Erhalt der Bäume am Temlergraben, Ergebnisse der vom Bürgerforum angeregten Untersuchungen und weiteres VorgehenAntrag der Fraktion Die Linke zur Tagesordnung vom 19.01.2012
FB 61/0606/WP16 · Entscheidungsvorlage
Beratung
Herr Müller von der Fraktion Die Linke stellt den Antrag zur Geschäftsordnung, einem Mitglied des Baumschutzbündnisses die Gelegenheit zu geben, in der Ausschusssitzung zum Thema Stellung zu nehmen. Bei vier Gegenstimmen wird der Antrag ohne Enthaltungen mehrheitlich abgelehnt.
Frau Nacken berichtet für die Verwaltung über eine unterschiedliche Bewertung des Ortstermins am 20.12.2011. Daher seien die vom Baumschutzbündnis gewünschten Änderungen in einer ergänzenden Anlage zur Vorlage berücksichtigt worden. Bei einer Suchschachtung habe sich herausgestellt, dass sich die Wurzeln einer Platane des Straßenraums nicht in den Fahrbahnbereich erstreckten. Demnach könne dieser Baum dauerhaft erhalten bleiben. Für die in Reihe stehenden Mehlbeerbäume sei eine Umpflanzung im Bereich der Innenstadt ungünstig. Da festgestellt worden sei, dass Teile des Wurzelwerkes um Leitungen herumgewachsen seien, empfehle der Gutachter die Fällung. Im Bereich des Platanenquadrates stünden heute noch 13 von früheren 16 Bäumen. Laut Gutachter könnten diese mit einem erhöhten technischen Aufwand erhalten werden. Hierzu müsse ein Höhenunterschied von ca. 50 cm überbrückt werden. Der damit verbundene Aufwand (Handschachtung, Punktfundamente) sei unverhältnismäßig hoch. Daher werde vorgeschlagen, neun neue Bäume im Quadrat zu pflanzen, deren Wuchs in ca. 10 Jahren das gleiche Blattvolumen wie heute erreichen könne. In diesem Punkt gebe es weiterhin einen Dissens mit den Vertretern der Baumschutzinitiative. Insgesamt würden 24 geschützte Bäume gefällt, für die 43 Ersatzpflanzungen vorgenommen würden.
Herr Müller von der Fraktion Die Linke vertritt die Auffassung, dass oft erst nach dem Zusammenschluss von Bürgern etwas passiere. Bei den Bäumen am Templergraben wäre das nicht der Fall gewesen, wenn notwendige Prüfschritte vorher gemacht worden wären. Dann würde bei anderen Planungen deutlich herausgestellt, welche Bäume tatsächlich gefällt werden sollten. Um einen Kompromiss im Sinne der Baumschützer zu erzielen, sollten die 13 Bäume in dem Karree erhalten bleiben. Daher beantrage seine Fraktion, den Beschlussvorschlag der Verwaltung in dem Sinne zu ergänzen, dass neben einer Platane am Templergraben die 13 vorhandenen Platanen im Bereich des Sammelbaus Maschinenwesen erhalten blieben.
Zum Verfahren schlägt der Vorsitzende vor, getrennt über den Beschlussentwurf der Verwaltung und in einem zweiten Schritt über den Erhalt der Bäume im Karree abzustimmen.
Auch die Frage des Herrn Dr. Klöcker vom Seniorenrat, ob es nicht sinnvoll sei, den Ausbau des Templergrabens zurückzustellen, um die weitere Entwicklung und mögliche Streckenführung der Campusbahn über den Templergraben abzuwarten, antwortet Frau Nacken, dass zwei alternative Bahntrassen geprüft würden. Der Ausbauplan des Templergrabens berücksichtige einen erkennbaren Fahrbereich, der bei Führung der Campusbahn über den Templergraben asphaltiert werden könnte. Bei einer weiteren Realisierung der Bahn könnten in dieser Lage die Schienen eingebaut werden. Insgesamt gehe es beim Umbau des Templergrabens um einen deutlich größeren Bereich, der sich zwischen den Gebäudefluchten bewege.
Auf die Frage von Frau Crumbach-Trommler, was bislang unternommen worden sei, um die Platanen innerhalb des Karrees zu erhalten, führt Frau Nacken aus, dass diese Pflanzen der RWTH Aachen gehören würden. Im Rahmen des Umbauprojektes habe die Stadt Aachen die Bauherrenschaft für die gesamte Fläche übernommen. Um die Pflege der neuen Bäume für die Zukunft zu sichern, werde mit der RWTH eine Vereinbarung getroffen.
