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Pflegenotstand vermeiden - Ratsantrag der SPD-Fraktion vom 07.06.2010, Nr. 82/16

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Beratungsergebnis:ungeändert beschlossen

Beratung

Herr Emonts schildert, dass mit der Bildung der StädteRegion Aachen die Zuständigkeit des komplexen Themas in die StädteRegion gewechselt ist. Aus diesem Grunde habe man Herrn Müller und Frau Pöppinghaus, Amt für Altenarbeit der StädteRegion, als Referenten eingeladen. Zudem legt er eine aktuelle Rückmeldung des Herrn Dr. Plum, Gesundheitsamt der StädteRegion, zur Kenntnisnahme der Ausschussmitglieder vor (s. Anlage 1).

Herr Müller berichtet über die aktuelle Ausbildungssituation im Bereich Pflege (s. Anlage 2). Es wurde festgestellt, dass derzeit ca. 1.200 Personen pro Jahr in NRW zu wenig ausgebildet werden, um den Bedarf an Pflegekräften zu decken. Die Anzahl der Pflegebedürftigen beziffert sich aktuell für die Stadt Aachen/die StädteRegion Aachen auf 7.500/11.400 und wird für 2020 auf 8.900/14.000 und 2030 auf 10.500/16.500 prognostiziert. Im Jahr 2010 werden in der StädteRegion zu den generell zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätzen im Bereich Krankenpflege 180 und im Bereich der Altenpflege über 50 zusätzliche Ausbildungsplätze (je ein zusätzlicher Kurs bei der StädteRegion und der Deutschen Angestellten-Akademie) eingerichtet.

Herr Puchert schildert die Situation aus Sicht der Wohlfahrtsverbände. Aufgrund des zunehmenden physischen und psychischen Drucks in den Pflegeberufen liegt die Krankheitsquote bei ca. 20 %, Tendenz steigend. Aktuell ist in der Region kein Markt an qualifizierten Pflegekräften vorhanden. Es besteht keine ausreichende Nachfrage nach den Ausbildungsberufen im Bereich der Pflege, da diesbezüglich keine große gesellschaftliche Akzeptanz besteht, es kaum Umschulungsmöglichkeiten bzw. anderweitige Einsatzbereiche gebe und die Bezahlung im Verhältnis zu den Anforderungen oft zu gering ist. Bei letzterem sei jedoch zu differenzieren: Die Bezahlung der Pflegekräfte bei den kirchlichen Organisationen sei grundsätzlich gut. Die Krankenkassen orientieren sich bei den übernahmefähigen Kosten jedoch an den Tarifverträgen der am niedrigsten bezahlten Pflegekräfte.

Bisher wurden seitens der Wohlfahrtsverbände 10 Zivildienststellen angeboten. Diese werden aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen zukünftig wegfallen. Einen freiwilligen Zivildienst neben dem Angebot von FSJ-Stellen hält er nicht für sinnvoll.

Auf die Darstellung des Herrn Puchert hinsichtlich der mangelnden Anfrage nach einer Ausbildung in Pflegeberufen, weisen Herr Müller und Frau Pöppinghaus darauf hin, dass auf die regulär 50 Ausbildungsplätze im Fachseminar für Altenpflege ca. 200 Bewerber kommen. Es fehle daher nicht an Motivation für den Pflegeberuf. Es stellten sich auch genügend Träger zur Ausbildung zur Verfügung. Es mangelt jedoch an zugelassenen schulischen Ausbildungsplätzen. Da diese vom Land kontingentiert würden, habe man vor Ort keine Möglichkeit, das Angebot eigenverantwortlich auszuweiten.

Zusätzlich erschweren die schlechten Rahmenbedingungen, wie sie von Herrn Puchert und Frau Niemann-Cremer in Form von überwiegend schlechter Bezahlung sowie stetig steigenden Anforderungen an die Pflege aufgrund immer mehr schwerstpflegebedürftiger und demenzkranker Personen geschildert wurden, einen weiteren Zulauf bzw. Verbleib in den Pflegeberufen.

Frau Dr. Lassay weist auf die zusätzliche Problematik hin, dass nicht alle Absolventen dauerhaft im Pflegeberuf tätig bleiben. Insbesondere Frauen würden im Rahmen der Familienplanung nach wenigen Jahren aus dem Beruf aussteigen. Diesbezüglich weist Frau Pöppinghaus darauf hin, dass man überlege, eine Teilzeitausbildung für junge Mütter und/oder Wiedereinsteigerkurse einzurichten.

Die Frage des Herrn Deumens, inwiefern das Freiwillige Soziale Jahr und ein freiwilliger Zivildienst in Konkurrenz stehen, konnte seitens Herr Müller und Frau Pöppinghaus nicht beantwortet werden, da diese Thematik nicht in den Zuständigkeitsbereich des Amtes für Altenarbeit fällt.

Frau Pöppinghaus erläutert auf die Nachfrage von Frau Behlau die Ausgestaltung der Akademisierung der Pflegeausbildung. Es handelt sich um ein duales System zwischen der Ausbildung im Fachseminar sowie der theoretischen Ausbildung in der KatHO in Köln. Die gesamte Ausbildung dauert 4 Jahre. Derzeit besteht eine Diskussion darüber, in welchen Bereichen die Absolventen eingesetzt werden sollen: in der mittleren Management-Ebene oder in der Pflege. Mit diesem neuen Ausbildungszweig versucht man zum einen die Attraktivität für die Pflegeberufe zu steigern und zum anderen die theoretischen Erkenntnisse aus den Studiumsforschungen an der Hochschule in die praktische Pflege einfließen zu lassen und diese somit qualitativ zu verbessern.

Der Antrag der SPD vom 07.06.2010 wird von Herrn Linden damit begründet, dass dargelegt werden sollte, wie die Vernetzung der an der Pflege beteiligten Institutionen in der Gesundheitsregion Aachen funktioniert und inwiefern sich die Stadt Aachen für eventuell vorgetragene Ansatzpunkte/ Verbesserungswünsche einsetzen kann. Wie er von den Vortragenden nun erfahren hat, ist die Vernetzung zwischen Stadt Aachen und StädteRegion Aachen sowie in der Gesundheitsregion Aachen gut organisiert.

Beschluss

Der Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie nimmt die Ausführungen zustimmend zur Kenntnis. Der Antrag gilt damit als erledigt.
Technische Details

Grunddaten

TOP
Ö 4
Sitzung
öffentliche Sitzung des Ausschusses für Soziales, Integration und Demographie
Gremium
Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie
Datum
Do., 30.09.2010
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche Sitzung
Vorlage
Kenntnisnahme
Beratung
öffentlich
Federführend
Fachbereich Soziales und Integration
Status
öffentlich