Euregiobahn, Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zum Haltepunkt Richterich
FB 61/0086/WP17 · Entscheidungsvorlage
Beratung
Frau Bezirksbürgermeisterin Köhne begrüßt Herrn Mohnen, zuständig für die Nahverkehrsplanung im Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen. Herr Mohnen stellt die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zum Haltepunkt Richterich anhand einer Präsentation vor. Der Vortrag ist in Allris als Anlage beigefügt.
Herr Bezirksvertreter Werner bedankt sich für die detailreiche Vorstellung der beiden Haltepunktvarianten. Zu der vorgestellten Bewertungsmatrix habe er schon im Vorfeld Kritik geäußert, die Gewichtung würde er anders vornehmen als die Verwaltung. Die SPD Fraktion halte lt. Herrn Bezirksvertreter Werner beide Varianten für unterstützenswert, tendiere jedoch eher zur Südvariante. Er sehe eine gewisse Gefahr, am heutigen Tag einen Beschluss zu fassen und schlägt daher vor, zu beschließen, beide Varianten weiter zu verfolgen, jedoch mit einer intensiveren Planung für die Nordvariante. So halte man sich eine Tür offen, sofern bei der Planung der favorisierten Variante Schwierigkeiten oder Änderungen auftauchen, z. B. hinsichtlich der Parkplatzsituation, der Planung der Via Avantis, der Kosten oder der Machbarkeit des Lärmschutzes. Auch sei ihm die Kostenschätzung nicht klar. Ihm fehle die Offenlage der Berechnungsgrundlagen. Aus diesen Gründen möchte sich die SPD Fraktion noch nicht festlegen und die Südvariante als Möglichkeit offen halten.
Herr Bezirksvertreter Feil, Bündnis 90/die Grünen, hält es für wichtig, heute eine Entscheidung zu treffen. Man habe lange diskutiert, die Argumente (z. B. Ortsnähe, Kosten) sprechen für die Realisierung der Nordvariante. Der Bürgerwille sei, den Haltepunkt möglichst schnell zu realisieren. Er könne nicht nachvollziehen, warum man heute keine Entscheidung treffen könne. Er richtet an Herrn Mohnen die Frage, ob das in der Sendung „Lokalzeit“ dargestellte Problem bei der Weiterentwicklung der Euregiobahn am Flughafen Merzbrück Ursache für die Verzögerung bei der Elektrifizierung sein könne. Nach Einschätzung von Herrn Mohnen habe diese mit dem Ringschluss der Euregiobahn, nicht jedoch mit der Elektrifizierung zu tun.
Herr Bezirksvertreter Brantin, CDU, dankt Herrn Mohnen ebenfalls für den Vortrag. Er sieht den Haltepunkt Richterich als wichtigen Bestandteil für die Weiterentwicklung Richterichs, ebenso wie die Umgehungsstraße und das Neubaugebiet Richtericher Dell. Man könne und müsse nun eine Entscheidung treffen. Er gibt Herrn Bezirksvertreter Werner Recht, dass man eine Bewertungsmatrix auch anders aufstellen könne. Für einen Haltepunkt in Richterich sei es jedoch wichtig, wie er angenommen werde. Die Lage der Nordvariante, gerade auch im Hinblick auf Richtericher Dell und das Richtericher Zentrum, insbesondere die Stärkung des Zentrums am Rathausplatz spreche für diese. Ziel sei es, den Haltepunkt ohne Auto anzusteuern. Er unterstützt Herrn Bezirksvertreter Werner in der Aussage, dass mit der Realisierung der Nordvariante kein Wegfall von Parkplätzen einhergehen dürfe. Man müsse Ideen für neue Parkplätze entwickeln, z. B. auf dem Gelände des Penny-Markts. Auch sei für die Bewohner ein umfassender Lärmschutz notwendig, der bei den Kosten zu berücksichtigen sei. Jedoch müssen bei der Südvariante auch die Kosten für den Bau der Fußgängerbrücke zusätzlich berücksichtigt werden. Herr Bezirksvertreter Brantin ist der Meinung, dass ein Signal für die Stadt und die Bahn nötig sei. Nach Abwägung aller Faktoren könne die CDU Fraktion sich für die Nordvariante entscheiden.
