Appell für ein sofortiges Verbot der Kameradschaft Aachener Landhier: Antrag des Herzogenrather Bündnisses gegen Rechtsradikalismus
FB 01/0140/WP16 · Entscheidungsvorlage
Appell für ein sofortiges Verbot der Kameradschaft Aachener Landhier: Antrag des Herzogenrather Bündnisses gegen Rechtsradikalismus
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Der Oberbürgermeister weist darauf hin, dass der dem Rat vorliegende Aufruf in der gesamten Region gleichlautend verabschiedet werden soll und demnach allen Gremien im gleichen Wortlaut vorgelegt worden sei.
Ratsfrau Linsen-von Thenen bedankt sich stellvertretend für die Fraktion Die Linke für die Initiative des Herzogenrather Bündnisses zum Verbotsantrag der KAL, welcher auf die Konferenz der regionalen antifaschistischen Initiativen vom September 2011 in Herzogenrath zurückgehe.
Auch wenn in der Vorlage zur heutigen Sitzung die Verbotsgründe äußerst akribisch und fundiert aufgelistet seien, seien diese dennoch durch jüngste Ereignisse zu ergänzen. Zu nennen seien hier insbesondere das im Rahmen des Prozesses gegen das führende KAL-Mitglied Dennis Unruh gezeigte Verhalten der KAL sowie die Tatsache, dass die KAL weiterhin unaufhörlich auf dem Tivoli versuche, Jugendliche für Gewaltbereitschaft und Fremdenhass zu sozialisieren. Hiergegen sowie gegen Vorkommnisse bei den Naziaufmärschen in Stolberg und den auf der Internetseite der KAL veröffentlichen Parolen sei noch stärker als zuvor vorzugehen, nicht zuletzt deshalb, weil bereits beim nächsten Heimspiel des TSV Alemannia gegen St. Pauli Aufmärsche in der Pontstraße angekündigt worden seien. Zwar seien all diese Probleme mit dem Appell keiner Lösung zuzuführen, aber es werde ein erstes, wichtiges Zeichen gesetzt.
Es sei im Aachener Rat eine lange und gute Tradition, sich solchen Aktivitäten, wie sie die sogenannte Kameradschaft produziere, geschlossen entgegenzustellen,Rechtsextremisten die rote Karte zu zeigen und deutlich zu machen, dass in Aachen ein andere Umgang mit Menschen gepflegt werde als der, der hier von diesen Personen ausgetragen werde, so Ratsherr Baal, Vorsitzender der CDU-Fraktion. Man habe nicht die Möglichkeit, ein Verbot auszusprechen, aber man habe dieVerpflichtung, solche Aktivitäten ganz deutlich und ohne jeden Zweifel von sich zu weisen, um jedem klar zu machen, dass man nicht bereit sei, dieses Verhalten nicht hinzunehmen.
Selbstverständlich werde sich auch die Fraktion Die Grünen dem Aufruf anschließen, so Ratsherr Paul stellvertretend für die Fraktion. Diverse Aktionen und Tätigkeiten der KAL beschreibend, betont er, dass es sich hierbei nicht um eine politische Organisation, sondern vielmehr um eine Schläger- und Verbrecherbande handele, welche in Aachen nicht akzeptiert werden könne. Aus diesem Grunde sei es sehr gut und richtig, dass aus der Region heraus ein gemeinsames Zeichen in Form dieses Appells an den Bund und das Land Nordhrein-Westfalen herangetragen werde, nun endlich ein Verbot der KAL einzuleiten. Umso erfreulicher sei es, dass bereits in Herzogenrath, Baesweiler und Stolberg dieselbe Resolution verabschiedet worden sei. Nichtsdestotrotz müsse man sich darüber im Klaren sein, dass selbst ein Verbot der KAL die Gesinnung der ihr Angehörenden nicht ändere, weshalb weiterhin Handlungsbedarf bestehen werde.
Auch die SPD-Fraktion unterstütze ausdrücklich den Antrag, so Ratsherr Linden stellvertretend für die Fraktion. Das Wichtigste sei, dass hier der gesamte Stadtrat, die gesamte demokratische und weltoffene Stadt und StädteRegion Aachen zusammenstehen. Die KAL säe Angst und Gewalt, wobei mittlerweile immer gezielter und personalisierter vorgegangen werde. Was eine wehrhafte Demokratie tun könne, das solle sie auch tun. Und nicht weniger fordere man hier.
Ratsherr Helg, Vorsitzender der FDP-Fraktion, bestätigt ebenfalls die Unterstützung der Fraktion, die gemeinsam mit allen anderen Fraktionen sowie mit den Bürgermeistern in der gesamten StädteRegiongemeinsam das Verbot der Organisation fordere.
Ratsfrau Beslagic, Fraktion Die Grünen, weist darauf hin, dass es hier nicht lediglich um die Bekämpfung offen agierender Organisationen gehe, sondern auch um die derjenigen, die ihre Gedanken im Verborgenen tragen und so mit dem Nationalsozialismus sympathisieren und diesen verharmlosen.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Rat der Stadt Aachen schließt sich dem Appell des Herzogenrather Bündnisses gegen Rechtsextremismus vom 28.11.2011 an und fordert ein sofortiges Verbot der rechtsradikalen Kameradschaft Aachener Land.
