Medizinisches Versorgungszentrum Aachen Ost - Ein Integratives Medizinisches Konzept
FB 02/0065/WP16 · Kenntnisnahme
Beratung
Herr Türeyenler (M3VISION GmbH) dankt für die Möglichkeit, das Konzept im Ausschuss präsentieren zu können, stellt sich und Herrn Tabakovic von der aquis medica GmbH vor und trägt anhand einer PowerPoint-Präsentation vor. Er erläutert seine Feststellung, dass Handlungsansätze bereits bestehen, um integrativ zu arbeiten. Diese seien jedoch in Richtung der neuen Moschee – als wichtiger Treffpunkt – erweiterbar. Herr Türyenler ergänzt, dass man durch den Konzeptansatz man eine Empfehlung der Bundesregierung umsetze.
Herr Schultheis dankt für den Vortrag. Frau Schlick möchte wissen, ob, wenn Seminare und Schulungen angeboten werden, diese gefördert oder anderweitig finanziert werden. Herr Türeyenler erläutert, dass man versuchen werde, durch Einbindung von Stadt, Arbeitsagenturund Land o.ä. kostenneutral zu arbeiten. Herr Tabakovic ergänzt, dass diverse Firmen medizinische Gerätschaften kostenlos oder sehr günstig zur Verfügung stellen würden. Er halte das Ostviertel im Übrigen für medizinisch unterversorgt.
Frau Crumbach-Trommler empfiehlt, sich mehr mit der medizinischen als mit der Marketing-Seite zu befassen. Zudem fragt sie, warum ein Medizinisches Versorgungszentrum gegründet werden sollte, wenn die Ärzte die Gegend ohnehin verließen; es gebe ohnehin zahlreiche Praxen, die von Ärzten mit Migrationshintergrund geführt würden. Infolge dessen sehe sie für die Stadt in Sachen MVZ keinen Handlungsbedarf, schon eher für ein Beratungszentrum. Frau Blume kennt das Konzept und findet die Idee gut, merkt jedoch an, dass statt einer Verbindung zur Stadt eher eine Migranten-Konzentration entsteht.
Frau Schmitt-Promny dankt für den Vortrag und vertritt die Auffassung, Vorsorge und Versorgung müsse multikulturell organisiert werden. Die Einbindung der örtlichen Anbieter müsse jedoch über Moschee und DITIB hinausgehen. Auch die Ausbildung im Pflegebereich sie aufgrund ihrer Wichtigkeit mit einzubeziehen. Ansprechpartner in Sachen Finanzierung sollten nach ihrer Ansicht die Krankenkassen sein. Frau Reinartz befürchtet die Gefahr einer kulturellen Nische. Das MVZ berge die Gefahr, das Gegenteil von Integration zu erreichen. Ihrer Ansicht nach besteht in Aachen kein Mangel an ausländischen Ärzten. Herr Schultheis geht davon aus, dass das Thema noch nicht beendet sein wird. Herr Tabakovic führt aus, dass Krankenhäuser ihre Medizinische Vorsorge outsourcen. Zudem sehe er, dass das Ostviertel ein ’eigenes Problem habe’, dass man beseitigen wolle, eine Parallelgesellschaft solle jedoch nicht entstehen. Fest stehe, dass ältere Migranten nicht zu einem deutschen Arzt gingen, das MVZ könne daher erste Anlaufstelle sein. Hierdurch könne das gesamte Ostviertel aufgewertet werden. Herr Schultheis weist darauf hin, dass die Vorlage im AAWW nur zur Kenntnis zu nehmen ist und schlägt vor, dass sowohl der Ausschuss für Soziales und Gesundheit als auch der Integrationsrat die Thematik auf ihre Tagesordnungen nehmen.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft nimmt die Ausführungen zum Projekt ’Medizinisches Versorgungszentrum Aachen-Ost’ zustimmend zur Kenntnis.
