Öffentlicher Betrauungsakt gegenüber der Velocity Aachen UG (haftungsbeschränkt) zur Etablierung eines Pedelec-Verleihsystems in Aachen
B 03/0001/WP17 · Entscheidungsvorlage
Beratung
Ratsherr Mohr, AfD, begrüßt generell Mobilitätskonzepte dieser Art, gibt aber zu bedenken, dass bereits der Pedelec-Verleih der Deutschen Bahn nicht gut angenommen werde. Ferner sei zu kritisieren, dass die Stadt das Vorhaben mit einer Summe i. H.v. 300.000 € zu unterstützen gedenke, welches sich jedoch selbst mit einem Eigenkapital von gerade einmal 2.000 € aufgestellt habe. Entsprechend werde der Unternehmenswert hierdurch auf einen Schlag verzigfacht. Er wolle deshalb fragen, ob im Falle des Scheiterns des Projektes die Stadt nicht den Besitz an den Pedelecs behalten könne. Auch stelle sich die Frage, warum ein solches Projekt nicht bei der ASEAG angesiedelt sei.
Der Vorsitzende erklärt, dass das Projekt durch die Anbindung an die Hochschule das größte seiner Art sei und Vergleichswerte entsprechend fehlten, durch diese aber gleichzeitig ein Erfolg sehr wahrscheinlich sei. Nachteilig sei, dass Ratsherr Mohr die Diskussionen der vergangenen Ratsperiode nicht kennen könne, ihm aber zugesichert werden könne, dass die Vorleistung aller Beteiligten bei Weitem nicht mit dem bereits genannten Einsatz in Höhe von 2.000 € beschrieben sei. Ganz im Gegenteil habe man wesentlich mehr investiert, um Partner einzuwerben, die ihre Partnerschaft aber von der Beteiligung der Stadt Aachen abhängig machten. Es gebe viele Schnittstellen und Möglichkeiten, dieses positive und ambitionierte Projekt zu unterstützen, was die Stadt gerne tue.
Ratsfrau Göddenhenrich-Schirk, Fraktion Die Grüne, betont, dass das Projekt nicht nur für die RWTH und die Studierenden, sondern auch den Tourismus und die Wirtschaft und als Beitrag zum Klimaschutz von immenser Bedeutung sei. Entsprechend unterstütze man fraktionsübergreifend nach eingehender Diskussion und Vorstellung dieses Projektes gerne diese sehr engagierte und auch junge Initiative, was der Stadt als Universitätsstadt sehr gut zu Gesicht stehe. Der Stadt sei hier ein großer Dank auszusprechen, da sie gerade in der Zeit knapper Kassen Mittel zur Verfügung stelle.
Die Fraktion Die Grüne werde dem Beschlussvorschlag entsprechend zustimmen.
Ratsherr Mohr, AfD, hebt hervor, dass seine Ausführungen nicht als Kritik an dem Projekt selbst zu werten seien, da auch die AfD dieses prinzipiell begrüße. Es sei jedoch nicht verständlich, warum die Stadt Aachen nicht das Eigentum an den Pedelecs erwerbe, um Handlungsspielräume zu behalten. In diesem Fall seien auch Verwertungsmöglichkeiten gegeben, sollte das Projekt scheitern. Gerne sei man bereit, dass Projekt auch in dieser Größenordnung zu unterstützen, sehe aber keine Veranlassung, die Fäden aus der Hand zu geben.
Ratsherr Servos, Vorsitzender der SPD-Fraktion, legt dar, dass man in den Vorberatungen eher eine Private-Public-Partnerschaft im Sinn gehabt habe, bei der die grundlegende Daseinsfunktion, die Mobilität für die Menschen auch auf diese Weise zu gewährleisten, in den Mittelpunkt gestellt worden sei, ohne einen zu hohen Kostenaufwand für die Stadt entstehen zu lassen. Bei der von Ratsherrn Mohr beschriebenen Variante fehle dem Unternehmen die Möglichkeit, weitere Investoren zu akquirieren. Auch eine adäquate Verwertung sei im Falle des dargelegten Szenarios nicht möglich, weil die Stadt nicht im Stande sei, diese vielen Pedelecs zu warten und insofern diese höchstens zum Schrottwert veräußern könne. Man habe die Pro- und Kontraargumente intensiv in den Fachausschüssen diskutiert und abgewogen und sei zu dem jetzt vorliegenden Ergebnis gelangt.
