'Aachener Industrie-Dialog' - Handlungskonzept
FB 02/0106/WP16 · Entscheidungsvorlage
Beratung
Herr Begaß präsentiert das Handlungskonzept.
Herr Beckers bedankt sich für den Vortrag und eröffnet die Diskussion.
Herr Werner hat zum Handlungskonzept zwei Fragen. In interessiere zunächst, warum die Maßnahmen 2.1 und 4.1 getrennt aufgeführt und für unterschiedliche Partner vorgesehen seien, wo doch augenscheinlich die beiden Maßnahmen große Schnittmengen aufwiesen. Darüber hinaus erkundigt er sich nach Maßnahme 2.2, die an sich gut klinge – bis auf den Umstand, dass man sich auch explizit und affirmativ auf den Einsatz von Zeitarbeitsfirmen beziehe, denn es sei nicht zu befürworten, dass ausgerechnet die Stadt Aachen von vornherein prekäre Beschäftigungsverhältnisse ins Auge fasse.
Hierzu betont Herr Begaß, dass man sich keinesfalls auf das Thema Zeitarbeit fokussieren wolle. Es handle sich hierbei vielmehr um ein Beispiel unter vielen. Es gehe vielmehr darum, dass in Einzelfällen auch Zeitarbeitsfirmen Verantwortung übernähmen.
In der ersten Frage stimmt er zu, dass bei den genannten Maßnahmen die Übergänge fließend seien, erläutert aber, warum eine Trennung dennoch sinnvoll sei. Hintergrundgespräche mit den Unternehmern seien schlicht eine Einflussmöglichkeit mehr und darüber hinaus eine Forderung aus dem Kreis der Unternehmer.
Herr Jansen bedankt sich für die zügige Umsetzung des Auftrags aus dem AWW. Trotz der Kritik aus der Region halte er die Eigenständigkeit der Stadt Aachen in diesem Zusammenhang für wichtig, und letztlich könnten die Erkenntnisse und Maßnahmen ja in die Region gespiegelt werden. Was er jedoch vermisse, sei die Frage, welchen Hemmnissen sich die Unternehmer durch die Verwaltung selbst ausgesetzt sehen, z.B. in Genehmigungsverfahren. Hier sei ein Austausch der Dezernate wichtig.
Herr Begaß bestätigt die Ausführungen von Herrn Jansen und führt hierzu u.a. aus, dass man die Lotsenfunktion natürlich nach wie vor wahrnehmen werde. Im Konzept sei dieser Aspekt nicht aufgegriffen, weil die Themenfelder und Akteure und damit die Bedarfe sehr heterogen seien. Eine Gemeinsamkeit fast aller Unternehmer sei darüber hinaus der Wunsch nach vertraulicher Behandlung der Gespräche.
Frau Schmitt-Promny bedankt sich ebenfalls für das vorgestellte Handlungskonzept. Zur Frage einer klaren Koordination der Maßnahmen sei sie aber bisher der Meinung gewesen, dass man bereits einen besseren Weg beschreite. Gut finde sie, dass auf Kooperation der Beteiligten Wert gelegt werde, denn trotz der ggf. vorhandenen Konkurrenzsituationen könnten die Unternehmer noch viel voneinander lernen und so Mehrwerte schaffen. Weiter stelle sie sich die Frage, ob der vorgestellte Blumenstrauß von Maßnahmen bereits so weit koordiniert sei, dass nicht durch andere Akteure wie Zweckverband, StädteRegion oder AGIT die gleichen Themen redundant aufgelegt würden. Hier brauche es eine gemeinsame Linie. In diesem Zusammenhang wünsche sie sich außerdem eine Bündelung und Reduktion der Maßnahmen, damit nicht zu viele Eintagsfliegen produziert würden. Abschließend erkundigt sie sich nach der Entwicklung der Frauenarbeitsplätze, insbesondere im Industriebereich.
Herr Begaß betont, dass man nicht den Anspruch habe, alle Maßnahmen umzusetzen. Allein wegen der finanziellen und personellen Ressourcen sei die Umsetzung einer Hand voll Maßnahmen anzustreben. In der Frage der Frauenarbeitsplätze wolle man zunächst die Erfahrungen anderer Projekte abwarten. Er weist zudem darauf hin, dass bei einem regionalen Industriedialog die Abstimmung zwischen so vielen unterschiedlichen Institutionen langwierig und schwierig ist. Das eigene Agieren bedeute aber keinesfalls einen kompletten Alleingang. Weder wolle man ein „Windhundrennen“ initiieren, noch riskieren, dass man sich gegenseitig blockiere.
Prof. Dr. Sicking ergänzt, das heute vorliegende Handlungskonzept sei das Resultat der letzten Sitzung des AWW sei. Nicht immer sei die regionale Kooperation der Königsweg. In diesem Falle müsse man auch einmal als Stadt Aachen alleine agieren. Ideal wäre aus seiner Sicht, wenn man ein stilbildendes Konzept schaffen könne, das – mit jeweils anderen Nuancen und Schwerpunkten - letztlich in allen Kommunen in der Region verwendbar sei.
Herr Werner bezieht sich auf die beiden Grafiken auf Seite 7 des Handlungskonzepts, die auf vergleichsweise schlechte Anteile an gemeldeten Berufsausbildungsstellen hinwiesen, und fragt, ob diese Erkenntnis in das Handlungskonzept einfließe.
