Über - und außerplanmäßige Aufwendungen / Auszahlungen und Verpflichtungsermächtigungen - Haushaltsjahr 2015Bereitstellung von Mitteln zur Unterbringung von Flüchtlingen
FB 50/0084/WP17 · Empfehlungsvorlage (inaktiv)
Beratung
Der Oberbürgermeister verweist eingangs auf den als Tischvorlage verteilten Beschluss aus der gestrigen Sondersitzung des Ausschusses für Soziales, Integration und Demographie gemeinsam mit dem Finanz- und dem Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss.
Ratsherr Pütz, Vorsitzender der Piraten-Fraktion, führt aus, dass in der gestrigen Sitzung insgesamt die Beschlussvorschläge der Verwaltung, der Fraktion Die Grüne und der Piraten-Fraktion vorgelegen haben. Letzterer sei im jetzt hier vorliegenden Beschlussvorschlag aber in keiner Weise abgebildet. Insgesamt entspreche die Zusammenfassung nicht dem Abstimmungsergebnis. Entsprechend werde die Piraten-Fraktion dem Beschlussvorschlag so nicht zustimmen.
Ratsherr Baal, Vorsitzender der CDU-Fraktion, bestätigt, dass seitens der Piraten-Fraktion ein Beschlussvorschlag eingebracht und von der Grünen-Fraktion ein Ergänzungsvorschlag eingebracht worden sei. Im Ergebnis sei der bisherige Punkt 1 Punkt 1 geblieben, der bisherige Punkt 2 sei zu Punkt 3 umgewandelt worden, während unter Punkt 2 sei ein zusätzlicher Satz eingefügt worden sei.
In der Sitzung habe die Ausschussvorsitzende Ratsfrau Höller-Radtke ausgeführt, dass durch die Zustimmung zum Verwaltungsvorschlag sich die Abstimmung über den Beschlussentwurf der Piraten-Fraktion im Sinne eines Aluids erledigt habe. Der Änderungsantrag der Fraktion Die Grüne sei mehrheitlich abgelehnt worden, sodass im Ergebnis mehrheitlich sowohl Punkt 1 der Verwaltungsvorlage wie auch der Punkt 2 der Verwaltungsvorlage angenommen worden seien.
Ratsherr Pütz, Vorsitzender der Piraten-Fraktion, merkt an, dass im eigenen Beschlussvorschlag nichts über die Kostennote enthalten sei. Von daher sei nicht nachvollziehbar, wie dieser Vorschlag mit dem der Verwaltung übereinstimmen könne.
Stadtdirektorin Grehling erklärt, dass es sich beim Vorschlag der Piraten-Fraktion nicht um eine Übereinstimmung, sondern, wie bereits von Ratsherrn Baal ausgeführt, vielmehr um ein Gegenstück zum Verwaltungsvorschlag gehandelt habe.
Ratsherr Teuku führt stellvertretend für die Piraten-Fraktion aus, dass diese den Antrag zur Unterbringung der Flüchtlinge aus humanitären Gründen nicht mittragen werde, da sie nicht nachhaltig geplant sei und nicht dem Fraktionsverständnis von Integration entspreche, weil es sich schlichterdings um ein Containerdorf handele, mit dem die Bildung einer Ghettoisierung bestärkt werde. Dass dies der letzte Lösungsweg sei, lasse sich anhand der Ausführungen in der Bürgerfragestunde zum Quadratmeterpreis nicht nachvollziehen. Abschließend wolle er noch auf die in der gestrigen Sondersitzung gestellten Anträge der Piraten-Fraktion hinweisen, die allesamt abgelehnt worden seien, obwohl sie auf Aussagen der Verwaltung und auf dem Papier Aachen Strategie Wohnen 2020 basierten. Auch dies sei nicht nachvollziehbar.