Herr A. Müller verweist auf die Aussage des Gutachters der Baumschutzinitiative, wonach die Bäume eine Aufschüttung überleben würden. Dieser Aussage habe der Gutachter der Stadt Aachen nicht widersprochen. Daher sollten die Bäume erhalten bleiben.
Herr Servos berichtet über den Eingang zahlreicher E-Mails bei der SPD-Fraktion. Die Verwaltung habe gegenüber den Baumschützern die Beschlussfassung der politischen Gremien verteidigt. Dennoch seien richtigerweise die Abläufe in der Verwaltung angepasst worden. Dadurch sei schon viel erreicht worden. Nun verbleibe die Diskussion über die Bäume innerhalb des Karrees, bei dem es sich um ein Privatgelände handele.
Herr Licitra, Vertreter des Integrationsrates, kritisiert, dass man die Platanen durch mangelnde Pflege habe vergammeln lassen. Bei einem kürzlich durchgeführten Rückschnitt an Platanen in der Kapellenstraße sei aber deutlich geworden, dass diese Bäume einen konsequenten Schnitt vertragen könnten.
Zur Nachfrage des Herrn Servos auf die mögliche Zuständigkeit des Umweltausschusses zu den Bäumen innerhalb des Karrees bemerkt Frau Nacken, dass dieser Fachausschuss nicht zuständig sei. Zu seiner Nachfrage hinsichtlich der Kosten eines Erhalts erläutert Frau Nacken, dass bislang lediglich eine Maschinenschachtung kalkuliert worden sei und die Herstellung der Punktfundamente sowie eine Handschachtung wesentlich teurer sei als die Beschaffung neuer Bäume in hoher Qualität.
Sodann lässt der Vorsitzende, Herr Jahn, über den Beschlussentwurf der Verwaltung abstimmen. Die Beschlussfassung erfolgt einstimmig.
In einem zweiten Schritt lässt er über den ergänzenden Beschlussantrag im Sinne der Änderung der Ausbauplanung mit dem Ziel, auch 13 Platanen im Karree zu erhalten, abstimmen. Dieser Antrag erhält lediglich 4 Stimmen und wird bei einer Enthaltung mehrheitlich abgelehnt.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Mobilitätsausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zum Ausbau des Templergrabens zur Kenntnis und bestätigt den Ausführungsbeschluss vom 07.07.2011 mit der Maßgabe, dass eine Platane erhalten bleibt.
Erläuterungen
Erläuterungen:
Der Planungsbeschluss für den Umbau des Templergrabens wurde vom Planungsausschuss am 18.06.2009 auf Grundlage der Empfehlungen der Bezirksvertretung Aachen-Mitte und des Mobilitätsausschusses gefasst. Darauf aufbauend wurde nach vorheriger Beratung in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte am 29.06.2011 der Ausführungsbeschluss am 07.07.2011 im Mobilitätsausschuss gefasst.
In der Beratung am 07.07.2012 wurde intensiv über die Notwendigkeit der in den Plänen ausgewiesenen Baumfällungen diskutiert, die wie folgt in der Vorlage begründet ist:
Im Zuge des Ausbaus werden 33 vorhandene Bäume, die nicht in das Gestaltungskonzept zu integrieren waren, entfernt. 9 Bäume werden an anderer Stelle neu gepflanzt ..
Der Freiraum um Hauptgebäude, Super C und Kármán-Forum ist der Ort, an dem sich die Stadt und die Hochschule treffen und durchdringen. Es ist die öffentliche Seite der RWTH, der Templergraben der herausragende Ort und die Adresse der Exzellenz-Hochschule.
Die Folge der Freiräume zwischen Annuntiatenbach und Hauptgebäude / Super C wird dabei als Kontinuum verstanden, das die Gebäude umfließt und die historische Kernstadt mit der Hochschule verbindet.
Es wurde von der Verwaltung auch ausgeführt, dass technische Maßnahmen zum Erhalt des Platanencarees geprüft wurden, aufgrund des hohen Aufwands und des dennoch bestehenden Risikos, dass Bäume absterben könnten, verworfen.
Der Ausführungsbeschluss wurde in Kenntnis der zu fällenden Bäume gefasst.
In der Folge bildete sich die Bürgerinitiative Baum-Schutz-Bündnis-Aachen die sich vehement für den Erhalt der Bäume einsetzt und diesbezüglich Vorschläge zur Änderung der Planung erarbeitet hat.
