Abstimmungsprozess AGIT/Zweckverband Region Aachen im Aufgabengebiet der Wirtschaftsförderung
FB 02/0027/WP17 · Kenntnisnahme
Beratung
TOP 6Abstimmungsprozess AGIT / Zweckverband Region Aachen im Aufgabengebiet der
Wirtschaftsförderung
Frau Kehren zeigt sich erfreut über die Vorlage, die sie für geeignet erachtet, die Problematik zu lösen; zudem habe man bereits Konsens mit den Kollegen der in Region herstellen können. Herr Adenauer ergänzt, dass die Strukturkommission ja gegründet worden sei, um Verbesserungen zu erreichen; er sei nun gespannt auf die Erkenntnisse. Frau Kehren findet es wichtig, zu betonen, dass man als Stadt in eine Führungspositionen gehen wolle. Auch Hr. Prof. Dr. Sicking plädiert für dieses Selbstbewusstsein. Es gehe nicht an, dass beim Zweckverband nun Aufgaben wie Technologietransfer und Marketing etc. erledigt werden, die auch schon seit vielen Jahren durch die AGIT bearbeitet werden, zumal hier gleiche Gesellschafter unterschiedlich handelten. Die Politik müsse dieses Thema endlich beachten. Herr Adenauer möchte dem nicht widersprechen, weist aber darauf hin, dass man die anderen Regionen mitnehmen müsse. Herr Schultheis ergänzt, dass die AGIT diese Aufgaben immer wahrgenommen habe, von daher halte er die Verwaltungsvorlage für vernünftig. Herr Fadavian weist darauf hin, dass in der AGIT auch nichtkommunale Akteure sind, die andere Aufgaben schon qua Rechtsform wahrnehmen könnten. Herr Dr. von Courbière möchte wissen, wie man dies nun an die Akteure vermitteln kann. Herr Schultheis sieht hier Verwaltung und Politik in der Pflicht und weist darauf hin, dass man dies beim Land sehr sorgfältig beobachtet.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft nimmt den Bericht der Verwaltung zur
Kenntnis.
Erläuterungen
Abstimmungsprozess AGIT/Zweckverband Region Aachen im Aufgabengebiet der Wirtschaftsförderung
Angesichts des zunehmenden Standortwettbewerbes, des Strukturwandels, des demographischen Wandels etc. ist der grundsätzliche Bedarf einer effizienten Wirtschaftsförderung in der Region Aachen allgemeiner Konsens. Ebenso unumstritten ist die Einsicht, dass eine Bündelung bestimmter Aufgaben auf regionaler Ebene für die kommunalen Partner Vorteile mit sich bringt. Aus diesen Motiven heraus wurde bereits 1983 die AGIT (Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer GmbH) mit den Aufgaben Gründungs- und Ansiedlungsförderung sowie Technologietransfer gegründet und damit die operative Handlungsfähigkeit in diesem Bereich hergestellt. Regionale politische Absprachen erfolgten bis 2013 in der Regel lediglich in OB-/Landrätegesprächen und im REGIO e.V. Eine echte politische Strategiebildung ermöglichte erst die Gründung des Zweckverbandes Region Aachen, in den alle kommunalen Gebietskörperschaften aus ihren Räten Zweckverbandsmitglieder entsenden.
Insbesondere im Bereich der Wirtschaftsförderung ist es in der jüngsten Vergangenheit jedoch zu Unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten zwischen den regionalen Akteuren hinsichtlich der Rollenverteilung gekommen. Vor diesem Hintergrund haben die Gesellschafter der AGIT (Abbildung 1) und die Verbandsmitglieder des Zweckverbandes eine Arbeitsgruppe gegründet, die Vorschläge zur inhaltlichen Schärfung und Aufgabenaufteilung der beiden für die Regionalentwicklung maßgeblichen Organisationen erarbeiten sollen.
Aus Sicht der Verwaltung sind beide Einrichtungen notwendige Bestandteile einer effizienten regionalen Wirtschaftsförderung zwischen denen es gilt, Redundanzen und Aufgabenüberschneidungen zu vermeiden. Dies kann entsprechend der Untersuchung zur ‘Neugestaltung der Organisationsstrukturen‘ der Dr. Heuser AG gelingen, wenn sich der Zweckverband auf die politisch strategischen Aufgaben beschränkt und die operative Ausführung der regionalen Wirtschaftsförderung der AGIT überlässt.