Ratsfrau Griepentrog, Fraktion Die Grüne, weist darauf hin, dass der Rat ebenso wie die Stadt sich nicht erst seit Kurzem mit der Flüchtlingsproblematik beschäftige, sondern seit vielen Jahren erfolgreich versuche, Weichen zu stellen, um Flüchtlinge angemessen unterzubringen. Hierzu gehöre die Suche nach geeignetem Wohnraum ebenso wie die Unterbringung von Flüchtlingskindern in Schulen oder die Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen, Kirchen, Privatbesitzern und Vereinen. All dies gelinge in Aachen insgesamt sehr gut. Inzwischen sei die Situation aber ausgereizt, weshalb das nun vorgestellte Konzept in seiner Reihenfolge absolut stimmig sei. Im Rat der Stadt habe stets Einvernehmen über eine adäquate Unterbringung von Flüchtlingen und auch über die Tatsache geherrscht, das eine Containerlösung erst dann zum Tragen kommen könne, wenn alle anderen Wohnraummöglichkeiten ausgeschöpft seien. Entsprechend sei man sich auch einig, dass dies keine Dauerlösung darstelle, weswegen die Fraktion Die Grüne gestern den Antrag in Richtung Wohnoffensive gestellt habe. Man habe seitens der Fraktion Verständnis dafür, dass dieser nicht mit in das Gesamtpaket hineingepasst habe, wolle aber dennoch heute diesen Antrag in Form eines Arbeitsauftrages an die Verwaltung weitergeben.
Ratsherr Linden, SPD-Fraktion, verweist auf den gestrigen Beschluss, mit dem gemeinsam ein Konzept verabredet worden sei, welches dabei helfen werde, die große Mehrzahl der Flüchtlinge in abgeschlossenen Wohnungen dezentral über die ganze Stadt verteilt unterzubringen. Von der eben von Ratsherrn Teuku angesprochenen Ghettoisierung könne demnach keine Rede sein. Auch die Integration vor Ort gelinge überall dank des Engagements der Aachener Bürgerinnen und Bürger hervorragend. Auch der in der Integrationsratssitzung gemachte Vorschlag zur Vermittlung in studentische WG’s sei seitens der Stadt aufgenommen worden.
Nur, weil man dem Vorschlag der Piraten-Fraktion nicht gefolgt sei und eine Initiative allein auf der Homepage der Stadt Aachen erscheinen lasse, sondern zentral sämtliche Möglichkeiten abbilde und zudem auf die Initiative hinweise, könne man seitens der Piraten-Fraktion nicht in Frage stellen, dass Flüchtlinge willkommen seien. Bisher habe in Aachen stets Einigkeit bei dieser Thematik geherrscht und auch mit den Initiativen, die seitens der Piraten-Fraktion gestartet worden sei, gehe man im Großen und Ganzen konform. Von diesem einvernehmlichen Weg solle man nicht abweichen.
Ratsherr Pütz, Vorsitzender der Piraten-Fraktion, betont, dass man bei der Unterbringung von Flüchtlingen derzeit über den vierten von insgesamt fünf Punkten auf der Prioritätenliste spreche, obwohl alle vorangehenden Möglichkeiten nicht ausreichend diskutiert worden seien. Dass z.B. ein Investor an die Stadt herangetreten sei und eine Unterbringungsmöglichkeit bis Februar angeboten habe, habe er selbst aus der Zeitung erfahren müssen. Dies, ebenso wie die ausgebliebene Information über Gespräche mit der Bundeswehr oder der Kirche, sei ein klares Indiz für eine mangelnde Kommunikation, was dringend zu beheben sei.
Zum Vorwurf der mangelnden Kommunikation erklärt der Oberbürgermeister, dass es sich hier um eine äußerst schnelllebige Thematik handele, die darüber hinaus nicht chronologisch abgehandelt werde. Vielmehr sei man gleichzeitig mit vielen Akteuren und Partnern im Gespräch, was zu einer wöchentlichen Aktualisierung der verfügbaren Flächen und Wohnungen sowie der Angebote führe. Sicherlich habe man seitens der Stadt ein Interesse daran, dem Rat der Stadt ebenso wie der Bevölkerung alle Informationen kurzfristig zukommen zu lassen, allerdings gelte es hier, diese sinnvoll zu strukturieren und zu konzentrieren, um sie als Grundlage für eine Diskussion nutzen zu können.