Herr Bezirksvertreter Dautzenberg kritisiert, dass die Aufstellung der Kosten nicht transparent und nachvollziehbar sei, z. B. hinsichtlich der Kosten für die Brücke der Südvariante und des Lärmschutzes. Insofern hält er die Varianten zum jetzigen Zeitpunkt für nicht vergleichbar. Zudem befürchtet er einen Wegfall von Parkplätzen im Zentrum und somit einen möglichen Kaufkraftverlust für die dort ansässigen Geschäfte. Hier habe er Vorschläge der zuständigen Abteilung zur Stärkung des Zentrums vermisst. Für das Wohnumfeld der Bewohner im Zentrum sei eine Nahversorgung unbedingt notwendig, ebenso wie ein Lärmschutz. Ansonsten sehe er die Gefahr von leerstehenden Wohnungen in der Zukunft im Bereich des Haltepunkts.
Herr Mohnen erklärt, dass der Lärmschutz noch nicht im Rahmen der Machbarkeitsstudie behandelt werde, sondern erst Thema im Planfeststellungsverfahren sei. Dann seien auch die Kosten genauer kalkulierbar. Die Planung von Parkplätzen sei ein eigenes rein städtisches Verfahren im Rahmen der Umgebungsplanung. Im jetzigen Planungsstadium sei kein Wegfall von Parkplätzen vorgesehen. Herr Mohnen weist darauf hin, dass die Südvariante wegen der unterschiedlichen Straßenbaulast und Eigentumsverhältnisse derzeit gar keine Parkplätze vorweist.
Herrn Bezirksvertreter Dr. Kuhrt-Lassay ist es wichtig, dass die Planung des Haltepunkts nun zügig weiter verfolgt werde. Auch er favorisiere die Nordvariante, könne sich die Südvariante aber auch als Lösung vorstellen.
Frau Bezirksvertreterin Arlt fragt nach, ob der Zugang des Bahnsteigs stadtauswärts in der Südvariante, der derzeit durch Treppe und Rampe geplant sei, durch den vorgezogenen Bau der Brücke mit Aufzügen barrierefrei gestaltet werden könne und so auf die Rampe verzichtet werden könne und Kosten gesenkt werden könnten. Herr Mohnen gibt zu bedenken, dass die Kosten für den Aufzug ca. 250.000 Euro betragen würden und Folgekosten wegen Vandalismus, Wartung usw. zu tragen seien. Bei der Nordvariante habe man den Vorteil, ohne Aufzüge bauen zu können. Die Kosten für die Errichtung der Brücke schätzt Herr Mohnen auf 750.000 Euro.
Herr Bezirksvertreter Brantin ergänzt, dass die Bezirksvertretung Richterich bei den weiteren Planungen Einfluss auf den Bestand und die mögliche Erweiterung von Parkplätzen habe. Ebenso sei es ihre Pflicht, die Anwohner vor Lärm zu schützen. Bei der Nordvariante hält er den Aspekt der gefühlten sozialen Sicherheit der Nutzer für bedeutsam.
Herr Bezirksvertreter Kuckelkorn unterstützt die Aussage von Herrn Bezirksvertreter Dr. Kuhrt-Lassay, dass es wichtiger sei, überhaupt eine Entscheidung über den Haltepunkt Richterich zu treffen unabhängig von der Variante.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Die Bezirksvertretung Aachen-Richterich nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis und empfiehlt dem Mobilitätsausschuss, die Nordvariante des Haltepunkt Richterich weiter zu verfolgen.
Der Mobilitätsausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis und beschließt, die Nordvariante des Haltepunkt Richterich weiter zu verfolgen. Er beauftragt die Verwaltung, die Vorplanung für die Nordvariante in Abstimmung mit den Partnern AVV/NVR und Deutsche Bahn zu erarbeiten.