Auf Antrag der Fraktion die Linke zur Tagesordnung wurde das Thema Bäume am Templergraben in der Sitzung des Mobilitätsausschusses am 15.09.2011 erneut beraten. Nach intensiver Diskussion wurde eine Abänderung der Planung nicht beschlossen.
In der Sitzung des Mobilitätsausschusses am 10.11.2011 wurde über ein Gespräch der Verwaltung mit Vertretern der Bürgerinitiative berichtet. Eine Behandlung im Bürgerforum wurde in Aussicht gestellt.
Nach einem Antrag an den Petitionsausschuss des Landes, hat dieser sich mit der Angelegenheit beschäftigt, sich in einem Ortstermin am 07.12.2011 einen Einblick verschafft (s. Anl.2) und am 13.12.2011 einen Beschluss gefasst. (s. Anl.3)
In der Sitzung des Bürgerforums am 13.12.2011 und wie folgt beschlossen.
Das Bürgerforum empfiehlt der Verwaltung, den Sachverhalt auf der Basis der Empfehlung des Petitionsausschusses zu prüfen (Auszug aus der noch nicht genehmigten Niederschrift).
Zu den vom Petitionsausschuss angeregten Überprüfungen wurden vor Ort Suchschachtungen zur Lokalisierung der Wurzeln durchgeführt und in einem gemeinsamen Termin mit der Bürgerinitiative betrachtet. (s. Anl.4 und 5)
Danach besteht bis auf die Platanen im Raster am Sammelbau Maschinentechnik Einvernehmen zwischen dem Baumschutz Bündnis und der Stadt Aachen. Vor allem konnte durch die Suchschnitte nachgewiesen werden, dass entgegen bisheriger Annahme eine der beiden großen und ältesten Platanen am Straßenrand erhalten werden kann. Das wird die Stadt auch so umsetzen.
Entgegen dem Vorschlag der Stadt die Mehlbeerbäume vor dem Super C zu verpflanzen, besteht hierzu Einvernehmen diese zu fällen. Aufgrund ihres Alters schätzen die Gutachter ihre Lebenserwartung nach Umpflanzung gering ein. Ein weiteres Risiko liegt in den Leitungen, die sich im Wurzelraum befinden.
Bei den Platanen im Raster am Sammelbau Maschinentechnik wird von den Gutachtern die Chance gesehen, diese Bäume mittels technischen Aufwands zu erhalten. Gleichzeitig wird aber auch das Risiko gesehen, dass trotz solcher Maßnahmen weitere Bäume absterben werden.
Diese Einschätzung unterscheidet sich nicht von den Überlegungen der Stadtverwaltung Aachen vor dem Petitionstermin am 7.12.2011. Die Stadtverwaltung hat selbst technische Maßnahmen überlegt und geprüft, um diese Platanen zu erhalten. In Abwägung des technischen und finanziellen Mehraufwands bei gleichzeitigem Risiko, dass trotzdem weitere Bäume wie schon beim letzten Rückschnitt absterben können und das gewünschte Erscheinungsbild eines Platanendachs nicht herstellbar ist, bleibt die Stadt daher bei ihrem Vorschlag im Petitionstermin am 7.12.2011. Die 13 verbliebenen Platanen im Raster werden gefällt und durch 9 neue ersetzt, die von solcher Größe und Volumen sind, dass sie bereits in 10 Jahren das Blattvolumen aufweisen werden, wie die heutigen 13 Platanen.
Für alle zu fällenden Bäume werden die erforderlichen Neupflanzungen (43 Ersatzbäume für die Fällung von 24 geschützten Bäumen) vorgenommen. Prioritär werden der Politik hierfür kurzfristig Plätze im Innenstadtbereich vorgeschlagen werden. Ins Auge gefasst wurden dazu z.B. neue Baumfelder im Templergraben zwischen Schinkelstraße und Königstraße nach Abschluss der dort anstehenden Kanalsanierung.
Auswirkungen
Finanzielle Auswirkungen:
Keine Veränderung gegenüber der Vorlage vom 07.07.2011.
Abstimmungsergebnis
Weitere Dokumente (1)
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Technische Details
ID: 49551
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=49551
Hauptdokument
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Vorlage.pdf
Betroffene Straßen
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Metadaten
- TOP
- Ö 20
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Mobilitätsausschusses
- Gremium
- Mobilitätsausschuss
- Datum
- Do., 02.02.2012
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Entscheidungsvorlage
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Entscheidungsvorlage
- Federführend
- FB 61 - Fachbereich Stadtentwicklung und Stadtplanung
- Geändert
- 23.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 23. Februar 2026 um 21:54