Ratsherr Baal, Vorsitzender der CDU-Fraktion, wiederholt das in der Dezembersitzung gemeinsam beschlossene Ziel der adäquaten und menschenwürdigen Unterbringung von Flüchtlingen. Dieser Anspruch verlange sowohl ein hohes finanzielles wie menschliches Engagement als auch eine schnelle Entscheidungsfindung in der Politik. Sicher wünsche man sich allseits vielleicht eine breiter gestreute Information, diese erfordere aber auch eine gewisse Zeit, die oftmals nicht vorhanden sei, weil auch die Stadt erst kurzfristig die Mitteilung über die Ankunft von Flüchtlingen erreiche und dann auch selbst erst reagieren könne. Man könne den Fachbereich Soziales und Integration nicht lange und laut genug für die hervorragenden Leistungen an dieser Stelle loben. Aufgrund dieser Kurzfristigkeit seien auch Sondersitzungen wie die gestrige von Nöten. Es sei wohl klar, dass alle Anwesenden lieber bebauten Raum zur Verfügung stellen würden, als der hier vorgeschlagenen Lösung den Vorzug zu geben, denn diese liege weit unter dem ursprünglich vereinbarten Ziel. Es sei aber derzeit nun einmal die einzige Möglichkeit, zumindest eine halbwegs angemessene Unterkunft anzubieten.
Die eben in der Bürgerfragestunde gestellte Frage, ob man alle Möglichkeiten in Erwägung gezogen habe, bevor man diese Entscheidung getroffen habe, dürfe er für seine Fraktion bejahen und gleiches auch für alle anderen Fraktionen mit Sicherheit annehmen.
Ratsherr Helg, Vorsitzender der FDP-Fraktion, betont, dass es nach Übereinstimmung sämtlicher Fraktionen in diesem Rat beim seit Jahren gepflegten Prinzip der vorrangigen dezentralen Unterbringung bleiben solle. Spätestens aber seit der gestrigen Sondersitzung der drei Ausschüsse Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss, Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie und Finanzausschuss stehe jedoch nach den Ausführungen der Verwaltung fest, dass es zu der kurzfristigen Unterbringung der Flüchtlinge in der modularen Bauweise spätestens ab dem 4. Quartal diesen Jahres keine Alternative geben werde. Auch die FDP-Fraktion habe sich bis zur gestrigen Sondersitzung sehr schwer damit getan, der Vorlage der Verwaltung zuzustimmen, aber aus Mangel aus Alternativen müsse sie ihr wohl zustimmen.
Ratsherr Deumens, Vorsitzender der Fraktion Die Linke, legt dar, dass die Stadt Aachen täglich, unter Umständen auch stündlich, vor der Herausforderung der menschenwürdigen Unterbringung stehe und Herr Emonts und seine Mitarbeiter wirklich alles tun, um diese Aufgabe zu bewältigen. Sicherlich sei die Containerlösung nicht die beste, aber die derzeit einzig mögliche Lösung, wenngleich man an dieser Stelle auch auf die Versäumnisse in der Vergangenheit hinweisen müsse.
Die Kritik zur mangelnden Kommunikation könne er nur bedingt nachvollziehen. Sicherlich könne sie an der ein oder anderen Stelle besser sein, das große Engagement vieler Menschen und Institutionen sowie die gut besuchten Informationsveranstaltungen der Stadt zeigten jedoch, dass durchaus eine Kommunikation stattfinde, die zahlreiche Bürgerinnen und Bürger erreiche.
Ratsherr Mohr, AfD-Gruppe, bemängelt eine fehlende Diskussion zur effizienteren Bewirtschaftung bestehender Kapazitäten. Hierzu gehöre auch, zwischen Kriegsflüchtlingen und Menschen, die einwandern, weil sie sich hier mehr Wohlstand versprechen, zu unterscheiden. Sicherlich seien zuletzt genannte Gründe für eine Einreise nachvollziehbar, nichtsdestotrotz sei gerade bei Flüchtlingen aus sicheren Drittstaaten zu diskutieren, wie man eine Repatriierung unterstützen und mit ausreise- oder weiterreisewilligen Personen umgehen könne, bspw. durch eine etwaige Unterstützung in Form von Startgeldern für eine Rückreise in die Heimat. Bei einer konsequenteren und strukturierteren Repatriierung ließen sich vorhandene Kapazitätsprobleme vermeiden und müssten nicht ausgeweitet werden. Auch in der Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern wünsche er sich hier eine stärkere Differenzierung zwischen diesen beiden Flüchtlingsgruppen, da ansonsten das Engagement nachzulassen drohe.