Erläuterungen
Erläuterungen:
Anlass
Bereits in den Jahren 2008 und 2011 wurde die Thematik eines Haltepunktes in Richterich in den politischen Gremien der Stadt Aachen beraten. Im Ergebnis wurde die Verwaltung beauftragt, mit dem für den SPNV zuständigen Aufgabenträger über die Aufnahme der Planungen für einen Haltepunkt der euregiobahn an der Hauptstrecke zu verhandeln. In der Sitzung der Bezirksvertretung Aachen Richterich sowie des Mobilitätsausschusses am 13.07.2011 sowie 15.09.2011 wurde eine vom NVR in Auftrag gegebene Planung für einen Haltepunkt südlich der Horbacher Straße am Abzweig der Bahnlinie nach Vetschau vorgestellt. Seinerzeit wurde mehrheitlich beschlossen, dass auch für eine Haltepunktvariante nördlich der Horbacher Straße eine Machbarkeitsstudie erstellt werden soll. Einen Überblick über die Lage der beiden Haltepunktvarianten „Süd“ und „Nord“ liefert die Anlage 1.
EU Förderprojekt „Citizens Rail“
Die Stadt Aachen ist Projektpartner in dem von der Europäischen Union geförderten Projekt Citizens Rail (www.citizensrail.org).
Projektpartner sind neben der Stadt Aachen die Plymouth University als Lead Partner, Devon & Cornwall Rail Partnership, Lancashire County Council (alle GB), Conseil Régional des Pays de la Loire (F), Parkstad Limburg (NL) sowie auf deutscher Seite der Aachener Verkehrsverbund sowie das Geographische Institut der RWTH Aachen.
Kern des Citizens´ Rail Projektes ist die Verbesserung und die Weiterentwicklung von regionalen Eisenbahnverbindungen sowohl in Bezug auf den Betrieb als auch in Bezug auf die Bahnhöfe / Haltepunkte.
Bei den Planungen sollen insbesondere Aspekte der Bürgerinformation und Bürgerbeteiligung eine wesentliche Rolle spielen. So soll die Einbeziehung von verschiedenen Institutionen und gesellschaftlichen Gruppen wie z.B. Hochschulen, Schulen, Geschäftsleute, Politik, Bürgervereine, etc. in die Planungsprozesse intensiviert und die diesbezüglichen Erfahrungen unter den Projektpartnern ausgetauscht werden. Vor allem in England bestehen aus Vorgängerprojekten weitreichende Erfahrungen bei der Attraktivitätssteigerung von „kleinen“ Bahnhöfen unter Einbeziehung der o.g. gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen.
In der Stadt Aachen werden im Rahmen des Citizens Rail Projektes neben den Planungen zum Haltepunkt Richterich auch Maßnahmen am Bahnhof Aachen West sowie am Haltepunkt Aachen Eilendorf durchgeführt und von der EU gefördert.
Machbarkeitsstudie Haltepunkt Richterich, Nordvariante
Die Stadt Aachen, der Aachener Verkehrsverbund, der Nahverkehr Rheinland und die Deutsche Bahn Station & Service haben im Jahr 2013 gemeinsam die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie für die Nordvariante vorbereitet. Nach einer Ausschreibung durch den AVV wurde das Unternehmen Railistics, Wiesbaden, mit der Durchführung der Machbarkeitsstudie für die Nordvariante beauftragt. Unterauftragnehmer für städtebauliche Fragestellungen ist das Büro HJPplaner, Aachen.
Railistics hatte bereits im Jahr 2008 die Machbarkeitsstudie für die Südvariante erarbeitet. Somit kann eine gute Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleistet werden.
Ziel der Machbarkeitsstudie war die Ausarbeitung eines Planungskonzeptes für einen barrierefrei erreichbaren Haltepunkt der Euregiobahn in Richterich an der Hauptbahnstrecke nördlich der Horbacher Straße, die so genannte Nordvariante.
Diese Nordvariante sollte im Folgenden mit der Planung für die Südvariante, die bereits 2008 erarbeitet wurde, verglichen und eine Vorzugsvariante ausgewählt werden.
Als Bewertungskriterien sollten sowohl eisenbahntechnische als auch bahnbetriebliche Aspekte sowie städtebauliche und verkehrliche Kriterien herangezogen werden.
