorlage und erinnert an Schäden durch Baumwurzeln am Radweg Roermonder Straße Höhe Hausnummer 599 stadteinwärts. An vielen Radwegen bestehen gleichgelagerte Probleme. Er bittet darum, die erarbeite Lösung auch dort anzuwenden und zu berücksichtigen.

Herr Bezirksvertreter Feil (Grüne) hinterfragt, ob das Ziel der Arbeiten ist, die Bäume nach Möglichkeit zu erhalten und nicht unmittelbar zu fällen. Hierauf gibt Frau Weiß zu verstehen, dass kein Antrag auf Baumfällung gestellt wurde, sondern sich bewusst für einen Antrag auf Arbeiten im Wurzelraum entschieden wurde. Sie sichert zu, dass versucht wird möglichst viele Bäume zu erhalten. Nach den ihr vorliegenden Rückmeldungen ist jedoch wahrscheinlich, dass bei Kappung von Wurzeln, alle 13 Bäume nicht mehr lebensfähig sind. Es besteht die Hoffnung, dass einige Bäume erhalten bleiben können.

Herr Bezirksvertreter Werner (SPD) gibt die Beschattung, die von den großen Bäumen ausgeht, zu bedenken. Aus seiner Sicht, wirken die Bäume an der dortigen Stelle „fehl am Platz“. Durch die Größe der Bäume und den großen Schattenwurf befürchtet er, dass das Betreiben von Photovoltaikanlagen an diesen Stellen schwierig ist. Er bittet daher darum, dass bei Ersatzpflanzungen auch die Wuchshöhe bedacht wird.

Herr Dr. Kuhrt-Lassay (Grüne) weist auf den aufwendigen Prozess bei einer Freilegung des Wurzelwerks hin. Er hinterfragt, ob der große Aufwand sinnvoll ist, wenn es ohnehin auf Fällungen hinausläuft. Darüber hinaus äußert er den Wunsch nach einer Kompromisslösung, um möglichst viele Bäume zu erhalten. Er schlägt vor, dass in Absprache mit den Anwohnern eine Priorisierung der betroffenen Bäume vorgenommen werden könnte, da aus seiner Sicht der untere Bereich der Straße „Schönauer Friede“ besonders stark betroffen ist.

Frau Weiß erklärt hierauf, dass im Wurzelraum verschiedene Arbeitsvarianten möglich sind. Es wird die effektivste Variante hinsichtlich der Verteilung von Aufwand und Nutzen bevorzugt, indem die Wurzeln freigelegt und gekappt werden. Im oberen Bereich der Straße „Schönauer Friede“ ist insbesondere der Gehweg stark betroffen. Eine bessere Ausgangslage im oberen Bereich der Straße kann sie nicht bestätigen. Herr Bezirksvertreter Dr. Kuhrt-Lassay (Grüne) führt an, dass es sich bei der Straße „Schönauer Friede“ um einen verkehrsberuhigten Bereich handelt, sodass die Fußgänger grundsätzlich auch gleichermaßen die Fahrbahn nutzen können.

Herr Bezirksbürgermeister Meyers fasst zusammen, dass Baumfällungen nur durchgeführt werden sollen, wenn diese unbedingt notwendig sind.

Herr Bezirksvertreter Feil (Grüne) schlägt vor, den Beschlussunter a) wie folgt zu ergänzen: „und der dazugehörigen Information der Anwohner.“

Beschluss

Die Bezirksvertretung Aachen-Richterich nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung a) mit der Entfernung einzelner Bäume, die nicht behebbare Verkehrssicherungsprobleme bzw. unzumutbare Sachschäden auf Privatgrundstücken verursachen (vgl. Punkt 1) und der dazugehörigen Information der Anwohner b) mit der Schaffung einer Zwischenbegrünung der Baumfelder und c) mit der parallelen Erarbeitung eines Zukunftskonzepts zur Sanierung bzw. Umgestaltung der Nebenanlagen bzw. der Straße Schönauer Friede

Beschlussvorschlag

Dokument nicht im Bestand.

Erläuterungen

Erläuterungen:

Bei der Straße Schönauer Friede handelt es sich um eine Wohnstraße aus den späten 1980er, frühen 1990er Jahren, die durch einen verkehrsberuhigten Bereich mit vielen Grünzonen und einer Vielzahl von großen Purpur-Erlen entlang der Haupterschließung geprägt ist.

In dem ca 200 m langen Bereich der Haupterschließung zwischen ca. Haus Nr. 51 und 121 stehen die 13 dort gepflanzten Bäume etwa 1,90 m von den angrenzenden Privatgrundstücken im Bereich der vorgesehenen Fahrbahnrand-Parkplätze. Die gesamte Straßenfläche, Fahrgasse und Seitenbereiche, ist in Pflasterbauweise ausgeführt.

Die Wurzeln dieser straßenbegleitenden Erlen haben sich im Wesentlichen im oberen Straßenaufbau der Pflasterflächen ausgebreitet und dadurch das Pflaster stark angehoben. Teilweise liegen die Wurzeln bereits zwischen und über den Pflastersteinen und bilden somit eine erhebliche Stolpergefahr. Zudem reichen die Wurzeln bereits bis in die Privatgrundstücke, was dort ebenfalls bereits zu Schäden in einer Zufahrt geführt hat.

Das kräftige Wurzelwachstum hat inzwischen ein Ausmaß angenommen, dass die Verkehrssicherheit an einigen Stellen als gefährdet einzustufen ist.