Ratsherr Pütz, Vorsitzender der Piraten-Fraktion, wiederholt, dass Entscheidungen durch den Rat der Stadt nur dann getroffen werden können, wenn seitens der Verwaltung alle hierfürnotwendigen Informationen zur Verfügung gestellt würden. Auch für die Bürgerschaft sei es ein wichtiges Signal, wenn nach außen kommuniziert werde, dass man seitens der Stadt mit anderen Trägern und Institutionen in Kontakt stehe und gemeinsam versuche, eine adäquate Unterbringung voranzutreiben.
Auch der Piraten-Fraktion sei klar, dass derzeit kein Weg an einer Containerlösung vorbei führe, nichtsdestotrotz müsse jedoch gewährleistet sein, dass es sich hierbei allenfalls um eine möglichst kurzfristige Lösung für den Übergang handeln dürfe. Auch hier seien aber alle angebotenen Flächen in Betracht zu ziehen.
Ratsherr Servos, Vorsitzender der SPD-Fraktion, erklärt an Ratsherrn Mohr gerichtet, dass man wohl weit darüber hinaus sei, in irgendeiner Form zwischen Menschen zu unterscheiden. Wenngleich sie auch aus unterschiedlichen Gründen Unterschlupf suchen mögen, werde man alle gleichermaßen, unabhängig von ihrem Herkunftsland oder anderen Kriterien, willkommen heißen. Diesen Tenor dürfe er ohne Frage für alle demokratischen Fraktionen hier im Rat vertreten, denn eine solche Stigmatisierung sei in Aachen absolut unerwünscht.
Die Kritiklinie der Piraten-Fraktion sehe er eher in der Genese der Partei begründet. Man vertraue schlichtweg den handelnden Akteuren in der Verwaltung nicht und versuche, seinerseits kontrollierend zu einzuwirken. Dies sei hier aber nicht angebracht. Die Fachverwaltung leiste unter sehr hohem Druck eine wirklich intensive und gute Arbeit. Gerade in dieser Drucksituation und den damit verbundenen Anforderungen an die einzelnen Mitarbeiter sei es per se falsch und nicht zielführend, Misstrauen zu zeigen und, überzeichnet ausgedrückt, Unvermögen zu unterstellen. Er dürfe versichern, dass Einzelfragen unverzüglich und detailliert beantwortet und weitergeleitete Angebote geprüft würden. Selbstverständlich habe der Oberbürgermeister mit Institutionen und Verbänden gesprochen und ebenso selbstverständlich habe jede Ratsfraktion versucht, in Kirchengemeinden, bei den Falken, den AWOs etc. Unterkünfte zu finden. Der Rat der Stadt verstehe sich gerade bei dieser Thematik nicht nur als tagendes Gremium, sondern auch als Summe von Einzelpersonen, die in ihrem Umfeld werben. Kritische Stimmen seien stets willkommen, wenn sie in die richtige Richtung weisen, nicht aber, wenn sie einen Schritt zurück bedeuteten.
Der Oberbürgermeister begrüßt die große Übereinstimmung in den Prioritäten und in der Herangehensweise. Im Hinblick auf die kommenden Monate appelliert er abschließend an die Ratsmitglieder,den Fokus vor allem auf diese Gemeinsamkeit zu richten, weil dies der Verwaltung sehr helfe, handlungsfähig zu bleiben.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
1. Der Wohnungs-und Liegenschaftsausschuss, der Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie und der Finanzausschuss empfehlen dem Rat der Stadt Aachen, der gem. Anlage 1 geplanten Vorgehensweise der Verwaltung zur weiteren Deckung des Wohnbedarfes für Flüchtlinge zuzustimmen.
2.Es wird empfohlen, die Verwaltung zu beauftragen, zur Deckung des bis Ende des Jahres voraussichtlich entstehenden Bedarfes zur Unterbringung von Flüchtlingen überplanmäßige Mittel für das Haushaltsjahr 2015 im Produkt 100803 - Verwaltung und Betrieb von Unterkünften und Einrichtungen (Wohnungsl., Asylb./Flüchtlinge, Spätaus) in Höhe vonmaximal 446.502 € konsumtiv und 422.460 € investivzur Verfügung zu stellen unddie in 2016 – 2018 anfallenden Kosten für den Gesamthaushalt deckungsfähig einzuplanen.