Herr Begaß bestätigt im Grundsatz den negativen Trend, der aber auch außerhalb der Industrie zu verzeichnen sei. Zudem weist er darauf hin, dass sich die angesprochenen Statistiken auf unterschiedliche Quellen beziehen, weshalb ein Vergleich problematisch sei.
Abschließend bedankt sich Herr Begaß bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des FB 02, insbesondere bei Frau Herten-Gilleßen, für die engagierte Arbeit am Handlungskonzept.
Herr Beckers bedankt für die Diskussion und den Vortrag und bittet um Abstimmung zu diesem Tagesordnungspunkt.
Sodann ergeht einstimmig folgender
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft nimmt die Ausführungen der Verwaltung zustimmend zur Kenntnis und beauftragt sie, das Handlungskonzept umzusetzen, fortlaufend über die Ergebnisse zu berichten und sich weiter aktiv am regionalen Industrie-Dialog zu beteiligen.
Erläuterungen
‘Aachener Industrie-Dialog‘ – Handlungskonzept
Der Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft hat in seiner Sitzung am 05.02.2014 die Verwaltung beauftragt, in Abstimmung mit der Region Aachen für den Teilbereich der Stadt Aachen ein industriepolitisches Handlungskonzept zur Sicherung von Arbeitsplätzen in produktionsintensiven Unternehmen vorzubereiten. Grundlage dieses Konzeptes ist angesichts aktueller Krisensituationen die Frage der Zukunftsfähigkeit der Aachener Industrieunternehmen. Eine Gesamtbetrachtung der lokalen Wirtschaftsstruktur und Wettbewerbssituation erscheint vor diesem Hintergrund notwendig, um analysieren zu können, wie industrielle Krisen präventiv und insbesondere frühzeitig verhindert werden können.
Die Verwaltung hat in Abstimmung und mit Unterstützung verschiedenster Kooperationspartner aus Wirtschaft, Wissenschaft und weiteren Institutionen einen Entwurf für ein lokales Aachener Handlungskonzept ausgearbeitet. Dieser Entwurf war zum Versandzeitpunkt dieser Unterlagen noch nicht fertiggestellt, wird aber noch vor der Ausschusssitzung nachgereicht.
Das Handlungskonzept folgt verschiedenen Prämissen:
1)Die Maßnahmenvorschläge orientieren sich an den Bedarfen der Unternehmen. Von Unternehmens-vertretern wurden hier insbesondere Austauschmöglichkeiten mit anderen Unternehmen zu Fragestellungen aus der betrieblichen Praxis und zur Kooperation vor Ort mit dem Ziel der Umsatzsteigerung eingefordert. Über Veranstaltungsformate hinausgehende Maßnahmenvorschläge sollen konkreter Natur sein und erkennbare Mehrwerte liefern.
2)Unternehmer und Mitarbeiter sollen verstärkt in den Mittelpunkt des Industrie-Dialogs rücken und an diesem aktiv mitwirken. Der vorliegende Entwurf skizziert daher verschiedene Möglichkeiten, um diesem Leitgedanken gerecht zu werden. Dies beginnt bei einem Unternehmerbeirat, dem auch Steuerungsverantwortung für den Industrie-Dialog in Aachen übertragen werden kann, geht über eine Woche der Mobilität, bei der Beschäftigte gewissermaßen aktiv die Seiten wechseln und Erfahrungen in anderen Bereichen sammeln können, bis hin zur Wiederbelebung eines Unternehmensnetzwerkes in der Produktionstechnologie.
3)Das Aachener Handlungskonzept dient der dezentralen Ergänzung des regionalen Industrie-Dialogs, ersetzt diesen nicht, sondern findet Antworten auf spezifische Anforderungen und Bedarfe in Aachen.
4)Nahezu alle Handlungsansätzewerden gemeinsam mit Kooperationspartnern umgesetzt.
5)Das Handlungskonzept erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der Aachener Industrie-Dialog ist als offener Prozess zu verstehen, der neue Ideen und Entwicklungen aufgreifen kann, in dem zeit-gleich aber auch weniger relevante Ansätze zurückgestellt werden können.
6)Für den Aachener Industrie-Dialog stehen derzeit weder zusätzliche finanzielle noch personelle Ressourcen zur Verfügung. Die Maßnahmenvorschläge orientieren sich daher stark an der finanziellen Machbarkeit, sehen eine neue industriebezogene Schwerpunktsetzung bei bestehenden Angeboten der städtischen Wirtschaftsförderung vor oder setzen auf die Unterstützung von verschiedenen Partnern. Gänzlich kostenfrei wird der Dialogprozess aber nicht zu realisieren sein. Der Personalknappheit wird durch eine sukzessive zeitliche Staffelung der Maßnahmen über mehrere Jahre hinweg Rechnung getragen. Es besteht nicht der Anspruch, definitiv alle Maßnahmen zu realisieren.
Der Entwurf des Handlungskonzeptes zum Aachener Industrie-Dialog wird in der Ausschusssitzung vorgestellt. Bei Beschluss des Konzeptes wird eine kontinuierliche Berichterstattung über den weiteren Verlauf und die Ergebnisse im Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft erfolgen.
Technische Details
ID: 62878
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=62878
Hauptdokument
Hauptdokument
Vorlage.pdf
Metadaten
- TOP
- Ö 2
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft
- Gremium
- Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft
- Datum
- Mi., 02.04.2014
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Entscheidungsvorlage
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Entscheidungsvorlage
- Federführend
- FB 02 - Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalstadt und Europa
- Geändert
- 23.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 23. Februar 2026 um 17:09