Im Folgenden werden die beiden Varianten beschrieben und die wesentlichen Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorgestellt:
Südvariante
Das Planungskonzept für die Südvariante ist in Anlage 2 dargestellt, Anlage 3 zeigt eine Visualisierung der Südvariante.
Die Planung der Südvariante sieht vor, dass der Haltepunkt im Einschnitt südlich der Horbacher Straße geplant wird. Die beiden 210 Meter langen versetzt angeordneten Bahnsteige sind über Rampen und Treppenanlagen von der Horbacher Straße zu erreichen. Der östliche Bahnsteig in Fahrtrichtung Herzogenrath ist zudem im Bereich der Bushaltestelle Berensberger Straße an die Roermonder Straße angebunden.
Beide Bahnsteige sollen mit einem ausreichend dimensionierten Wetterschutz ausgestattet werden. Fahrradabstellanlagen sind im Bereich der Zuwegung von der Horbacher Straße aus geplant.
Nordvariante
Das Planungskonzept für die Nordvariante ist in Anlage 4 dargestellt, Anlage 5 zeigt eine Visualisierung der Nordvariante.
Die Seitenbahnsteige der Nordvariante sind ebenfalls 210 Meter lang und schließen unmittelbar nördlich an die Brücke Horbacher Straße an. Der östliche Bahnsteig in Fahrtrichtung Herzogenrath wird über eine Treppenanlage an die Horbacher Straße angebunden. Eine barrierefreie Anbindung erfolgt über eine neue Zuwegung im Bereich des Bezirksamtes und der Bushaltestelle Richterich Rathaus. Der westliche Bahnsteig in Fahrtrichtung Aachen bietet drei Zugänge: Eine Treppe im Bereich des Hander Weges sowie eine weitere Treppe, die einen Zugang in die bereits heute bestehende Fußgängerunterführung ermöglicht. Zwischen diesen beiden Zugängen ist die Schaffung eines barrierefreien Zugangs geplant. Analog zur Südvariante werden beide Bahnsteige mit Fahrradabstellanlagen und Fahrgastunterständen ausgestattet. Auf der Westseite kann der Fahrgastunterstand aufgrund der Topographie mit der Fahrradabstellanlage und der Treppe kombiniert werden.
Bewertung der Varianten und Auswahl einer Vorzugsvariante
Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass beide Varianten bahn- und bautechnisch realisierbar sind. Aus betrieblichen Gründen ist eine Andienung eines Haltepunkts in Richterich – unabhängig von seiner Lage – durch die Euregiobahn nur unter der Voraussetzung eines Betriebs der Euregiobahn mit elektrischen Fahrzeugen möglich. Die dazu erforderliche Elektrifizierung bislang nicht elektrifizierter Streckenabschnitte des Euregiobahnnetzes , wird laut NVR voraussichtlich im Jahr 2019 abgeschlossen sein.
Die Gutachter haben die Bewertung beider Varianten in einer Bewertungsmatrix gegenübergestellt. Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass die Nordvariante deutlich besser bewertet wird als die Südvariante (s. Anlage 6).
Während die bahntechnische Machbarkeit bei beiden Varianten gleich beurteilt wird, zeigt insbesondere der Vergleich der folgenden Kriterien deutliche Vorteile zugunsten der Nordvariante:
-Sowohl die Qualität (ebenerdige Zugänge) als auch die Anzahl der Zugänge (Süd: 3 Zugänge, Nord: 5 Zugänge) zu den Bahnsteigen sprechen für die Nordvariante.
-Die parallele Führung der Horbacher Straße sowie die unmittelbare Nähe der Bebauung bei der Nordvariante erzeugen eine gute Einsehbarkeit für Dritte und somit eine im Vergleich zur Südvariante bessere soziale Kontrolle.
-Auch die Aspekte „Kombinationsmöglichkeiten mit öffentlichen Einrichtungen“ (Lage am Bezirksamt/Polizei), Erreichbarkeit von Bushaltestellen, Wegelängen (Umsteigen Bus/Bahn), Orientierung (Sichtbeziehung vom Bahnsteig zu benachbarten Gebäuden und Infrastrukturen) sowie die zentrale Lage im Ortskern von Richterich sprechen für die Nordvariante.