1.Der Rat der Stadt Aachen stimmt der gem. Anlage 1 geplanten Vorgehensweise der Verwaltung zur weiteren Deckung des Wohnbedarfes für Flüchtlinge zu.
2.Er beauftragt die Verwaltung, zur Deckung des bis Ende des Jahres voraussichtlich entstehenden Bedarfes zur Unterbringung von Flüchtlingen überplanmäßige Mittel für das Haushaltsjahr 2015 im Produkt 100803 - Verwaltung und Betrieb von Unterkünften und Einrichtungen (Wohnungsl., Asylb./Flüchtlinge, Spätausin Höhe vonmaximal 446.502 € konsumtiv und 422.460 € investivzur Verfügung zu stellen unddie in 2016 – 2018 anfallenden Kosten für den Gesamthaushalt deckungsfähig einzuplanen.
Erläuterungen
Erläuterungen:
Ausgangslage
Der Rat der Stadt Aachen hat der Verwaltung am 20.5.2015 die erforderlichen Mittel zur Deckung des zusätzlichen Mittelbedarfes zur Unterbringung für Flüchtlinge bis zum Ende des dritten Quartales 2015 zur Verfügung gestellt.
Die Verwaltung hat seinerzeit dargestellt, dass bis zum Ende des Jahres 2015 mit insgesamt bis zu 2100 bis 2200 Flüchtlingen zu rechnen und in der Folge davon auszugehen ist, dass für das laufende Jahr zur Schaffung von weiteren 400 bis 500 Plätzen weitere überplanmäßige Mittel in beträchtlichem Umfang benötigt werden.
Prognose
Auch im Folgejahr muss nach derzeitigen Erkenntnissen mit einem weiteren Anstieg der Flüchtlingszahlen gerechnet werden. Die Verwaltung kalkuliert zurzeit einen Nettozuwachs von 50 Menschen je Monat in 2016.
Wie schwierig ein Blick in die Zukunft ist, hat die kürzlich herausgegebene Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bewiesen, nach der eine Steigerung der Anzahl der AsylbewerberInnen für das laufende Jahr um über 50% erwartet wird. Hinzu kommen weitere Faktoren wie eine zurzeit diskutierte Aufnahmequote für Flüchtlinge aus Italien und Griechenland und krisenhafte Entwicklungen in einigen Herkunftsländern. Diese Entwicklungen spiegeln sich in den aktuellen Zahlen (noch) nicht wieder.
Es ist eine große Herausforderung, einerseits eine Bedarfsdeckung sicherzustellen und andererseits keine Überkapazitäten zu schaffen.
Verstärkt wird das Problem noch durch die Tatsache, dass die Bereitstellung von Wohnmöglichkeiten für Flüchtlinge eines längeren Vorlaufes bedarf. Das gilt insbesondere dann, wenn neuer Wohnraum gebaut werden muss, weil trotz aller intensiven Bemühungen die zur Vermietung angebotenen bzw. zur Verfügung stehenden Wohnungsbestände nicht zur Deckung des Bedarfes ausreichen.
In der Anlage 1 schildert die Verwaltung die beabsichtigte Herangehensweise zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben.
Maßnahmen zur Bedarfsdeckung
Seit der letzten Ratssitzung hat sich herausgestellt, dass drei Objekte, die bis Ende des Jahres bereit gestellt werden sollten, wegfallen oder erst im Laufe des ersten Quartals 2016 fertiggestellt werden können. Andererseits werden aktuell mehrere Angebote geprüft, die im Bestand (teilweise nach Umbau/Ausbau von größeren Gewerbeflächen) möglicherweise angemietet werden können.
Wie der Anlage 1 entnommen werden kann, stellt die Aufstellung von Wohncontainern für die Verwaltung neben der Herrichtung von Turnhallen die „Ultima Ratio“ dar. Wohncontainer sind verhältnismäßig teuer. Grundstücke müssen erschlossen und hergerichtet werden. Die Nutzbarkeit ist auch weniger flexibel als bei konventionellen Bauten.
Es wäre zu kurz gesprungen, den aktuell bis Ende des Jahres 2015 erwarteten Fehlbedarf durch die Aufstellung von Wohncontainern abdecken zu wollen, wenn noch andere Optionen bestehen.