Für eine optimale Aufteilung der Wirtschaftsförderung muss demnach nicht nur die Frage beantwortet werden, ob eine Aufgabe optimal kommunal oder regional wahrgenommen wird, sondern zudem, ob sie in eine politisch-strategische oder in die operative Verwaltungszuständigkeit fällt. Entsprechend dieser beiden Fragen lässt sich eine Matrix entwerfen, die eine Zuordnung der Wirtschaftsförderungsaufgaben ermöglicht. (Abbildung 2)
Kommunale und Regionale Wirtschaftsförderungsaufgaben
Ähnlich wie in anderen Verhältnissen von Regierungs-Ebenen (Land-Bund oder Bund-EU) muss die Zuständigkeit entlang der Aufgabe definiert werden. D.h. die Aufgabe sollte immer derjenigen Ebene zugeordnet werden, die von ihrem Wesen her am besten dafür geeignet ist.
An 2 Beispielen lässt sich eine Unterscheidung verdeutlichen:
Beispiel 1: Bestandspflege
Zwar betreibt jede Gebietskörperschaft auf die ein oder andere Weise eine Bestandspflege, jedoch ist hierbei der direkte Kontakt, das Aufbauen einer Beziehung, die Detailkenntnis und Verfügung über Flächen etc. so entscheidend, dass diese so lokal wie möglich organsiert sein sollte.
=> Kommunale Aufgabe
Beispiel 2: Ansiedlungsförderung
Ansiedlungen externer Unternehmen erfolgen bedarfsgetrieben. D.h. Unternehmen lassen Standorte, entsprechend ihrer Vorstellungen zur infrastrukturellen Anbindung, geographischen Lage, Hochschulnähe, Flächenpreis etc. recherchieren. Weil diese Unternehmen meist keinen vollständigen Überblick über alle möglichen Standorte zwischen Wegberg und Dahlem haben, stellt die regionale Ebene eine geeignete Kommunikationsstufe / Ansiedlungsweiche dar. Sobald aus dem abstrakten Ansiedlungsinteresse eine konkrete Absicht wird, beginnt die Kooperation und später die Übergabe an die jeweilige Gebietskörperschaft.
=> Regionale Aufgabe mit Übergangspunkt zu Kommune
Strategisch-politische und operative Verwaltungszuständigkeit
Operative Handlungsfähigkeit und Strategiefähigkeit sind zwei Voraussetzungen für effiziente Wirtschaftsförderung auf regionaler Ebene. Hilfreich für die optimale Aufteilung der Aufgaben in diese Felder können folgende Merkmale von strategisch-politischer und operativer Verwaltungsarbeit sein:
Strategisch politische Arbeit auf regionaler Ebene:
-setzt Rahmen und Leitlinien (die „langen Linien der Wirtschaftsförderung“)
-stellt Konsens zwischen den Verbandsmitgliedern her
-vertritt politische Interessen bei übergeordneten Instanzen
-übernimmt Aufgaben von übergeordneten Instanzen
Operative Verwaltungsarbeit auf regionaler Ebene:
-führt Maßnahmen und Projekte im Rahmen der Strategien der AGIT-Gesellschafter und der Region Aachen konkret aus
-baut direkte Unternehmens- und Hochschulkontakte auf und aus
-kooperiert direkt mit den Wirtschaftsförderungsorganen der Kommunen
Vereinzelt wird auch über eine Zusammenlegung bzw. Integration der AGIT in den Zweckverband nachgedacht. Hiergegen sprechen aus Sicht der Verwaltung zwei entscheidende Gründe:
1) Die nicht-kommunalen Akteure (IHK, HWK, FH Aachen und Sparkasse) halten in Summe über 35% der AGIT-Anteile. Bei einer Integration der AGIT in den Zweckverband könnten diese nicht mitgehen, da ein Zweckverband per Definition ein kommunaler Verband ist. Das bedeutet, dass man a) die Unterstützung dieser wichtigen regionalen Partner verlieren würde und b) deren Anteile kompensieren müsste.
2)Zielsetzung des Zweckverbandes muss es sein, sich verstärkt als regionale politische Stimme nach innen und außen wahrnehmbar zu machen und über das aktuelle Portfolio hinaus zusätzliche strategische Aufgaben übertragen zu bekommen, wie die Regionalplanung. Eine Zusammenführung und damit Bindung der begrenzten Kapazitäten in den operativen Aufgaben der Wirtschaftsförderung wäre mit Blick auf dieses Ziel überlastend und kontraproduktiv.
Abbildung 1: Gesellschafteranteile der AGIT
Weitere Dokumente (1)
Die Dokumente werden direkt vom Ratsinformationssystem der Stadt Aachen abgerufen und nicht von uns gespeichert oder gehostet.
Technische Details
ID: 70577
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=70577
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2015-08-26 FB 02_0027_WP17 Abstimmungsprozess A SAO.pdf
23.11.2024
431.9 KB
Metadaten
- TOP
- Ö 6
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft
- Gremium
- Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft
- Datum
- Mi., 09.09.2015
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 02 - Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalstadt und Europa
- Geändert
- 23.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 23. Februar 2026 um 10:03