-Lediglich die Aspekte „Zuordnung von Reserveflächen“ (z.B. für die Aufnahme von P+R) und „Verknüpfungsmöglichkeiten mit der Avantisstrecke“ (Reaktivierung Via Avantis) stellen Kriterien dar, welche die Südvariante besser erfüllt.
Der Haltepunkt Richterich ist zwar vordergründig nicht als P+R Haltepunkt konzipiert, dennoch muss in der weiteren Planung hierfür eine Lösung gefunden werden. Hinsichtlich der Verknüpfung mit der ViaAvantis ist deren Realisierungsperspektive zunächst zu untersuchen. Anschließend könnte auch von der Nordvariante aus ein möglicher Haltepunkt der ViaAvantis über den Hander Weg gut erreicht werden.
Kostenschätzung
Entscheidungsrelevant ist weiterhin die Kostenschätzung der Varianten. Hier schätzen die Gutachter die Bruttobaukosten der Südvariante auf 3,6 Mio €, die Nordvariante mit Bruttobaukosten von 2,83 Mio. € hingegen deutlich günstiger ein. Die Kostenschätzung der Südvariante wurde bereits in einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2008 mit einer Preisbasis 2007 errechnet. In Abstimmung mit dem Auftraggeber wurde auch die aktuelle Kostenschätzung der Nordvariante auf einer Preisbasis des Jahres 2007 abgeschätzt, um die Kostenschätzungen vergleichbar zu gestalten.
Die Gutachter haben anschließend mit Hilfe eines Baupreisindex des Statistischen Bundesamtes die Kostenschätzungen auf Preise für das Jahr 2014 hochgerechnet.
Demnach ergeben sich im Jahr 2014 für die Südvariante Kosten in Höhe von 4,27 Mio. € bzw. 3,35 Mio. € für die Nordvariante.
Bürgerbeteiligung
Die Miteinbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in den Planungsprozess ist ein wesentlicher Bestandteil der Planung. Dazu wurde frühzeitig eine gut besuchte Bürgerinformationsveranstaltung sowie eine Befragung der Richtericher Bürgerinnen und Bürger durchgeführt.
Befragung
Im Vorfeld der Informationsveranstaltung wurde durch Studierende des Geographischen Institutes der RWTH Aachen eine Befragung zum Haltepunkt Richterich durchgeführt.
Hierbei wurden neben allgemeinen Angaben zum Verkehrsverhalten, Fragen zum geplanten Haltepunkt Richterich insbesondere zur gewünschten Ausstattung eines zukünftigen Haltepunktes erfragt. Zudem wurden Interessen und Wünsche in Bezug auf zukünftige Bürgerbeteiligungsprozesse ermittelt.
An fünf Werktagen im Juni 2013 wurden Interviews im Zentrum von Richterich durchgeführt. Hierbei wurden ca. 250 Personen befragt. Zudem bestand über den Zeitraum von drei Wochen die Möglichkeit, die Fragen online im Internet zu beantworten. Dieses Angebot nutzten insgesamt 384 Personen.
Als Ergebnis der Befragungen können folgende Punkte festgestellt werden:
-Eine Mehrzahl der Befragten begrüßt die Planungen für einen Haltepunkt in Richterich. Es wird davon ausgegangen, dass ein Haltepunkt sich positiv auf die Entwicklung des Richtericher Zentrums auswirken würde.
-Die am häufigsten genannten Kriterien und Ausstattungsmerkmale für einen Haltepunkt in Richterich sind Wetterschutz, Sitzgelegenheiten, schnelle Zugänge zum Ortszentrum und Sicherheitsaspekte auf den Bahnsteigen.
-Viele der Befragten wünschen sich eine intensive Bürgerbeteiligung, wenige haben bereits persönliche Erfahrungen gesammelt.
-Die wesentlichen Bewegründe aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger an einer Bürgerbeteiligung teilzunehmen, sind Informationen zu erhalten und Ziele und Wünsche zu formulieren.
-Hinsichtlich der Informationskanäle wird das Internet als besonders wichtig eingestuft.