Erläuterungen
Erläuterungen:
Mit Schreiben vom 27.12.2011 wurden Sie über den Aufruf des Herzogenrather Bündnisses gegen Rechtsextremismus, in welchem ein sofortiges Verbot der rechtsradikalen Kameradschaft Aachener Land gefordert wird, informiert.
Gleichzeitig wurde mitgeteilt, dass die Bürgermeisterkonferenz der StädteRegion einvernehmlich beschlossen hat, den Räten vorzuschlagen, hierzu eine gemeinsame Resolution zu verfassen, um das gemeinsame Vorgehen aller Kommunen zu dokumentieren.
Mit in Anlage 1 beigefügtem Appell vom 28.11.2011 hat das Herzogenrather Bündnis gegen Rechtsextremismus aus aktuellem Anlass ein sofortiges Verbot der Kameradschaft Aachener Land gefordert. Neben Erläuterungen zu rechtsradikalen Tätigkeiten in der Region wird darin festgestellt, dass es Beziehungen zwischen der KAL und der rechtsradikalen Zwickauer Terrorzelle geben soll.
In einer weiteren E-Mail vom 01.12.2011 hat das Bündnis ferner weitere Begründungen mitgeteilt. Darin heißt es:
Die Kameradschaft Aachener Land bekennt sich offen zur nationalsozialistischen Weltanschauung, verherrlicht und propagiert diese. Außerdem geht sie in Wort und Tat gegen die Gegner dieser Weltanschauung und alle, die nicht in ihr Weltbild passen, vor. Sie sät Hass gegen Migrantinnen und Migranten. Damit wendet sich die KAL in kämpferischer Weise gegen die Menschenrechte und die demokratischen Grundrechte des Grundgesetzes. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene werden angeworben und nationalsozialistisch indoktriniert. All diesem ist konsequent nur mit einem Verbot der KAL zu begegnen. Die vielen Straftaten, die durch Mitglieder der KAL verübt und aus der Gruppe heraus geplant wurden, zeigen, dass der Einsatz von V-Leuten ohne Erfolg ist.
Beispiele für das o. a. Verhalten: Sendung eines Briefes mit einer Milzbrandattrappe an die jüdische Gemeinde in Aachen, Ablegen einer Bombenattrappe vor dem autonomen Zentrum in Aachen, Drohungen und bewaffnete Angriffe auf das autonome Zentrum und auf Privatpersonen, bewaffneter Angriff auf eine friedliche Anti-Nazi-Demonstration, Denunziationsaufruf und Aufruf zur Jagd auf politische Gegner auf der Webseite mit unmittelbaren Folgen für die Betroffenen, wiederholte neonazistische und antisemitische Schmierereien und Sachbeschädigungen, wiederholtes Feiern von Hitlers Geburtstag auf der Webseite und durch Aktionen in der Öffentlichkeit, tätlicher Angriff auf Nazigegner und Polizisten bei einer Flugblattverteilaktion in der Aachener Innenstadt, Bekenntnis zur Terrorgruppe NSU auf der KAL-Webseite, u. v. a. mehr.
Der Bürgermeister hat mit E-Mail vom 01.12.2011 mitgeteilt, dass er die Forderung gerade auch angesichts der schrecklichen rechtsterroristischen Vorkommnisse sehr gut nachvollziehen kann, jedoch angesichts der intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema in den Sicherheitskonferenzen zwischen Polizeipräsidium und Bürgermeistern zunächst eine Stellungnahme des Polizeipräsidenten anfordern würde, bevor der Appell dem Stadtrat zugeleitet würde.
Mit Schriftsatz vom 07.12.2011, bei der Verwaltung eingegangen am 08.12.2011, hat der Polizeipräsident auf die entsprechende Anfrage geantwortet. Das entsprechende Schreiben ist als Anlage 2 beigefügt. Darin dankt der Polizeipräsident für die Bitte um Stellungnahme, teilt jedoch mit, dass er der Auffassung sei, dass diese kommunalpolitische Aktion einer polizeilichen Bewertung nicht unterliegen sollte.
Nach erster Einschätzung der Verwaltung ist die Kameradschaft Aachener Land zwar nicht vereinsrechtlich organisiert, sprich nicht als Verein eingetragen, kann jedoch dennoch nach Vereinsrecht verboten werden.
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Technische Details
ID: 49100
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=49100
Hauptdokument
Hauptdokument
Vorlage.pdf
Metadaten
- TOP
- Ö 5
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Aachen
- Gremium
- Rat der Stadt Aachen
- Datum
- Mi., 25.01.2012
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Entscheidungsvorlage
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Entscheidungsvorlage
- Federführend
- FB 01 - Fachbereich Verwaltungsleitung, Grundsatz und Dialog
- Geändert
- 23.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 23. Februar 2026 um 21:52