Die Aufstellung von Containern erfordert bei europaweiter Ausschreibung einen Vorlauf von 6-7 Monaten. Bis dahin können möglicherweise andere, besser geeignete oder kostengünstigere Lösungen gefunden werden.
Andererseits muss bereits jetzt eine Ausschreibung unter Berücksichtigung der maximal notwendigen Container erfolgen, damit im Bedarfsfall hinreichend Wohnraum zur Verfügung steht.
Um ihre Aufgaben möglichst bedarfsgerecht und kostengünstig bewältigen zu können, muss die Verwaltung die dafür notwendige Flexibilität haben.
Es wird deshalb vorgeschlagen, die für eine europaweite Ausschreibung voraussichtlich maximal erforderlichen Mittel bereit zu stellen.
Das würde der Verwaltung ermöglichen umgehend europaweit eine Ausschreibung durchzuführen über die Aufstellung von zunächst 57 Containern zur Unterbringung von 80 Menschen zur Anmietung für zunächst 3 Jahre mit der Option, dieses Kontingent auf die zur Unterbringung von 500 Menschen benötigte Anzahl von Containern aufzustocken sowie die Laufzeit bei Bedarf zu verlängern.
Die ersten 57 Container sollen auf dem Sportplatz Adenauerallee aufgestellt werden, wenn dieser -nach Fertigstellung eines Kunstrasenplatzes an anderer Stelle- nicht mehr benötigt wird.
Darüber hinaus soll die Standortfrage außen vor bleiben und nach aktueller Lage entschieden werden. Ein weiterer bedarfsorientierter Abruf von Containern aus dem Rahmenvertrag ist dem Rat der Stadt anzuzeigen und daraus ggfls. resultierende überplanmäßige Mittelbereitstellungen sind durch den Rat zu genehmigen.
So können die parallel laufenden Bemühungen in Bezug auf die Nutzung alternativer Wohnflächen weiter verfolgt werden, ohne dass im Bedarfsfall wertvolle Zeit für eine erneute Ausschreibung verstreicht.
Die bereit gestellten Mittel können alternativ für diese Alternativen zu Containerbauten verwendet werden, was ggfs. zu Einsparungen führen dürfte.
Um den bis Ende 2015 benötigten Wohnraum notfalls mit Containern abdecken zu können, ist die Bereitstellung von zusätzlichen Haushaltsmitteln in Höhe von in Höhe vonmaximal 446.502 € konsumtiv und 422.460 € investiverforderlich.
Der Rat hat am 20.05.2015 beschlossen, alternativ die Mittel zum Kauf oder zur Anmietung von Containern für die Unterbringung von 140 Menschen bereit zu stellen. Das entspricht 95 Containern. Die endgültige Entscheidung war vor dem Hintergrund der allgemein zu erwartenden Bedarfslage und im Abgleich der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu treffen. Da grundsätzlich bei einer unterstellten 10jährgen Nutzungsdauer (nicht Standort gebunden) die Belastungen in Folge eines Kaufes per anno geringer sind, hat die Verwaltung vor dem Hintergrund der mutmaßlichen Bedarfslage diese Beschaffung im Wege des Kaufs vorgezogen. Die entsprechenden Unterlagen eines Verhandlungsverfahrens ohne Teilnahmewettbewerb sind fertiggestellt.
Parallel haben die vorbereitenden Arbeiten gezeigt, dass auf den zur Bebauung vorgesehenen Grundstücken
-Parkplatz Kronenberg/Gemmenicher Weg und
-Haaren/Laachgasse
insgesamt 108 Container zur Aufstellung gelangen können. Aus wirtschaftlichen Erwägungen ist nun vorgesehen, die maximal mögliche Bebauung an dieser Stelle vorzunehmen und 13 Container zusätzlich zu bestellen und die damit verbundenen finanziellen Mehrbelastungen durch den Rat bereitstellen zu lassen. Bei der folgenden europaweiten Ausschreibung wurde das Kontingent entsprechend reduziert.
Diese Vorgehensweise bietet neben dem wirtschaftlichen Aspekt auch den Vorteil, dass der dringliche Bedarf an Unterkünften, die zusätzlich bis Oktober wahrscheinlich benötigt werden, voraussichtlich gedeckt werden kann.