Informationsveranstaltung im Schloss Schönau
Im Juli 2013 wurden die ersten Planungskonzepte der beiden Varianten im Rahmen einer frühzeitigen Bürgerinformation im Schloss Schönau der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu dieser Veranstaltung erschienen ca. 80 Bürgerinnen und Bürger, die an verschiedenen thematischen Stationen (Variante Süd, Variante Nord, Verkehr und Städtebau allgemein, Bürgerinformation/-beteiligung) mit Planern diskutieren und Ihre Anmerkungen mitteilen konnten. In Anlage 7 sind einige Fotos der Veranstaltung sowie die Eingaben auf den Stellwänden der einzelnen Stationen dargestellt.
Als Ergebnis dieser Veranstaltung kann festgehalten werden, dass die Mehrheit der anwesenden Bürgerinnen und Bürger sich dafür aussprach, einen Haltepunkt in Richterich möglichst schnell zu realisieren. Hinsichtlich der beiden Varianten sprach sich der weitaus größere Anteil der Anwesenden für die Weiterverfolgung der Nordvariante aus.
Wesentliche Gründe hierfür waren, die Nähe des Haltepunktes Nord zu den zentralen Bereichen von Richterich und den damit verbundenen Möglichkeiten den Zentrumsbereich von Richterich mit der Realisierung des Haltepunktes aufzuwerten.
Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung wurden im weiteren Ausarbeitungsprozess durch die beauftragten Planer verwendet und flossen in die Ausarbeitung der Varianten ein. Zudem stellen Sie eine Grundlage auch für die folgenden Planungsphasen dar.
Zusammenfassung und weiteres Vorgehen
Die im Rahmen des Citizens´ Rail Projektes erarbeitete Machbarkeitsstudie kommt zu dem Ergebnis, dass ein Haltepunkt der Euregiobahn an der Hauptbahn in Aachen Richterich unter der Voraussetzung der Umsetzung der bereits geplanten Elektrifizierung der Euregiobahn machbar ist.
Die Nordvariante schneidet bei der Bewertung durch die Gutachter deutlich besser ab als die Südvariante. Dieses Ergebnis wird auch von den Bürgerinnen und Bürgern, die an der Bürgerinformationsveranstaltung im Juli 2013 teilgenommen haben, geteilt.
Zudem ist die Nordvariante mit geschätzten Baukosten von 3,35 Mio. € (netto) deutlich günstiger als die Südvariante (4,27 Mio. €, netto).
Die Stadt Aachen hat den Haltepunkt Richterich bereits im Jahr 2013 zur Förderung beim Zweckverband Nahverkehr Rheinland zur Förderung angemeldet. Eine Aufnahme in das Förderprogramm ist noch nicht erfolgt, da die fehlende Elektrifizierung der Euregiobahn derzeit noch ein Realisierungshindernis darstellt. Eine Aufnahme in das Förderprogramm des NVR kann grundsätzlich erst erfolgen, wenn die betriebliche Anfahrbarkeit sichergestellt ist und wenn neue Zuwendungsmittel im Rahmen der Verlängerung des ÖPNVG NRW zur Verfügung stehen.
Die Verwaltung geht davon aus, dass die erforderliche Elektrifizierung der Euregiobahn in den kommenden Jahren vom NVR mit hoher Priorität vorangetrieben wird.
Schon jetzt wird die verkehrliche Sinnhaftigkeit eines Haltepunktes der Euregiobahn in Richterich und dessen grundsätzliche Förderfähigkeit vom NVR bestätigt.
Ohne die verbindliche Zusage von Fördermitteln wird weder die Stadt Aachen noch die DB einen Haltepunkt in Richterich errichten. Um die Voraussetzungen zu schaffen, einen qualifizierten Förderantrag zu stellen, ist in einem nächsten Schritt die Vorplanung der Vorzugsvariante notwendig.
Die Verwaltung empfiehlt in Abstimmung mit AVV und NVR, die Planung der Nordvariante weiter zu verfolgen. Hierzu ist eine Planungsvereinbarung u. a. mit der Deutschen Bahn notwendig, in der die weitere Aufgabenverteilung geregelt wird. Im Anschluss kann die Vergabe und Erarbeitung der Vorplanung vorbereitet werden. In diese Vorplanung sollen die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sowie die Ergebnisse der bereits durchgeführten Bürgerbeteiligungen einfließen.