Ratsherr Blum, FDP-Fraktion, erklärt, die Bedenken von Ratsherrn Mohr gut nachvollziehen zu können, betont aber, dass man sich über alle Fraktionen hinweg sehr intensiv mit der Thematik und den Möglichkeiten der Umsetzung beschäftigt habe. Hierbei sei zu berücksichtigen, dass es sich nicht nur um den einfachen Kauf einiger Pedelecs handele, sondern um ein sogar europaweites vorbildliches und einmaliges Projekt. Sicherlich habe man auch mit der Bundesbahn Gespräche geführt, diese Variante wäre aber deutlich teurer geworden. Bei abschließender Beurteilung der Vorarbeiten sei auch die von der Stadt Aachen bereit gestellte Summe nicht zu hoch angesetzt.
Ratsherr Palm, PRO NRW, schließt sich den Bedenken von Ratsherrn Mohr an und führt als weitere Lösungsmöglichkeit ein Leasingverfahren an, während dessen man die Resonanz hätte beobachten und welches man ggf. bei einem Misserfolg nach Ablauf des Leasingvertrages hätte beenden können.
Beigeordnete Nacken weist darauf hin, dass die für das Projekt zur Verfügung stehenden Mitteln zum größten Teil aus europäischen Fördermitteln stammen, weil die Stadt nicht im Stande sei, die Mittel gänzlich zur Verfügung zu stellen. Insofern sei man froh über das Projekt der Hochschule gewesen. Das System der Bahn werde bekannterweise nicht angenommen, vermeintlich wohl auch deshalb, weil es in den Wintermonaten nicht angeboten werde. Entsprechend werde dieses zum Ende diesen Jahres auslaufen.
Ratsfrau Breuer, CDU-Fraktion, verweist ebenfalls auf die bereits stattgefundene und sehr intensive Diskussion. Sicherlich beinhalte das Projekt ein Restrisiko, allerdings beziehe sich dieses, im Gegensatz zum System der Deutschen Bahn, auf die gesamte Stadt. Entsprechend könne man die Stationen direkt in Wohnvierteln installieren, in denen der Bedarf vorhanden sei.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Rat beschließt den beigefügten Öffentlichen Betrauungsakt. Die Anlage ist Bestandteil dieses Beschlusses.
Erläuterungen
Erläuterungen:
In einem vom Aachener Verkehrsverbund, der ASEAG und der Verwaltung angestrebten zukunftsfähigen „Mobilitätsverbund“ sind (flächendeckende) Leihräder, öffentlicher Nahverkehr und CarSharing die Kernkomponenten. Aufgrund seiner teilweise starken Steigungen ist Aachen ein ideales Gebiet für den Einsatz von Elektrofahrrädern; ein Leihradsystem sollte daher in einer Stadt, die eine „Modellregion“ für Elektromobilität ist, aus Pedelecs bestehen.
Der Mobilitätsausschuss der Stadt Aachen hat in seinen Sitzungen am 11.07.2013, 14.11.2013 und 23.01.2014 das „veloCITY“ Projekt eines Fahrradverleihsystems auf elektrischer Basis (Pedelec) diskutiert und entschieden, dass soweit die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen einmaligen (Gründungs-) Zuschuss erfüllt sind sowie Sponsorzusagen verbindlich vorliegen, ein solches System in Aachen eingeführt werden soll. Inzwischen ist aus der studentischen Initiative „veloCITY“ die Velocity Aachen UG (haftungsbeschränkt) hervorgegangen.