Als Sofortmaßnahmen wurde bereits an verschiedenen Stellen das Pflaster aufgenommen und in einem sog. Überbogen neu verlegt. Dies führt über eine längere Strecke zu einer wellenförmigen Oberfläche des Pflasterbereiches ohne Stolperkanten. An anderen Stellen musste das Pflaster komplett aufgenommen werden und durch losen Splitt ersetzt werden. Ein Aufbau mit Pflastersteinen war aufgrund der Höhenlage der Baumwurzeln nicht mehr möglich.

Diese kurzfristigen Arbeiten führen nicht dazu, dass dort dauerhaft die Gefahr von Stolperkanten aufgrund der Wurzelhebungen ausgeschlossen werden kann. Es handelt sich lediglich um vorübergehende Lösungen für zwei bis maximal fünf Jahre. Danach werden sich die Schadensbilder, wie sie sich jetzt darstellen, wieder einstellen.und sich ggf. sogar weiter verschärfen.

Langfristig muss an dieser wie an vielen anderen Stellen im Stadtgebiet der Konflikt zwischen drückenden Baumwurzeln und der für die sichere Nutzung der Straßen erforderlichen Ebenheit der Oberflächen gelöst werden.

Hierzu gibt es grundsätzlich verschiedene Lösungsmöglichkeiten:

  1. Entfernung der Baumwurzeln aus dem Straßenkörper unter Beibehaltung des ursprünglichen Straßenquerschnittes.

Dieses hat i.d.R. zur Folge, dass der Baum abstirbt und gefällt werden muss. Ein Ersatz in der vorhandenen Baumgrube ist nur in seltenen Fällen möglich. Eine Ersatzpflanzung an anderer Stelle ist im Einzelfall zu prüfen.

  1. Ebenfalls Entfernung der Bäume aus dem Straßenraum mit anschließender vollständiger Erneuerung der betroffenen Straßenfläche in der Art der vorhandenen Querschnittsgestaltung. Bei dieser Variante müssen die neu anzulegenden Baumfelder jedoch nach aktuellen Regelwerken deutlich größer ausgeführt werden. Ein umfangreicher Tief- und Straßenbau, ggf. mit Leitungsverlegungen ist erforderlich.
  1. Sanierung der Baumgruben bei Erhaltung der vorhandenen Bäume und möglicherweise Umbettung der störenden Wurzeln.

Dies ist sehr aufwändig und stellt in der Regel keine dauerhafte Lösung dar. Das vorhandene Baumfeld muss vergrößert werden, was zu einer Veränderung des Straßenquerschnittes führt. Die ursprüngliche Funktionalität ändert sich. Ggf. sind auch Verlegungen von unterirdisch verlaufenden Ver- und Entsorgungsleitungen erforderlich.

  1. Entfernung des Straßenoberbaus und Begrünung des Wurzelbereiches.

Die Bäume bekommen so den Raum zur Entwicklung, der notwendig ist für eine möglichst lange Lebensdauer. Bereiche der Straße, i.d.R. die Nebenanlagen wie Gehwege oder Radwege werden dadurch allerdings aufgehoben bzw. in ihrer Nutzung eingeschränkt.

  1. Für die akut von Baumwurzelschäden betroffene Erschließungsstraße Schönauer Friede könnte aufgrund der Anlage als verkehrsberuhigter Bereich der besonders betroffene gepflasterte Seitenstreifen aufgegeben werden und nur in den Zugangsbereichen zu den anliegenden Grundstücken das Pflaster erhalten werden.

Aufgrund der Nähe zu den privaten Grundstücken und den bereits eingetretenen Schäden ist jedoch das vollständige Entfernen der Wurzeln und damit der Bäume neben den Häusern die dauerhaftere Lösung.

  1. Entfernung einzelner „Problembäume“, die nicht behebbare Verkehrssicherungsproblem bzw. unzumutbare Sachschäden auf Privatgrundstücken verursachen (vgl. Punkt 1). Schaffung einer Zwischenbegrünung für diese Baumfelder und parallele Erarbeitung eines Zukunftskonzeptes zur Sanierung bzw. Umgestaltung der Nebenanlagen bzw. der Straße Schönauer Friede.

Da die Verkehrssicherheit aufgrund der bereits eingetretenen Aufwölbungen im Straßenbereich bereits gefährdet ist, sind Sicherungsmaßnahmen schnellstmöglich einzuleiten. Die Arbeiten sollen im Herbst 2024 (nach der Brut- und Nistzeit) durchgeführt werden.


Abstimmungsergebnis

Einstimmig

Weitere Dokumente (2)

Anl. 1
786.4 KB · PDF
Anl. 2
2.1 MB · PDF

Die Dokumente werden direkt vom Ratsinformationssystem der Stadt Aachen abgerufen und nicht von uns gespeichert oder gehostet.

Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2024-06-03 E 18_0194_WP18 Schoenauer Friede - h SAO.pdf

16.11.2024

3.0 MB

Betroffene Straßen

Karte wird geladen…

Metadaten

TOP
Ö 4
Sitzung
Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Richterich
Gremium
Bezirksvertretung Aachen-Richterich
Datum
Mi., 19.06.2024
Uhrzeit
18:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Entscheidungsvorlage
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Entscheidungsvorlage
Federführend
E 18 - Aachener Stadtbetrieb
Geändert
10.3.2026
Inhalt abgerufen
12. März 2026 um 20:21