Erläuterungen
Medizinisches Versorgungszentrum Aachen Ost - Ein Integratives Medizinisches Konzept
Gesundheitsintegration ist ein wichtiger Bestandteil der Gesamtintegration und bedeutet gleichzeitig eine Erklärung, Verbesserung und Nutzung der medizinischen Versorgung, und wird zu einer erheblichen infrastrukturellen Verbesserung und damit zu einer Aufwertung des Migrationsstadtteils Aachen-Ost führen.
Entsprechend dem Setting-Ansatz (s. Handbuch der Bundesregierung: Gesundheit und Integration-Ein Handbuch für Modelle guter Praxis, 2. überarbeitete Auflage, Berlin, Juli 2007) wurde eine Kooperation verschiedener Ärzte (mit und ohne Migrationshintergrund) mit einem Medizintechnikunternehmen gestartet, um gemeinsam ein praktisches Konzept zur Verbesserung der medizinischen Versorgung zu entwickeln.
Insbesondere der Empfehlung der Bundesregierung folgend, wurden Überlegungen zur Installation dieses Versorgungszentrums im Neubau der Moschee an der Stolberger Straße angestellt und im Vorfeld die Zustimmung des Vorstands des Moscheevereins eingeholt. Ein MVZ innerhalb der Moschee würde Hemmschwellen abbauen und Vertrauen schaffen. Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Moschee würde zudem zielgerichtet und unterstützend wirken und eine Win/Win-Situation schaffen, da durch ein MVZ natürlich auch Nicht-Muslime versorgt werden würden und durch eine derartige ’diffundierende’ Wirkung Ängste und Vorurteile abgebaut werden können.
Empfehlung der Bundesregierung
’Die Teilhabe lokaler Akteure (Migrantenvereine, Selbsthilfegruppen, Bürgerinitiativen) ist zu ermöglichen
und zu fördern…’, zusammenfassend wird empfohlen:
• partizipatorische Ansätze weiterzuentwickeln
• die Vernetzung mit Migranten-/Minderheites-Communities bzw. –Verbänden zu pflegen
• mit Schlüsselpersonen/Vertretern von Netzwerken zu arbeiten
• und kulturspezifische (Heilungs-) Ansätze zu erproben.
Exempl. Vorteile eines MVZ aus Patientenperspektive:
• Kulturspezifischer Vertrauensaufbau und damit Gesundheitsintegration
• Nutzung präventiver Maßnahmen zur Krankheitsvorbeugung
• Schnellere Diagnose und Therapieeinleitung durch bessere fachübergreifende Koordination der Vers.
• Medizinische Beratung und Aufklärung (Ernährung, Drogen, Diabetes,…)
• Kennenlernen von Berufen im Gesundheits- /Pflegewesen
Exempl. Vorteile eines MVZ aus (gesundheits)politischer Perspektive:
• Erfüllung gesundheitspolitischer Forderung
• Einmaliges Projekt deutschlandweit
• Praktische Förderung der Integration
• Vermeidung kostspieliger Doppel- und Dreifachuntersuchungen
• Mittel- und langfristige Kostenreduktion durch Präventionsprogramme
• Zielgerichtete Ansprache hinsichtlich Berufe im Gesundheits-/Pflegewesen
Das MVZ als Schnittstelle zwischen der Moschee und der umgebenden Nicht-Islamischen Gemeinde sorgt durch die oben genannten einzigartigen Möglichkeiten und die medizinische Versorgung aller Patienten zu einer höheren Transparenz und einem besseren Verständnis der Kulturen.
Weitere Dokumente (1)
Die Dokumente werden direkt vom Ratsinformationssystem der Stadt Aachen abgerufen und nicht von uns gespeichert oder gehostet.
Technische Details
ID: 50786
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=50786
Hauptdokument
Hauptdokument
Vorlage.pdf
Betroffene Straßen
Karte wird geladen…
Metadaten
- TOP
- Ö 3
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft
- Gremium
- Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft
- Datum
- Mi., 18.04.2012
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 02 - Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalstadt und Europa
- Geändert
- 23.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 23. Februar 2026 um 22:15