Die neu gegründete Velocity Aachen UG (haftungsbeschränkt) beabsichtigt den Projekterfolg mit folgenden vier Schritten sicherzustellen:
in Kürze | Auswahl der Lieferanten für Pedelecs, Verleihstationen und Verleihmanagementsoftware |
ab Oktober 14 | Aufbau von 4 Stationen und Integration von 30 Pedelecs (Testphase) |
ab April 15 | Aufbau von 16 weiteren Stationen und Kauf von 180 zusätzlichen Pedelecs (Start des öffentlichen Betriebs) |
ab März 16 | Erweiterung des Verleihsystems mit 20 weiteren Stationen und 200 zusätzlichen Pedelecs (Erweiterung des Systems) |
Die Etablierung eines solchen Fahrradverleihsystems stellt eine Dienstleistung von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse (DAWI) dar. Aus umwelt- und klimapolitischen Überlegungen heraus, aber auch aus wirtschaftsfördernden Erwägungen, möchte die Stadt Aachen den Aufbau dieser DAWI mit einem Gründungszuschuss in Höhe von 305.000 € fördern. Dieser (Gründungs-) Zuschuss wird teilweise aus EU-Mitteln und nationalen Mitteln finanziert und setzt sich wie folgt zusammen:
-Aus dem Projekt eMoVe stehen Mittel in Höhe von 20.000 € zur Verfügung. Dieser Betrag wird gemäß des Projektantrages der Velocity Aachen UG (haftungsbeschränkt) und unter Beachtung der Förderrichtlinien anteilig für die Errichtung von zwei Pedelec-Stationen zur Verfügung gestellt
-Darüber hinaus wird gemäß des Projektantrages der Velocity Aachen UG (haftungsbeschränkt) an dem Projekt CIVITAS DYN@MO und unter Beachtung der Förderrichtlinien ein Betrag in Höhe von 85.000€ für die nachfolgend aufgeführten Pedelec-Stationen zur Verfügung gestellt:
# | CIVITAS DYN@MO Maßnahme | Beschreibung gemäß Projektantrag | Höhe des Zuschusses entsprechend der im Projekt vereinbarten förderfähigen Kosten |
1 | A 1.3 | Pedelec-Station an der RWTH Aachen | 30.000 € |
2 | A 1.3 | Pedelec-Station an der RWTH Aachen | |
3 | A 1.3 | Pedelec-Station an der FH Aachen | |
4 | A 2.1 | Pedelec-Station am Hauptbahnhof | 55.000 € |
5 | A 2.1 | Pedelec-Station am Elisenbrunnen | |
85.000 € | |||
-Der verbleibende Betrag in Höhe von 200.000 € wird aus dem städtischen Haushalt bereitgestellt. Die Mittel sind im aktuellen Haushaltsplan etatisiert.
Die Verwaltung hat intensiv die Gewährung eines (Gründungs-) Zuschusses geprüft, insbesondere in Bezug auf Vergaberecht und Europäisches Beihilferecht. Die Prüfung hat ergeben, dass bei der Gewährung eines (Gründungs-) Zuschusses Vergaberecht nicht tangiert ist. Ein derartiger Zuschuss darf aber nur unter engen Rahmenbedingungen gewährt werden, damit das Wettbewerbsrecht nicht verletzt wird.
Eine zentrale Voraussetzung für die beihilferechtlich unbedenkliche Gewährung dieses einmaligen (Gründungs-) Zuschusses ist der Beschluss eines Öffentlichen Betrauungsaktes durch den Rat der Stadt gegenüber der Projektverantwortlichen Velocity Aachen UG (haftungsbeschränkt). Aus dem Betrauungsakt ergibt sich kein Rechtsanspruch für die Gewährung weiterer Zuschüsse oder Zuwendungen.
Bezüglich der Zuschussgewährung wird noch eine gesonderte Vereinbarung zwischen der Stadt Aachen und der Velocity Aachen UG (haftungsbeschränkt) getroffen.
Der Mobilitätsausschuss wurde in der Sitzung am 22.05.2014 über den Projektstand und die weitere Vorgehensweise informiert.
Auswirkungen
Finanzielle Auswirkungen | ||||||
Investive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebe-ner Ansatz 20xx ff. | Gesamtbedarf (alt) | Gesamtbedarf (neu) |
Einzahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
Auszahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | ||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | |||||
konsumtive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebe-ner Ansatz 20xx ff. | Folgekos-ten (alt) | Folgekos-ten (neu) |
Ertrag | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
Personal-/ Sachaufwand | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
Abschreibungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | ||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | |||||
Weitere Dokumente (2)
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Technische Details
ID: 64412
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=64412
Hauptdokument
Hauptdokument
Vorlage.pdf
Metadaten
- TOP
- Ö 57
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Aachen
- Gremium
- Rat der Stadt Aachen
- Datum
- Mi., 02.07.2014
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Entscheidungsvorlage
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Entscheidungsvorlage
- Federführend
- FB 60 - Vertrags-, Vergabe- und Fördermittelmanagement
- Geändert
- 23.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 23. Februar 2026 um 17:42