Teile der Vorplanung können gfs. noch über das Projekt Citizens Rail (Laufzeit bis 09/2015) von der EU mit einer Förderquote von 50 % gefördert werden. Angestrebt wird in diesem Rahmen die Durchführung eines sogenannten „Quality-Gate“-Audits, welches laut Deutscher Bahn zu passieren ist, damit die Deutsche Bahn das vorliegende Gutachten von Railistics in ihre eigene Planungssystematik überführen kann.
Die Verwaltung schätzt die Kosten für die Vorplanung auf ca. 100.000 €.
Finanzielle Auswirkungen
In den Haushaltsjahren 2015 bis 2018 stehen insgesamt Haushaltsmittel in Höhe von 3,77 Mio. € beim PSP-Element 5-120102-900-07100-900-1 „CitizensRail Projekt Haltep. Richterich“ für die Umsetzung der Maßnahme zur Verfügung. In den o. g. Haushaltsjahren ist mit einer Einzahlung von Fördermitteln in Höhe von 3,30 Mio. € zu rechnen.
Die Maßnahme ist im Haushalt 2015 unter dem investiven PSP Element 5-120102-900-07100-900-1 „CitizensRail Projekt Haltep. Richterich“ mit Mitteln in Höhe von 100.000 € eingeplant.
Weitere Mittel sind in den Folgejahren wie folgt eingeplant:
2016: 819.000 € Auszahlungen; 737.100 € Einzahlungen
2017: 1.119.000 € Auszahlungen; 1.007.100 € Einzahlungen
2018: 1.732.000 € Auszahlungen; 1.558.800 € Einzahlungen
Die Einplanung der Mittel in den Haushalt 2015 ff. gilt vorbehaltlich der Beschlussfassung des Rates der Stadt Aachen sowie der Genehmigung durch die Bezirksregierung.
Auswirkungen
finanzielle Auswirkungen PSP-Element 5-120102-900-07100-900-1 „CitiziensRail Projekt Haltepunkte Richterich“ | ||||||
Investive Auswirkungen | Ansatz 2015 | Fortgeschriebener Ansatz 2015 | Ansatz 2016 ff. | Fortgeschriebe-ner Ansatz 2016 ff. | Gesamtbedarf (alt) | Gesamtbedarf (neu) |
Einzahlungen | 0 | 0 | -3.303.000 | -3.303.000 | -3.303.000 | -3.303.000 |
Auszahlungen | 100.000 | 100.000 | 3.670.000 | 3.670.000 | 3.770.000 | 3.770.000 |
Ergebnis | 100.000 | 100.000 | 367.000 | 367.000 | 467.000 | 467.000 |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | ||||
Deckung ist gegeben | Deckung ist gegeben | |||||
konsumtive Auswirkungen | Ansatz 2015 | Fortgeschriebener Ansatz 2015 | Ansatz 2016 ff. | Fortgeschriebe-ner Ansatz 2016 ff. | Folgekos-ten (alt) | Folgekos-ten (neu) |
Ertrag | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
Personal-/ Sachaufwand | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
Abschreibungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | ||||
Abstimmungsergebnis
Weitere Dokumente (7)
Die Dokumente werden direkt vom Ratsinformationssystem der Stadt Aachen abgerufen und nicht von uns gespeichert oder gehostet.
Technische Details
ID: 68016
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=68016
Hauptdokument
Hauptdokument
Vorlage.pdf
Betroffene Straßen
Karte wird geladen…
Metadaten
- TOP
- Ö 8
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Richterich
- Gremium
- Bezirksvertretung Aachen-Richterich
- Datum
- Mi., 18.03.2015
- Uhrzeit
- 18:05
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Entscheidungsvorlage
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Entscheidungsvorlage
- Federführend
- FB 61 - Fachbereich Stadtentwicklung und Stadtplanung
- Zusätze
- Auf die mit der Sitzung vom 14.01.2015 versandten Unterlagen wird verwiesen.
- Geändert
- 23.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 23. Februar 2026 um 09:05
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
Öffnen