Anlage 1: Konzept
Auswirkungen
finanzielle Auswirkungen | ||||||||
Investive Auswirkungen | Ansatz 2015 inkl. bisheriger üpl./apl. Mittel | fortgeschriebener Ansatz 2015 | Ansatz 2016 ff. | fortgeschriebe-ner Ansatz 2016 ff. | Gesamtbedarf (alt) | Gesamtbedarf (neu) | ||
Einzahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | ||
Auszahlungen | 2.300.000 | 2.722.460 | 3.112.500 | 3.112.500 | 0 | 0 | ||
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | ||
+ Verbesserung / - Verschlechterung | -422.460 | 0 | ||||||
Deckung ist gegeben | ||||||||
konsumtive Auswirkungen | Ansatz 2015 inkl. bisheriger üpl./apl. Mittel | Fortgeschriebener Ansatz 2015 | Ansatz 2016 ff. | Fortgeschriebe-ner Ansatz 2016 ff. | Folgekos-ten (alt) | Folgekos-ten (neu)* | ||
Ertrag | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | ||
Personal-/ Sachaufwand | 2.764.240 | 3.104.702 | 9.952.776 | 11.067.713 | 135.000 | 155.250 | ||
Abschreibungen | 58.500 | 164.540 | 702.000 | 830.459 | 1.579.500 | 1.767.460 | ||
Ergebnis | 2.822.740 | 3.269.242 | 10.654.776 | 11.898.172 | 0 | 0 | ||
+ Verbesserung / - Verschlechterung | -446.502 | -1.243.396 | * Abschreibungen und Kapitaldienst für die Restlaufzeit von 6 Jahren und 9 Monaten | |||||
Deckung ist gegeben | Deckung erfolgt im Rahmen der Haushaltsplanung 2016 | |||||||
Die weiteren investiven Auszahlungen dienen der Beschaffung von 13 zusätzlichen Containern sowie der Beschaffung von Mobiliar für die nun anzumietenden 57 Container und der insgesamt 108 angekauften Container.
Davon werden Mittel in Höhe von 96.000 € als geringwertige Wirtschaftsgüter verbucht und damit im Jahr der Anschaffung vollständig abgeschrieben.
Die übrigen Auszahlungen in Höhe von 48.000 € für Mobiliar über 410 € werden über 3 Jahre abgeschrieben.
Soweit eine 1. Tranche Miete der Container (57 Stück) und Herrichtung des Grundstückes bis Anfang Dezember möglich und erforderlich ist, werden mit diesem Beschluss, wie bei den finanziellen Auswirkungen dargestellt, Gelder bereitgestellt.
Die weiteren erforderlichen Anmietungen von Containern aus dem Rahmenvertrag erfolgen nach derzeitigem Kenntnisstand wahrscheinlich im Haushaltsjahr 2016 und werden im Rahmen der Entwurfsaufstellung zum Haushaltsplan berücksichtigt.
Die Deckung der investiven Auszahlung erfolgt aus Einsparungen bei
PSP-Element 5-120102-000-07300-300-1 „Salierallee“.
Die Deckung im konsumtiven Bereich erfolgt im Rahmen des Jahresabschlusses. Dabei ist die im laufenden Haushaltsjahr durch die im Bund – Länder – Arbeitsgespräch im Asyl- und Flüchtlingsgespräch beschlossene Verdoppelung der pauschalen Soforthilfe des Bundes einzubeziehen.
*anteilige Aufwendungen für das Jahr 2015 für die Anmietung Bushof/Turpinstr., verschiedene Objekte Innenstadt sowie aus dem Kauf von 95 Containern und der jetzigen Vorlage
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Technische Details
ID: 69778
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Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2015-06-17 FB 50_0084_WP17 Ueber - und ausserplan SAO.pdf
22.11.2024
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Betroffene Straßen
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Metadaten
- TOP
- Ö 4.3
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Aachen
- Gremium
- Rat der Stadt Aachen
- Datum
- Mi., 24.06.2015
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Empfehlungsvorlage (inaktiv)
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Empfehlungsvorlage (inaktiv)
- Federführend
- Fachbereich Soziales und Integration
- Geändert
- 23.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 23. Februar 2026 um 09:48
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
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